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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Mittwoch, 21. August 2013

Diözesanwallfahrt nach Kevelaer - 18. August 2013

Wir alle sind heute von nah und fern hierher nach Kevelaer, an diesen wahrhaft europäischen Wallfahrtsort gekommen, um das Hochfest der Aufnahme Marias in den Himmel zu feiern und wir schauen dabei im Gnadenbild "Trösterin der Betrübten" Maria als Mutter und Königin. Ida Görres hat ein Marienbüchlein geschrieben mit dem aufschlussreichen Titel „Das unverdorbene Konzept“. Maria als der Mensch, in dem Gottes Konzept, Gottes Plan vom Menschen unverdorben verwirklicht ist. Im genannten Buch werden drei Motive zum Bild der gekrönten Maria genannt, die mir wichtig und zeitlos erscheinen und über die ich mit ihnen am heutigen Marienfest in dieser Predigt nachdenken möchte.

Warum wird Maria oft mit einer Krone am Haupt, als Königin dargestellt? Die Krone am Haupt Marias hat eine dreifache Bedeutung. Die Krone, die Maria trägt, ist meistens ein Zeichen von Macht u. Herrschaft. Dabei bedeutet die Krone am Haupt Marias eigentlich das Gegenteil: sie ist ein Geschenk von jemanden anderen. So will uns die gekrönte Maria sagen: Alles, was ich geworden bin, bin ich durch einen anderen, nicht durch mich selbst. „Meine Seele preist die Größe des Herrn ... Denn er hat auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut“ - so singt Maria im heutigen Evangelium. Sie verweist damit auf den Geschenkcharakter unseres Lebens und unseres Glaubens, unseres Christseins. Die Theologie nennt das Gnade-Geschenk. In einer Welt und Zeit, in der alles machbar, kaufbar und erreichbar scheint, versteht man kaum mehr das Leben u. den Glauben als Gnade-Geschenk. Man verlässt sich nur auf greifbares, berechenbares, verstehbares, materielles, irdisches und verliert den Blick für das Himmlische, Transzendente, Gott. Gebet, Gottesdienst, Sakramente scheinen nicht mehr notwendig und werden daher von vielen Christen vernachlässigt und abgelehnt- aber gerade sie verbinden uns mit Gott! So erinnert uns die gekrönte Maria heute, dass im Leben und Glauben letztlich alles Gnade-Geschenk ist und wir dafür nur dankbar sein können und dürfen!

Die Krone am Haupt Marias hat aber noch eine zweite Bedeutung. Die alten Maler aus der Zeit der Gotik, aus der dieses Bild stammt, kannten noch den feinen Unterschied zwischen König und Königin. Der vornehmste Auftrag einer Königin im Mittelalter war neben der Mutterrolle das fürbittende Dazwischenstehen zwischen Urteil u. Verurteilten. Für die Menschen damals war die Königin die größte Hoffnung, Begnadigungen zu erwirken, Geschenke und Auszeichnungen zu erbitten. Sie war für' s Volk die schenkende Hand des Königs. Die gekrönte Maria will uns als sichtbares Zeichen der Mütterlichkeit Gottes sagen: Du darfst dich zu Gott hintrauen. Du brauchst keine Angst vor ihm zu haben. Ich lege für dich Fürbitte ein. Ich weiß, wo dich der Schuh drückt. In einer Welt und Zeit, in der das mütterliche Element verlorengeht, erinnert uns die gekrönte Maria an die Mütterlichkeit, das fürbittende Einstehen für andere! Schließlich hat die Krone am Haupt Mariens noch eine dritte Bedeutung. Die Krone Marias wird von den alten Künstlern meistens übertrieben groß und unrealistisch dargestellt, weil sie mit den unerfüllten Sehnsüchten der Menschen zu tun hat. Warum setzen die alten Künstler Maria eine übergroße Krone auf?  Sie tun es, weil sie in der gekrönten Maria darstellen möchten, dass in Maria schon all das erfüllt ist, wonach wir Menschen uns sehnen. So ist also nicht nur Maria selbst gekrönt, sondern mit ihr sind wir alle gekrönt, das heißt gerettet. Maria ist somit für uns Menschen die große Hoffnung und der Trost, dass auch unsere Sehnsucht nach Leben und Glück in Erfüllung gehen wird. In einer Welt und Zeit von Krisen, Frustration und Hoffnungslosigkeit in Kirche und Gesellschaft erinnert uns die gekrönte Maria an die große Hoffnung unseres Glaubens, zu der wir als Getaufte und Gefirmte berufen sind, zeigt sie uns das Ziel unseres Lebens, weist uns den Weg zum Ziel, das sie schon erreicht hat.

Wenn wir heute nach Kevelaer zur „Trösterin der Betrübten“ mit unseren Freuden und Sorgen gepilgert sind und hier vor ihrem Gnadenbild beten, singen, sie anschauen, vor ihr verweilen oder auch weinen u. klagen, dann erinnert sie uns: Alles im Leben kommt von Gott, ist also Gnade, ein Geschenk. Als Königin trete ich wie eine Mutter für dich ein, weil ich weiß, wo dich der Schuh drückt. Aber sie bittet auch uns miteinander liebevoll umzugehen und im Alltag des Lebens einander helfend beizustehen, besonders den Betrübten! Maria ist unsere große Hoffnung, weil auch wir mit ihr gekrönt sind und unsere Sehnsucht nach Leben u. Glück in Erfüllung geht. So beten wir voll Vertrauen:

Wie klein und unscheinbar ist dein Bild, „Trösterin der Betrübte“ von Kevelaer, Mutter des Herrn: Ein kleines Andachtsbildchen, wie es tausendfach in unseren Gebetsbüchern steckt, ein Zettel, kaum beachtet. Doch wie über alle Maßen würdevoll bist du dargestellt: als Frau aus vornehmen Haus, kostbar gekleidet, eine Königin mit Krone, Zepter und Kreuz, den Sohn Gottes trägst du auf deinem Arm! „Trösterin der Betrübten“, bitte für uns! Bitte für die vielen Kleinen und Unscheinbaren unserer Zeit, bitte für alle, die kleingemacht wurden, für die Erniedrigten, Bekümmerten und Betrübten, bitte für alle, die von anderen ausgenutzt wurden, für alle, die jede Achtung vor sich selbst verloren haben. Und bitte auch für jene, die ihre Macht über andere missbrauchen, bitte für alle, denen die Würde des Menschen nichts gilt, für alle, denen der Mensch nur eine Ware ist. Lehre uns, unsere Würde wieder zu entdecken: Kein Mensch ist unserem Gott unwichtig, keiner ist ihm egal. Wir sind Abbild Gottes und tragen seinen Sohn in unserem Herzen, auf unseren Lippen und auf unseren Armen. Lehre uns, Christusträger zu sein, lehre uns tun, was Er uns sagt, lehre uns aufstehen gegen jede Form der Unterdrückung, überall dort, wo Menschen sich andere Menschen dienstbar machen. Lehre uns andere trösten! Lehre uns andere bestärken, lehre uns aufbauen und ermutigen! Maria, du in den Himmel aufgenommene „Trösterin der Betrübten“, bitte für uns! Amen.