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Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 15. Dezember 2014

Predigt anlässlich der Diakonenweihe von Philipp Supper - 14. Dezember 2014

Damit der moderne Mensch schnell und ohne Umwege ans gewünschte Ziel kommt, bedient er sich raffinierter Technik. Satellitengesteuerte Navigationssysteme bringen uns ans Ziel. Ein kleines Gerät wird im Auto eingebaut. Man gibt das gewünschte Ziel in den Computer ein und eine Stimme aus dem Lautsprecher sagt einem präzise, welche Straße man nehmen muss, wo und wann man abbiegen muss, um ans Ziel zu kommen. Navigationssysteme bringen uns moderne Menschen ans Ziel. Für unsere Fahrt durch den Advent hilft kein GPS und dennoch hören wir im Evangelium dieses 3. Adventsonntages eine Stimme, die uns ans Ziel bringen will. Johannes der Täufer ist so etwas wie ein biblisches Navigationssystem durch den Advent, das uns ans Ziel des Lebens bringen will. Folgen wir diesem Navi!

Was sagt und welchen Weg zeigt Johannes der Täufer uns Christen, besonders einem jungen Menschen, der als Diakon und später als Priester sein Leben ganz in den Dienst Gottes und der Menschen stellen will – einem, der heute dazu von der Kirche geweiht und gesandt wird? Es ist eine dreifache Botschaft an uns alle, besonders aber an unseren Weihekandidaten, an Dich, lieber Philipp.

Johannes der Täufer war zuerst ein Aussteiger, Alternativer, Querdenker. 
Alles an ihm war provozierend: seine Kleidung, Lebensweise, Predigt. Er fordert die Leute heraus zur Selbstbesinnung, zum Umdenken und Umkehren. Er holt sie heraus aus ihrer Selbstzufriedenheit, aus ihren Abhängigkeiten und aus dem Gefängnis ihrer Selbstgerechtigkeit. Auch wenn die Kirche und Gesellschaft sich mit Aussteigern, Alternativen und Querdenkern immer schwer getan hat – wir brauchen sie dringend und heute mehr denn je: Menschen, die mutig ihren eigenen Weg gehen, die ausgetretene, bequeme und falsche Pfade verlassen. Als Diakon wirst auch Du, lieber Philipp, ein Aussteiger, ein Alternativer und Querdenker sein – Deine Lebensweise, Kleidung und Predigt wird für die Menschen zugleich einladend, provozierend und abstoßend sein. Fürchte und schäme Dich deswegen nicht! Hab ein waches Auge und Herz für Aussteiger, Alternative und Querdenker – auch für jene, denen der Glaube nichts mehr sagt oder gibt, die aus der Kirche ausgestiegen sind! Geh ihnen mit viel Liebe, Verständnis und Geduld nach und sei ihnen ein glaubwürdiger und verlässlicher Begleiter auf ihrer Lebensreise!

Johannes der Täufer war aber auch ein Schlankmacher und Diätberater. 
 "Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen" – das war seine Antwort als er nach seinem Verhältnis zu Jesus gefragt wurde. Ich muss abnehmen – diesen Vorsatz des Johannes sollten möglichst viele Christen beherzigen, besonders jene, die im kirchlichen Dienst stehen. Abnehmen – was heißt das übersetzt? Wir sollen in unserem Glauben schlank werden, uns auf das Wesentliche, die Botschaft Jesu konzentrieren; ihn groß werden lassen, ihm Raum geben im Leben – im Reden, Denken und Tun; den Mut haben Fettschichten abzutragen, die bequem und unbeweglich machen; uns von Äußerlichkeiten trennen und das Evangelium neu entdecken. So sind wir überzeugend und glaubwürdig! Als Diakon wirst auch Du, lieber Philipp, Schlankmacher, Diätberater sein – Du selber sollst Jesus und sein Evangelium zur Mitte Deines Lebens machen und zugleich den Menschen und unserer Kirche zu einem schlanken, profilierten Glauben helfen! Schon mit Deiner Figur bist Du der geborene Schlankmacher und Diätberater, aber bei unserer pannonischen Küche auch immer in Gefahr! Bewahre Dir das rechte Maß sowie den Blick für das Wesentliche im Leben und im Glauben, mache die Menschen aufmerksam auf das Wesentliche, führe sie zum Wesentlichen – gerade in unserer übersättigten und oberflächlichen Zeit!

Johannes der Täufer war schließlich auch ein Straßen-Bahner. 
 "Bereitet dem Herrn den Weg, ebnet/bahnt ihm die Straße" – ruft Johannes der Täufer den Leuten zu und bringt damit auf den Punkt, was eine der wichtigsten Aufgaben für uns Christen sein sollte: eine Zufahrtsstraße bauen, damit Jesus mit seinem befreienden und tröstenden Wort bei uns ankommen kann. Zum Beispiel: die Zufahrtsstraße der Heiligen Schrift, der Stille und des Gebets, der Feier der Eucharistie und der Sakramente, des sozialen Engagements und der guten Tat, besonders an den Armen und Notleidenden in Caritas und Diakonie. Als Diakon wirst auch Du, lieber Philipp ein Straßen-Bahner sein – auch bei uns im Burgenland, wo es keine Straßenbahn gibt – Du sollst mit Deinem Leben und Wirken, die Dir anvertrauten Menschen auf der Straße zu Gott begleiten, ihnen den Weg ebnen und sie so mit Gott in Berührung bringen, sie zu Gott führen!

Nach Anrufung des Hl. Geistes wirst Du nun in wenigen Augenblicken durch Handauflegung und Gebet zum Diakon der Kirche geweiht, von Gott gesandt heute den Armen die frohe Botschaft zu bringen und alle zu heilen, deren Herz zerbrochen ist, den Gefangenen die Entlassung zu verkünden und den Gefesselten die Befreiung – wie der Prophet Jesaja in der 1. Lesung sagt! Mit Gottes Geist, der durch Taufe, Firmung und Weihe auf dir ruht, wirst auch Du – wie Johannes der Täufer – als Aussteiger, Diätberater und Straßen-Bahner für die Menschen ein Navi sein, das sie zu Gott führt! Folge dem Rat des Apostels Paulus und mache Dir die Haltungen zu eigen, die er in der 2. Lesung den Thessalonichern ans Herz legt – die Freude, das Gebet, die Dankbarkeit; lösch den Geist nicht aus; prüfe alles, das Gute behalte; meide das Böse! Du sollst wissen: "Gott, der dich beruft, ist treu." Sei auch Du treu! Vergiss nicht, was das heutige Evangelium sagt – Wie Johannes der Täufer, bist auch Du heute die Stimme des Rufers in der Wüste, ein unbequemer Mahner, der die Menschen zum Nachdenken und zur Veränderung ihres Verhaltens, zur Umkehr aufrufen soll! Du sollst die Menschen nicht an deine Person binden, sondern sie zu Jesus führen. Dazu gehört eine große Portion Selbstlosigkeit, Dienstbereitschaft und psychische Reife. Johannes ist darum für uns alle – besonders für uns Diakone, Priester und Bischöfe – ein großes Vorbild echter Demut. Er will auf Gott und seinen Sohn Jesus verweisen. Er steht Gott nicht im Weg, sondern zeigt den Weg zu Gott. Es macht ihm Freude, wenn er dazu dienen kann, dass andere zum Glauben finden. Ist nicht das der Dienst des Diakons?

Lieber Weihekandidat Philipp, unser aller Gebet – vor allem das Deiner Eltern, Geschwister, Verwandten und Freunde, der katholischen und evangelischen Christen Deiner Heimatpfarre und der Einsatzpfarren sowie Deiner Mitbrüder im Germanicum in Rom, im Presbyterium unserer Diözese, Deines Bischofs und Altbischofs begleitet Dich, damit Du als Diakon vielen Menschen ein Navi bist, dass sie zu Gott führt und ihnen so zum Segen wird! Auf Deiner Fahrt als Diakon denk daran, was Papst Franziskus uns Hirten so sehr ans Herz legt: Wir sollen bescheidene und glaubwürdige Zeugen Jesu sein – die Armen nicht vergessen – die Wunden der Menschen heilen und ihre Herzen erwärmen.

Erbitten wir nun gemeinsam für Philipp Gottes Heiligen Geist, damit er als Diakon diesen Dienst erfüllen kann, zu dem er jetzt geweiht und gesandt wird!

Und damit ich heute am 3. Adventsonntag, dem "Sonntag der Freude" es nicht vergesse, lieber Philipp – sei als Diakon ein froher, stets Freude ausstrahlender Aussteiger, Diätberater und Straßen-Bahner! Amen.

Mittwoch, 12. November 2014

Grußwort zur Festakademie am St. Martinsfest 2014 - 11. November 2014

Liebe Festversammlung – Schwestern und Brüder im Herrn!

Zuerst möchte ich allen die heute Namenstag haben von Herzen die besten Glück- und Segenswünsche entbieten – allen voran unserem Herrn Generalvikar Martin, dem ich gleichzeitig auch für seinen Einsatz und Dienst Danke sage!

Mit Freude und Dankbarkeit entbiete ich euch allen zur diesjährigen Festakademie zum Martinsfest unserer Diözese einen pannonischen-mehrsprachigen Gruß – Grüß Gott allen Diözesanen mit deutscher Muttersprache aus den verschiedenen Pfarren unserer Diözese, besonders aus dem Visitationsdekanat Mattersburg!

Srdacno pozdravljam sve vjernike hrvatskoga materinskoga jezika nase biskupije, posebno iz hrvatskoga dekanata Veliki Boristof, koga cu k ljetu pri vizitaciji pohoditi, osebujno pozdravljam novi dekanatski dicji zbor i od srca cestitam ovomu prvomu uspjesnomu nastupu! Nek tako dalje, vi dica ste nasa buducnost i ovo vase skupno djelovanje ima buducnost – biskup se s vami veseli, biskup je na vas gizdav/ponosan i biskup vas podrzava i molitvom sprohadja!

Mein besonderer Gruß und Dank gilt heute unserem Ehrengast und Festredner, dem Bischof von Bozen-Brixen Dr. Ivo Muser für sein Kommen, seine Ermutigung zum Kirchesein heute und seine Verbundenheit mit unserer Diözese und ihren Bischöfen – Lieber Bischof Ivo, Vergelt´s Gott für Dein Dasein und Deine Freundschaft!

"Evangelii gaudium – Die Freude des Evangeliums" mit diesem Apostolischen Schreiben wendet sich Papst Franziskus an alle Christgläubigen – besonders an die kirchlichen MitarbeiterInnen – um sie zu einer neuen Etappe der Evangelisierung einzuladen, die von der Freude geprägt ist, und um Wege für den Lauf der Kirche in den kommenden Jahren aufzuzeigen.
Deshalb möchte ich als Bischof uns allen dieses Schreiben des Papstes als "Magna Charta der Pastoral" ans Herz legen und euch einladen, es zu lesen, es eingehend zu studieren und es zur Grundlage unseres pastoralen Tuns zu machen. Bischof Ivo hat es uns in seinem Festvortrag schmackhaft gemacht und es uns als Schlüssel und Stachel auf unseren neuen pastoralen Weg mitgegeben.
Die lateinamerikanischen Bischöfe haben mit Recht die Notwendigkeit betont: "Wir können nicht passiv abwartend in unseren Kirchenräumen sitzen bleiben, sondern müssen von einer rein bewahrenden Pastoral zu einer entschiedenen missionarischen Pastoral übergehen."
Das heißt für uns als Kirche/Diözese, dass wir heute zu diesem neuen missionarischen "Aufbruch" berufen sind. Wir sind aufgefordert: hinauszugehen aus der eigenen Bequemlichkeit und den Mut zu haben, alle Randgebiete zu erreichen. Jetzt dient uns nicht eine reine Verwaltungsarbeit – jetzt braucht es den Zustand permanenter Mission. Die Kirche im Aufbruch ist die Gemeinschaft der missionarischen Jünger, die die Initiative ergreifen – die sich einbringen – die begleiten – die Frucht bringen – die feiern.
Die Seelsorge unter missionarischem Gesichtspunkt verlangt, das bequeme pastorale Kriterium des "Es wurde immer so gemacht" aufzugeben.
Mit Papst Franziskus lade ich alle ein, wagemutig und kreativ zu sein in dieser Aufgabe, die Ziele, die Strukturen, den Stil und die Evangelisierungs-Methoden der eigenen Gemeinden zu überdenken! Ich rufe alle auf, großherzig, mutig die Anregungen von Evangelii gaudium aufzugreifen, ohne Beschränkungen und Ängste. Wichtig ist, Alleingänge zu vermeiden, sich immer auf die Brüder und Schwestern und besonders auf die Führung der Bischöfe zu verlassen, in einer weisen und realistischen pastoralen Unterscheidung!

Eine Kirche im Aufbruch ist eine Kirche mit offenen Türen.
Evangelisierende mit Geist sind Verkünder des Evangeliums, die beten und arbeiten. Ohne längere Zeiten der Anbetung, der betenden Begegnung mit dem Wort Gottes, des aufrichtigen Gesprächs mit dem Herrn verlieren die Aufgaben leicht ihren Sinn, werden wir von Müdigkeit und Schwierigkeiten schwächer, erlischt der Eifer. Die Kirche braucht dringend die Lunge des Gebetes.
Ich danke allen, die sich darum in den Pfarren und Gemeinschaften mühen!
Aus dem Gesagten ergibt sich für diese neue Etappe der Evangelisierung auch ein neuer pastoraler Stil, der so zu beschreiben ist: vorschlagen, nicht aufzwingen; begleiten, nicht drängen; einladen, nicht ausstoßen; beunruhigen, nie enttäuschen! Bemühen wir uns als Priester und Laien um diesen Stil!

Der neue pastorale Weg unserer Diözese ist wohl eine Priorität in diesem Arbeitsjahr und in den kommenden Arbeitsjahren. Es ist in den vergangenen Jahren diesbezüglich viel geschehen und ich danke in diesem Zusammenhang unserem Pastoralamt, der eingesetzten Arbeitsgruppe, dem Begleitteam mit Prof. Jacobs aus der ED Paderborn, den Dechanten sowie den Pfarren, Pfarrern, die sich bereits auf diesen Weg gemacht haben oder gerade dabei sind. Unser pastoraler Weg liegt ganz auf der Linie von Evangelii gaudium.
Was sind die Nächsten Schritte? Es wird im Herbst noch eine zweite Runde von Klausurtagungen in den Dekanaten geben, die sich mit der Diözesanleitung die konkrete Situation ansehen, besprechen und die SSRe festlegen. Dazu sind alle haupt/ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Pfarren und andere Interessierte eingeladen, um viele zu erreichen/einzubinden. Information, Kommunikation, Partizipation ist dabei sehr wichtig! Gleichzeitig werden die Statuten für die SSR, der Dienstpostenplan und die Fertigstellung des Gesamtkonzeptes erarbeitet sowie die Schulung und Begleitung der Mitarbeiter durchgeführt.
Zum Martinsfest 2015 soll das Projekt voraussichtlich mit einem Diözesantag offiziell beschlossen werden und in die Umsetzung übergehen.
Da der neue pastorale Weg ein geistlicher Weg ist, braucht es vor allem das Gebet, worum ich alle Beteiligten bitte! Haben wir keine Angst vor diesem neuen Weg, vor den damit verbundenen Problemen – der Herr ist mit uns!

