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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Donnerstag, 2. Mai 2013

50 Jahre Domkapitel - 1. Mai 2013

Lieber Bischof Paul!
Liebe Dignitäre unseres Domkapitels mit dem Herrn Dompropst an der Spitze!
Liebe Delegierte der Domkapitel aus den verschiedenen Nachbardiözesen!
Zum feierlichen Gottesdienst versammelte Schwestern und Brüder im Herrn!

Wir feiern heute ein großes Jubiläum: Vor 50 Jahren - einem halben Jahrhundert - wurde mit der Bulle "Solet catholica" vom 1. Mai 1963 von Papst Johannes XXIII. das Domkapitel der Diözese Eisenstadt errichtet. Ich weiß nicht, wie das Wetter an diesem Tag war, das müssten wir Herrn Prälaten Rittsteuer fragen, der damals als Mann der ersten Stunde dabei gewesen ist und auch danach als Zeitzeuge über Jahrzehnte hinweg das Wirken des Kollegiums an dieser Domkirche begleitet hat. Sicher ist aber, dass das damalige Ereignis der Errichtung eines Domkapitels an unserer Domkirche ein strahlendes, sonniges Ereignis für unsere damals noch blutjunge Diözese gewesen ist. Es wurde eine Gemeinschaft von Priestern ins Leben gerufen, deren Aufgabe es von nun an sein sollte, die feierlicheren Gottesdienste in der Kathedralkirche durchzuführen, den Bischof in Fragen von wirtschaftlichem Gewicht zu beraten und alle jene Aufgaben zu erfüllen, die dem Kollegium vom Kirchenrecht oder vom Diözesanbischof persönlich übertragen werden.

Vor allem aber wurde den Kapitularen an unserer Domkirche die bedeutende Pflicht übertragen, die würdige Feier der Eucharistie sowie die ganze Liturgie, das Chorgebet und die Musikkultur zu pflegen. Die Gottesdienst-Kultur gerade an einer Domkirche hat Vorbildfunktion für alle anderen Kirchen einer Diözese. Dabei handelt es sich um weit mehr als um einen bloßen "Kulturauftrag" - als Dienst an der Liturgie ist es die wesentliche Teilhabe am Heiligungsdienst der Kirche. Der gläubige Christ erkennt sein Leben als einen Pilgerweg zu Gott. Kirchen, obwohl sie Symbole aus Stein sind, sind geistliche Oasen an diesem Weg. Hier kann der Mensch einkehren, um am Tisch des Wortes und des Brotes eine Wegzehrung zu empfangen. Führt auch Ihr unseren Dom immer mehr an dieses Ideal heran, damit er immer mehr ein Ort und ein Symbol der Verherrlichung Gottes werde!

Mit den Augen des christlichen Glaubens betrachtet, ist ja die ganze Wirklichkeit unserer sichtbaren Welt ein Symbol, das auf Gott verweist, dem sich die ganze Welt in ihrem Bestehen verdankt. Und auch Ihr, liebe Domkapitulare, seid dazu berufen, selbst ein solches Symbol zu sein. So ist auch das Ehrenrecht Eurer Kleidung - Talar, Rochett, Mozetta und Birett - kein Zeichen der menschlichen Eitelkeit, sondern Träger von Bedeutung. Der russische Schriftsteller Nikolaj Gogol drückte es einmal so aus: "Die Priester legen die priesterlichen Gewänder an, um sich nicht nur von den anderen Menschen zu unterscheiden, sondern um sich auch zu trennen von sich selbst, um nichts gemeinsam zu haben mit denen, die in den eitlen Sorgen der Welt aufgehen, und um gleichzeitig auch alle zu erinnern an die Erhabenheit des bevorstehenden Dienstes."

Liebe Schwestern und Brüder, im heutigen Evangelium bezeichnet sich Jesus als den "wahren Weinstock" und uns, seine Gläubigen, als die "Reben". Und er fügt hinzu: "Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen." Ich denke, es gibt keine Schriftstelle, die passender wäre für ein Domkapitel, noch dazu bei uns im Burgenland, als die vom Weinstock und den Rebzweigen. Und sie führt uns zu einer der Kernaussagen der Weltbischofssynode des Vorjahres, derzufolge die Neuevangelierung im Letzten darin besteht, die Menschen zur Freundschaft mit Jesus zu führen.

