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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Samstag, 19. Oktober 2013

Besuch bei Burgenländern in New York - 19. Oktober 2013

„Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?“ Wenn Jesus heute käme – was würde er bei uns vorfinden?
Viele Menschen, deren Weltanschauung nicht Gottes Plan ist. Denn Gott will Heil und Leben in Fülle für alle. Viele Leute heutzutage wollen das nur für sich. Ihre Weltanschauung ist der Materialismus: Ich – haben – machen – frei sein. Er würde in Amerika wie in Europa viele Menschen vorfinden die gehetzt, gejagt, gestresst und krank sind, weil sie sich ständig selbst überfordern. Sie dulden keinen Gott mehr über sich. Sie wollen frei und unabhängig sein. Er würde viele Menschen vorfinden, Kinder und Jugendliche, die Gott nicht kennen, weil er im Leben ihrer Eltern und Mitmenschen keine Rolle mehr spielt. Er würde viele Menschen vorfinden, die keine Zeit mehr haben, weil sie sich selbst zum Herrn ihrer Zeit gemacht haben. Menschen, die vergessen haben, dass Gott ihnen das Leben und die Zeit geschenkt hat. Darum sagen sie: Ich gehe in die Kirche, wenn ich Zeit habe. Ich bete, wenn ich Lust habe. Ich bestimme selber, wann ich für etwas Zeit habe. So macht sich der Mensch selber zum Maßstab und zum Herrgott!

Das heutige Evangelium bietet eine Hilfe an, wie wir zum Glauben finden und ihn auch bewahren können. Beten/Bitten sollen wir und nicht darin nachlassen. Beten – was meint Jesus damit?
Möglichst viele vorgefertigte Gebete aufsagen? Jeden Tag eine lästige Pflicht erfüllen?  Eine Leistung bringen, damit Gott zufrieden ist? Beten ist für Jesus etwas ganz anderes. Beten heißt für Jesus: Immer wieder in Beziehung mit Gott treten. Mit Gott reden, auf ihn hören, mit ihm Freundschaft pflegen. Auf Gott schauen und mich von ihm durchschauen lassen. Vor Gott da sein und für Gott da sein, heißt auch für den Nächsten da sein. Beten – das ist eine Verbindung herstellen zwischen Gott und mir. Die Frage ist aber: Will ich überhaupt mit ihm Verbindung haben? Wenn ich einen Menschen unbedingt sprechen will, dann werde ich alles tun bis ich ihn erreicht und mein Anliegen vorgebracht habe. Wenn mir ein Mensch wichtig geworden ist, dann werde ich alles daransetzen, dass diese Verbindung nicht abreist: Ich werde das Gespräch mit ihm suchen. Wenn mir aber der Mensch gar nicht mehr wichtig ist, wird die Verbindung abbrechen und das Gespräch aufhören. Und wenn das Gespräch aufhört, dann ist auch bald die Beziehung tot: beim Ehepartner – bei Freunden – bei Gott! Betet und lasst darin nicht nach wie die Witwe im Evangelium, die nicht locker lässt, bis sie zu ihrem Recht kommt. Beten und Glaube gehören zusammen. Indem ich bete, die Verbindung zu Gott herstelle, wächst auch mein Glaube, mein Vertrauen in diesen Gott. Und je mehr dieses Vertrauen wächst, desto mehr werde ich auch wieder das Gespräch und die Nähe zu Gott suchen. Der Glaube ist für Christen lebensnotwendig, Fundament christlichen Lebens. Glaubende Menschen schauen hinaus in die Welt, sie schauen um sich, haben den Blick für andere, besonders für die Armen, bewahren sich den Durchblick. Glaubende Menschen haben einen Horizont, der sich über das eigene Ich, über die eigenen Grenzen und Interessen hinaus weitet. Glaubende Menschen definieren ihren persönlichen Glauben aus der Beziehung mit ihrem Gott, indem sie mit ihm in einen betenden Dialog treten und von ihm alles erhoffen. Im Leben der Glaubenden spielt Gott eine Rolle, und wer im betenden Gespräch mit ihm steht, wer auf Gott hört, der weiß, was er zu tun hat. Wer als Betender glaubend aus dem Fenster seiner begrenzten Welt schaut, der sieht, was in der Welt los ist, und der ist auch fähig zu handeln, der setzt seinen Glauben in die konkrete Tat um. Das fängt in unserer kleinen Welt an: in der Familie, in der Schule, am Arbeitsplatz, unter Freunden, im Mittun in Kirche und Gesellschaft. Dort, wo Gläubige sich als Liebende erweisen und dort mit Hand anlegen, wo andere sich die Hände nicht schmutzig machen wollen, dort ändert sich die Welt, dort bringen sie Gott dieser Welt. Glaube ist etwas zutiefst Menschliches: Er hat ein Gesicht, und er kommt immer auf zwei Beinen zu uns. Menschen bezeugen einander diesen Glauben an Gott, sie tragen ihn weiter und übertragen ihn an die kommenden Generationen. Glaubende Menschen pflegen ihren Glauben, sie brauchen die Gemeinschaft im Glauben, die Kirche, ihre Pfarrgemeinde und suchen ihre persönliche Gottesbeziehung im Gottesdienst und gemeinsamen Gebet. Sie erfahren dadurch Freude, Kraft, Hoffnung und Lebensmut.

So können wir in diesem „Jahr des Glaubens“ nur bitten:
Herr, lehre uns beten, damit wir stärker glauben können.
Herr, lehre uns glauben, damit wir besser beten können.

Auf dem Weg von der alten Heimat Burgenland in die neue Heimat Amerika hat Euch und Eure Vorfahren neben der Armut, Sehnsucht nach Arbeit, Sicherheit und Frieden, vor allem der Glaube und der Fleiß getragen. Mit diesen beiden Tugenden im Herzen konntet Ihr Euch hier eine neue Existenz aufbauen und die neue Heimat Amerika mit eurem Glauben, Sprache, Kultur, Talenten bereichern. Schämt Euch dessen nicht, was Ihr Euch aus der alten Heimat mitgebracht habt, bewahrt es, ja gebt es Euren Kindern weiter – dann werden auch sie reich sein!

Als Bischof des Burgenlandes bringe ich Euch heute die besten Grüße und Segenswünsche Eurer Landsleute und sage Euch: Grüß Gott – Vergelt´s Gott für die Einladung, Gastfreundschaft, Verbundenheit und Hilfen für die alte Heimat, vor allem auch die Spenden für die Kirche im Burgenland – sowie Gott behüte und begleite Euch mit seinem Segen auf Eurem weiteren Lebens/Glaubensweg! Was der Apostel Paulus seinem Schüler Timotheus in der 2. Lesung sagte, sage auch ich als Bischof meinen Landsleuten hier in den Staaten: Mein Sohn, meine Tochter! Bleibe bei dem, was du gelernt hast – Glaube, Gebet und Fleiß! Amen.