Papst Franziskus hat das Jahr 2015 zum Jahr der Orden proklamiert.
Es ist ein Geschenk der Vorsehung, dass gerade in diesem neuen Arbeitsjahr in unserer Diözese 5 neue Ordensgemeinschaften ihren Dienst bei uns beginnen. Ich darf sie alle herzlich in unserer Diözese begrüßen und ihnen danken, dass sie ihr je eigenes Charisma in unsere Ortskirche segensreich einbringen. Es sind dies die Gemeinschaft der Kalasantiner und die Schwestern der Jüngersuche in der Dompfarre; die Dienerinnen vom Kinde Jesu im Bischofshof und im Haus St. Martin; die Redemptoristen im SSR Neudörfl-Pöttsching-Bad Sauerbrunn-Krensdorf und die Franziskanerinnen aus Bosnien in Großwarsdorf.

Dieses Jahr der Orden ist ein guter Anlass die Berufungspastoral in der Diözese und das Gebet um geistliche Berufe wieder zu beleben und einen "Tag, der in unserer Diözese tätigen Orden" zu veranstalten.

Mit dem Neubau des Alten- und Pflegeheimes der Caritas Haus St. Martin und der Eröffnung und Segnung am vergangenen Sonntag hat unsere Diözese die bei der Diözesansynode 1971 eingegangene Selbstverpflichtung zu einer Martinstat wieder eingelöst und so für 93 Bewohner ein modernes Heim geschaffen, wo sie an der Hand von Menschen in Würde den Herbst des Lebens verbringen können. Diese "Martinstat nach innen" wird durch eine "Martinstat nach außen" zu diesem Martinsfest erweitert – die Stiftung eines Grundstücks für den Bau des 1. orthodoxen Klosters in Österreich in St. Andrä am Zicksee in unserer Diözese – ich danke der Pfarre für die Ermöglichung dieser Stiftung, die positive Aufnahme und alle Unterstützung!
Der heutige Besuch des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel Bartholomaios I. in unserer Diözese ist einmalig und historisch, wohl aber auch ein Zeichen der Dankbarkeit und Hoffnung, dass wir mit dieser Martinstat einen kleinen aber wichtigen Schritt zur Einheit der Christen gesetzt haben!

In den kommenden Semesterferien wird die Diözesanwallfahrt nach Rom und Assisi per Flug und Bus sein, zu der ich unsere Diözesanfamilie von Herzen einlade – es wäre ein schön, wenn viele aus unserer Diözese mitpilgern würden!

Papst Franziskus hat uns Bischöfen beim Ad-limina-Besuch am Ende unseres Gespräches 3 Dinge zugerufen: Vergesst nicht das Gebet – Couraggio: Habt Mut und Ausdauer – Avanti: Vorwärts, macht Euch auf den Weg!
Als Bischof gebe ich Euch diese Bitten des Papstes weiter, lade zur Mitarbeit ein und danke allen, die sich in der Diözese, Dekanaten und Pfarren darum mühen!
Der hl. Martin sei unserer Diözesanfamilie weiter ein Wegweiser und Wegbegleiter!

Kapellenweihe und Haussegnung des "Haus St. Martin" - 9. November 2014

Heute ist ein besonderer Tag für die Katholische Kirche – wir feiern weltweit den Weihetag der Lateranbasilika in Rom, der ältesten Papstkirche, die den Titel führt "Mutter und Haupt aller Kirchen des Erdkreises".
Heute ist auch ein besonderer Tag für die Diözese Eisenstadt – nach eineinhalbjähriger Bauzeit können wir vor dem Martinsfest das modernste Altenwohnheim unseres Landes seiner Bestimmung übergeben, und damit als Diözese unsere Selbstverpflichtung zur Martinstat bei der Diözesansynode 1971 wieder einlösen.
Heute ist ein besonderer Tag für die 93 Bewohner des Haus St. Martin und unsere Caritas selbst – heute wird euer neues Altenwohnheim gesegnet und die Hauskapelle dem hl. Martin, unserem Landes- und Diözesanpatron, geweiht.

Am Weihetag der Lateranbasilika und am Weihetag der neuen Kapelle – dem Herz und der Mitte dieses Hauses – der Segnung des neuen Altenwohnheimes ist die Frage angebracht: Was sind die Kennzeichen einer Kirche der Zukunft?

Die Kirche der Zukunft muss zuerst eine mystische sein. Was heißt das?
Im Mittelpunkt der Kirche stehen nicht die Kirche und ihre Strukturen, sondern Gott und sein Geheimnis – daran erinnert uns das Zweite Vatikanische Konzil! Zukunft wird also weder "eine Kirche von oben" noch eine "Kirche von unten" haben, sondern allein eine "Kirche von innen", in der sich alles um Gott dreht. Eine Kirche, in deren Mittelpunkt nicht mehr Gott und sein Geheimnis leben, wird von den heutigen Menschen als ein mysteriöser Verein wahrgenommen. Daher kann es für die Kirche heute keine wichtigere Aufgabe geben als die, sich auf Gott und sein Geheimnis neu zu besinnen – da beginnt Neuevangelisierung! Die Weihe dieser Kapelle erinnert uns, Gott im Leben einen Platz zu geben – für Gebet, Gottesdienst, Lesen der Bibel, Feier der Sakramente sich Zeit nehmen! Wann, wenn nicht jetzt?! Diese Kapelle ist ein Ort des Gebetes - Evangelium!

Die Kirche der Zukunft muss weiters geschwisterlich sein. Was heißt das?
Wenn wir Christen von Geschwisterlichkeit sprechen, dann meinen wir eine lebendige Gemeinschaft, die in Gott begründet ist, der ein Volk will, in dem jeder und jede mitverantwortlich ist für den Aufbau dieses Volkes und in dem jeder Christ sein Charisma einbringt für den Aufbau von Kirche und Gesellschaft. Diese vielfältigen Begabungen und Dienste, die der Heilige Geist zum Aufbau allen Christen schenkt, ist der "Charme Gottes" für seine Kirche und Welt.
Die Weihe dieser Kapelle erinnert uns, dass wir kraft Taufe und Firmung – wie Paulus in der 2. Lesung den Korinthern sagt – "Gottes Tempel sind und Gottes Geist in uns wohnt" – unsere Talente und Fähigkeiten zum Aufbau von Kirche und Gesellschaft einsetzen sollen, um eine geschwisterliche Kirche zu sein! Der neue Ambo und Altar sind der Tisch des Wortes und des Brotes, um die wir uns als Brüder und Schwestern versammeln – Jesus Christus, Grund unseres Glaubens!

Die Kirche der Zukunft muss schließlich diakonisch sein. Was heißt das?
Diakonische Kirche sein heißt: selbstloser Dienst am Leben der Menschen, vor allem der Armen, Kleinen, Benachteiligten. In der liebenden Sorge um den Mit-menschen – Diakonie/Caritas – liegt ein wichtiger Beweis der Glaubwürdigkeit der Kirche. Gottesdienst, der nicht durch den Dienst der Fußwaschung bezeugt wird, ist Fassade! Genauso verdunstet Nächstenliebe ohne Gottesverwurzelung! Helfen wir uns daher gegenseitig, beim Gottesdienst zu bleiben, damit wir auch die Kraft haben unseren Mitmenschen zu helfen!
Die Weihe dieser Kapelle dem hl. Martin erinnert uns an die Diakonie – die vielfältigen Dienste der Caritas an den Armen, Notleidenden, Kindern, Jugendlichen, Verfolgten, Flüchtlingen, Verwundeten, Gescheiterten, Behinderten, Alten und Kranken, daran, dass auch wir helfen sollen, wo man Hilfe braucht!

Der hl. Martin – dem diese neue Kapelle und Haus in Erinnerung an das alte heute geweiht wird – hat uns als Mensch, Soldat, Christ, Hirte gezeigt, dass es möglich ist eine mystische, geschwisterliche und diakonische Kirche zu sein. Er lädt uns alle ein, dass wir uns darum bemühen und unseren Beitrag dazu leisten!

Als Bischof kann ich nur von Herzen gratulieren zu diesem gelungenen Werk! Ich darf aber auch DANKE sagen Gott für die unfallfreie Baustelle sowie allen, die hier Hand angelegt haben – die Planer, Architekten, Künstler, Baufirmen, dem Land und der Stadtgemeinde, den MitarbeiternInnen im Haus, den für die Seelsorge zuständigen Priestern und geistlichen Schwestern, besonders unserer Direktorin der Caritas mit ihrem Team, dem Bauamt der Diözese, den Kirchenbeitragszahlern, Wohltätern, "Freunden des Haus St. Martin" – Vergelt´s Gott!

Ich wünsche, dass sich unsere Bewohner hier zu Hause fühlen, dass ihnen hier an der Hand eines anderen Menschen am Lebensabend beigestanden wird.

Möge diese Martinstat vielen Menschen unserer Diözese eine Hilfe sein, damit sie in Würde leben und sterben können! Der heilige Martin erbitte allen, die hier wohnen, arbeiten und ihre Lieben besuchen von Gott Schutz und Segen! Amen.

Montag, 3. November 2014

Predigt anlässlich der Amtseinführung von P. Erich Bernhard und Allerheiligen - 1. November 2014

Heute ist ein besonderer Tag für die Kirche – wir feiern weltweit das Hochfest Allerheiligen, wir denken dabei an die vielen Männer und Frauen in der Kirche, die durch die Jahrhunderte Jesus Christus nachfolgten und von der Kirche den Menschen als Heilige zum Vorbild gegeben wurden, wir sollen uns aber heute auch erinnern, dass wir alle in Taufe und Firmung zur Heiligkeit berufen sind und als Christen im Alltag für Jesus ein glaubwürdiges Zeugnis ablegen sollen. Heute ist auch ein besonderer Tag für die Diözese Eisenstadt – am heutigen Tag im Jahre 1960 erfolgte in der zur Kathedralkirche erhobenen Stadtpfarrkirche zum hl. Martin in Eisenstadt die feierliche Publikation der Errichtung unserer Diözese und die Besitzergreifung durch den 1. Diözesanbischof Stefan László.
Heute ist aber auch ein besonderer Tag für die Dompfarre – heute wird der neue Dompfarrer P. Mag. Erich Bernhard mit seiner neu errichteten Ordensgemeinschaft der Kalasantiner und den Schwestern der Jüngersuche begrüßt und feierlich in sein Amt eingeführt. Unser aller Freude ist daher heute überaus groß!

Am Tag der Amtseinführung des neuen Dompfarrers ist die Frage angebracht: Was sind die Aufgaben eines Priesters/Pfarrers in der heutigen Welt?

Der Priester/Pfarrer ist erstens Zeuge des Evangeliums Jesu Christi.
Die Botschaft von Jesu Leben, Tod und Auferstehung kann kein Mensch erdichten und sich selbst sagen, er kann sie sich nur sagen lassen, dankbar empfangen. Ein Priester steht deshalb zuerst im Dienst der Verkündigung des Evangeliums. Er propagiert nicht eigene Ansichten und Meinungen, sondern er ist demütiger Diener dieser Wahrheit, in die er hineinwächst, von der er sich formen lässt und die er überzeugend oft gegen den Trend der Zeit weitergibt. Wer aber wirklich für das Evangelium Zeugnis ablegen will, muss von dieser Wahrheit selbst überzeugt sein. Von solchem Überzeugtsein her lässt sich auch das ableiten, was wir als Mission/Evangelisierung bezeichnen.
Die Seligpreisungen Jesu – die wir eben im Evangelium der Bergpredigt gehört haben – sind die "Magna Charta" der Christen, die mitten in der Welt den Mut haben, anders zu sein; sind auch die erste Aufgabe des Priesters/Pfarrers, sein erstes, wichtigstes pastorales Programm – die Sorge um die Armen, Trauernden, Hungernden, Verfolgten, Mühseligen und Beladenen, um jene am Rand!
Braucht es heute so gesehen nicht eine neue missionarische Anstrengung in unserer Kirche, Pfarrgemeinden, Familien – Christen, Männer und Frauen, vor allem aber auch Priester, Diakone, Ordensleute als Zeugen des Evangeliums der Bergpredigt, die diese Seligpreisungen Jesu im Alltag glaubwürdig leben?

Der Priester/Pfarrer ist zweitens Treuhänder.
Ihm ist ein Erbe anvertraut, das er weiterzugeben hat, und zwar ohne sich anzupassen, aber auch ohne eigenwillige und selbst erfundene Zusätze. Dieses Erbe gibt er vor allem weiter in der Liturgie. Denn im Gottesdienst der Kirche wird uns Menschen am deutlichsten bewusst, dass wir den Glauben nicht selbst herstellen, dass wir ihn nur empfangen und weitergeben können. Der Priester als Vorsteher der Liturgie ist berufen und verpflichtet, es sinnenfällig zu machen, dass der Gottesdienst nicht einfach nur eine Veranstaltung der Kirche ist, sondern dass Christus der eigentliche Gastgeber im Gottesdienst ist, den der Priester repräsentieren darf. Und es versteht sich von selbst, dass ein Treuhänder seine Aufgabe nur erfüllen kann, wenn er selbst treu ist, wenn er sich in das Erbe, das ihm aufgetragen und anvertraut ist, einwurzelt und es glaubwürdig lebt.
Wenn gerade heute so vieles in Brüche geht, ist das nicht ein Zeichen dafür, dass uns in Kirche und Gesellschaft Treuhänder fast abhanden gekommen sind?

