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Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Dienstag, 21. Mai 2013

Domweihfest - Pfingstmontag, 20. Mai 2013

Am diesjährigen Domweihfest, bei dem wir die über drei Jahrzehnte lange Partnerschaft mit der Diözese Kanjirapally in Indien offiziell beurkunden und dabei auch des ersten Bischofs der Diözese Eisenstadt Stefan László anlässlich seines 100. Geburtstages gedenken, ist es wohl angebracht über die Kirche und ihre Sendung in der Welt von heute nachzudenken. Die Lesungen des heutigen Festtages sind uns dabei hilfreich, weil sie uns 3 wesentliche Aufgaben der Kirche zeigen, die wir als Kirche und Christen nie aus den Augen verlieren dürfen.

Die erste Lesung spricht von der Kirche als Haus des Gebetes.
„Mein Haus wird ein Haus des Gebets für alle Völker genannt“, so sagt der Herr durch den Propheten Jesaja zu seinem Volk. Gerade das 2. Vatikanische Konzil hat den Akzent entschieden auf das Geheimnis der Kirche gelegt und eine Rückbesinnung auf ihr Mysterium verlangt. Denn Zukunft wird weder ein „Kirche von oben“ noch eine „Kirche von unten“ haben, sondern allein eine „Kirche von innen“, in der sich alles um Gott dreht. Das heißt: Im Mittelpunkt der Kirche stehen nicht die Kirche und ihre Strukturen, sondern Gott und sein Geheimnis. Von daher gibt es heute keine wichtigere Aufgabe als die, sich auf das Mysterium der Kirche neu zu besinnen – da muss jede Neuevangelisierung beginnen! Das Domweihfest im Jahr des Glaubens erinnert uns, Gott und sein Geheimnis im Leben der Diözese und ihrer Pfarrgemeinden immer an die erste Stelle zu setzen. Die Kirche ist und bleibt der bevorzugte Ort von Gebet und Gottesdienst für alle Völker. Deshalb hat Bischof László als Hirte seine ganze Liebe und Kraft der Kirche geschenkt, war bemüht in unserer Diözese allen Volksgruppen Gebet und Gottesdienst in der Muttersprache zu ermöglichen! Glaube öffnet Grenzen!

Die zweite Lesung spricht von der Kirche als Haus aus lebendigen Steinen.
„Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen“, so sagt der 1. Petrusbrief. Oder wie es Papst Franziskus in seiner ersten Predigt gesagt hat: „Die Kirche aufbauen, dazu braucht es lebendige Steine, vom Heiligen Geist getränkte Steine. Die Kirche auf jenen Eckstein aufbauen, welcher der Herr selbst ist. Das ist eine wichtige Bewegung unseres Lebens.“ Christen sind also keine toten Grabsteine. Vielmehr sollen wir Kirche und Gesellschaft aufbauen als lebendige Steine, mit unseren Gaben. Damit wir lebendige Steine sind, braucht es den Heiligen Geist. Wer Gottes Geist im Herzen hat, der liebt, teilt, verzeiht, tut Gutes, baut auf! Wir alle sind kraft Taufe und Firmung berufen das Reich Gottes heute mitzubauen! Denn entscheidend ist bei der Kirche nicht das Haus aus Stein, sei es noch so schön und alt. Wichtiger ist, dass wir Christen uns als lebendige Steine einbringen, ein geistiges Haus aufbauen, wie es d. Petrusbrief verlangt. Schauen/bauen wir auf Jesus als Eckstein, damit unser Leben gelingt!
Das Domweihfest im Jahr des Glaubens erinnert uns, als Getaufte, Gefirmte und Geweihte unsere Talente/Fähigkeiten in die Kirche von Eisenstadt als lebendige Steine einzubringen. Bischof László wurde als Hirte nicht müde seine Herde – Klerus und Laien – zur Mitarbeit und Mitverantwortung in der Ortskirche aus Taufe und Firmung heraus einzuladen. Diese Einladung wiederhole ich als Bischof heute ganz bewusst an alle Getauften, Gefirmten, Geweihten unserer Diözese!

