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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Mittwoch, 20. März 2013

Kanzelwort zur Wahl und Amtseinführung von Papst Franziskus


Liebe Diözesanfamilie!
Schwestern und Brüder im Herrn!

"Ehe der Bischof das Volk segnet, bitte ich euch, den Herrn anzurufen, dass er mich segne." Mit diesen Worten, einer Bitte und gleichzeitig Geste großer Demut, wandte sich am Abend des 13. März 2013 der nach nur fünf Wahlgängen neugewählte Papst und Bischof von Rom an die versammelten Gläubigen, um erst danach seinen Segen "Urbi et orbi" zu erteilen. Franziskus: ein Papst, der zuerst um den Segen der Menschen bittet, bevor er das oberste Hirtenamt antritt.

Mit dem Argentinier Jorge Mario Bergoglio, dem ehemaligen Erzbischof von Buenos Aires, erscheint eine Persönlichkeit auf dem Stuhle Petri, die uns allen Anlass zu größter Freude, Hoffnung und Dankbarkeit gibt. Persönliche Bescheidenheit, die spirituelle und intellektuelle Prägung als Mitglied des Jesuitenordens, ein brennendes soziales Gewissen und der lateinamerikanische Lebenskontext des neuen Heiligen Vaters werden unserer Kirche auf ihrer Pilgerfahrt durch das 21. Jahrhundert bedeutsame Wegweisung sein.

Bereits die ersten Stunden und Tage, die ersten Worte und Gesten von Papst Franziskus skizzieren den Weg einer Kirche der Zukunft, in der der persönliche Glaube an Jesus Christus mit der persönlichen Verantwortung für die Schöpfung untrennbar verbunden ist. In den großen sozialen Zusammenhängen einer zunehmend kleiner werdenden Welt denkend und betend lenkt Papst Franziskus von Anfang an den Blick auf das Mysterium der Kirche. Er bekennt ihre ganze, allumfassende Gestalt und Bedeutung

- als eine Kirche, die nicht selbstgemacht ist und sich nicht in menschlicher Organisation erschöpft, sondern ein Heilsgeheimnis ist und ihrem tiefsten Wesen nach eine mystische Dimension hat;

- als eine Kirche, die immer auch Communio ist, eine geschwisterliche Kirche im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils, in der die Zusammenarbeit zwischen Hirten und Volk gelebt wird.

- als eine Kirche, die immer auch diakonische Kirche ist im Dienst an den Armen und in der nie vergessen werden darf, "dass die wahre Macht der Dienst ist und dass auch der Papst, um seine Macht auszuüben, immer mehr in jenen Dienst eintreten muss, der seinen leuchtenden Höhepunkt am Kreuz hat".

Damit verkündet Papst Franziskus in Kontinuität zu seinem Vorgänger Benedikt XVI. stehend den Geist einer authentischen Neuvangelisierung, die das Antlitz der Armen trägt. Er bekennt die vom Zweiten Vatikanum gesehene Kirche, die ganz vom Geist des Evangeliums durchdrungen ist, vom Geist des Dienens und der Demut, die in missionarischer Sendung zu den Menschen, und zwar zu allen Menschen geht. Und er bekennt die persönliche Dimension der Neuevangelisierung, nämlich die Abkehr von der Sünde und die persönliche Bekehrung hin zu Christus als den Mittelpunkt allen Tuns.

So bat Papst Franziskus bei seiner Amtseinführung am Hochfest des hl. Josef (19. März) die Verantwortungsträger dieser Welt auf wirtschaftlichem, politischem und sozialem Gebiet, "Hüter der Schöpfung, des in die Natur hineingelegten Planes Gottes zu sein, Hüter des anderen, der Umwelt", nicht ohne zu ergänzen: "Um zu behüten, müssen wir auch auf uns selber Acht geben! Hüten bedeutet also, über unsere Gefühle, über unser Herz zu wachen, denn von dort gehen unsere guten und bösen Absichten aus: die, welche aufbauen, und die, welche zerstören! Wir dürfen keine Angst haben vor der Güte, ja, nicht einmal vor der Zärtlichkeit!" Papst Franziskus schloss seine Predigt mit den Worten: "Und zu euch allen sage ich: Betet für mich!"

