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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Besuch der Burgenländer in Allentown, Coplay - 24. Oktober 2013

Im heutigen Evangelium ist von Christen die Rede, die zwar fromm reden und ständig „Herr, Herr“ zu Jesus sagen, sonst aber nicht als Christen handeln. Kurz gesagt, das Evangelium spricht von Christen, die nur viel reden, aber nichts tun.

Aber das ist eine Frage, die uns allen gestellt ist, die wir Christen sein wollen: Sind wir tatsächlich Christen, die auch etwas aus ihrem Glauben heraus tun, oder begnügen wir uns mit dem Aufsagen von frommen Formeln wie „Herr, Herr“, Gebeten und dem Besuch des Gottesdienstes, wenn es uns danach ist? Diese Frage muss sich jeder von uns ganz persönlich stellen. Für jeden wird die Antwort auf die Frage ein wenig anders aussehen: 
· Vielleicht sollte ich etwas tun, dass mein Familienleben besser klappt?
· Vielleicht braucht ein Nachbar, Arbeitskollege oder Freund meine Hilfe?
· Vielleicht sollte ich mich mehr für die Allgemeinheit einsetzen, etwa in dem Verein, zu dem ich gehöre, in einer Partei, die meine Auffassungen vertritt, in der Pfarre, die auf meine Mitarbeit und meinen Einsatz zählt?
Gerade als Christ darf ich nicht nur reden, sondern muss ich auch etwas tun, sonst gehöre auch ich zu denen im Evangelium, die nur „Herr, Herr“ sagen.

Jesus spricht im Evangelium in diesem Zusammenhang auch vom Hausbau. Jesus geht es dabei nicht um ein Haus aus Stein, Holz oder Glas, sondern er meint etwas anderes. Jesus meint: Wenn du dein Leben aus dem Glauben heraus gestaltest, dann wird dein Leben gleichsam zu einem stabilen Haus, das heißt zu etwas Solidem, Bleibendem, auch über den Tod hinaus vor Gott Gültigem.
Welche Lebenspläne ich verwirklichen möchte, welche Begabungen ich habe, welchen Beruf ich ausübe, das fällt nicht wirklich ins Gewicht. Wichtig ist zuerst, worauf ich mein Leben gründe, worin ich verwurzelt bin. Die Verlässlichkeit oder Brüchigkeit meines Fundaments erweist sich spätestens dann, wenn Unwetter aus Enttäuschung, Verwundung, Versagen, Zweifel, Angst, Schmerz, Krankheit, Not und Tod an meinem Lebensbau rütteln. Jesus lässt keinen Zweifel daran aufkommen: Wer seine Worte hört und danach lebt, gleicht einem Menschen, der sein Haus auf Fels gründet; wer sie hört, ohne danach zu leben, ist wie ein Mensch, der sein Haus in den Sand setzt. Die Entscheidung zwischen Fels oder Sand müsste für uns Christen eigentlich eindeutig zugunsten des Felsen fallen, denn wer von uns will nicht sein Leben auf einem guten Grund bauen? Sein Leben auf Fels zu bauen, heißt für uns Christen: Salz und Licht für die Welt zu sein, die Nächsten und die Feinde zu lieben, mit den Armen, Notleidenden zu teilen und ihre Würde zu achten, das Wort Gottes ernst zu nehmen und zu befolgen, zu beten und den Gottesdienst zu feiern.
Die Gefahr sein Leben auf Sand zu bauen ist heute groß – hier in Amerika wie in Europa – aus Bequemlichkeit, Sattheit und Gleichgültigkeit. Um die Wahrheit nur zu wissen, über sie nur zu reden, ohne selber aus ihr heraus zu leben und sie zu tun, entspricht nicht dem, was Jesus von uns Christen verlangt. Wenn du nur „Herr, Herr“ sagst und nichts tust, dann baust du dir dein Haus auf Sand. Über kurz oder lang wird das Ganze aber in sich zusammenstürzen.

Das heutige Evangelium fordert uns Christen auf:
Nicht nur viel und gescheit zu reden, sondern auch etwas konkret zu tun. In den Keller unseres Lebenshauses hinabzusteigen und nach dem Fundament zu schauen, ob ich mein Leben auf Fels oder auf Sand baue. Sollten wir uns auf sandigem Untergrund befinden, dann wünsche ich uns allen den Mut und die Kraft diesen zu verlassen und uns Jesus, dem Fels zuzuwenden!

Liebe Landsleute, Eure Vorfahren und Ihr selber seid aus der alten Heimat, dem Burgenland, aufgebrochen in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, um hier ein neues Leben zu beginnen, sich ein neues Haus zu bauen. Ihr habt Euch aus der alten Heimat den Glauben, die christlichen Werte und zwei fleißige Hände mitgebracht – damit konntet Ihr Euer Lebenshaus hier in der neuen Heimat auf ein gutes, tragendes Fundament, auf Fels bauen. Damit ein Haus auf Fels gebaut wird und das Zusammenleben in der Familie und christlichen Gemeinde gelingt, braucht es das Bemühen um die Haltungen, von denen der Apostel Paulus in der Lesung an die Kolosser spricht: „Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt euch gegenseitig, und vergebt einander. Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht. Seid dankbar! Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch. Singt Gott in eurem Herzen Psalmen, Hymnen und Lieder.“

Als Bischof aus der alten Heimat ermutige ich Euch trotz Freiheit und Wohlstand hier in der neuen Heimat diese christlichen Werte, die Eure Vorfahren sich hierher mitgenommen haben zu leben und danke Euch gleichzeitig für Euer Glaubenszeugnis – so baut Ihr Euer Lebenshaus auf Fels trotz aller Stürme des Lebens! Wie viel Sorgen, Entbehrungen und Stürme mussten Eure Vorfahren hier in der neuen unbekannten Heimat auf sich nehmen, um das Lebenshaus zu bauen?! Im Blick auf Gott und mit Hilfe zwei fleißiger Hände sowie dem Zusammenhalt in der Pfarrgemeinde und der Burgenländischen Gemeinschaft ist es und kann es auch heute gelingen das Haus auf Fels zu bauen – ich wünsche es Euch von Herzen!

Vergelt´s Gott für Eure Einladung und Gastfreundschaft sowie für die Verbundenheit mit dem Burgenland, besonders auch für alle Spenden für die Kirchen in unserer Diözese – mit Eurer Hilfe konnte vieles aufgebaut und erneuert werden! Gott segne Euch, Eure Familien und die Gemeinschaft der Burgenländer hier in Amerika, damit sie in eine gute Zukunft gehen! Amen.