Das Evangelium spricht von der Kirche als für alle offenes Gasthaus
 „Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein“, so sagt Jesus im Evangelium. Das trifft Zachäus mitten ins Herz. Endlich einer, der mit mir spricht, der mit mir essen, reden und mein Gast sein will. Wie lange mag Zachäus auf einen solchen Menschen gewartet haben? Im Gespräch mit Jesus spürt er, was in seinem Leben falsch läuft. Er lernt in der Begegnung mit Jesus, wie gut es tut, wenn man mit anderen Menschen sprechen, seine Zeit, seinen Besitz, sein Leben teilen kann. Er versteht, dass sich sein Herz verändern und seine Einstellung zu den Menschen eine andere werden muss. Jesus zeigt uns in der Begegnung mit Zachäus, welche Aufgabe wir als Kirche und Christen haben: wie Jesus zu den Menschen gehen, sie dort aufsuchen, wo sie sind, ihnen nachgehen, wo sie leben/arbeiten, mit ihnen reden, sie versuchen zu verstehen, ihnen zu helfen, sie in das Haus Gottes führen, um Vergebung und Heil zu schenken. Zachäus hat dies erlebt, sein Versagen bereut und den Armen seine Hilfe als Wiedergutmachung zugesagt. Gibt es etwas schöneres?
Das Domweihfest im Jahr des Glaubens sowie die Begegnung von Jesus und Zachäus erinnern uns, dass die Kirche ein Gasthaus ist, wo für die Armen immer Platz sein muss. Bischof László war als Hirte ein Gastwirt, der den Menschen offen begegnete, ihnen verständnisvoll nachging und sie zum Haus des Vaters führte. Die Armen waren ihm besonders am Herzen, worauf die Partnerschaft mit den Diözesen Kanjirapally in Indien und Awka in Nigeria zurückzuführen sind. Das ist Erbe und Auftrag für uns: die Armen/Gescheiterten nie zu vergessen!

Ich danke allen in unserer Diözese, die sich in den Pfarrgemeinden mühen Kirche zu sein: Haus des Gebetes – Haus aus lebendigen Steinen – Gasthaus! Das Vorbild des heiligen Martin gebe uns Mut und Kraft diesen Weg weiterzugehen!

Donnerstag, 2. Mai 2013

50 Jahre Domkapitel - 1. Mai 2013

Lieber Bischof Paul!
Liebe Dignitäre unseres Domkapitels mit dem Herrn Dompropst an der Spitze!
Liebe Delegierte der Domkapitel aus den verschiedenen Nachbardiözesen!
Zum feierlichen Gottesdienst versammelte Schwestern und Brüder im Herrn!

Wir feiern heute ein großes Jubiläum: Vor 50 Jahren - einem halben Jahrhundert - wurde mit der Bulle "Solet catholica" vom 1. Mai 1963 von Papst Johannes XXIII. das Domkapitel der Diözese Eisenstadt errichtet. Ich weiß nicht, wie das Wetter an diesem Tag war, das müssten wir Herrn Prälaten Rittsteuer fragen, der damals als Mann der ersten Stunde dabei gewesen ist und auch danach als Zeitzeuge über Jahrzehnte hinweg das Wirken des Kollegiums an dieser Domkirche begleitet hat. Sicher ist aber, dass das damalige Ereignis der Errichtung eines Domkapitels an unserer Domkirche ein strahlendes, sonniges Ereignis für unsere damals noch blutjunge Diözese gewesen ist. Es wurde eine Gemeinschaft von Priestern ins Leben gerufen, deren Aufgabe es von nun an sein sollte, die feierlicheren Gottesdienste in der Kathedralkirche durchzuführen, den Bischof in Fragen von wirtschaftlichem Gewicht zu beraten und alle jene Aufgaben zu erfüllen, die dem Kollegium vom Kirchenrecht oder vom Diözesanbischof persönlich übertragen werden.

Vor allem aber wurde den Kapitularen an unserer Domkirche die bedeutende Pflicht übertragen, die würdige Feier der Eucharistie sowie die ganze Liturgie, das Chorgebet und die Musikkultur zu pflegen. Die Gottesdienst-Kultur gerade an einer Domkirche hat Vorbildfunktion für alle anderen Kirchen einer Diözese. Dabei handelt es sich um weit mehr als um einen bloßen "Kulturauftrag" - als Dienst an der Liturgie ist es die wesentliche Teilhabe am Heiligungsdienst der Kirche. Der gläubige Christ erkennt sein Leben als einen Pilgerweg zu Gott. Kirchen, obwohl sie Symbole aus Stein sind, sind geistliche Oasen an diesem Weg. Hier kann der Mensch einkehren, um am Tisch des Wortes und des Brotes eine Wegzehrung zu empfangen. Führt auch Ihr unseren Dom immer mehr an dieses Ideal heran, damit er immer mehr ein Ort und ein Symbol der Verherrlichung Gottes werde!

Mit den Augen des christlichen Glaubens betrachtet, ist ja die ganze Wirklichkeit unserer sichtbaren Welt ein Symbol, das auf Gott verweist, dem sich die ganze Welt in ihrem Bestehen verdankt. Und auch Ihr, liebe Domkapitulare, seid dazu berufen, selbst ein solches Symbol zu sein. So ist auch das Ehrenrecht Eurer Kleidung - Talar, Rochett, Mozetta und Birett - kein Zeichen der menschlichen Eitelkeit, sondern Träger von Bedeutung. Der russische Schriftsteller Nikolaj Gogol drückte es einmal so aus: "Die Priester legen die priesterlichen Gewänder an, um sich nicht nur von den anderen Menschen zu unterscheiden, sondern um sich auch zu trennen von sich selbst, um nichts gemeinsam zu haben mit denen, die in den eitlen Sorgen der Welt aufgehen, und um gleichzeitig auch alle zu erinnern an die Erhabenheit des bevorstehenden Dienstes."