Liebe Kapitulare! Euer Dienst ist daher seinem tiefsten, edelsten Verständnis nach ein Freundschaftsdienst, ja ein Liebesdienst. Euer Statut spricht in Punkt 10 sogar wortwörtlich von "Liebespflicht" - dort, wo es um Euren Anteil an den seelsorglichen Arbeiten an der Domkirche geht. Dieser Liebesdienst und diese Liebespflicht, mit denen Ihr andere zu Jesus führt, müssen in Eurer eigenen, ganz persönlichen Freundschaft mit Christus wurzeln. Nur wenn ihr selbst wie die Reben am Weinstock seid, werdet Ihr Frucht für andere bringen. Dann nämlich kann Eure Freundschaft zu Christus zur Freundschaft untereinander werden - im Kapitel, im Presbyterium unserer Diözese; dann kann sie zur echten Freundschaft mit dem Bischof, mit den Nachbardiözesen und ihren je eigenen Kapitularen, ja mit der ganzen Weltkirche werden.

Ich danke Euch als Bischof im Namen unserer ganzen Diözese für diesen Euren Dienst und gebe Euch einen Wunsch mit auf den Weg: Dass es Euch gelingen möge, weiterhin zum Aufbau der Diözese Eisenstadt beizutragen. Dabei soll Euch der ureigenste Auftrag des Zweiten Vatikanischen Konzils leiten, nämlich die Verwirklichung
- einer mystischen Kirche, in der Gott und sein Geheimnis im Mittelpunkt stehen,
einer geschwisterlichen Kirche, in der Getaufte, Gefirmte und Geweihte nach ihren Begabungen und Beauftragungen zum Aufbau der Gemeinschaft wirken
- und einer diakonischen Kirche, in der die Armen nicht vergessen werden.
Die Verwirklichung einer Kirche, in der trotz aller kultureller und sprachlicher Vielfalt in unserer Diözese die Einheit stets gewahrt bleibt. Seht dies auch als das Vermächtnis des Konzilspapstes Johannes XXIII., des Errichters unserer Diözese und dieses Domkapitels, an Euch!

Eine Diözese ist eine immerwährende Baustelle. Wir alle, die wir auf ihr werken, müssen den Spagat bewältigen zwischen Vorläufigkeit und dem Streben nach Ewigkeit. Sucht daher weiterhin die innige Verbindung mit Christus! Führt andere Menschen zur Freundschaft mit Jesus! Bleibt als Reben am Weinstock, auch wenn die Stürme der Zeit durch den Weinberg fegen und Ernteausfälle bewirken! Wichtig ist allein, dass Ihr Euch von Jesus, dem Weinstock, nicht trennen lasst. Dann werdet Ihr innerlich nicht verdorren, sondern weiter reiche Frucht bringen. Dann werdet Ihr selber wie Wein werden. Die Qualität Eurer Gemeinschaft, liebe Kapitulare, wird der Gradmesser sein für die Qualität dieses neuen Weines, der zu werden ihr berufen seid. Neuer Wein sein, eine müde gewordene Gesellschaft neu begeistern und beleben können, auch und gerade hier an dieser Kirche - das wünsche ich Euch und uns allen!

Dazu müssen wir uns ganz Jesus überlassen, auf ihn hören, ihm auf dem Weg folgen, den er uns zeigt, auch wenn sich unser Innerstes manchmal dagegen sträubt. Maria kann uns dabei helfen. Sie sieht wie bei der Hochzeit von Kana unsere Not, und führt uns zu Jesus, auf den wir unser ganzes Vertrauen setzen sollen: “Was er euch sagt, das tut!“ Wenn uns dieses Vertrauen gelingt, dann verwandelt er uns wie Wasser in Wein, dann erleben wir das Wunder von Kana an uns selbst.

Erbitten wir dazu die Fürsprache des Heiligen Martin, des Patrons unseres Landes, unserer Diözese und unserer Domkirche, die seinen großen Namen trägt, und erbitten wir die Fürsprache des seligen Johannes XXIII., des Errichters unserer Diozese und dieses unseres Domkapitels heute vor genau 50 Jahren.