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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 8. Juli 2013

Diözesanwallfahrt Mariazell 2013 - Pilgermesse in der Basilika, Samstag, 6. Juli

Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst!
Lieber Superior P. Karl!
Liebe Diözesanfamilie - Pilgerinnen und Pilger!
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

Kennen sie James Bond, den britischen Geheimagenten 007 aus Kino/Fernsehfilmen? Was glauben sie, haben dieser James Bond und die Jünger Jesu im gehörten Evangelium gemeinsam? Wahrscheinlich sind sie überrascht über diese Frage! Die Antwort ist nicht schwer: Beide bekamen von ihrem Chef den speziellen Auftrag, eine wichtige Mission auszuführen. Die Art und Weise der beiden Missionen ist aber grundverschieden. Das Betrachten der Unterschiede soll uns helfen, das zu entdecken, was uns Christen dieses Evangelium von der Aussendung der Jünger heute als Einzelne, Kirche, Diözese und Pfarrgemeinde sagen will.

Mit Hilfe von 7 Fragen möchte ich nun in dieser Predigt mit ihnen gemeinsam über die Unterscheidungsmerkmale der beiden Missionen nachdenken:

1. ln welcher Mission sind sie unterwegs?
James Bond ist meist in geheimer Mission unterwegs und will die Welt vor dem drohenden Untergang oder vor einem schlimmen Bösewicht retten.
Die Mission der Jünger Jesu dagegen ist offen sichtbar und hat einen ganz anderen Sinn: Sie laden die Menschen, denen sie unterwegs begegnen, zur Umkehr ein. Sie fordern auf, das, was im Leben nicht so gut läuft, mit Gottes Hilfe zu entdecken und zum Guten zu verändern. Außerdem helfen und heilen sie Menschen in ihrer Not.
Fragen wir uns bei dieser Wallfahrt: Wo müssen wir uns ändern und umkehren? Was können wir in Zukunft anders, besser machen?

2. Wer steht ihnen zur Seite?
Während James Bond entweder allein oder mit einer hübschen Frau unterwegs ist, haben sich die Jünger Jesu zu zweit auf den Weg gemacht. Warum das?
Sie werden paarweise ausgeschickt, denn sie sollen als Zeugen wirken. Stimmen zwei Zeugen in einer Sache überein, so ist ihr Zeugnis vollwertig und rechtsgültig. Der Herr selber bestimmte und bestellte die Boten und gab ihnen damit amtlichen Auftrag und ihrer Sendung rechtlichen Charakter. Zudem haben sie die Möglichkeit, sich einander auszutauschen und zu bestärken. Sie können sich auch nach einer missglückten Mission gegenseitig wieder Mut machen. Gemeinsam sind sie stark genug, Jesu Auftrag auszuführen.
Fragen wir uns bei dieser Wallfahrt: Wie arbeiten wir mit anderen zusammen, in Familie, Pfarre, Dekanat und Diözese. Als Volksgruppen, in der Ökumene,  der Politik und in den Vereinen?

3. Welche Ausrüstung hilft ihnen dabei?
James Bond ist meist mit allen technischen Raffinessen, mit teuren Autos und Kreditkarten ausstaffiert. Die Ausrüstung der Jünger Jesu ist viel bescheidener: Wanderstab und Sandalen müssen ihnen ausreichen. Sie sind Pilger. So werden sie nicht abgelenkt von materiellen Dingen. Ihr Augenmerk liegt allein auf dem Auftrag, den Jesus ihnen gegeben hat.
Fragen wir uns bei dieser Wallfahrt: Brauche ich wirklich alles, was mir die Werbung vorschwärmt? Lenkt der Konsum nicht vom Wesentlichen ab? Braucht es heute nicht den Mut zur Einfachheit und Bescheidenheit? Machen mich nicht auch Dinge reich, die wenig oder gar nichts kosten: Ein Gespräch, Zeit für einen Besuch, für den Partner, die Kindern und Eltern oder Alte und Kranke?