Als Bischof der Diözese Eisenstadt lege ich diese Bitte des Heiligen Vaters uns allen ans Herz. Beten wir für unseren Papst! Bitten wir um die Fürsprache der Jungfrau Maria und des heiligen Josef und darum, dass der Heilige Geist den Dienst von Papst Franziskus begleite und er so unserer Kirche und der ganzen Welt zum Segen werde! In diesem Gebet mit Ihnen verbunden, wünsche ich allen ein gesegnetes Osterfest!

+ Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt

Freitag, 1. März 2013

Eröffnung der Kontakttage im Dekanat Rust - 28. Feber 2013

Heute ist ein besonderer Tag für das Dekanat Rust, da mit diesem Gottesdienst hier in der schönen Stadtpfarrkirche von Purbach die Kontakttage zur Vorbereitung der Bischöflichen Visitation im kommenden Jahr feierlich eröffnet werden. Der 28. Feber 2013 ist für die Katholische Kirche und die Geschichte ein besonderer und einmaliger Tag. Mit dem heutigen Tag - in diesen Abendstunden - legt Papst Benedikt XVI. sein Amt zurück. So ist es wohl angebracht, heute Abend dem Nachfolger Petri für 8 Jahre des Petrusdienstes zu danken, für ihn zu beten sowie auf sein geistliches Erbe zu schauen.

Was gibt uns Papst Benedikt XVI. mit auf den Weg in die Zukunft als Kirche und Christen? Was ist und bleibt sein Erbe, Vermächtnis, Botschaft an uns alle?

Papst Benedikt hat die Gottesfrage in den Mittelpunkt seines Lebens und Glaubens gestellt. Bezeichnend dafür ist die Tatsache, dass er seine erste Enzyklika nicht irgendeinem theologischen Thema gewidmet hat, sondern Gott als die Liebe an den Beginn und in das Zentrum des Denkens und Glaubens gestellt hat. Gerade das 2. Vatikanische Konzil – an dem er als junger Theologe beratend teilgenommen und das er bereichert hat - hat der Gottesfrage besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Dieses „Jahr des Glaubens“ unterstreicht das deutlich. Ein Blick in die Gegenwart zeigt aber deutlich, dass unsere moderne westliche Welt eine Gottesfinsternis heimsucht. Die Frage nach Gott scheint viele unserer Zeitgenossen nicht mehr zu interessieren. Gott, Glaube, Kirche haben für viele keine Bedeutung, haben weithin ihre gesellschaftspolitische Kraft verloren und ein Leben ohne Gott ist normal, modern, ja „in“ geworden. Papst Benedikt erinnert uns aber: „Wo Gott ist, da ist Zukunft!“ Das ist ein Auftrag an uns alle trotz Fortschritt, Technik und Wohlstand auf Gott nicht zu vergessen – im persönlichen Leben, in den Familien und Pfarrgemeinden, in Kirche und Gesellschaft!

Papst Benedikt hat uns Österreicher anlässlich seines Pastoralbesuches 2007 in Mariazell eingeladen: Auf Christus zu schauen! Und er hat uns dabei auf Maria verwiesen, die uns in der Gnadenstatue von Mariazell mit dem Finger auf Jesus hinweist. Der große Gott kommt im kleinen Kind von Bethlehem zu uns, gibt uns seine Liebe und bittet um unsere Liebe. Er bittet, dass wir ihm vertrauen. Maria verweist uns aber auch auf den Gekreuzigten. Gott hat die Welt nicht durch das Schwert, sondern durch das Kreuz erlöst. Sterbend breitet Jesus die Arme aus. Dies ist zunächst die Gebärde der Passion, in der er sich für uns annageln lässt, um uns sein Leben zu geben. Aber die ausgebreiteten Hände sind zugleich die Haltung des Betenden: Jesus hat die Passion, sein Leiden und seinen Tod in Gebet umgewandelt, in einen Akt der Liebe zu Gott und zu den Menschen. Darum sind die ausgebreiteten Arme des Gekreuzigten auch ein Gestus der Umarmung, mit der er uns an sich zieht, in die Hände seiner Liebe hineinnehmen will. „Auf Christus schauen!“ Wenn wir das tun, dann sehen wir, dass das Christentum mehr und etwas anderes ist als ein Moralsystem, als eine Serie von Forderungen und Gesetzen. Es ist das Geschenk einer Freundschaft, die im Leben und im Sterben trägt. Dieser Freundschaft vertrauen wir uns an. Weil das Christentum mehr ist als Moral, eben das Geschenk einer Freundschaft, darum trägt es in sich eine große moralische Kraft, deren wir angesichts der Herausforderungen unserer Zeit so sehr bedürfen. Ein Blick in unsere Gegenwart zeigt, dass auch wir Getaufte/Gefirmte Christus aus den Augen verloren haben. Wer aber nicht mehr auf Christus schaut, der verliert bald die Orientierung und Freundschaft zu ihm, dessen Freundschaften und Beziehungen sterben langsam ab und zerrbrechen. Papst Benedikt erinnert uns daher, vergesst nicht „auf Christus zu schauen!“

