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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Sonntag, 27. Oktober 2013

Besuch bei Burgenländern in Toronto - 27. Oktober 2013

Der amerikanische Schriftsteller James Hillman überraschte seine Leser einmal mit der Behauptung: Es sind nicht unsere Stärken und Erfolge, die uns menschlich und charakterlich reifen lassen, sondern unsere Schwächen und Misserfolge. Tatsächlich laufen wir mit unseren Erfolgen eher Gefahr oberflächlich, stolz und überheblich zu werden.
Das heutige Evangelium greift diese menschliche Erfahrung auf im Beispiel vom Pharisäer und vom Zöllner. Jesus erzählt es denen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten. Blicken wir mit der Botschaft des Evangeliums in unsere Kirche und Welt hinein. Da gibt es solche und solche, Pharisäer und Zöllner, Selbstgerechte und Selbstkritische. Schauen wir uns beide Menschentypen ein wenig genauer an.

Die Pharisäer oder die Selbstgerechten.
Auf den ersten Blick erscheint der Pharisäer, von dem Jesus erzählt, gar nicht so unsympatisch, und seine Haltung scheint verständlich. Er befolgt genau die Gebote Gottes. Er betet, fastet und teilt mit den Armen nach Vorschrift und darüber hinaus. Er kann rein äußerlich in religiöser Hinsicht große Erfolge aufweisen. Sein Problem ist aber seine Selbstgerechtigkeit: „Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, und schon gar nicht wie dieser Zöllner da!“ Hier beginnt für den Pharisäer das Problem. Hier ist kein Platz für eine kritische Selbsteinschätzung. Hier beginnt oft auch bei uns das Problem. Auch wir bemühen uns Gottes Gebote halbwegs zu beachten. Auch wie beten, gehen in die Kirche, machen Wallfahrten und fasten. Auch wir tun Gutes, spenden für die Armen und zahlen unseren Kirchenbeitrag. Und weil wir all das tun, erwarten wir uns von Gott einen Lohn, wollen wir vor den anderen besser dastehen, meinen wir das Recht zu haben auf sie zu zeigen und über sie lieblos zu urteilen.

Die Zöllner oder die Selbstkritischen.
Mit Scham und selbstkritisch schleicht sich der Zöllner in den Tempel. Während der Pharisäer mit viel Worten seine Erfolge vor Gott auflistet, stammelt der Zöllner mühsam diesen einen Satz: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ Dieser Satz ist die Zusammenfassung all dessen, was an Leiderfahrung und Hilflosigkeit gegenüber dem eigenen Versagen vorausgegangen ist. Selbstkritisch erkennt er, dass der Mensch auf Gott angewiesen ist und bittet ihn um Hilfe und Verzeihung. Wenn Jesus in seinem Beispiel den Zöllner gerechtfertigt nach Hause gehen lässt, so heißt er dessen Fehler nicht gut, sondern hebt hervor, dass der Zöllner gelernt hat, sein Versagen sich einzugestehen. Durch die selbstkritische und demütige Haltung hat er einen Zugang zu seinem Herzen gefunden. Aus der Tiefe seiner Seele vernahm er die Stimme Gottes, die ihn wieder aufgerichtet und mit sich selbst versöhnt hat. Das heutige Evangelium stellt uns alle vor die Frage: Neige ich wie der Pharisäer zur Selbstgerechtigkeit oder kann ich mir wie der Zöllner selbstkritisch mein Versagen eingestehen? Jesus verlangt im Evangelium von uns, mehr auf unser eigenes Versagen zu schauen, als auf die Fehler anderer zu zeigen. Nur so werden wir als Menschen und als Christen wirklich reifen und wachsen, von unseren Mitmenschen als glaubwürdig und überzeugend wahrgenommen werden.

Als neuer Bischof des Burgenlandes bringe ich Euch heute die besten Grüße Eurer Landsleute in der alten Heimat und sage Euch: Grüß Gott – Vergelt´s Gott für die Einladung, Gastfreundschaft, Verbundenheit, Hilfen für die alte Heimat, vor allem für Eure Spenden für die Kirche im Burgenland – Gott behüte und begleite Euch und Eure Familien mit seinem Segen auf dem weiteren Lebensweg!

Als Bischof aus der alten Heimat Burgenland lege ich Euch drei Dinge ans Herz: Schämt Euch nicht und bleibt dem treu, was Ihr Euch aus der alten Heimat mitgenommen habt – den Glauben, die Sprache und Kultur sowie zwei fleißige Hände! Pflegt und gebt es Euren Kindern weiter, damit sie die neue Heimat bereichern! Christen sagen Gott und ihren Mitmenschen: Bitte – Danke – Entschuldige!
Bewahrt Euch als gläubige Menschen die Haltung, die hinter diesen drei Worten steht, dann werdet auch ihr immer „Bitte – Danke – Entschuldige“ sagen können. Auch wir sollen wie der Apostel Paulus in der 2. Lesung einmal sagen können: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten.“ Das uns allen das immer besser gelingt, braucht es Gottes Gnade und Segen – beides wünsche ich uns und beides erbitte ich von Gott für uns! Amen.