Der Priester/Pfarrer ist drittens auch ein Gärtner.
Seine Aufgabe besteht darin, zu pflegen, zu hüten und zu bebauen. Seelsorgliche Arbeit ist also im biblischen Sinne des Wortes Gärtnerarbeit. Dabei wissen wir alle aus eigener Erfahrung, dass es im Garten Gottes verschiedene Gewächse gibt und es nicht immer leicht ist, mit allen zurechtzukommen. Es sind oft tiefere Grabungen in der Erde notwendig, damit der Boden wieder neue Luft erhält. In alledem muss uns das Wort des Apostels Paulus wichtig sein: "Nicht der ist etwas, welcher pflanzt, noch der, welcher begießt, sondern Gott, der das Wachstum gibt." Alle seelsorgliche Arbeit hat sich dessen bewusst zu sein, dass das Wachsen-Lassen nicht ihre Aufgabe ist, sondern dass es die Sache Gottes ist, unsere Aufgabe aber im Bebauen, Begießen und im Pflanzen besteht.
Braucht es nicht gerade heute in Kirche und Gesellschaft mehr solche Gärtner?
Du, lieber P. Erich, wirst heute in das Amt des Dompfarrers von Eisenstadt eingeführt und Du übernimmst mit Deiner Ordensgemeinschaft der Kalasantiner und den Schwestern von der Jüngersuche die Seelsorge an unserer Dompfarre. Du – besser gesagt – Ihr sollt Zeugen des Evangeliums der Bergpredigt sein, Menschen, die sich um Arme, Trauernde, Hungernde, Verfolgte, Suchende, Verwundete, Gescheiterte kümmern; seid mit allen barmherzig und Friedensstifter!
Du/Ihr sollt Treuhänder sein – Menschen, die das ihnen anvertraute Erbe treu weitergeben, die Liturgie hier in der Domkirche durch das Kirchenjahr pflegen und die übernommen Pflichten als Priester/Ordensleute treu erfüllen!
Du/Ihr sollt auch Gärtner sein – Menschen, die das ihnen übertragene Feld mit viel Liebe, Einsatz und Geduld umgraben, neu pflanzen, pflegen und bestellen!
Fürchtet Euch nicht und werdet nicht mutlos, wenn Ihr in der Dompfarre nicht immer und überall auf fruchtbaren Boden, sondern oft auch auf Beton stoßt! Behaltet Euch die Freude in der Seelsorge nicht nur bei Sonnenschein, sondern auch dann wenn es – wie heute – kalt, nebelig ist, ja sogar bei Schnee, Glatteis!

Was kann ich Dir als Bischof für Deinen Dienst als Pfarrer raten? Ich kann Dir nur den Rat von Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben "Evangelii gaudium" weitergeben, den er den Hirten der Kirche gegeben hat: sie sollen dem Volk Gottes vorangehen; sie sollen inmitten des Volkes Gottes stehen; sie sollen dem Volk Gottes auch nachgehen. Mach Dir diese Haltung als Pfarrer zueigen! Sei für alle offen, lade sie ein, begleite sie, hab Verständnis – um es mit Papst Franziskus zu sagen – heile die Wunden der Menschen und erwärme ihre Herzen!
Was darf ich mir als Bischof von Dir und Eurer Ordensgemeinschaft erbitten? Ich erbitte und erwarte mir als Bischof eine gute Arbeit mit allen Mitarbeitern in der Dompfarre, eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Domkapitel, dessen Mitglied Du bist sowie eine gute Nachbarschaft und Einheit mit dem Bischof und der ganzen Diözese, damit unsere Dompfarre zu neuem Leben ersteht und unsere Arbeit für alle zum Segen ist; mein größter Wunsch ist, dass aus einem nebeneinander ein miteinander und füreinander wird – ich schenke Dir und dem neuen Pastoralteam mein Vertrauen und verspreche Euch alle Unterstützung und Begleitung im Gebet!
Was soll ich Dir und Deiner Gemeinschaft als Bischof wünschen? Ich wünsche Dir/Euch, dass Ihr glaubwürdige Zeugen Christi, Treuhänder und Gärtner seid! Dazu viele gute Menschen, Mitarbeiter, Helfer und Beter in der Dompfarre, die mit Euch den Weg gehen!

Liebe Gläubige der Dompfarre, ich weiß, dass Ihr ein schweres Jahr hinter Euch habt und viele Menschen wegen der traurigen Vorkommnisse enttäuscht, ja hart auf die Probe gestellt wurden – nehmt Euren neuen Pfarrer und das Pastoralteam an und geht als Pfarre in Einheit mit dem Bischof, der Diözese, dem Domkapitel gemeinsam den Weg, dann wird die Gegenwart und Zukunft gesegnet sein!
Als Bischof danke ich allen in der Dompfarre für die Mitarbeit in diesem Jahr – besonders unserem Generalvikar Martin und Dompropst Hubert sowie dem PGR und allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern für den Einsatz/Engagement!
Mein besonderer Dank gilt auch dem bisherigen Dompfarrer Mag. Josef Prikoszovits für seinen langjährigen segensreichen seelsorglichen Dienst in den verschiedenen Pfarren unserer Diözese – zuletzt viele Jahre hier in der Dompfarre – möge ihn Gottes Segen begleiten auf dem Weg in einen neuen Lebensabschnitt!

Gottes Heiliger Geist, das Vorbild und die Fürsprache des heiligen Martin und aller Heiligen, besonders die Eurer Ordensgemeinschaft, begleiten Euch, Euer seelsorgliches Mühen und unsere Dompfarre in eine gesegnete Zukunft!
Und wenn es im seelsorglichen Dienst manchmal schwer wird, dann geht zur "Trösterin der Betrübten", unserem Gnadenbild hier im Dom, um Trost, Halt und Kraft zu finden! Amen.

Freitag, 24. Oktober 2014

Requiem für EKR Alexander Unger, St. Margarethen - 23. Oktober 2014

Das Leben des Menschen wird gerne mit einem Buch verglichen. Die Seiten des Buches entsprechen den Tagen, Wochen, Monaten und Jahren des Lebens. Wir alle wünschen uns so gesehen dicke Bücher, also ein langes Leben. Wir alle sind tief betroffen und erschüttert, wenn jemand zu früh, in jungen Jahren oder gar überraschend stirbt. Ein Sprichwort sagt: „Wenn ein älterer Mensch stirbt, dann ist es so, als ob eine ganze Bibliothek verbrennen würde.“ Wir alle aber wissen: Gute Bücher müssen nicht immer dick sein. Und dicke Bücher können oft inhaltsarm und langweilig sein. Der Vergleich will sagen: Gott liest unser Leben eher nach den Inhalten und weniger nach dessen Länge.

Ein jeder von uns schreibt mit seinem Leben ein persönliches Buch. Diesem Buch wird jeden Tag des Lebens eine neue Seite hinzugefügt. Von der Geburt an bis zu seinem Tod schreibt der Mensch Tag für Tag am Buch seines Lebens. Manchmal schreibt er es mit schönen, geraden, goldenen Buchstaben – das sind die Tage, an denen er nicht nur an sich selbst, sondern auch an andere denkt, fröhliche Tage, an denen er glücklich ist und es ihm gut geht. Es gibt aber auch Tage, an denen seine Liebe zu Gott und den Mitmenschen erkaltet, er von Krankheit, Leid und Not heimgesucht wird. Diese Zeiten werden meist mit schiefen, krummen Lettern in seinem Lebensbuch vermerkt. Außerdem kann es auch vorkommen, dass das Lebensbuch des Menschen leere Seiten enthält, denn das Gute, das zu tun war, wurde versäumt. Einmal wird dieses Buch im Ganzen vorgelesen, und zwar bei der Begegnung mit dem allwissenden Gott am Jüngsten Tag – die Lesung aus der Offenbarung des Johannes erinnerte uns daran! Nach diesem Buch wird der gerechte und barmherzige Gott dann das richtige Urteil über unser Leben fällen.

Es gibt wohl keinen treffenderen Vergleich als den des Buches, mit dem man das Leben und Wirken unseres verstorbenen Mitbruders EKR OStR Alexander Unger umschreiben könnte. Der Verstorbenen liebte Bücher, er verschlang sie, lehrte damit andere, er gehörte zu den belesensten Priestern unserer Diözese. Sein persönliches Lebensbuch begann er mit seiner Geburt am 18. Jänner 1939 hier in seiner Heimatpfarre St. Margarethen zu schreiben. Nach seiner Schul- und Studienzeit wurde er am 29. Juni 1963 im Martinsdom zum Priester der Diözese Eisenstadt geweiht. Weitere Seiten seines Lebensbuches waren in den Pfarren Mattersburg, Neusiedl/See, Winden am See, Assistent beim bekannten Pastoralthelogen Prof. Klostermann an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Wien, Rektor vom Haus der Begegnung in Eisenstadt, Jugendseelsorger, Mithilfe in Kleinhöflein sowie bis 1993 Stadtpfarrer in Rust und Pfarrer in Mörbisch. Nach Beendigung der pfarrlichen Tätigkeit wirkte er in vielen Bereichen der kategorialen Seelsorge – seine große Liebe galt dem Katholisches Bibelwerk so-wie dem Bereich Kirche, Kunst und Kultur – vor allem aber widmete er sich in seiner Tätigkeit als Professor für Religionspädagogik an der PÄDAK Burgenland, die er mit Kompetenz und Leidenschaft bis zu seiner Pensionierung wahrnahm. Seine Liebe galt auch der Gemeinschaft Cenacolo in Kleinfrauenhaid, die er seelsorglich betreute und die auch ihm gerade in den Tagen des Alters und der Krankheit eine große Stütze, Heimat und Hoffnung war.

Heute nehmen wir Abschied von unserem lieben Mitbruder Alexander, der mit seinen 76 Lebensjahren und 52 Priesterjahren ein dickes, interessantes und originelles Lebensbuch geschrieben hat. Seinem Lebensbuch gebe ich den Titel: Auf der Suche nach der Liebe Gottes. Sein ganzes Leben war ein Suchen dieser Liebe – im Buch der Bücher der Bibel, die er meditierte, im Messbuch, wenn er als Priester die Liturgie feierte, im Brevier, das er betete, in philosophischen, theologischen und religionspädagogischen Büchern, die er selber studierte und anderen vermittelte, in Büchern der Literatur, Kunstgeschichte und Zeitungen. Mit seinem Tod ist – wie das Sprichwort sagt – eine Bibliothek verbrannt. Als Priester und Professor hat er viele Jahrzehnte unsere Diözese mit seinem Glauben, Wissen und vielfältigen Talenten bereichert, wofür ich ihm als Bischof, Mitbruder und Freund heute von Herzen DANKE und Vergelt´s Gott sage!

Mögen die guten Seiten seines Lebensbuches bei Gott reiche Früchte tragen! Die fehlenden und dunklen Seiten seines Lebensbuches möge Gott in seiner Liebe und Barmherzigkeit ergänzen! Möge Gott ihn nun für immer in das Lebensbuch einschreiben, damit er nach dieser Pilgerschaft auf Erden nun am himmlischen Mahl teilnehmen darf, wo ihm eine ewige Wohnung bereitet ist! Allen, die ihm im Leben Liebe geschenkt haben, besonders den Verwandten, die sich um ihn gerade in den Tagen der Krankheit liebevoll gesorgt und allen, die für ihn gebetet haben, möge Gott alles reichlich vergelten!

Lieber Alexander, möge nun Dein wissbegieriges, fragendes, suchendes, emotional wankendes und oft unruhiges Herz nun in Gott seine Ruhe finden! Amen.

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Predigt anlässlich des Gedenktages der Hl. Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. im St. Martinsdom - 22. Oktober 2014

Heute feiern wir den Gedenktag der beiden heiliggesprochenen Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II.
Beide Päpste haben einen besonderen Bezug zur Diözese Eisenstadt – Johannes XXIII. hat unsere Diözese 1960 errichtet und Johannes Paul II. hat sie zwei Mal besucht; 1970 als Erzbischof und Kardinal von Krakau und 1988 als Papst, wo er mit fast 100.000 Gläubigen aus unserer Diözese sowie aus Ungarn und Kroatien den Gottesdienst in Trausdorf am Flugfeld feierte und anschließend auch den Bischofshof in Eisenstadt und diesen unseren Martinsdom besuchte. Ich durfte damals als Neupriester, Sekretär und Zeremoniär von Bischof Stefan László diesen Pastoralbesuch miterleben und auch mitgestalten.

Was ist die bleibende Botschaft dieser für unsere Kirche und unsere Diözese so bedeutenden Päpste und Hirten der Kirche?

Johannes XXIII. ist wohl in die Geschichte der Kirche eingegangen als der Papst, der die Kirche mit der Einberufung des II. Vatikanischen Konzils zur Welt hin geöffnet, ein aggiornamento eingefordert hat und die Erneuerung der Kirche in der Besinnung auf das Wesentliche, auf Gott und sein Geheimnis sowie die Öffnung der Kirche zur Welt, zu den anderen Konfessionen und Religionen und zu allen Menschen guten Willens angestoßen hat.
Der lächelnde und gütige Papa Giovanni zeigt uns als Mensch und Hirte was es heißt, auf Gottes Heiligen Geist und seine Führung zu vertrauen, Freude, Gelassenheit und Gottvertrauen trotz aller Herausforderungen und Umbrüche zu haben und die Kirche als Werkzeug Gottes zu verstehen, die der ständigen Erneuerung bedarf und nicht für sich selbst, sondern für die Menschen da ist.
Braucht es nicht auch gerade heute diese Dinge von den Hirten und Gläubigen der Kirche?

Johannes Paul II. ist wohl in die Geschichte der Kirche eingegangen als der erste Papst, der aus dem Osten kam, der den Petrusdienst universal ausübte, indem er um die ganze Welt reiste und unzählige Länder und Diözesen besuchte, um die Brüder und Schwestern im Glauben zu stärken, der viele pastorale Initiativen setzte, Neuerungen einführte, uns ein reiches lehramtliches Schrifttum hinterließ und die Menschen immer wieder dazu aufrief: Öffnet Christus, dem Erlöser die Türen eures
Herzens – Fürchtet euch nicht – Vertraut auf Gottes Barmherzigkeit und seid miteinander barmherzig!
Braucht es nicht gerade auch heute Hirten und Gläubige, die den Menschen unserer Tage diese Botschaft verkünden und glaubwürdig vorleben?
Unsere Diözese hat Papst Johannes Paul II. in Trausdorf aufgerufen Brückenbauer in den Osten zu sein – das ist ein Auftrag für uns!
Für diesen Auftrag hat er sein Leben als Hirte hingegeben und sogar am Petersplatz im Mai 1981 beim Attentat sein Blut vergossen.
Die beiden uns geschenkten Blutreliquien sollen und wollen uns an sein Leben und Wirken erinnern sowie zur Nachfolge Jesu einladen und ermutigen – uns selber, unsere ganze Diözese und besonders die Pfarre Trausdorf.
In diesen Reliquien ist Papst Johannes Paul II. unter uns und seine Botschaft bleibt lebendig!

Beide Päpste waren wie Jesaja in der 1. Lesung sagt: Freudenboten, die den Frieden ankündigten, den Menschen die frohe Botschaft brachten und Rettung verheißten.
Beide Päpste haben wie Paulus im Epheserbrief die christliche Gemeinde ermahnt: „Ein Leben zu führen, dass des Rufes würdig ist, der an euch erging. Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe, und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält.“
Beide Päpste fragte der Herr wie Petrus im Evangelium: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?“ Beide beantworteten diese Frage mit ihrem Leben und mit ihrer Liebe!
Mögen beide Päpste mit ihren Leben und Glauben uns allen, der Kirche, unserer Diözese, besonders der Pfarre Trausdorf auf unserer Pilgerschaft zum himmlischen Jerusalem, Vorbild, Wegweiser und Fürsprecher sein!

Amen.