Papst Benedikt hat alle Christen zur Neuevangelisierung aufgerufen. Die Evangelisierung richtet sich hauptsächlich an die Menschen, die zwar getauft sind, sich aber von der Kirche entfernt haben und in ihrem Leben keine Beziehung zur christlichen Praxis haben – sie sollen zur Begegnung mit dem Herrn geführt werden. Dazu braucht es den Einsatz und die Mitarbeit aller in der Kirche – Priester, Diakone, Ordensleute und der Laien! Nur wo die Evangelisierer selber vom Evangelium-Christus ergriffen sind, werden sie die Botschaft Jesu treu und glaubwürdig weitergeben können, nur dort ist Kirche lebendig und anziehend! Ein Blick in unsere Gegenwart zeigt, dass es auch bei uns Neuevangelisierung braucht, vor allem aber überzeugte und überzeugende Christen – Priester und Laien – die im Geist des Konzils zusammenarbeiten und so eine Kirche sind. Papst Benedikt erinnert uns in Zeiten des Umbruchs an die Neuevangelisierung!

Gott ist Ursache, Mitte und Ziel unseres Glaubens – Auf Christus schauen – Neuevangelisierung: das ist Erbe und Auftrag von Papst Benedikts an uns alle! Das ist die pastorale Priorität für die Kirche, unsere Diözese und ihre Pfarren! Am Ende seiner Amtszeit sage ich als Bischof namens der Diözese Eisenstadt Papst Benedikt XVI. für seinen hingebungsvollen Petrusdienst Vergelt´s Gott! Ich danke dem Hl. Vater für meine Ernennung zum Bischof, sein Vertrauen, Wohlwollen und aufmerksame Begleitung sowie sein Interesse an der Diözese Eisenstadt, der er seit Jugendtagen, später als Professor und Papst verbunden ist! Gottes Segen und unser Gebet begleite den Heiligen Vater in eine gute Zukunft! Unsere Bitte an Gott in dieser Stunde ist: schenke deiner Kirche den als Nachfolger Petri, der dem Guten Hirten am besten entspricht! Als Bischof danke ich aber auch allen MitarbeiterInnen im Dekanat Rust – Priestern, Diakonen, ReligionslehrernInnen, Pfarrgemeinderäten, haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen – für ihren unermüdlichen Einsatz und ihr Glaubenszeugnis in den Pfarren! Ohne eure Mitarbeit wäre unsere Kirche arm! Als Bischof lade ich aber heute bewusst alle Christen und Mitarbeiter unserer Diözese ein, das Erbe von Papst Benedikt als Auftrag zu sehen: Gott in den Mittelpunkt des Lebens zu stellen – im Alltag auf Christus zu schauen – die Neuevangelisierung in unseren Pfarren und Familien unbedingt in Angriff zu nehmen! Wenn wir das tun, sind wir – wie der Prophet Jeremia in der Lesung sagt – Menschen, die sich auf den Herrn verlassen und ihre Hoffnung auf ihn setzen, „wie ein Baum, der an Wasser gepflanzt ist: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte.“

Gott lasse unser Beten und Arbeiten fruchtbar werden für Kirche und Gesellschaft und begleite uns mit seinen Segen! Amen.