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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 8. September 2014

Predigt zur Dreiländerwallfahrt

Frauenkirchen 8.9.2014


Am heutigen Fest „Mariä Geburt“ geht unser Blick auf Maria, die Mutter Jesu. Sie ist uns Menschen von Jesus am Kreuz zur Mutter und Wegweiserin gegeben. In ihr erkennen wir auch unseren Lebensweg von der Geburt bis zum Ziel.
Heute sind wir alle zur „Mutter von der Heide“ nach Frauenkirchen gekommen, um diesen Marienfeiertag und das Patrozinium dieses prächtigen Gotteshauses zu begehen – wie es die Menschen dieses pannonischen Raumes über Jahrhun-derte gemeinsam tun: Deutsche, Kroaten, Ungarn, Slowaken und Roma.
Heute möchte ich bewusst auf das erste Gnadenbild von Frauenkirchen schauen und an seine wunderbare Wirkung und Bedeutung erinnern. Es ist eine seltene und kostbare „Maria-Lactans-Darstellung“.

Was ist die Bedeutung dieses ersten + alten  Gnadenbildes „Maria Lactans“?
Die Bedeutung dieses lateinischen Wortes lautet: „Maria, die Stillende“.
Das Bildmotiv war bereits in vorchristlicher Zeit in kultischem Zusammenhang gebräuchlich. In christlicher Deutung unterstreicht dieses Bild die menschliche Natur von Jesus Christus und damit die Erlösung durch die Menschwerdung Gottes im Kind von Betlehem. Das Bild widerspricht auch einer leibfeindlichen Deutung der christlichen Botschaft.

Beim genauen Blick auf das alte Gnadenbild fallen einem sofort zwei Dinge auf:

1. Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm, das an der Brust liegt und mit der Mutter auf die Hl. Schrift schaut, die Maria in der anderen Hand offen hält.
Dieses Bild der „stillenden Mutter“ möchte uns sagen, wo die wahre Nahrung für unser Leben zu suchen ist, und dass wir Gottes Wort in uns wie die Nahrung für den Leib als Nahrung für die Seele aufnehmen, mit der Muttermilch zu uns nehmen sollen. Maria gibt ihrem Kind eine gute, gesunde und Leben spendende Nahrung, in der alle Vitamine für Körper, Seele und Geist enthalten sind.
Maria will auch uns, ihren Kindern, diese gute Nahrung für das Leben geben und zeigt uns im ersten Gnadenbild von Frauenkirchen, wo sie zu finden ist.
In einer Welt und Zeit, in der Väter und Mütter ihren Kindern die beste Nahrung geben für den Leib und sie mit allen nur denkbaren Mitteln füttern, scheint die Nahrung für die Seele – Gebet, Gottes Wort der Heiligen Schrift, Gottesdienst, Sakramente – kaum mehr eine Rolle zu spielen. Leiden unsere Kinder nicht un-ter dem Vitaminmangel an Gott und seinem Wort? Sind wir moderne Menschen nicht in Gefahr nur einseitig erzogen und ernährt zu werden – alles für den Leib und kaum etwas oder nichts für die Seele? Wird da nicht eine einseitige, an Vi-tamin G mangelnde, kranke Generation herangezogen, die den Sinn des Lebens und die Orientierung verloren hat?
Das Gnadenbild der „stillenden Mutter“ zeigt uns, dass Gottes Wort zu einem gesunden Leben gehört, uns Menschen Nahrung ist, Kraft und Orientierung gibt.
2. Maria mit dem Jesuskind wird als Mutter und Königin dargestellt.
Der vornehmste Auftrag einer Königin im Mittelalter war neben der Mutterrolle das fürbittende Dazwischenstehen zwischen Urteil und Verurteilten. Für die Menschen damals war die Königin die größte Hoffnung, Begnadigungen zu er-wirken, Auszeichnungen zu erbitten. Sie war die schenkende Hand des Königs.
Maria als Mutter und Königin will uns als sichtbares Zeichen der Mütterlichkeit Gottes sagen: Du darfst dich zu Gott hintrauen. Du brauchst keine Angst vor ihm zu haben. Ich lege für dich Fürbitte ein. Ich weiß, wo dich der Schuh drückt. Ist das nicht für uns alle eine hoffnungsvolle und trostvolle Botschaft in unseren oft schwierigen Lebenssituationen in Ehe und Familie, Beruf und Gesellschaft?

Wenn wir heute am Kleinfrauentag nach Frauenkirchen zur „stillenden Mutter“ mit unseren Freuden und Sorgen gekommen sind und hier vor ihrem Gnadenbild singen, beten, danken, weinen, um Segen und Hilfe bitten, dann erinnert sie uns: Alles im Leben kommt von Gott, der in Wort + Sakrament unsere Nahrung ist.
Als Königin trete ich wie eine Mutter für dich ein, weil ich weiß, was du als Na-hrung brauchst, wo dich der Schuh drückt. Aber sie bittet auch uns miteinander liebevoll umzugehen und im Alltag des Lebens einander helfend beizustehen!
Das Jesuskind, das ich als Mutter stillen durfte ist dieser Immanuel/Gott mit uns.

Der Mutter von der Heide vertraue ich heute unsere Diözese, diese ihr geweihte Kirche und Pfarrgemeinde, unsere Familien, die Mütter mit ihren Kindern sowie alle Pilger, besonders unsere Nachbarn aus Ungarn und der Slowakei an! Amen.