Montag, 13. Oktober 2014

Predigt anlässlich der Priesterweihe von P. Hans-Ulrich Möring OT - 12. Oktober 2014

Lieber Weihekandidat!
Liebe Schwestern und Brüder!

Die Lesungen dieses Sonntags erzählen von einem gemeinsamen Festmahl aller Völker auf dem Berg Zion – so die 1. Lesung aus dem Buch Jesaja – und – im Matthäusevangelium – von der Einladung des Königs zum Hochzeitsmahl. Eine Hochzeit war im Orient ein mehrtägiges Fest mit einem üppigen Mahl. Eine Hochzeit bei uns im Burgenland kennt bis heute einen ausgiebigen, mehr-gängigen Speiseplan: verschiedene Suppen, Rindfleisch mit Semmelkren, Wie-ner Schnitzel, Schweinsbraten, Backhuhn, Puszta-/Champignon-/Naturschnitzel mit Reis, Pommes und Salaten, köstliche Torten und Mehlspeisen, erlesene Weine. Und zu später Stunde dann noch ein Gulasch, eine kalte Platte und noch manch anderes mehr.

Lieber P. Hans-Ulrich, das Wort Gottes der Hl. Schrift am Tag Deiner Priester-weihe ist wahrlich auf Dich zugeschnitten, Dir von Gott persönlich geschenkt und zugesprochen. Dein Gott kennt Dich, so scheint´s, durch und durch! Du hast mich als Zeremoniär 3 Jahre lang durch die Diözese Eisenstadt und darüber hinaus begleitet und so bei Visitationen, Firmungen und anderen Feiern an vielen Festtafeln und Hochzeitsmählern teilgenommen. Dabei hast Du mich nicht nur liturgisch entlastet, sondern mir auch beim Essen sehr geholfen, mit Deinem gesegneten Appetit die pannonischen Herausforderungen zu bestehen. Nach diesen Jahren, die ich nicht missen möchte, bin ich mir sicher, dass die Gnade Gottes bei Dir auf eine gesunde Natur aufbauen kann!

Lieber P. Hans-Ulrich, Du wirst in dieser Stunde als Ordensmann zum Priester der Kirche geweiht. Was wird Dir damit anvertraut? Priestersein ist vor allem ein dreifacher Dienst:

Der erste: Du sollst die Menschen zum Tisch des Wortes führen!
Die erste Aufgabe des Priesters als Mitarbeiter des Bischofs ist es, allen Men-schen die frohe Botschaft Gottes zu verkünden. Das ist sein Verkündigungsdienst. Was das bedeutet, ist sehr schön ausgedrückt in einem Ritus in der Bischofsweihe, wo dem Weihekandidaten während der Weihepräfation das Evangelienbuch auf den Kopf gelegt wird, gleichsam als Last, die er zu tragen hat. Weil in der Bischofsweihe die Fülle des Priestertums übertragen wird, wird in diesem Ritus auch am deutlichsten, was das Priestertum ist: Der Weihekandidat wird von der Fülle des Evangelienbuchs auf seinem Kopf regelrecht verdeckt, es verschwindet sein eigenes Gesicht unter dem Wort, das auf ihn gelegt wird. Dies ist ein mächtiges Zeichen dafür, dass der Geweihte bei der Verkündigung des Wortes Gottes fortan nicht im eigenen Namen und Auftrag handeln kann, sondern nur im Namen und Auftrag Jesu Christi und dessen Wortes. Der Priester wird nicht geweiht, um seine eigenen Meinungen, Einsichten und Visionen vorzutragen, sondern um das Wort Gottes zu verkünden. Oder um es mit Augustinus zu sagen: der Priester ist wie Johannes der Täufer „die Stimme“, während Christus „das Wort“ ist.

Doch noch etwas sagt uns die Geste des Auflegens des Evangelienbuches: es verdeckt nicht nur das Gesicht des zu Weihenden, sondern es deckt ihn auch als ganzen Menschen zu und gibt ihm ein Dach der Obhut und des Schutzes für ihn selbst. Der Priester muss in seinem Verkündigungsdienst immer wieder Schutz unter dem Wort Gottes suchen. Er kann das Wort Gottes nur zu den Menschen tragen, wenn er selbst ein offenes Gefäß des Wortes Gottes ist. Der Priester kann das Wort Gottes nicht bloß „zur Kenntnis nehmen“ – Nein, er muss es als geistliche Speise verdauen und es sich dabei selbst so aneignen, dass es sein persönliches, authentisches Wort werden kann. Nur so kann er es weitergeben und zu den Menschen tragen, in einer verständlichen Sprache und in einem verträglichen Maße.

Lieber Hans-Ulrich, iss, verschlinge, verdaue täglich Gottes Wort – und Du wirst als Priester vom Tisch des Wortes leben und andere zu ihm führen können!

Dein zweiter Dienst: Du sollst als Priester die Menschen zum Tisch des Brotes führen!
Der Priester steht als Liturge im Dienst der Feier der Sakramente und damit im Dienst der Heiligung der Menschen. In Anlehnung an das Neue Testament und an die älteste kirchliche Tradition wird der besondere Dienst des Priesters in der Feier der Eucharistie mit dem Wort „Vorstehen“ bezeichnet. Die Aufgabe des Priesters besteht somit darin „den Dienst des Hausvaters zu tun und der Familie Gottes das Tischgebet ... zu sprechen.“ Von daher leuchtet der Sinn der katholischen Glaubensüberzeugung auf, dass die Feier der Eucharistie an die Vorsteherschaft des sakramental geweihten Priesters gebunden ist. Denn er hat in Erinnerung zu rufen und zu garantieren, dass die Eucharistie nie aus der einzelnen Gemeinde heraus entsteht, sondern Geschenk Jesu Christi an seine Kirche ist. Der Priester steht daher dann am intensivsten im Dienst der Gemeindeleitung, wenn er der Eucharistie vorsteht. In seinem Dienst und in seinem Leben muss daher vor allem und über allem die Feier der Eucharistie einen zentralen Platz einnehmen.

Lieber Hans-Ulrich, führe die Dir anvertrauten Menschen in der Feier der Eucharistie und der Sakramente als Liturge zum Tisch des Brotes und Du wirst als Priester so den Dienst der Heiligung erfüllen! Wann immer Du die heilige Messe feierst: „Bedenke, was du tust, ahme nach, was du vollziehst und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes!“
Dein Ordenshalskreuz erinnert Dich daran! Es erinnert Dich aber auch an Deine Ordensgelübde – das Kreuz an den Gehorsam, die Schlange an die Keuschheit und der Geldsack an die Armut!

Obwohl Du heute zum Priester geweiht wirst, bleibst Du doch auch für immer Diakon, das heißt: Du sollst den Tisch für die Armen decken – oder wie Papst Franziskus sagt: „Vergesst die Armen nicht!“ Dies, lieber Hans-Ulrich, ist der dritte Dienst, der Dein Priestertum vervollkommnen soll. Denn priesterlicher Dienst, der nicht von Caritas, vom Liebesdienst am Nächsten, von der konkreten guten Tat bezeugt wird, ist unglaubwürdig, unfruchtbar, wertlos. Gerade der hl. Martin, in dessen Patroziniums-Domkirche in Eisenstadt Du im Vorjahr die Diakonenweihe empfangen hast, möge Dich und uns alle stets daran erinnern, die Armen nicht zu vergessen!

Lieber P. Hans-Ulrich, Du wirst nun die Priesterweihe empfangen und damit von der Kirche gesandt, die Menschen ein Leben lang zu Tisch zu führen:
- Du wirst zum Tisch des Wortes und zum Tisch des Brotes führen; Du wirst denen, die arm sind, den Tisch decken;
- Du wirst als Priester die Menschen zum Festmahl auf dem Berg Zion hinweisen, sie begleiten, zum Hochzeitsmahl mit dem König einladen.
- Du sollst ihnen zeigen und vorleben, was Glaube im Sinne des eben gehörten Evangeliums heißt: Gottes Einladung vernehmen, sie annehmen und ihr folgen. Mit Deiner Ordensprofess, Diakonen- und Priesterweihe tust Du das mit Deinem ganzen Leben – jetzt sollst Du „aus dem Reichtum Seiner Herrlichkeit andere beschenken.“
- Und: Du sollst den geistlichen Speiseplan zuerst selbst verkosten, um ihn dann auch den anderen schmackhaft zu machen auf eine gesunde Weise und in erträglichem Maß! Wenn Du diesen Weg besonnen, konsequent und in Liebe gehst, wirst auch Du mit dem Apostel Paulus in der 2. Lesung aus dem Philipperbrief sagen können: „Ich weiß Entbehrungen zu ertragen und ich kann im Überfluss leben. Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt.“

Lieber Weihekandidat! Was soll und kann ich Dir als Bischof, Mitbruder und Freund in dieser Stunde wünschen und raten?

Zuerst gratuliere ich Dir von Herzen zu Deinem Entschluss, in einer Zeit wie der heutigen Priester zu werden, und verspreche Dir die Begleitung im Gebet! Dem schließen sich wohl auch Deine lieben Eltern, Dein Bruder mit seiner Familie, die Verwandten und Freunde, Deine Heimatpfarre, Deine Ordensfamilie, unsere Diözesanfamilie von Eisenstadt mit den Pfarren Eisenstadt-Oberberg und Kleinhöflein sowie alle Mitfeiernden von Herzen an!

Besondere Segenswünsche darf ich Dir von Papst Franziskus übermitteln sowie von Papst Benedikt, Deinem Landsmann, der Dir, unserem Liturgiereferenten in der Diözese, sein Buch mit dem Titel „Der Geist der Liturgie – Eine Einführung“ persönlich signiert hat!

Als Bischof danke ich Dir von Herzen für Deinen Dienst in der Diözese Eisenstadt, vor allem als mein erster Zeremoniär und Leiter unseres Liturgiereferates, besonders für Deine kompetente Arbeit, all Deine Hilfen, Deine Freundschaft und Dein Vertrauen! Zeichen meines Dankes und unserer Verbundenheit ist diese Reliquie des seligen Ladislaus Batthyány-Strattmann in der Form Deines Deutschordenskreuzes, die ich Dir schenke. Der selige Arzt der Armen möge Dich immer an die Diözese Eisenstadt erinnern und Dir in Deinem Dienst Wegweiser, Helfer und Fürsprecher sein! Ich danke aber auch Deiner Ordensleitung, dass sie Dich uns für eine Zeit anvertraut hat – möge es dem Orden und unserer Diözese zum Segen sein!

Mein persönlicher Rat für Deinen priesterlichen Dienst folgt dem Rat, den Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium“ den Hirten der Kirche gegeben hat: sie sollen dem Volk Gottes vorangehen; sie sollen in-mitten des Volkes Gottes stehen; sie sollen dem Volk Gottes auch nachgehen! Mach Dir das in Deinem priesterlichen Dienst zueigen!

Wenn Du auf Deinem Weg als Priester die Menschen zum Festmahl mit dem König einlädst und begleitest, dann lass sie an Deinem Appetit am Speiseplan Gottes teilhaben, führe sie zum Tisch des Wortes und des Brotes und decke den Tisch für die Armen!
Lieber Hans-Ulrich, lade alle, die Du auf Deinem priesterlichen Lebensweg triffst, zur Hochzeit ein – aber hab mit Dir selber und mit den Menschen Geduld und sei barmherzig!

Mit Maria, der Rosenkranzkönigin, erbitten wir jetzt Gottes Heiligen Geist für Dich, damit er Dich in Deinem Dienst begleite und stärke!
Amen.

Montag, 6. Oktober 2014

Requiem für Msgr. Aladar Richter, Eisenstadt-Oberberg - 26. September 2014

In diesen Wochen wird in unserer Gegend die Ernte eingebracht und damit verbunden der Erntedank festlich begangen. Wenn wir in dieser Stunde Abschied nehmen von unserem Herrn GR EKan. Msgr. Aladár Richter – dem langjährigen Regens unseres Priesterseminars, auch meinem Regens – dann begehen auch wir Erntedank. Wir bringen die Ernte eines langen und erfüllten Priesterlebens ein.

Das Leben und Wirken des Priesters Aladár Richter kann so beschrieben werden – er war als Seelsorger/Regens ein geistlicher, weltlicher und kirchlicher Mensch.

Ein geistlicher Mensch ist ein Mensch, der selbst ein Tempel Gottes ist, in dem der Geist Gottes wohnt und er deshalb in seinem Leben auf die Lebenskraft des Geistes vertraut und sich ganz und gar auf sein Wirken verlässt.
Ein geistlicher Mensch ist also einer, der nicht allein auf das Sichtbare u. Machbare, auf das Planbare und Leistbare schaut, sondern der vielmehr auf das unverfügbare Wirken des Geistes Gottes baut, daraus lebt und ihm Raum schafft.
Nirgendwo wird geistliches Leben so konkret und anschaubar wie im Gebet und im Gottesdienst. Hier wird erfahrbar, dass im christlichen und kirchlichen Leben das Entscheidende von Gott her geschieht, aber auch wir dazu beitragen müssen. Geistliches Leben ist von dieser Spannung zwischen gläubiger Gelassenheit im Vertrauen auf den Geist Gottes und persönlichem Engagement in der Nachfolge Jesu geprägt. Diese Gelassenheit ist jene Grundhaltung, die ein Seelsorger von heute und morgen braucht, wenn er im kirchlichen Dienst bestehen will. Denn Seelsorge ohne den langen Atem führt entweder in rastlose Kurzatmigkeit oder in Frustration/Resignation. Diesen langen Atem bekommt man vom Hl Geist.
Aladár Richter war als Seelsorger und Regens ein durch und durch geistlicher Mensch. Seine Ruhe, Besonnenheit und Gelassenheit sind ein Zeichen dafür!

Ein weltlicher Mensch ist ein Mensch, der in der einen Hand die Bibel, in der zweiten Hand die Zeitung hält und beides miteinander in Beziehung setzten kann. Von diesem Grenzverkehr zwischen Bibel und Zeitung her erschließt sich eine zweite Dimension eines Seelsorgers von heute und morgen. Er muss nicht nur ein geistlicher, sondern auch ein ganz und gar weltlicher Mensch sein. Die Zeichen der Zeit wahrzunehmen, und zwar in der Überzeugung, dass sich in ihnen das Wirken des Heiligen Geistes selbst vernehmbar macht, gehört zu den großen Zumutungen des Zweiten Vatikanischen Konzils an den einzelnen Christen und an die ganze Kirche, besonders auch an die Seelsorger. Jesus mutet seinen Jüngern und damit auch gewiss den heutigen Seelsorgern zu, gute Meteorologen des Glaubens in der heutigen Welt zu sein, die auf die Zeichen der Zeit achten und in ihnen das Wirken des Hl. Geistes in der heutigen Welt wahrnehmen.
Als durch und durch weltliche Menschen erweisen sich Seelsorger darin, dass sie Gott in der heutigen Welt verkünden. Dazu aber müssen sie diese Welt von Grund auf kennen: sowohl die Nöte und Probleme, die Ängste und Sorgen der Menschen als auch ihre Freuden und Sehnsüchte. Weil eine geistliche Existenz ohne geistiges Leben und kulturelle Bildung auf Dauer nicht möglich ist, eignen sich Kulturbanausen nicht für den seelsorglichen Dienst in der heutigen Welt.
Aladár Richter war als Seelsorger und Regens ein durch und durch weltlicher Mensch. Seine Bildung, Kompetenz Bibel und Zeitung zu verbinden, bezeugen es!