Liebe Schwestern und Brüder, im heutigen Evangelium bezeichnet sich Jesus als den "wahren Weinstock" und uns, seine Gläubigen, als die "Reben". Und er fügt hinzu: "Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen." Ich denke, es gibt keine Schriftstelle, die passender wäre für ein Domkapitel, noch dazu bei uns im Burgenland, als die vom Weinstock und den Rebzweigen. Und sie führt uns zu einer der Kernaussagen der Weltbischofssynode des Vorjahres, derzufolge die Neuevangelierung im Letzten darin besteht, die Menschen zur Freundschaft mit Jesus zu führen.

Liebe Kapitulare! Euer Dienst ist daher seinem tiefsten, edelsten Verständnis nach ein Freundschaftsdienst, ja ein Liebesdienst. Euer Statut spricht in Punkt 10 sogar wortwörtlich von "Liebespflicht" - dort, wo es um Euren Anteil an den seelsorglichen Arbeiten an der Domkirche geht. Dieser Liebesdienst und diese Liebespflicht, mit denen Ihr andere zu Jesus führt, müssen in Eurer eigenen, ganz persönlichen Freundschaft mit Christus wurzeln. Nur wenn ihr selbst wie die Reben am Weinstock seid, werdet Ihr Frucht für andere bringen. Dann nämlich kann Eure Freundschaft zu Christus zur Freundschaft untereinander werden - im Kapitel, im Presbyterium unserer Diözese; dann kann sie zur echten Freundschaft mit dem Bischof, mit den Nachbardiözesen und ihren je eigenen Kapitularen, ja mit der ganzen Weltkirche werden.

Ich danke Euch als Bischof im Namen unserer ganzen Diözese für diesen Euren Dienst und gebe Euch einen Wunsch mit auf den Weg: Dass es Euch gelingen möge, weiterhin zum Aufbau der Diözese Eisenstadt beizutragen. Dabei soll Euch der ureigenste Auftrag des Zweiten Vatikanischen Konzils leiten, nämlich die Verwirklichung
- einer mystischen Kirche, in der Gott und sein Geheimnis im Mittelpunkt stehen,
einer geschwisterlichen Kirche, in der Getaufte, Gefirmte und Geweihte nach ihren Begabungen und Beauftragungen zum Aufbau der Gemeinschaft wirken
- und einer diakonischen Kirche, in der die Armen nicht vergessen werden.
Die Verwirklichung einer Kirche, in der trotz aller kultureller und sprachlicher Vielfalt in unserer Diözese die Einheit stets gewahrt bleibt. Seht dies auch als das Vermächtnis des Konzilspapstes Johannes XXIII., des Errichters unserer Diözese und dieses Domkapitels, an Euch!

Eine Diözese ist eine immerwährende Baustelle. Wir alle, die wir auf ihr werken, müssen den Spagat bewältigen zwischen Vorläufigkeit und dem Streben nach Ewigkeit. Sucht daher weiterhin die innige Verbindung mit Christus! Führt andere Menschen zur Freundschaft mit Jesus! Bleibt als Reben am Weinstock, auch wenn die Stürme der Zeit durch den Weinberg fegen und Ernteausfälle bewirken! Wichtig ist allein, dass Ihr Euch von Jesus, dem Weinstock, nicht trennen lasst. Dann werdet Ihr innerlich nicht verdorren, sondern weiter reiche Frucht bringen. Dann werdet Ihr selber wie Wein werden. Die Qualität Eurer Gemeinschaft, liebe Kapitulare, wird der Gradmesser sein für die Qualität dieses neuen Weines, der zu werden ihr berufen seid. Neuer Wein sein, eine müde gewordene Gesellschaft neu begeistern und beleben können, auch und gerade hier an dieser Kirche - das wünsche ich Euch und uns allen!

Dazu müssen wir uns ganz Jesus überlassen, auf ihn hören, ihm auf dem Weg folgen, den er uns zeigt, auch wenn sich unser Innerstes manchmal dagegen sträubt. Maria kann uns dabei helfen. Sie sieht wie bei der Hochzeit von Kana unsere Not, und führt uns zu Jesus, auf den wir unser ganzes Vertrauen setzen sollen: “Was er euch sagt, das tut!“ Wenn uns dieses Vertrauen gelingt, dann verwandelt er uns wie Wasser in Wein, dann erleben wir das Wunder von Kana an uns selbst.

Erbitten wir dazu die Fürsprache des Heiligen Martin, des Patrons unseres Landes, unserer Diözese und unserer Domkirche, die seinen großen Namen trägt, und erbitten wir die Fürsprache des seligen Johannes XXIII., des Errichters unserer Diozese und dieses unseres Domkapitels heute vor genau 50 Jahren.