4. Wie lösen sie Konflikte?
Von James Bond wissen wir, dass er für Konfliktsituationen besonders ausgefeilte Waffen bei sich trägt: Das können Kugelschreiber sein, mit denen er schießt oder Mini-Raketen, die in seinem Auto versteckt sind.
Eine ganz andere Strategie bekommen die Jünger von Jesus mitgeteilt. Im Evangelium heißt es: "Wenn ihr abgelehnt werdet, dann schüttelt den Staub von euren Füßen." Jesus fordert also keine gewaltsame Zwangsmissionierung, auch kein Überreden mit vorgehaltener Pistole. Die freie Entscheidung eines jeden Menschen wird akzeptiert.
Fragen wir uns bei dieser Wallfahrt: Nehmen wir unsere Mitmenschen ernst, wenn sie eine andere Meinung haben? Versuchen wir als Christen andere zu überzeugen anstatt zu überreden, am besten mit einem glaubwürdigen Leben?

5. Welche Vollmachten bekommen sie von ihren Auftraggebern?
James Bond hat die Lizenz zum Töten. Davon macht er in den Filmen oft Gebrauch. Er geht über Leichen. Ganz anders die Jünger Jesu. Sie bekommen von Jesus die Lizenz zum Heilen. Im Namen Jesu Christi treiben sie Dämonen aus und heilen Kranke. Sie setzen sich ein, Leben zu schützen und zu erhalten.
Fragen wir uns bei dieser Wallfahrt: Setzen wir uns als Christen für das Leben ein von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod? Braucht unsere Gesellschaft heute nicht mehr denn je diesen Einsatz und dieses Zeugnis der Christen?

6. Wie stellen sie sich dar?
James Bond stellt sich als Superagent dar, er ist ein moderner Superman. Die Jünger Jesu haben eine solche Selbstdarstellung nicht nötig, denn sie sind unterwegs im Namen des Herrn. Sie verweisen bei allem, was sie tun, auf Jesus. Sie sehen sich als Wegweiser zu einem erfüllten Leben mit Gott.
Fragen wir uns bei dieser Wallfahrt: Wer oder was steht im Mittelpunkt meines Lebens und Glaubens oder meiner Tätigkeit in Kirche und Gesellschaft? Muss ich selber im Mittelpunkt stehen oder bin ich anderen ein Wegweiser zu Gott?

7. Wer schrieb die Handlung?
James Bond ist erfunden, ebenso das Drehbuch zum Film. Es geht um eine gute und spannende Unterhaltung sowie um volle Kassen. Das Evangelium ist nicht erfunden, es hat eine andere Zielrichtung: Es geht darum, dass Jesus seine Anhänger einlädt, die frohe Botschaft weiterzugeben, so wie er sie weitergegeben hat. Es ist ein Auftrag für alle Christen zu allen Zeiten.
Fragen wir uns bei dieser Wallfahrt: Wie kann ich meine Erfahrungen mit Gott weitergeben? Wie kann ich meinen Glauben leben, dass er andere ansteckt?

Auch der spannendste James-Bond-Film geht zu Ende mit einem Happy End. Der Bösewicht ist besiegt, die tödliche Gefahr beseitigt und James Bond ist der Held, der seine Mission gut und erfolgreich beendet.
Wissen sie wie die Mission Jesu eigentlich endet? Der Auftrag Jesu ist noch nicht abgeschlossen! Solange es Christen gibt, sind sie aufgerufen, Zeugnis von ihrem Glauben zu geben. Jeder und jede von uns hat von Jesus die Lizenz der Glaubensweitergabe in der Taufe und Firmung erhalten. Wir müssen uns dabei nicht wie die ersten Jünger Jesu die Füße wund laufen. Es genügt, dass wir dort glaubhaft sind, wo wir leben und arbeiten. Wenn uns das gelingt, wird unser ganzes Leben eine Mission sein, die spannender als jeder James-Bond-Film ist.
Diese unsere Diözesanwallfahrt im Jahr des Glaubens zur Mutter von Zell möge uns Mut machen, dass wir als Christen - Getaufte, Gefirmte und Geweihte - unsere Mission erkennen und sie aus Überzeugung und mit Freude erfüllen! Als Bischof danke ich allen, die sich in unserer Diözese und den Pfarrgemeinden im Alltag darum mühen und lade ein, trotz aller Herausforderungen unserer Zeit darin nicht müde zu werden!
Maria ist uns dabei Wegweiserin und Fürsprecherin! Amen.