Ein kirchlicher Mensch ist ein Mensch, der seine Talente und Fähigkeiten der konkreten Kirche am Ort in einer unbeirrbaren Gläubigkeit zur Verfügung stellt. Seelsorglicher Dienst gilt nicht einer von uns erträumten Kirche von morgen, die es nie geben wird oder einer romantischen Kirche von gestern, die es nie gegeben hat, sondern der konkreten Kirche am Ort mit ihren Schönheiten, Schwächen, und Fehlern – das ist wahre Kirchlichkeit.
Aladár Richter war als Seelsorger und Regens ein durch und durch kirchlicher Mensch. Seine Verfügbarkeit in verantwortungsvollen Diensten in unserer Diözese und seine Treue zu seiner Heimaterzdiözese Esztergom-Budapest zeigen es.

Der Seelsorger von heute muss ein geistlicher, weltlicher und kirchlicher Mensch sein. Du, lieber Mitbruder und Regens Ali – wie wir alle Dich liebevoll nannten – warst ein geistlicher, weltlicher und kirchlicher Mensch! Du hast eine ganze Priestergeneration unserer Diözese – zu der auch ich mich zählen darf – zu geistlichen, weltlichen und kirchlichen Seelsorgern erzogen – dafür danke ich Dir heute als Dein ehemaliger Alumne und heutiger Mitbruder und Bischof und sage Dir stellvertretend für viele Priester und für unsere Diözese Vergelt´s Gott!
Ich bin Gott dankbar, dass ich Dir bei meinem Besuch kurz vor Deinem Tod als Dein Zögling das Sakrament der Krankensalbung spenden durfte und dabei feststellen konnte, dass Du bis zum Schluss ein geistlicher, weltlicher und kirchlicher Mensch und Seelsorger geblieben bist, der aufmerksam und mit Gebet das Leben in Kirche und Welt verfolgte. Dein letzter Ratschlag als Regens, mir Deinem Schüler war wie immer liebevoll und ernst: Gidi, vergiss als Bischof nicht Gutes zu tun! Ich denke, diesen Rat hat der Verstorbene wohl uns allen mitgegeben!

Die Ernte unseres Lebens wird immer Stückwerk sein – aber wir dürfen sie Gott in die Hände geben, in der Hoffnung, dass er unser Stückwerk vollendet. In diesem Glauben und in dieser Hoffnung hat der Verstorbene unter uns als Mensch, Christ und Priester gelebt und gewirkt – wir danken ihm dafür und empfehlen ihn der Güte und Barmherzigkeit Gottes!
Lieber Mitbruder Aladár!
Ich habe heute bewusst das Evangelium von der Verklärung Jesu gewählt, weil ich mich dabei an eine Deiner großartigen Predigten im Seminar erinnere, wo Du als bescheidener Mensch, der viel auf das Essen gehalten hat, gesagt hast: „Da hat dieser Jünger den Herrn nichts anderes zu fragen als – Herr, sollen wir hier drei Hütten bauen und vielleicht auch noch ein Buffet dazu!“ Nimm jetzt Platz am Tisch des Herrn, wo Du nach einem langen und erfüllten Leben von allen Mühen ausruhen und für immer am Hochzeitsmahl teilnehmen darfst!

Predigt anlässlich der Priester- und Diakonenweihe im Stift Heiligenkreuz - 5 Oktober 2014

Lieber Vater Abt Maximilian, abbas emeritus Gregor und Gerhard mit den Mitbrüdern des Konventes vom Stift Heiligenkreuz!
Liebe Mitbürger im priesterlichen und diakonalen Dienst, ehrwürdige Schwestern!
Liebe Weihekandidaten zum Presbyterat und Diakonat mit Euren Verwandten – Ngoi chen tschúa Jesu Kito; Ka tien tschug wa áeng tschi em than men; Tscha raat wui wi hom nei tschung da kung long tschong gg heing teing le nei!
Zum festlichen Weihegottesdienst versammelte Schwestern und Brüder im Herrn!

Wir feiern in diesen Wochen in unseren Pfarrgemeinden das Erntedankfest.
Wir feiern heute mit dem Konvent dieses altehrwürdigen Stiftes Heiligenkreuz das Fest der Priester- und Diakonenweihe – in gewisser Weise auch Erntedank. Wir feiern Eucharistie und sagen dabei Gott Dank für die Schöpfung und Erlösung, vor allem aber für das Geschenk des Lebens und der Berufung unserer Mitbrüder zum Ordensleben sowie in den priesterlichen und diakonalen Dienst.
Erntedank und Priester- und Diakonenweihe – wir feiern beides in der Eucharistie. In der Eucharistie ist verdichtet, was priesterlicher, diakonaler, kirchlicher Dienst ist. Mit 3 Stichworten will ich versuchen trotz Problemen/Wandlungen, das Bleibende des Priesters/Diakons hervorzuheben und mit euch zu überdenken.

Der Priester/Diakon ist erstens Zeuge des Evangeliums Jesu Christi.
Die Botschaft von Jesu Leben, Tod und Auferstehung kann kein Mensch erdichten und sich selbst sagen, er kann sie sich nur sagen lassen, dankbar empfangen. Ein Priester/Diakon steht deshalb zuerst im Dienst der Verkündigung des Evangeliums. Er propagiert nicht eigene Ansichten und Meinungen, sondern er ist demütiger Diener dieser Wahrheit, in die er hineinwächst, von der er sich formen lässt und die er überzeugend oft gegen den Trend der Zeit weitergibt. Wer aber wirklich für das Evangelium Zeugnis ablegen will, muss von der Wahrheit des Evangeliums selbst überzeugt sein. Von solchem Überzeugtsein her lässt sich auch das ableiten, was wir als Mission/Evangelisierung bezeichnen. Das Geheimnis der Mission heißt: Wes des Herz voll ist, des geht der Mund über. Wenn uns heute oft der Mund in religiösen Dingen nicht übergeht, müssen wir uns die Frage stellen, ob unser Herz noch voll genug ist.
Braucht es heute so gesehen nicht eine neue missionarische Anstrengung in unserer Kirche, Pfarrgemeinden, Familien – Christen, Männer und Frauen, vor allem aber auch Priester, Diakone, Ordensleute als Zeugen des Evangeliums?

Der Priester/Diakon ist zweitens Treuhänder.
Ihm ist ein Erbe anvertraut, das er weiterzugeben hat, und zwar ohne sich anzupassen, aber auch ohne eigenwillige und selbst erfundene Zusätze. Dieses Erbe gibt er vor allem weiter in der Liturgie. Denn im Gottesdienst der Kirche wird uns Menschen am deutlichsten bewusst, dass wir den Glauben nicht selbst herstellen, dass wir ihn nur empfangen und weitergeben können. Der Priester als Vorsteher der Liturgie ist berufen und verpflichtet, es sinnenfällig zu machen, dass der Gottesdienst nicht einfach nur eine Veranstaltung der Kirche ist, sondern dass Christus der eigentliche Gastgeber im Gottesdienst ist, den der Priester repräsentieren darf. Und es versteht sich von selbst, dass ein Treuhänder seine Aufgabe nur erfüllen kann, wenn er selbst treu ist, wenn er sich in das Erbe, das ihm aufgetragen und anvertraut ist, einwurzelt und es glaubwürdig lebt.
Wenn gerade heute so vieles in Brüche geht, ist das nicht ein Zeichen dafür, dass uns in Kirche und Gesellschaft Treuhänder fast abhanden gekommen sind?

Der Priester/Diakon ist drittens auch ein Gärtner.
Seine Aufgabe besteht darin, zu pflegen, zu hüten und zu bebauen. Seelsorgliche Arbeit ist also im biblischen Sinne des Wortes Gärtnerarbeit. Dabei wissen wir alle aus eigener Erfahrung, dass es im Garten Gottes verschiedene Gewächse gibt und es nicht immer leicht ist, mit allen zurechtzukommen. Es sind oft tiefere Grabungen in der Erde notwendig, damit der Boden wieder neue Luft erhält. In alledem muss uns das Wort des Apostels Paulus wichtig sein: „Nicht der ist etwas, welcher pflanzt, noch der, welcher begießt, sondern Gott, der das Wachsum gibt.“ Alle seelsorgliche Arbeit hat sich dessen bewusst zu sein, dass das Wachsen-Lassen nicht ihre Aufgabe ist, sondern dass es die Sache Gottes ist, unsere Aufgabe aber im Bebauen, Begießen und im Pflanzen besteht.
Braucht es nicht gerade heute in Kirche und Gesellschaft mehr solche Gärtner?

Lieber P. Ägidius, P. Gregor, P. Paulus, P. Justinus und P. Severin – Ihr werdet in dieser Stunde von der Kirche geweiht und gesandt als Priester und Diakone heute Zeugen, Treuhänder und Gärtner zu sein! Was soll und kann ich Euch als Bischof mitgeben auf den Weg der Nachfolge des Herrn? Im Blick auf die Lesungen des heutigen Sonntags sind es vor allem 3 Ratschläge:
Ihr seid – um es mit Jesaja zu sagen – berufen, geweiht und gesandt im Weinberg des Herrn, der Kirche, zu arbeiten und Ihr seid die Reben, die er zu seiner Freude gepflanzt hat! Seid Euch dessen immer bewusst und fürchtet Euch nicht aus Taufe, Firmung und Weihe heraus Zeugen des Evangeliums zu sein!
Mit dem Apostel Paulus in der 2. Lesung an die Philipper rufe ich Euch zu: Brüder! Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus bewahren – oder mit anderen Worten – seid und bleibt Treuhänder Christi!
Im Evangelium ist die Rede von den Winzern im Weinberg des Herrn – Ihr seid diese Winzer/Pächter, bringt als aufmerksame, umsichtige Gärtner gute Früchte!
Heute am Beginn der Bischofssynode in Rom u. als Bischof einer Martinsdiözese darf ich noch etwas hinzufügen – sorgt Euch um die Familien und die Armen!

Maria, die Rosenkranzkönigin, ist Vorbild als Zeuge, Treuhänder und Gärtner – sie begleite Euren Dienst als Priester und Diakone mit ihrem mütterlichen Segen!
Erbitten wir nun Gottes Geist für Euer Wirken im Weinberg des Herrn! Amen.

Predigt anlässlich der Altarweihe der Pfarrkirche Mogersdorf - 17. August 2014

Heute ist ein besonderer Tag für die Pfarre Mogersdorf. Nach Monaten der Freilegung von kostbaren Malereien, ihrer Restaurierung und der Neugestaltung des Altarraumes in Eurer Pfarrkirche wird heute der neue Altar geweiht. Trotz wertvollster Malereien ist und bleibt der Altar das Kostbarste jeder Kirche, weil er Jesus Christus selber darstellt – Fundament, Mitte und Ziel unseres Glaubens. „Frau, dein Glaube ist groß“, sagt Jesus zur kanaanäischen Frau im Evangelium. Damit weist er auf den Wert von Glauben und Vertrauen hin, ohne die der Mensch nicht wirklich glücklich leben kann. Glauben – wie funktioniert das?

3 Grundbewegungen zeigen, wie der Glaube sich vollzieht.
Die erste Grundbewegung heißt Empfangen. Wir empfangen die Botschaft von Gott, der zu uns spricht. Kein Mensch kann diese Botschaft erdichten, sie ist ein Geschenk. Glaubend empfangen wir, was Gott uns zuspricht, wir können ihn mit leeren Händen empfangen, wie die Frau im Evangelium sagen: „Herr, hilf mir!“
Die zweite Grundbewegung des Glaubens ist das Lob Gottes. Glaubende sind Menschen, die Zeit haben zum Lob Gottes, die vor Gott Liturgie feiern. Wenn wir das befreiende Handeln Gottes am Menschen und der Schöpfung betrachten, drängt es uns bei jeder Gelegenheit Loblieder anzustimmen. Glaubende sind Menschen, die sich neben der Arbeit auch Zeit nehmen zum Lobpreis Gottes.
Die dritte Grundbewegung des Glaubens besteht im Teilen und Austeilen. Es drängt uns die Botschaft Gottes, die für uns Nahrung und Orientierung ist, mit anderen zu teilen, an andere weiterzugeben. So kommen auch Menschen, die in Not sind, sich verirrt haben durch uns zum Leben – das ist Neuevangelisierung!
Diese 3 Grundbewegungen des Glaubens – Empfangen, Loben und Austeilen – ergeben einen harmonischen Dreiklang. Daher heute die Frage an uns: Leben wir unseren Kindern einen Glauben vor mit diesem harmonischen Dreiklang?

Die Kirche ist der Ort, an dem sich die 3 Grundbewegungen des Glaubens ereignen, wo der harmonische Dreiklang immer wieder erfahrbar und erlebbar wird.
Die Kirche ist das sichtbare Haus Gottes in der Welt, damit wir Menschen in der Hektik des Alltags Gott nicht vergessen, uns als pilgernde zum hl. Berg verstehen.
Die Kirche ist der Ort des Gebetes und Gottesdienstes, wo für alle Platz ist.
Die Kirche ist der Ort der Unterweisung im Glauben und des ständigen Gesprächs, der Begegnung von Gott und Mensch im Wort der Schrift und Sakrament der Eucharistie – wie Jesu Gespräch mit der Kanaaniterin im Evangelium.
Die Mitte jeder Kirche ist der Altar, meist aus Stein, Hinweis auf Jesus, der auf dem Felsen Golgotha sein Leben für uns alle geopfert hat. In der Eucharistiefeier wird Jesu Kreuzesopfer auf dem Altar auf sakramentale Weise in Brot und Wein gegenwärtig. So ruft Jesus Christus-Gesalbte auch uns, die wir gesalbt – getauft und gefirmt sind – in seine Nachfolge, bis zur Hingabe unseres Lebens. Solche Lebenshingabe erfüllt sich am radikalsten in den Märtyrern, also jenen Christen, die mit ihrem Leben und Tod das Evangelium bezeugt haben.
Deshalb werden im Altar auch Reliquien von Märtyrern und Heiligen beigesetzt.
Der Altar ist daher zuerst Symbol für Jesus Christus, dann aber auch Symbol für die Christen, deren höchste Berufung darin besteht, ihr Leben als Opfergabe in Dank, Lob und Bitte zu begreifen.
Der Altar stellt Jesus Christus dar, die Mitte eines jeden Gotteshauses, die Mitte der Kirche, von der aus sich die christliche Gemeinde aufbaut. Gemeinde bauen können wir aber nur, wenn wir auf Jesus schauen, ihm nachfolgen und sein Evangelium zur Richtschnur unseres Handelns machen – daran erinnert der neue Altar.
Der Altar ist für den Christen die Quelle aus der er Kraft für seinen Glauben und sein Leben schöpft, Zeichen der Einheit für uns trotz unserer Verschiedenheiten.
Schon der Prophet Jesaja verheißt in der 1. Lesung jenen, die Gott lieben/dienen, den Sabbat/am Bund festhalten, gemeinsam zum hl. Berg pilgern, Freude u. die Erhörung ihrer Gebete und Opfer am Altar – ist das nicht eine Frohbotschaft?!

