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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Samstag, 29. Juni 2013

Diakonenweihe im St. Martinsdom


Hochfest der hll. Apostel Petrus und Paulus
29. Juni 2013

Ich bin noch immer zutiefst beeindruckt von Deiner feierlichen Profess, lieber P. Hans Ulrich, am vergangenen Sonntag in der Pfarrkirche von Gumpoldskirchen. Es waren vor allem 2 Zeichen: Einerseits die Übergabe des Kreuzes vom Deut-schen Orden. Andererseits das Anlegen des weißen Mantels mit dem schwarzen Kreuz als Ordenskleidung. Beachtenswert war auch, dass Du während der Aller-heiligenlitanei vor dem Altar auf einem weißen Tuch mit dem schwarzen Ordenskreuz gelegen bist. Das schwarze Kreuz auf weißem Grund symbolisiert nämlich den Sieg Christi über die Mächte der Dunkelheit, das Aufleuchten des ewigen Lebens hinter dem Dunkel des Todes – Du hast Dich gleichsam mit der ewigen Profess ganz in Jesu Tod und Auferstehung hineingelegt!

Wenn wir uns nun zur Diakonenweihe hier im Eisenstädter Martinsdom versam-melt haben, dann ist auch diese Weiheliturgie reich an Zeichen und Symbolen.
Liebe Weihekandidaten, Ihr werdet jetzt Euer Versprechen ablegen – Ihr werdet während der Allerheiligenlitanei vor dem Altar ausgestreckt am Boden liegen – ich werde Euch durch Handauflegung und Gebet zu Diakonen weihen – danach werdet Ihr die Stola und Dalmatik anlegen – ich werde Euch das Evangeliar überreichen – und wir werden einander den Friedensgruß austauschen.
Der Übergabe des Kreuzes und des weißen Ordensmantels bei der Profess will ich die Überreichung des Evangeliars und das Anlegen der Stola und Dalmatik bei der Diakonenweihe gegenüberstellen, mit Euch überdenken und für Euren Dienst als Diakone – Diener des Wortes, am Altar und an den Tischen – deuten.

Bei der Überreichung des Evangeliars sagt der Bischof zum neu geweihten Diakon: „Empfange das Evangelium Christi: Zu seiner Verkündigung bist du bestellt. Was du liest, ergreife im Glauben; was du glaubst, das verkünde, und was du verkündest, erfülle im Leben.“
Das Hören und Befolgen des Wortes Gottes ist das Herzensanliegen Jesu. Daher ist die Verkündigung des Wortes Gottes der Inbegriff auch und gerade des prie-sterlichen/diakonalen Dienstes. Priester/Diakone sind berufen und verpflichtet Botschafter des Evangeliums zu sein. Oder wie es das 2. Vatikanum im Priester-dekret fordert, „sie sollen niemals ihre eigenen Gedanken vortragen, sondern immer Gottes Wort lehren und alle eindringlich zur Umkehr und zur Heiligung bewegen.“ (PO 4) Dies kann glaubwürdig nur gelingen, wenn wir in unserem Reden als Bischöfe, Priester und Diakone zu erkennen geben, dass wir nicht von uns selbst reden, sondern uns zur Stimme Christi machen, um so seinem Wort Raum zu geben und das Leben dafür zu investieren, dass „Christus in allem den Vorrang“ hat. Wir stehen im Auftrag des Wortes und sind Stimme Christi heute. Wir sind nicht nur Verkünder, Boten des Wortes Gottes. Die Botschaft des Evangeliums verlangt einen Zeugen: wenn wir das Wort Gottes weitergeben wollen, müssen wir es zuerst selber kennen und es uns so aneignen, dass es unser eigenes Wort wird. Der Dienst am Wort erfordert eine Selbstenteignung.
Die Überreichung des Evangeliars ist nicht nur ein schönes liturgisches Zei-chen, sondern vielmehr eine Einladung und Aufforderung an Euch: Nehmt das Evangelium Jesu Christi jeden Tag in die Hand, lest darin und meditiert es, ver-kündet dann das, was Ihr im Glauben erkannt habt, am besten mit Eurem Leben! Das ist konkrete, glaubwürdige und notwendige Neuevangelisierung auf die die Menschen heute sehnsüchtig und hungrig warten!

