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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Dienstag, 3. September 2013

61. Arbeiterwallfahrt nach Altötting - 31. August / 1. September 2013

Wir alle kennen die Redewendung nach einem Autounfall oder bei besonderen Vorfällen "Zeuge gesucht". Wir alle wissen auch, wie wichtig Zeugen sind und sein können, wenn es um die Wahrheitsfindung, Weitergabe von Tatsachen und Erlebtem sowie um die Glaubwürdigkeit geht. Wir alle sind im Leben/Glauben für unsere Mitmenschen Zeugen und wir alle brauchen auch solche Zeugen!

Die 61. Arbeiterwallfahrt der Diözese Eisenstadt hierher nach Altötting steht im Jahr des Glaubens unter dem Motto "Zeugnis für den Glauben geben!" Sie ist eine Einladung an uns alle zur Glaubensvertiefung und eine Ermutigung zum Glaubenszeugnis. Wir sind dabei bewusst an den Gnadenort Altötting gekommen, der in der Geschichte Bayerns und weit darüber hinaus eine Quelle war und ist, an der sich die Menschen das Licht des Glaubens entzünden können und wo Pilger über jahrhunderte bis heute ihren Glauben vor der Welt bezeugen.

Was heißt für uns Christen Jesu Auftrag im Evangelium: "Seid meine Zeugen"?
Jesus schickt seine Jünger nicht in die Welt, damit sie allen erzählen, was sie damals mit ihm alles erlebt haben – wie ein Märchenonkel etwa erzählt.
Jesus schickt seine Jünger vielmehr in die Welt: Sie sollen Zeugen sein – das bedeutet viel mehr. Zeuge sein, heißt:
· Sie sollen mit ihrer Person und Existenz für die Sache Jesu einstehen.
· Sie sollen fortsetzen, was Jesus selbst getan hat: den Menschen die Frohe Botschaft vom Reich Gottes verkünden – die Kranken und wunde Seelen heilen – Vergebung zusprechen und die Nähe Gottes erfahrbar machen.
In seinen Jüngern will Jesus weiter unter uns Menschen sein – auch heute! Es ist nichts anderes als die Einsetzung der Jünger Jesu zu Stellvertretern und Zeugen Christi! Durch sie und in ihnen will Jesus seine Sendung in der Welt fortsetzen. Die Apostel tun das nicht aus sich heraus, sondern es ist Gottes Geist, der durch sie wirkt, und durch den Jesus in der Welt gegenwärtig ist und bleibt!
Jesus bleibt in dieser Welt gegenwärtig durch geisterfüllte Menschen - die sich erfüllen und anstecken lassen von seinem Geist und die so seine Sache zu ihrer Sache machen und "Stellvertreter-Zeugen Christi" auf Erden werden.
Christen, Getaufte und Gefirmte – gehören nicht bloß zum "Verein der Freunde Jesu", sondern wir sind Stellvertreter Jesu Christi hier auf Erden! Durch uns will Jesus nach seinem Tod und seiner Auferstehung in dieser Welt lebendig sein.
Durch uns will Jesus heute den Menschen begegnen.
Durch uns will Jesus heute auf Kranke, Arme, Notleidende, Gescheiterte und Sünder, Ausgestoßene und Fernstehende, Einsame und Verzagte zugehen.
Durch uns will Jesus heute denen, die verzweifelt sind, Hoffnung zusprechen.
Durch uns will Jesus heute den Menschen die Liebe Gottes spürbar machen.
Sind wir Christen uns dessen überhaupt bewusst und bemühen wir uns im Alltag noch darum oder sind wir nicht weithin gleichgültig, müde und lau geworden?
Das schöne unseres Glaubens ist, dass Jesus in uns Menschen ein grenzenloses Vertrauen setzt: Er traut uns zu, sein Werk weiterzuführen. Er traut uns zu, als seine Mitarbeiter weiterzubauen auf dem Fundament, das er gelegt hat.
Trotz mancher Enttäuschung, Rückschläge und Versagen ist er nicht derjenige, der sagt: Jetzt muss ich die Sache doch wieder selbst in die Hand nehmen. Nein, er traut uns zu, seine Stellvertreter/Zeugen in dieser Welt zu sein – bis er eines Tages wieder kommen wird. Bis dahin hat Jesus keine anderen Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun. Bis dahin hat Jesus keine anderen Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinem Weg zu führen. Bis dahin hat Jesus keine anderen Lippen, nur unsere Lippen, um den Menschen von ihm zu erzählen. Wir sind die einzige Bibel, die die Öffentlichkeit noch liest. Wir sind Gottes letzte Botschaft, in Taten und Worten geschrieben.

Welche Haltung zeichnet einen glaubwürdigen Zeugen Jesu, Christen aus?
Die Lesungen dieses Sonntags sagen es uns: Bescheidenheit und Demut!
In einer Welt und Zeit, in der alles immer komplizierter, aufgeblasener wird und nur der etwas gilt, der Einfluss, Macht und Geld hat, braucht es Menschen, die bereit sind einfach und bescheiden zu leben, die den Mut haben zum Dienen! Die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise in der Welt ist weithin auf den Größenwahn einiger Gurus und den Wahnsinn nach immer mehr Profit zurückzuführen, indem man jedes gesunde Maß verloren hat. Geld, Macht und Profit allein macht den Menschen rücksichtslos, brutal und blind für den Nächsten! Nicht Größenwahn, Profitsucht und Brutalität tragen diese Welt, sondern der stille Einsatz von vielen kleinen, bescheidenen und demütigen Menschen!
Das beste Vorbild glaubwürdiger Zeugenschaft Jesu ist für uns Christen Maria – sie hatte ein offenes Ohr für Gottes Ruf; sie hat seinen Auftrag angenommen und ausgeführt; sie war aufmerksam ihren Mitmenschen gegenüber und diente in aller Bescheidenheit und Demut, vor allem den Armen und in Not geratenen.
Schauen wir deshalb heute erneut auf Maria und folgen wir ihrem Beispiel!

Als Bischof danke ich euch allen, die ihr euch bemüht dort, wo Gott euch im Leben hingestellt hat Zeugnis für den Glauben zu geben – Vergelt´s Gott dafür! Ich bitte euch: lassen wir uns trotz Sorgen, Probleme und Schwächen nicht entmutigen, sondern gehen wir als Christen diesen Weg im Blick auf Maria weiter!
Ich bitte euch im Solidaritätsopfer für Sr. Helene Unger in Senegal den Glauben zur Tat werden zu lassen, indem ihr die Arbeit für Kinder und Kranke unterstützt!

Maria, die erste und treueste Zeugin Jesu, die hier in Altötting besonders verehrt wird, möge uns allen in der Nachfolge Christi als seine Zeugen Wegweiserin, Helferin und Fürsprecherin sein, damit wir im Alltag des Lebens, in Familie, Pfarrgemeinde und Beruf, in Kirche und Gesellschaft als bescheidene und demütige Menschen heute vor der Welt Zeugnis für den Glauben geben!
Ich wünsche uns allen viel Freude und Mut zum Zeugnis für den Glauben – die Kraft dazu schöpfen wir aus dem Gastmahl, zu dem Jesus nun einlädt! Amen.

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