Liebe Pfarrfamilie von Mogersdorf!
Versammelt Euch als Christen/Gesalbte – Getaufte und Gefirmte - oft und gerne, vor allem am Sonntag in Eurer schönen Kirche um den neuen Altar zur Feier der Eucharistie, damit Ihr nie vergesst, was Jesus für uns alle am Kreuz getan hat!
Schaut und baut auf Christus, damit Euer Leben gelingt!
Lasst Eure Gebete in Freud und Leid von dieser Kirche aus wie Weihrauch zu Gott aufsteigen, damit Ihr im Leben die Freude, Kraft und Orientierung nicht verliert!
Gebt das Licht des Glaubens in Euren Familien den Kindern weiter und erhellt wie die Heiligen mit Eurem Leben die Dunkelheit in unserer Welt.
Bleibt als einzelne und als Pfarrgemeinde wie die Kanaaniterin im Evangelium mit Jesus im Gespräch, damit Ihr die Freude am Glauben nicht verliert, die Verbindung mit ihm und die Einheit untereinander bewahrt, gute Früchte bringt!
So ist Kirche auch heute lebendig, glaubwürdig, anziehend und missionarisch!

Ich danke allen bei Euch, die im Alltag dieses Glaubenszeugnis geben und dafür Sorge tragen, dass die Sache Jesu hier bei Euch weitergeht!
Ich sage als Bischof Eurem Pfarrer, dem PGR und allen Mitarbeitern der Pfarre sowie den Gläubigen von Mogersdorf mit den Filialen, allen Spendern und Betern für ihren Einsatz und die Aufbringung der Mittel von Herzen: Vergelt´s Gott!
Mein besonderer Dank gilt dem Bundesdenkmalamt, dem Land, der Gemeinde, den Vereinen für die finanzielle Unterstützung, vor allem den Firmen, Arbeitern und freiwilligen Helfern, dem Künstler, Architekten und Restauratoren-Team sowie dem Bauamt und Kunstrat unserer Diözese für den großen Einsatz und die kompetente Begleitung!
Mogersdorf, unsere Diözese und unser Land sind um ein Juwel reicher – diese Kirche ist ein Glaubenszeugnis Eurer Pfarrgemeinde von früher wie von heute, vor allem aber ein Auftrag zum Glauben: Empfangen – Lobpreis – Aus/Teilen!

Der hl. Josef – der Schutzpatron der Kirche, dem auch Eure renovierte Kirche geweiht ist – begleite Eure Pfarrgemeinde in eine gesegnete Zukunft! Amen.

Freitag, 12. September 2014

Predigt des Bischofs von Eisenstadt Ägidius J. Zsifkovics anlässlich des Requiems für Melinda Fürstin Esterhazy

(Dom zu Eisenstadt, am 12. September 2014)


Liebe Trauergemeinde! 
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

Gott ist groß. Und am größten, am souveränsten gegenüber seiner Schöpfung, am unverhandelbarsten gegenüber seinen Geschöpfen zeigt er sich wohl dann, wenn er die Kaiser, Könige und Fürsten dieser Erde vor seinen Thron ruft. Jene, deren Namen zu Lebzeiten ganze Länder mit ihrem Klang erfüllten und durch Jahrhunderte hindurch der zeitlichen Welt ihre Signatur verliehen.

Wir stehen heute am Sarg von Melinda, Fürstin Esterházy de Galantha, die im 95. Lebensjahr entschlafen ist. Melinda, in Budapest 1920 geboren, wurde durch die Ehe mit dem letzten regierenden Fürsten der Familie Esterházy, Paul V., Teil einer Familie, der es über Jahrhunderte bestimmt war, die Geschichte Pannoniens zu prägen wie keine zweite. Eine Familie, der es aber auch bestimmt sein sollte, Pannonien und mit ihm das österreichische Kaiserreich so zu schützen wie keine zweite.

Kann es bloßer Zufall sein, dass wir ausgerechnet am 12. September, dem kirchlichen Fest „Mariä Namen“ am Sarg der letzten Fürstin Esterházy stehen – jenem Tag, der in der Geschichte der christlichen Völker untrennbar mit der Verteidigung und Bewahrung unserer christlichen Kultur verbunden war? Dem Fest aber auch des Namens der Gottesmutter Maria, deren Haltung uns lehrt, dass es nicht nur auf unser menschliches Können, unser menschliches Vermögen, unseren menschlichen Aktivismus ankommt, sondern dass wir - wie Maria - heilige Erde werden sollen, in der das Wort Gottes im Beten und Glauben wachsen kann? Eine Haltung, die in der ausgeprägten Marienverehrung der Fürstendynastie Esterházy durch die Jahrhunderte hindurch immer wieder spürbar gewesen ist.

Geboren in einer Zeit, in der die alten Bedrohungen durch fremde Völker und Kulturen durch neue, innere Bedrohungen eines mörderischen Nationalismus in Europa ersetzt waren, begann Melinda, geborene Ottrubay, ihren ganz persönlichen Lebensweg als Künstlerin. Ihr erster Kampfplatz war die Ballettschule und der Innenraum ihres selbstbewussten wie disziplinierten Wesens. Mit erst dreizehn Jahren tanzte sie bereits eine Solorolle. Und als Vierzehnjährige unterzeichnete sie einen Dienstvertrag mit dem Königlich-Ungarischen Opernhaus, wodurch sie ein eigenes, fixes Gehalt erhielt – man erkennt hier bereits die spätere Fürstin und souveräne Verwalterin großen Vermächtnisses und Vermögens.

Trotz ihrer Jugend konnte sich Melinda neben den älteren Solotänzerinnen des Opernhauses behaupten. Die katholische Kirche kennt in den Reihen ihrer Würdenträger „Titularerzbischöfe“, das sind meist ergraute Herren – Melinda Ottrubay dagegen wurde mit 16 Jahren, das war 1936, zur sogenannten »Titularsolotänzerin« befördert. Ihre Leidenschaft für Pirouetten – sie schaffte angeblich mit nur einem einzigen Schwung bis zu 15 Umdrehungen – trugen ihr den Spitznamen »Fräulein Ventilator« ein.

Was verrät uns diese Episode über das weitere Leben und Wirken dieser so bemerkenswerten Frau?

Melinda Ottrubay hat immer Wind gemacht – mit ihrem besonderen Wesen, ihrem Elan, ihrem Fleiß. So wurde sie 1945 zur „Primaballerina Assoluta“ ernannt, ein Ehrentitel, den sie als erstes Mitglied des Budapester Opernhauses erhielt. Kurz darauf heiratete sie ihre große Liebe: Paul V. Fürst Esterházy. Sie war ihm schon als Teenager aufgefallen, als sie ihn mit ihrem Fahrrad fast überfuhr und ihm dabei keck und selbstbewusst zurief: „Küss die Hand, Onkel Fürst!“ Ein frühes Treffen zweier stolzer Menschen, die sich in ihrer Angst, eine Zurückweisung zu erfahren, und in ihrem Wunsch, um nichts anderes als um ihrer selbst Willen angenommen zu werden, ebenbürtig waren.

Es wurde Jahre später ein Bund fürs Leben, der diese beiden füreinander geschaffenen Menschen all das bestehen ließ, was noch kommen sollte: den endgültigen Untergang der „Welt von gestern“, wie sie ein Stefan Zweig oder ein Joseph Roth literarisch für die Ewigkeit festgehalten hat; den ideologischen Wahnsinn in einem genau an der burgenländischen Grenze auseinanderbrechenden Europa; die Verstaatlichung des Esterházyschen Besitzes in Ungarn; die Unterstellung des österreichischen Besitzes unter die Verwaltung der sowjetischen Besatzungszone; den ungarischen Schauprozess gegen Kardinal Joszef Mindszenty, in dessen Rahmen Paul Esterházy unter dem Vorwand eines Devisenvergehens gemeinsam mit anderen angeklagt und zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde; den Volksaufstand 1956 in Ungarn, der Melindas Gatten über die Grenze nach Österreich fliehen ließ; die heftigen politischen Debatten der 40er-, 50er- und 60er-Jahre um die Esterházy-Besitzungen im Burgenland; und vieles mehr, das nur Gott weiß und das wir mit Melinda nun in seine gütigen Hände legen.

Ihre eiserne Disziplin und ihr umsichtiges Wirken hat Melinda Fürstin Esterházy nach dem Tod ihres Gatten 1989 endgültig zu einer der bedeutensten Förderinnen der kulturellen Entwicklung des Burgenlandes und des gesamten pannonischen Raumes gemacht. Das hohe kulturelle und künstlerische Erbe der Esterházys wurde von Melinda, die sich mit eiserner Disziplin als Künstlerin in die Herzen der Menschen getanzt hatte, als Fürstin weitergetragen auf dem Parkett der burgenländischen Zeitgeschichte. Es gipfelt heute in mehreren Privatstiftungen, die das wertvolle Erbe der Esterházys für die Nachwelt und Öffentlichkeit erhalten.

Es gibt keine menschliche Geste, die unser aller Dankbarkeit dafür adäquat zum Ausdruck bringen könnte. Uns bleibt nur das schlichte Wort DANKE. Dieses Danke ist ganz besonders auch ein Danke der Kirche an Fürstin Melinda Esterházy. Sie selbst war allen Eisenstädter Diözesanbischöfen persönlich eng verbunden, die von ihr repräsentierte Dynastie hat über Jahrhunderte mit der Schaffung bedeutender geistlicher Zentren und als Patronatsherren dem Land die christliche Seele erhalten.

Gott ist groß, sagte ich zu Beginn. Es war der Seelenadel der Esterházys, die eigene Macht und Größe nicht zum Maß aller Dinge zu erheben, sondern in Gott allein den Höchsten zu sehen. Bereits Paul I., der Begründer der Fürstendynastie, der Mäzen und Menschenfreund, dessen selbstkomponierte „Harmonia Caelestis“ wir heute hören, war selbst ein zutiefst gläubiger und frommer Katholik. Seine direkten Nachkommen wohnen heute diesem Requiem bei. Es führt ein roter Faden direkt von ihm durch drei Jahrhunderte hindurch hierher zu uns, in diesen Dom, in dieser Stunde. Am Sarg der letzten Fürstin Esterházy sind wir alle heute historische Zeugen nicht nur des Endes des Menschenweges der „Primaballerina Assoluta“, sondern auch des Endes von 3 Jahrhunderten Fürstentum in dieser unserer geliebten pannonischen Heimat. Wenn wir heute die sterblichen Überreste von Melinda der Familiengruft der Esterházys im Eisenstädter Franziskanerkloster übergeben werden, dann ist dies auch das Ende einer Ära. Unser Danke an Melinda, die letzte Fürstin, ist gleichzeitig unser Danke an die ganze Fürstendynastie, die mit ihr zu Ende geht. Die Allersensibelsten unter uns, die in großen Zusammenhängen denken und fühlen, müssen die ganze Dramatik dieses Ereignisses wohl als tiefste seelische Erschütterung empfinden – neben den Angehörigen Fürstin Melindas gebührt auch ihnen, diesen Angehörigen einer versunkenen, einer großen, einer hohen Zeit unser ganzes Mitgefühl.

Wie ich hörte, pflegte Melinda in ihren späten Jahren, wenn sie sehnsuchtsvoll aus dem Fenster ihres Eisenstädter Stadthauses nach Ungarn blickte, zu sagen: „Das ist der Blick in die Heimat!“ Wenn wir nun ihre Seele Gott und der Fürsprache Mariens anvertrauen, dann tun wir dies in der christlichen Hoffnung auf die Auferstehung, darauf, dass unsere Verstorbene nun der wirklichen, der ewigen Heimat bei Gott ansichtig wird.

Wir wissen nicht, ob in der Ewigkeit getanzt wird. Doch wenn die Seligpreisungen des Evangeliums für jeden Menschen wahr sind – und daran glauben wir fest! -, dann muss es in der Ewigen Heimat für Fürstin Melinda Esterházy, die Primaballerina Assoluta, eine eigene Ballettbühne geben, mit Gott als Publikum.

AMEN.

Montag, 8. September 2014

Predigt anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums des Caritas-Kindergarten Ollersdorf - 7. September 2014

Liebe Schwestern und Brüder!
Liebe Kinder unseres Kindergartens und der Pfarrgemeinde!
Lieber Herr Pfarrer!
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Caritas mit der Frau Caritas-Direktorin an der Spitze!

Vielleicht kennen Sie den amerikanischen Film "Der Kindergarten-Cop" mit Arnold Schwarzenegger. Er handelt von einem Polizisten, der sich als vermeintlicher Kindergarten-Pädagoge bewirbt, um im familiären Umfeld eines Kindes verdeckte Ermittlungen durchführen zu können. Die Kindergartenklasse, die er übernehmen soll, erweist sich als sehr schwierig, und der überforderte Polizist versucht es zunächst mit spartanischem Drill, der eher in eine Militärakademie passt.

Doch allmählich entsteht eine echte Beziehung zwischen den Kindern und ihrem neuen Lehrer. Die Kinder beginnen, Verantwortung füreinander zu übernehmen, der Polizist entdeckt an sich selbst plötzlich eine liebevolle, herzliche Seite. Am Ende ist aus dem knallharten Fahnder ein sensibler Mensch geworden. Die Kinder haben das aus ihm gemacht.

Liebe Schwestern und Brüder, ich will damit nicht sagen, dass es in unseren kirchlichen Kindergärten einen Polizisten braucht. Unsere Mitarbeiterinnen von der Caritas machen das sicher besser. Ich will vielmehr darauf hinweisen, was für besondere Orte jene Häuser sind, an denen die scheinbar Kleinsten unserer Gesellschaft zum ersten Mal das Leben in einer größeren Gemeinschaft erleben. Es sind Orte, an denen das Kindsein in seiner wahren, in seiner religiösen Dimension erkannt, gefördert und beschützt wird - insofern passt das Bild vom Polizisten sehr gut! Nicht kleine Systemerhalter für Staat und Wirtschaft sollen hier herangezüchtet werden, sondern wahre Menschen, die sich ihrer Freiheit in Gott bewusst werden. Dass diese kleinen Menschen aber auch ihrerseits den Großen viel an Freude und an Selbsterkenntnis zu schenken haben, das erfährt nicht nur der Polizist im Film, sondern das werden auch unsere Caritas-Mitarbeiterinnen aus ihrer Praxis im Kindergarten gerne bestätigen.