Nach dem Weihegebet werdet Ihr die Stola und Dalmatik anlegen. Es ist das liturgische Gewand für den Diakon, sozusagen der Mantel, den Ihr anzieht.
In der Stola und Dalmatik sehe ich den geteilten Mantel des heiligen Martin.
Nachdem Ihr heute im Martinsdom zu Diakonen geweiht werdet, erinnere ich Euch an den Mantel, den er mit einem frierenden Bettler teilte. Wie wir wissen, wurden Martinus die Augen dafür geöffnet, dass er nicht nur mit einem hilflosen Menschen, sondern mit Christus selbst seinen wärmenden Mantel geteilt hat. Dieser Mantel ist so zum Symbol der Gegenwart Christi in seiner Kirche durch den Dienst an den Armen, Mühseligen und Beladenen geworden. Christen – und noch mehr Diakone – sind aufgerufen, ja verpflichtet, aus dem Glauben heraus, sich liebevoll den Mitmenschen – Armen, Kleinen, Schwachen – zuzuwenden, sich herabzubeugen, ihnen zu dienen und zu helfen. Denn Christus selber wird gegenwärtig im Liebesdienst der Christen! Martinus mit dem geteilten Mantel ist ein Tatzeuge des Evangeliums – jede Zeit und jede Gesellschaft muss Platz haben für Arme, Alte und Kranke.
Immer wenn Ihr die Stola und Dalmatik anlegt, sollt Ihr Euch an den geteilten Mantel des heiligen Martin erinnern, an das Beispiel unseres Landes- und Diö-zesanpatrons, dass auch Ihr als Diakone den Armen, Kranken, Heimatlosen und Notleidenden helfen sollt. Es wird Euch damit der Dienst am Altar und an den Tischen übergeben. Die Kirche sendet Euch gerade zu diesen Menschen – habt offene Augen für ihre Not, teilt alles mit ihnen, steht ihnen bei – vergesst nicht: es ist Christus selber, der Euch in ihnen begegnet!

Die Apostel Petrus und Paulus, an deren Fest Ihr zu Diakonen geweiht werdet, sind Euch Vorbilder und Wegweiser. Ihr Leben zeigt, was es für den Dienst des Diakons braucht:
Es braucht zuerst das inständige Gebet, von dem die 1. Lesung aus der Apostel-geschichte berichtet. Die Befreiung des Petrus ist Gottes Werk, denn die „Ge-meinde betete inständig für ihn zu Gott.“ Das Gebet kann also Wunder wirken. Deshalb seid und bleibt „Männer des Gebetes“, damit auch heute durch Euch Wunder geschehen – das Stundengebet der Kirche erinnert Euch täglich daran!

Es braucht aber auch die Treue, von der Paulus in der 2. Lesung spricht: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten.“ Trotz aller Brüchigkeit ist Treue möglich, auch heute! Deshalb seid und bleibt treu, hütet als Diakone treu den Schatz des Glaubens und verkündet diesen Glauben gemäß dem Evangelium und der Überlieferung der Kirche in Wort und Tat!
Es braucht schließlich vor allem die Liebe. Das Geheimnis Jesu war die Liebe. Das Geheimnis des Apostellebens von Petrus und Paulus war die Liebe. Das Ge-heimnis jedes Christenlebens und noch mehr jedes Dienstträgers in der Kirche – Diakons – ist die Liebe, die Liebe zu Christus und die Liebe zum Mitmenschen, besonders den Armen, Schwachen, Kranken und Notleidenden. Wie Petrus im Evangelium aus Liebe zu Jesus ihn als Messias, den Sohn des lebendigen Gottes bekannt hat, so bekennt auch Ihr Euch jetzt bei Eurer Weihe zum Diakon zu diesem Messias, zeigt Eure Liebe zu Christus öffentlich und verpflichtet Euch auch zur Liebe zum Nächsten.
Deshalb seid und bleibt als Diakone Menschen der Liebe, besonders der Liebe zu Christus in den Armen, Kranken, Heimatlosen und Notleidenden!  

Euren Familien – Eltern, Geschwistern, Ehegatten, Verwandten und Freunden – Euren Heimatpfarren und Einsatzpfarren, den Seminarien sowie der Ordensfa-milie des Deutschen Ordens danke ich für alle Unterstützung und Begleitung im Gebet und bitte euch darin nicht nachzulassen!

Euch, liebe Weihekandidaten, danke ich als Bischof, Mitbruder und Freund für Eure Bereitschaft zum Dienst, Einsatz sowie alle Hilfen – besonders Dir, lieber P. Hans Ulrich, als meinem Zeremoniär und ermutige Euch: Das Evangelium und die Stola und Dalmatik – der Mantel des heiligen Martin – sollen Euch immer an Euren Dienst am Wort und am Altar sowie an den Tischen erinnern!
Mein Wunsch an Euch ist die Bitte im Weihegebet: „Das Evangelium Christi durchdringe Euer Leben. Selbstlose Liebe sei Euch eigen, unermüdliche Sorge für die Kranken und die Armen. Mit Würde und Bescheidenheit sollt Ihr allen begegnen, lauter im Wesen und treu im geistlichen Dienste.“

Die Apostel Petrus und Paulus sowie der hl. Martin sind Euch darin Vorbilder, Helfer u. Fürsprecher – jetzt seid Ihr dran es ihnen als Diakone nachzumachen! Gottes Segen und unser aller Gebet begleite Euch in Eurem Dienst! Amen.