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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 8. September 2014

Predigt anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums des Caritas-Kindergarten Ollersdorf - 7. September 2014

Liebe Schwestern und Brüder!
Liebe Kinder unseres Kindergartens und der Pfarrgemeinde!
Lieber Herr Pfarrer!
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Caritas mit der Frau Caritas-Direktorin an der Spitze!

Vielleicht kennen Sie den amerikanischen Film "Der Kindergarten-Cop" mit Arnold Schwarzenegger. Er handelt von einem Polizisten, der sich als vermeintlicher Kindergarten-Pädagoge bewirbt, um im familiären Umfeld eines Kindes verdeckte Ermittlungen durchführen zu können. Die Kindergartenklasse, die er übernehmen soll, erweist sich als sehr schwierig, und der überforderte Polizist versucht es zunächst mit spartanischem Drill, der eher in eine Militärakademie passt.

Doch allmählich entsteht eine echte Beziehung zwischen den Kindern und ihrem neuen Lehrer. Die Kinder beginnen, Verantwortung füreinander zu übernehmen, der Polizist entdeckt an sich selbst plötzlich eine liebevolle, herzliche Seite. Am Ende ist aus dem knallharten Fahnder ein sensibler Mensch geworden. Die Kinder haben das aus ihm gemacht.

Liebe Schwestern und Brüder, ich will damit nicht sagen, dass es in unseren kirchlichen Kindergärten einen Polizisten braucht. Unsere Mitarbeiterinnen von der Caritas machen das sicher besser. Ich will vielmehr darauf hinweisen, was für besondere Orte jene Häuser sind, an denen die scheinbar Kleinsten unserer Gesellschaft zum ersten Mal das Leben in einer größeren Gemeinschaft erleben. Es sind Orte, an denen das Kindsein in seiner wahren, in seiner religiösen Dimension erkannt, gefördert und beschützt wird - insofern passt das Bild vom Polizisten sehr gut! Nicht kleine Systemerhalter für Staat und Wirtschaft sollen hier herangezüchtet werden, sondern wahre Menschen, die sich ihrer Freiheit in Gott bewusst werden. Dass diese kleinen Menschen aber auch ihrerseits den Großen viel an Freude und an Selbsterkenntnis zu schenken haben, das erfährt nicht nur der Polizist im Film, sondern das werden auch unsere Caritas-Mitarbeiterinnen aus ihrer Praxis im Kindergarten gerne bestätigen.

Wir befinden uns hier an einem Marienwallfahrtsort, am Vortag des Festes "Mariä Geburt". Ich selbst habe als kleines Kind hierher meine erste Wallfahrt mit den Eltern gemacht. Niemals habe ich die freudige Erregung vergessen, die die Feierlichkeit der Menschen und dieses Ortes in mir bewirkten. Wenn wir auf die Darstellung Mariens blicken, hier, aber auch überall anders auf dieser Welt, dann blicken wir auf eine junge Frau. Eine junge Frau, die dem Christentum ein junges und schönes Gesicht gibt. Eine junge Frau, die für den Neubeginn Gottes in einer vergreisten Welt steht. Eine junge Frau, die eine Brücke von der alten Religion zur neuen ist. Eine junge Frau, die in einem einseitig vermännlichten Christentum immer wieder hochgehalten und verehrt werden muss, um die weibliche Seite, die persönliche Seite der Kirche zu zeigen.

Und: wir sehen eine junge Frau, die ein Kind zur Welt gebracht hat und im Arm trägt, ein Kind, das die Hoffnung und Rettung aller Menschen ist. Das heutige Evangelium lässt uns das unmissverständlich wissen: "Man wird dem Kind den Namen Immanuel geben", schreibt Matthäus, "das heißt übersetzt: Gott ist mit uns." Indem der Sohn Gottes eine menschliche Mutter hat und indem er als Kind in diese Welt kommt, vergöttlicht er uns alle. Gott stellt sich selbst als Kind in diese Welt, und dadurch stellt er das Kind in die Mitte.

Damit stellt er das Kind unter seinen besonderen Schutz: "Lasset die Kleinen zu mir kommen!", sagt Jesus. Kinder sind weder ein "Recht" noch der "Besitz" ihrer Eltern oder der Gesellschaft. Kinder kommen - wie überhaupt jeder Mensch - selbst aus Gottes Freiheit und stehen vom Moment ihrer Zeugung an mit eigenem Recht in dieser Freiheit Gottes. Was ist das hingegen für eine seltsame Freiheit, zu deren Rechten es zählt, die Freiheit des Anderen, des Ungeborenen, gleich von Anfang an einzuschränken?

Kinder sind - wie Maria, in der Gott Kind wurde - ein Neubeginn, und sie sind die Zukunft. Sie sind es für den Polizisten im Film, der ein neues Leben beginnt, sie sind es aber auch für die ganze Menschheit! Bodenschätze gehen zu Ende, Reichtümer verbrauchen sich, Technologie veraltet - aber Kinder als der "ewig neue Mensch" mit seinen ewig neuen Möglichkeiten geben uns wahre Hoffnung. Kinder sind keine Bedrohung und keine Einschränkung einer fragwürdigen "Selbstverwirklichung", sondern sie sind im tiefsten Sinne des Wortes unsere Zukunft!

Eine Gesellschaft, die das Kind in die Mitte stellt, es in seinen Rechten und Bedürfnissen respektiert, wird dazu tendieren, alle Menschen gut zu behandeln. Eine Gesellschaft, die das Kind ausklammert, wird langsam aber sicher barbarisch. Ein kirchlicher Kindergarten ist daher, gleich nach der Familie, eine Wiege der Zukunft. Und ein Kindergarten, der bereits 40 Jahre lang diesem Vermächtnis Gottes verpflichtet ist, verdient unser aller Dank und Anerkennung. 40 Jahre lang - eine biblische Zahl! - wurden hier Menschen in ihrem frühen christlichen Heranwachsen begleitet.

Als Bischof unserer Diözese habe ich Grund, allergrößten Dank auszusprechen: der Pfarre, die dies mitträgt, sowie unserer Caritas mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ich darf Euch alle bitten, weiterhin durch Euer Tun das "Kind in die Mitte" zu stellen und dadurch der heutigen kinder- und lebensfeindlichen Gesellschaft ein höchstnotwendiges Zeichen entgegenzusetzen!

Dazu vertraue ich Euch alle dem Schutz der Muttergottes, der Mutter aller Menschen an und bitte um ihren Segen für Euch und Euer Wirken.

Amen.