Wir befinden uns hier an einem Marienwallfahrtsort, am Vortag des Festes "Mariä Geburt". Ich selbst habe als kleines Kind hierher meine erste Wallfahrt mit den Eltern gemacht. Niemals habe ich die freudige Erregung vergessen, die die Feierlichkeit der Menschen und dieses Ortes in mir bewirkten. Wenn wir auf die Darstellung Mariens blicken, hier, aber auch überall anders auf dieser Welt, dann blicken wir auf eine junge Frau. Eine junge Frau, die dem Christentum ein junges und schönes Gesicht gibt. Eine junge Frau, die für den Neubeginn Gottes in einer vergreisten Welt steht. Eine junge Frau, die eine Brücke von der alten Religion zur neuen ist. Eine junge Frau, die in einem einseitig vermännlichten Christentum immer wieder hochgehalten und verehrt werden muss, um die weibliche Seite, die persönliche Seite der Kirche zu zeigen.

Und: wir sehen eine junge Frau, die ein Kind zur Welt gebracht hat und im Arm trägt, ein Kind, das die Hoffnung und Rettung aller Menschen ist. Das heutige Evangelium lässt uns das unmissverständlich wissen: "Man wird dem Kind den Namen Immanuel geben", schreibt Matthäus, "das heißt übersetzt: Gott ist mit uns." Indem der Sohn Gottes eine menschliche Mutter hat und indem er als Kind in diese Welt kommt, vergöttlicht er uns alle. Gott stellt sich selbst als Kind in diese Welt, und dadurch stellt er das Kind in die Mitte.

Damit stellt er das Kind unter seinen besonderen Schutz: "Lasset die Kleinen zu mir kommen!", sagt Jesus. Kinder sind weder ein "Recht" noch der "Besitz" ihrer Eltern oder der Gesellschaft. Kinder kommen - wie überhaupt jeder Mensch - selbst aus Gottes Freiheit und stehen vom Moment ihrer Zeugung an mit eigenem Recht in dieser Freiheit Gottes. Was ist das hingegen für eine seltsame Freiheit, zu deren Rechten es zählt, die Freiheit des Anderen, des Ungeborenen, gleich von Anfang an einzuschränken?

Kinder sind - wie Maria, in der Gott Kind wurde - ein Neubeginn, und sie sind die Zukunft. Sie sind es für den Polizisten im Film, der ein neues Leben beginnt, sie sind es aber auch für die ganze Menschheit! Bodenschätze gehen zu Ende, Reichtümer verbrauchen sich, Technologie veraltet - aber Kinder als der "ewig neue Mensch" mit seinen ewig neuen Möglichkeiten geben uns wahre Hoffnung. Kinder sind keine Bedrohung und keine Einschränkung einer fragwürdigen "Selbstverwirklichung", sondern sie sind im tiefsten Sinne des Wortes unsere Zukunft!

Eine Gesellschaft, die das Kind in die Mitte stellt, es in seinen Rechten und Bedürfnissen respektiert, wird dazu tendieren, alle Menschen gut zu behandeln. Eine Gesellschaft, die das Kind ausklammert, wird langsam aber sicher barbarisch. Ein kirchlicher Kindergarten ist daher, gleich nach der Familie, eine Wiege der Zukunft. Und ein Kindergarten, der bereits 40 Jahre lang diesem Vermächtnis Gottes verpflichtet ist, verdient unser aller Dank und Anerkennung. 40 Jahre lang - eine biblische Zahl! - wurden hier Menschen in ihrem frühen christlichen Heranwachsen begleitet.

Als Bischof unserer Diözese habe ich Grund, allergrößten Dank auszusprechen: der Pfarre, die dies mitträgt, sowie unserer Caritas mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ich darf Euch alle bitten, weiterhin durch Euer Tun das "Kind in die Mitte" zu stellen und dadurch der heutigen kinder- und lebensfeindlichen Gesellschaft ein höchstnotwendiges Zeichen entgegenzusetzen!

Dazu vertraue ich Euch alle dem Schutz der Muttergottes, der Mutter aller Menschen an und bitte um ihren Segen für Euch und Euer Wirken.

Amen.

Predigt zur Dreiländerwallfahrt

Frauenkirchen 8.9.2014


Am heutigen Fest „Mariä Geburt“ geht unser Blick auf Maria, die Mutter Jesu. Sie ist uns Menschen von Jesus am Kreuz zur Mutter und Wegweiserin gegeben. In ihr erkennen wir auch unseren Lebensweg von der Geburt bis zum Ziel.
Heute sind wir alle zur „Mutter von der Heide“ nach Frauenkirchen gekommen, um diesen Marienfeiertag und das Patrozinium dieses prächtigen Gotteshauses zu begehen – wie es die Menschen dieses pannonischen Raumes über Jahrhun-derte gemeinsam tun: Deutsche, Kroaten, Ungarn, Slowaken und Roma.
Heute möchte ich bewusst auf das erste Gnadenbild von Frauenkirchen schauen und an seine wunderbare Wirkung und Bedeutung erinnern. Es ist eine seltene und kostbare „Maria-Lactans-Darstellung“.

Was ist die Bedeutung dieses ersten + alten  Gnadenbildes „Maria Lactans“?
Die Bedeutung dieses lateinischen Wortes lautet: „Maria, die Stillende“.
Das Bildmotiv war bereits in vorchristlicher Zeit in kultischem Zusammenhang gebräuchlich. In christlicher Deutung unterstreicht dieses Bild die menschliche Natur von Jesus Christus und damit die Erlösung durch die Menschwerdung Gottes im Kind von Betlehem. Das Bild widerspricht auch einer leibfeindlichen Deutung der christlichen Botschaft.

Beim genauen Blick auf das alte Gnadenbild fallen einem sofort zwei Dinge auf:

1. Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm, das an der Brust liegt und mit der Mutter auf die Hl. Schrift schaut, die Maria in der anderen Hand offen hält.
Dieses Bild der „stillenden Mutter“ möchte uns sagen, wo die wahre Nahrung für unser Leben zu suchen ist, und dass wir Gottes Wort in uns wie die Nahrung für den Leib als Nahrung für die Seele aufnehmen, mit der Muttermilch zu uns nehmen sollen. Maria gibt ihrem Kind eine gute, gesunde und Leben spendende Nahrung, in der alle Vitamine für Körper, Seele und Geist enthalten sind.
Maria will auch uns, ihren Kindern, diese gute Nahrung für das Leben geben und zeigt uns im ersten Gnadenbild von Frauenkirchen, wo sie zu finden ist.
In einer Welt und Zeit, in der Väter und Mütter ihren Kindern die beste Nahrung geben für den Leib und sie mit allen nur denkbaren Mitteln füttern, scheint die Nahrung für die Seele – Gebet, Gottes Wort der Heiligen Schrift, Gottesdienst, Sakramente – kaum mehr eine Rolle zu spielen. Leiden unsere Kinder nicht un-ter dem Vitaminmangel an Gott und seinem Wort? Sind wir moderne Menschen nicht in Gefahr nur einseitig erzogen und ernährt zu werden – alles für den Leib und kaum etwas oder nichts für die Seele? Wird da nicht eine einseitige, an Vi-tamin G mangelnde, kranke Generation herangezogen, die den Sinn des Lebens und die Orientierung verloren hat?
Das Gnadenbild der „stillenden Mutter“ zeigt uns, dass Gottes Wort zu einem gesunden Leben gehört, uns Menschen Nahrung ist, Kraft und Orientierung gibt.
2. Maria mit dem Jesuskind wird als Mutter und Königin dargestellt.
Der vornehmste Auftrag einer Königin im Mittelalter war neben der Mutterrolle das fürbittende Dazwischenstehen zwischen Urteil und Verurteilten. Für die Menschen damals war die Königin die größte Hoffnung, Begnadigungen zu er-wirken, Auszeichnungen zu erbitten. Sie war die schenkende Hand des Königs.
Maria als Mutter und Königin will uns als sichtbares Zeichen der Mütterlichkeit Gottes sagen: Du darfst dich zu Gott hintrauen. Du brauchst keine Angst vor ihm zu haben. Ich lege für dich Fürbitte ein. Ich weiß, wo dich der Schuh drückt. Ist das nicht für uns alle eine hoffnungsvolle und trostvolle Botschaft in unseren oft schwierigen Lebenssituationen in Ehe und Familie, Beruf und Gesellschaft?

Wenn wir heute am Kleinfrauentag nach Frauenkirchen zur „stillenden Mutter“ mit unseren Freuden und Sorgen gekommen sind und hier vor ihrem Gnadenbild singen, beten, danken, weinen, um Segen und Hilfe bitten, dann erinnert sie uns: Alles im Leben kommt von Gott, der in Wort + Sakrament unsere Nahrung ist.
Als Königin trete ich wie eine Mutter für dich ein, weil ich weiß, was du als Na-hrung brauchst, wo dich der Schuh drückt. Aber sie bittet auch uns miteinander liebevoll umzugehen und im Alltag des Lebens einander helfend beizustehen!
Das Jesuskind, das ich als Mutter stillen durfte ist dieser Immanuel/Gott mit uns.

Der Mutter von der Heide vertraue ich heute unsere Diözese, diese ihr geweihte Kirche und Pfarrgemeinde, unsere Familien, die Mütter mit ihren Kindern sowie alle Pilger, besonders unsere Nachbarn aus Ungarn und der Slowakei an! Amen.

Samstag, 6. September 2014

Predigt zum Mariazellerfest im Wiener Stephansdom

06.09.2014

Wir alle sind heute in den Wiener Stephansdom zum traditionellen Mariazeller-fest gekommen und schauen auf Maria, auf ihre Zukunft, die auch unsere ist. Um aber in rechter Weise auf unsere Zukunft zu schauen, sollten wir zuerst aber auf den Anfang unseres Heils schauen. Maria ist uns dabei eine große Hilfe.
In Maria begegnet uns „Gottes makelloses Konzept“ vom Menschen.
An dem, was wir aus der Bibel von ihr wissen, wird sichtbar, wie sich Gott den Menschen denkt und wünscht; welche Vorstellung er von einem gelingenden Leben hat; wie sein Plan und Programm für ein erfülltes Leben aussieht.
Wer zum Mariazellerfest kommt und auf die Kopie der Gnadenstatue von Mariazell schaut, der kann sehen, wie Gott unser Leben konzipiert hat.
Zu einem erfüllten Leben/Menschsein/Christsein gehören vor allem 3 Dinge:

Zu einem erfüllten Leben gehört zuerst einmal, darauf zu hören, was Gott uns sagt, was er mit uns vorhat, welche Lebensaufgabe er uns zugedacht hat, was er uns an Chancen und Möglichkeiten zuspielt, zutraut und sich von uns erwartet.
Maria wird uns in der Bibel beim Besuch des Engels Gabriel im Haus von Na-zareth als eine große Hörende vor Augen gestellt. Nur weil Maria bei Gottes Ruf zu Hause, still und aufmerksam war, ja zuhören konnte, war es ihr überhaupt möglich Gottes Wort/Ruf/Einladung zu hören, zu überdenken und anzunehmen!
Hat der moderne Mensch trotz bester Technik und Kommunikationsmittel in der Hektik u. im Lärm der Zeit nicht weithin das Hören – Glauben – Beten verlernt?
Maria bestätigt mit ihrem Leben das Wort der Bibel, dass der Glaube vom Hö-ren kommt. Elisabeth bezeugt: „Selig ist die, die geglaubt hat, was der Herr ihr sagen ließ.“ Nur weil sie im Haus von Nazareth zu Hause, still und aufmerksam war, konnte sie Gottes Wort hören und annehmen. Machen wir es Maria nach!

Zu einem erfüllten Leben gehört aber auch ein zweites, nämlich entsprechend dem Gehörten zu handeln; dem Ruf oder der Berufung zu folgen; das in die Tat umzusetzen, was wir als unseren Auftrag erkannt haben.
Marias „Ich bin die Magd des Herrn“ zeigt, dass sie ihre Lebensaufgabe anni-mmt, dass sie Jesus – im wahrsten Sinne des Wortes – „zur Welt bringen“ will.
Maria lebt und handelt aus dem Schatz ihres Glaubens. Sie hat einen Blick für Arme, Niedrige und Erniedrigte, alle Opfer an den Rändern der Gesellschaft.
Haben wir moderne Menschen nicht weithin aufgehört auf Jesu Botschaft zu hören und nach ihr im Leben zu handeln, weil es von uns Opfer, Umkehr und den Mut zum Zeugnis, zum Schwimmen gegen den Strom abverlangt? Sind wir oft nicht nur mit uns selbst beschäftigt u. lässt uns die Not Anderer nicht kalt?
Maria bestätigt mit ihrem Leben, dass der Weg der Nachfolge nicht leicht aber möglich und erfüllend ist. Der Christ soll wie Maria mit den Augen Jesu sehen, Jesu Gesinnung haben und wie Jesus handeln, das heißt: Mit Jesu Augen Gottes Schöpfung und den Mitmenschen sehen, besonders den Armen u. Notleidenden, und wie Jesus zu handeln mit unseren Fähigkeiten. Machen wir es Maria nach!
Zu einem erfüllten Leben gehört schließlich auch das Hinweisen: Wer auf Jesus hören, in seinem Sinn handeln will, wer darin den Sinn seines Lebens sieht – der möchte auch andere auf Jesu Botschaft aufmerksam machen, sie zum Glauben an ihn führen – oder wie Jesaja in der Lesung sagt – Völker wandern zum Licht.
Maria weist im Mariazeller Gnadenbild auf Jesus hin. Sie lädt andere ein, auf Jesus zu schauen und sein Wort zu hören „Was er euch sagt, das tut!“ so lenkt Maria im Hochzeitssaal von Kana den Blick nicht auf sich, sondern auf Jesus.
Haben wir moderne Christen nicht weithin aufgehört unseren Kindern und Mit-menschen glaubwürdige Wegweiser und Hinweisschilder zu Gott zu sein?
Maria bezeugt in ihrem Leben, dass sie im Alltag d. Glauben lebte, dass Gebet, Gottesdienst, Wallfahrt von Bedeutung waren. Machen wir es Maria nach!

Hören – Handeln – Hinweisen: 3 Bausteine für ein sinnvolles Lebenskonzept, einen klaren Lebensentwurf, ein erfülltes Menschsein und Christsein, wie wir sie an Maria ablesen können. Wenn wir uns an diesem Konzept orientieren und ver-suchen die 3 H´s  „Hören – Handeln – Hinweisen“ zum Grundmuster unseres Christseins zu machen, dann hat unser Leben nicht nur einen großen Anfang, sondern auch ein großes Ziel, eine große Zukunft – wie das Leben Marias!

