Diözese Eisenstadt - Menü
Aktuell - Menü
Bischof - Menü
Über uns - Menü
Pfarren - Menü
Kirchenbeitrag - Menü
Frauen, Männer, Familie - Menü
Junge Kirche - Menü
Bildung - Menü
Für die Seele - Menü
Info, Hilfe - Menü
Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Dienstag, 18. März 2014

Pendlermesse der Burgenländer im Stephansdom - 11. März 2014

Immer wieder wird uns in den Evangelien berichtet, dass Jesus sich auf einen Berg zurückzieht, um zu beten. In allen Völkern, Kulturen und Religionen gibt es heilige Berge, die für den Kontakt mit Gott, dem Heiligen unentbehrlich sind. Brauchen wir Menschen wirklich Berge, um zu beten? Was geschieht mit uns, wenn wir auf einen Berg steigen?

Wir verlassen die staubigen Niederungen und kommen in klare und reine Luft. 
Wir lassen die kleinen Dinge des Alltags hinter uns zurück und gehen ins Weite. 
Wir gehen weg aus unseren Häusern, um Abstand und Übersicht zu gewinnen. 
Wir nehmen nur das Notwendige/Wichtige mit und lassen alles Überflüssige.

Auf einen Berg steigen ist nicht nur ein physischer Vorgang, der unseren Körper in Anspruch nimmt, sondern auch ein seelischer Vorgang – Wir erheben gleichsam unser Herz zu Gott!

Wenn Jesus im heutigen Evangelium seinen Jüngern das Beten lehrt, dann zeigt er damit wie wichtig es für einen Christen ist, sein Herz zu Gott zu erheben, zu beten, er zeigt uns wie es geht und nimmt uns im Vaterunser in seine Schule des Gebetes. Tertullian nennt es die Kurzformel des ganzen Evangeliums.

Im ersten Teil geht es um die Hoheit und Ehre Gottes: um die Heiligung seines Namens, durch die Gott anerkannt wird; um das Kommen seines Reiches, durch das er seine Herrschaft aufrichtet als Reich der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Liebe; um die Erfüllung seines Willens. Vor diesem Gott, unserem Vater, stehen wir als seine Kinder. Von ihm empfangen wir unser Leben, das ganz auf ihn hingeordnet ist. Darum geht es im zweiten Teil, in dem all unsere Bedürfnisse zur Sprache kommen – gib uns heute das Brot, das wir brauchen, erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen, führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen – vor allem, dass wir dem Bösen entrissen werden, dass der Versucher nie die Oberhand über uns gewinnt und wir so mit Gott verbunden bleiben. Das Vaterunser, das uns Jesus gelehrt hat, sollen wir nicht nur beten, sondern auch leben, indem wir Gott zur Mitte unseres Lebens machen und unser ganzes Leben in seine gute Vaterhand legen. So dürfen wir frei von Ängsten leben.

Wir sollen als Christen im Gebet die Nähe Gottes suchen! Das Gebet ist der Berg für unsere Seele, auf dem wir reine Luft atmen/auftanken, sich aus den Niederungen des Alltags befreien, den Kontakt mit Gott erfahren und das Wesentliche im Leben – Gut und Böse – erkennen können.

Wenn wir jetzt Eucharistie feiern, dann hören wir vor der Wandlung den Ruf des Priesters „Erhebet die Herzen!“ Die Erhebung des Herzens zu Gott ist nichts anderes als die uralte und klassische Definition von Gebet! Beten ist ein Vorgang, den man mit dem Besteigen eines Berges vergleichen kann. Beten heißt: unser kleines Ich, das so gern um sich selber kreist, loslösen und zu Gott zu erheben.

In der Fastenzeit sind wir mehr als sonst eingeladen im Gebet unser Herz zu Gott zu erheben. Nehmen wir uns jeden Tag ein wenig Zeit und steigen wir auf diesen Berg, um unsere Seele zu Gott zu erheben – als einzelne, Familie, Pfarrgemeinde, um als Christen heute den Kontakt mit Gott nicht zu verlieren, gute Luft zu atmen, das Wesentliche vom Überflüssigen zu unterscheiden, das Gute zu tun und das Böse zu meiden, um so zu überleben! Unsere Kirchen sind auch im Flachland des Ostens und in unserer pannonischen Tiefebene diese Berge, die unsere Seele zu Gott erheben helfen sowie Orte des Gebetes, an denen wir Gott begegnen dürfen und uns unserer Verantwortung für die Mitmenschen, besonders die Armen, bewusst werden. Das Vaterunser erinnert uns daran!

Wir steigen jetzt auf den Berg Golgotha und bringen gemeinsam das eucharistische Opfer dar – das kostbarste Gebet, das uns Gott ganz nahe bringt! Amen.