Als Pilger sind wir heute zum Mariazellerfest in den Stephansdom gekommen, um auf Maria zu schauen, um uns an ihrem Beispiel zu orientieren und sie um ihre Fürsprache zu bitten: Große Mutter Österreichs, hilf uns, dass auch wir im Leben wie du Gottes Wort hören, im Alltag danach handeln und mit unserem Leben unsere Mitmenschen auf Jesus und seine Botschaft hinweisen! Amen.    

Donnerstag, 21. August 2014

Altarweihe Pfarrkirche Mogersdorf - 17. August 2014

Heute ist ein besonderer Tag für die Pfarre Mogersdorf. Nach Monaten der Freilegung von kostbaren Malereien, ihrer Restaurierung und der Neugestaltung des Altarraumes in Eurer Pfarrkirche wird heute der neue Altar geweiht. Trotz wert-vollster Malereien ist und bleibt der Altar das Kostbarste jeder Kirche, weil er Jesus Christus selber darstellt – Fundament, Mitte und Ziel unseres Glaubens. „Frau, dein Glaube ist groß“, sagt Jesus zur kanaanäischen Frau im Evangelium. Damit weist er auf den Wert von Glauben u. Vertrauen hin, ohne die der Mensch nicht wirklich glücklich leben kann. Glauben – wie funktioniert das?

3 Grundbewegungen zeigen, wie der Glaube sich vollzieht.
Die erste Grundbewegung heißt Empfangen. Wir empfangen die Botschaft von Gott, der zu uns spricht. Kein Mensch kann diese Botschaft erdichten, sie ist ein Geschenk. Glaubend empfangen wir, was Gott uns zuspricht, wir können ihn mit leeren Händen empfangen, wie die Frau im Evangelium sagen: „Herr, hilf mir!“
Die zweite Grundbewegung des Glaubens ist das Lob Gottes. Glaubende sind Menschen, die Zeit haben zum Lob Gottes, die vor Gott Liturgie feiern. Wenn wir das befreiende Handeln Gottes am Menschen und der Schöpfung betrachten, drängt es uns bei jeder Gelegenheit Loblieder anzustimmen. Glaubende sind Menschen, die sich neben der Arbeit auch Zeit nehmen zum Lobpreis Gottes.
Die dritte Grundbewegung des Glaubens besteht im Teilen und Austeilen. Es drängt uns die Botschaft Gottes, die für uns Nahrung und Orientierung ist, mit anderen zu teilen, an andere weiterzugeben. So kommen auch Menschen, die in Not sind, sich verirrt haben durch uns zum Leben – das ist Neuevangelisierung!
Diese 3 Grundbewegungen des Glaubens – Empfangen, Loben und Austeilen – ergeben einen harmonischen Dreiklang. Daher heute die Frage an uns: Leben wir unseren Kindern einen Glauben vor mit diesem harmonischen Dreiklang?

Die Kirche ist der Ort, an dem sich die 3 Grundbewegungen des Glaubens erei-gnen, wo der harmonische Dreiklang immer wieder erfahrbar und erlebbar wird.
Die Kirche ist das sichtbare Haus Gottes in der Welt, damit wir Menschen in d. Hektik d. Alltags Gott nicht vergessen, uns als pilgernde zum hl. Berg verstehen.
Die Kirche ist der Ort des Gebetes und Gottesdienstes, wo für alle Platz ist.
Die Kirche ist der Ort der Unterweisung im Glauben und des ständigen Gesprächs, der Begegnung von Gott und Mensch im Wort der Schrift und Sakrament der Eucharistie – wie Jesu Gespräch mit der Kanaaniterin im Evangelium.
Die Mitte jeder Kirche ist der Altar, meist aus Stein, Hinweis auf Jesus, der auf dem Felsen Golgotha sein Leben für uns alle geopfert hat. In der Eucharistiefeier wird Jesu Kreuzesopfer auf dem Altar auf sakramentale Weise in Brot und Wein gegenwärtig. So ruft Jesus Christus-Gesalbte auch uns, die wir gesalbt – getauft und gefirmt sind – in seine Nachfolge, bis zur Hingabe unseres Lebens. Solche Lebenshingabe erfüllt sich am radikalsten in den Märtyrern, also jenen Christen, die mit ihrem Leben und Tod das Evangelium bezeugt haben.
Deshalb werden im Altar auch Reliquien von Märtyrern und Heiligen beigesetzt.
Der Altar ist daher zuerst Symbol für Jesus Christus, dann aber auch Symbol für die Christen, deren höchste Berufung darin besteht, ihr Leben als Opfergabe in Dank, Lob und Bitte zu begreifen.
Der Altar stellt Jesus Christus dar, die Mitte eines jeden Gotteshauses, die Mitte der Kirche, von der aus sich christl. Gemeinde aufbaut. Gemeinde bauen können wir aber nur, wenn wir auf Jesus schauen, ihm nachfolgen und sein Evangelium zur Richtschnur unseres Handelns machen – daran erinnert der neue Altar.
Der Altar ist für den Christen die Quelle aus der er Kraft für seinen Glauben und sein Leben schöpft, Zeichen der Einheit für uns trotz unserer Verschiedenheiten.
Schon der Prophet Jesaja verheißt in der 1. Lesung jenen, die Gott lieben/dienen, den Sabbat/am Bund festhalten, gemeinsam zum hl. Berg pilgern, Freude u. die Erhörung ihrer Gebete und Opfer am Altar – ist das nicht eine Frohbotschaft?!

Liebe Pfarrfamilie von Mogersdorf!
Versammelt Euch als Christen/Gesalbte – Getaufte und Gefirmte - oft und gerne, vor allem am Sonntag in Eurer schönen Kirche um den neuen Altar zur Feier der Eucharistie, damit Ihr nie vergesst, was Jesus für uns alle am Kreuz getan hat!
Schaut und baut auf Christus, damit Euer Leben gelingt!
Lasst Eure Gebete in Freud + Leid von dieser Kirche aus wie Weihrauch zu Gott aufsteigen, damit Ihr im Leben die Freude, Kraft und Orientierung nicht verliert!
Gebt das Licht des Glaubens in Euren Familien den Kindern weiter und erhellt wie die Heiligen mit Eurem Leben die Dunkelheit in unserer Welt.
Bleibt als einzelne und als Pfarrgemeinde wie die Kanaaniterin im Evangelium mit Jesus im Gespräch, damit Ihr die Freude am Glauben nicht verliert, die Verbindung mit ihm und die Einheit untereinander bewahrt, gute Früchte bringt!
So ist Kirche auch heute lebendig, glaubwürdig, anziehend und missionarisch!

Ich danke allen bei Euch, die im Alltag dieses Glaubenszeugnis geben und dafür Sorge tragen, dass die Sache Jesu hier bei Euch weitergeht!
Ich sage als Bischof Eurem Pfarrer, dem PGR und allen Mitarbeitern der Pfarre sowie den Gläubigen von Mogersdorf mit den Filialen, allen Spendern u. Betern für ihren Einsatz und die Aufbringung der Mittel von Herzen: Vergelt´s Gott!
Mein besonderer Dank gilt dem Bundesdenkmalamt, dem Land, der Gemeinde, den Vereinen für die finanzielle Unterstützung, vor allem den Firmen, Arbeitern und freiwilligen Helfern, dem Künstler, Architekten und Restauratorenteam sowie dem Bauamt und Kunstrat unserer Diözese für den großen Einsatz und die kompetente Begleitung!
Mogersdorf, unsere Diözese und unser Land sind um ein Juwel reicher – diese Kirche ist ein Glaubenszeugnis Eurer Pfarrgemeinde von früher wie von heute, vor allem aber ein Auftrag zum Glauben: Empfangen – Lobpreis – Aus/Teilen!

Der hl. Josef – der Schutzpatron der Kirche, dem auch Eure renovierte Kirche geweiht ist – begleite Eure Pfarrgemeinde in eine gesegnete Zukunft! Amen.

370 Jahre Gnadenbild Rattersdorf - 15. August 2014

Am heutigen Großfrauentag geht unser aller Blick auf Maria, die Mutter Jesu, die in den Himmel aufgenommen ist. Sie ist uns Menschen von Jesus am Kreuz zur Mutter und Wegweiserin gegeben. In ihr erkennen wir auch unseren Weg und können das Ziel unserer Lebensreise schauen – die Aufnahme mit Leib und Seele in den Himmel.

Heute aber sind wir alle zur Rattersdorfer Muttergottes gekommen, um diesen Marienfeiertag zu begehen – so wie es die Menschen dieses pannonischen Rau-mes über Jahrhunderte gemeinsam tun: Deutsche, Kroaten, Ungarn und Roma.

Heute schauen wir auf das altehrwürdige Gnadenbild von Rattersdorf, das heuer sein 370 Jahr-Jubiläum begeht und erinnern uns an seine Herkunft aus Köszeg-Güns, seine wunderbare Wirkung und seine Bedeutung. Es ist eine seltene und kostbare „Maria-Lactans-Darstellung“, die auf das alte Gnadenbild von Frauen-kirchen im Seewinkel zurückgeführt wird.


Was ist die Bedeutung dieses Rattersdorfer Gnadenbildes „Maria Lactans“?
Die Bedeutung dieses lateinischen Wortes lautet: „Maria, die Stillende“.

Das Bildmotiv war bereits in vorchristlicher Zeit in kultischem Zusammenhang gebräuchlich. In christlicher Deutung unterstreicht dieses Bild die menschliche Natur von Jesus Christus und damit die Erlösung durch die Menschwerdung Gottes im Kind von Betlehem. Das Bild widerspricht auch einer leibfeindlichen Deutung der christlichen Botschaft.
Beim genauen Blick auf das Gnadenbild fallen einem sofort zwei Dinge auf:

1. Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm, das an der Brust liegt und mit der Mutter auf die Hl. Schrift schaut, die Maria in der anderen Hand offen hält.
Dieses Bild der „stillenden Mutter“ möchte uns sagen, wo die wahre Nahrung für unser Leben zu suchen ist, und dass wir Gottes Wort in uns wie die Nahrung für den Leib als Nahrung für die Seele aufnehmen, mit der Muttermilch zu uns nehmen sollen. Maria gibt ihrem Kind eine gute, gesunde und Leben spendende Nahrung, in der alle Vitamine für Körper, Seele und Geist enthalten sind.
Maria will auch uns, ihren Kindern, diese gute Nahrung für das Leben geben und zeigt uns im Gnadenbild von Rattersdorf, wo sie zu finden ist.
In einer Welt und Zeit, in der Väter und Mütter ihren Kindern die beste Nahrung geben für den Leib und sie mit allen nur denkbaren Mitteln füttern, scheint die Nahrung für die Seele – Gebet, Gottes Wort der Heiligen Schrift, Gottesdienst, Sakramente – kaum mehr eine Rolle zu spielen. Leiden unsere Kinder nicht unter dem Vitaminmangel an Gott und seinem Wort? Sind wir moderne Menschen nicht in Gefahr nur einseitig erzogen und ernährt zu werden – alles für den Leib und kaum etwas oder nichts für die Seele? Wird da nicht eine einseitige, an Vitamin G mangelnde, kranke Generation herangezogen, die den Sinn des Lebens und die Orientierung verloren hat?
Das Gnadenbild der „stillenden Mutter“ zeigt uns, dass Gottes Wort zu einem gesunden Leben gehört, uns Menschen Nahrung ist, Kraft und Orientierung gibt.

2. Maria und das Jesuskind tragen eine große Krone am Haupt.
Warum wird Maria oft mit einer Krone am Haupt, als Königin dargestellt?
Die Krone ist ein Zeichen von Macht u. Herrschaft. Dabei bedeutet die Krone am Haupt Mariens eigentlich das Gegenteil: sie ist ein Geschenk von jemanden anderen. Die gekrönte Maria will uns sagen: Alles, was ich geworden bin, bin ich durch einen anderen, nicht durch mich selbst. „Meine Seele preist die Größe des Herrn … Denn er hat auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut“ – so singt Maria im heutigen Evangelium. Sie verweist damit auf den Geschenkcharakter des Lebens, Glaubens, Christseins. Die Theologie nennt das Gnade-Geschenk.
In einer Welt, in der alles machbar, kaufbar und erreichbar scheint, versteht man kaum mehr Leben und Glauben als Gnade-Geschenk. Man verlässt sich nur auf greifbares, berechenbares, verstehbares, irdisches und verliert den Blick für das Himmlische, Gott. Gebet, Gottesdienst, Sakramente scheinen nicht mehr nötig und werden von vielen Christen vernachlässigt und abgelehnt - aber gerade sie verbinden uns mit Gott! Die gekrönte Maria erinnert uns, dass im Leben und im Glauben letztlich alles Gnade-Geschenk ist und wir dafür nur danken können!

Der vornehmste Auftrag einer Königin im Mittelalter war neben der Mutterrolle das fürbittende Dazwischenstehen zwischen Urteil und Verurteilten. Für die Menschen damals war die Königin die größte Hoffnung, Begnadigungen zu er-wirken, Auszeichnungen zu erbitten. Sie war die schenkende Hand des Königs.
Die gekrönte Maria will uns als sichtbares Zeichen der Mütterlichkeit Gottes sagen: Du darfst dich zu Gott hintrauen. Du brauchst keine Angst vor ihm zu haben. Ich lege für dich Fürbitte ein. Ich weiß, wo dich der Schuh drückt.

Die Krone Mariens wird von den alten Künstlern übertrieben groß dargestellt, weil sie mit den unerfüllten Sehnsüchten der Menschen zu tun hat. Warum tun sie das? Sie tun es, weil sie in der gekrönten Maria darstellen möchten, dass in Maria schon all das erfüllt ist, wonach wir Menschen uns sehnen. So ist also nicht nur Maria selbst gekrönt, sondern mit ihr sind wir alle gekrönt, das heißt gerettet. Maria ist somit für uns Menschen die große Hoffnung, dass auch unsere Sehnsucht nach Leben und Glück in Erfüllung gehen wird.

Wenn wir heute am Großfrauentag nach Rattersdorf zur „stillenden Mutter“ mit unseren Freuden und Sorgen gekommen sind und hier vor ihrem Gnadenbild beten, singen, sie anschauen, danken, bitten oder weinen, dann erinnert sie uns: Alles im Leben kommt von Gott, der in Wort u. Sakrament unsere Nahrung ist.
Als Königin trete ich wie eine Mutter für dich ein, weil ich weiß, was du als Nahrung brauchst, wo dich der Schuh drückt. Aber sie bittet auch uns miteinander liebevoll umzugehen und im Alltag des Lebens einander helfend beizustehen! Maria ist unsere große Hoffnung, weil auch wir mit ihr gekrönt sind und unsere Sehnsüchte nach Leben und Glück in Erfüllung gehen.
Der Rattersdorfer Muttergottes vertraue ich heute unsere Diözese, diese ihr geweihte Pfarrgemeinde, alle Pilger sowie meinen Hirtendienst an! Amen.

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