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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Freitag, 1. März 2013

Eröffnung der Kontakttage im Dekanat Rust - 28. Feber 2013

Heute ist ein besonderer Tag für das Dekanat Rust, da mit diesem Gottesdienst hier in der schönen Stadtpfarrkirche von Purbach die Kontakttage zur Vorbereitung der Bischöflichen Visitation im kommenden Jahr feierlich eröffnet werden. Der 28. Feber 2013 ist für die Katholische Kirche und die Geschichte ein besonderer und einmaliger Tag. Mit dem heutigen Tag - in diesen Abendstunden - legt Papst Benedikt XVI. sein Amt zurück. So ist es wohl angebracht, heute Abend dem Nachfolger Petri für 8 Jahre des Petrusdienstes zu danken, für ihn zu beten sowie auf sein geistliches Erbe zu schauen.

Was gibt uns Papst Benedikt XVI. mit auf den Weg in die Zukunft als Kirche und Christen? Was ist und bleibt sein Erbe, Vermächtnis, Botschaft an uns alle?

Papst Benedikt hat die Gottesfrage in den Mittelpunkt seines Lebens und Glaubens gestellt. Bezeichnend dafür ist die Tatsache, dass er seine erste Enzyklika nicht irgendeinem theologischen Thema gewidmet hat, sondern Gott als die Liebe an den Beginn und in das Zentrum des Denkens und Glaubens gestellt hat. Gerade das 2. Vatikanische Konzil – an dem er als junger Theologe beratend teilgenommen und das er bereichert hat - hat der Gottesfrage besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Dieses „Jahr des Glaubens“ unterstreicht das deutlich. Ein Blick in die Gegenwart zeigt aber deutlich, dass unsere moderne westliche Welt eine Gottesfinsternis heimsucht. Die Frage nach Gott scheint viele unserer Zeitgenossen nicht mehr zu interessieren. Gott, Glaube, Kirche haben für viele keine Bedeutung, haben weithin ihre gesellschaftspolitische Kraft verloren und ein Leben ohne Gott ist normal, modern, ja „in“ geworden. Papst Benedikt erinnert uns aber: „Wo Gott ist, da ist Zukunft!“ Das ist ein Auftrag an uns alle trotz Fortschritt, Technik und Wohlstand auf Gott nicht zu vergessen – im persönlichen Leben, in den Familien und Pfarrgemeinden, in Kirche und Gesellschaft!

Papst Benedikt hat uns Österreicher anlässlich seines Pastoralbesuches 2007 in Mariazell eingeladen: Auf Christus zu schauen! Und er hat uns dabei auf Maria verwiesen, die uns in der Gnadenstatue von Mariazell mit dem Finger auf Jesus hinweist. Der große Gott kommt im kleinen Kind von Bethlehem zu uns, gibt uns seine Liebe und bittet um unsere Liebe. Er bittet, dass wir ihm vertrauen. Maria verweist uns aber auch auf den Gekreuzigten. Gott hat die Welt nicht durch das Schwert, sondern durch das Kreuz erlöst. Sterbend breitet Jesus die Arme aus. Dies ist zunächst die Gebärde der Passion, in der er sich für uns annageln lässt, um uns sein Leben zu geben. Aber die ausgebreiteten Hände sind zugleich die Haltung des Betenden: Jesus hat die Passion, sein Leiden und seinen Tod in Gebet umgewandelt, in einen Akt der Liebe zu Gott und zu den Menschen. Darum sind die ausgebreiteten Arme des Gekreuzigten auch ein Gestus der Umarmung, mit der er uns an sich zieht, in die Hände seiner Liebe hineinnehmen will. „Auf Christus schauen!“ Wenn wir das tun, dann sehen wir, dass das Christentum mehr und etwas anderes ist als ein Moralsystem, als eine Serie von Forderungen und Gesetzen. Es ist das Geschenk einer Freundschaft, die im Leben und im Sterben trägt. Dieser Freundschaft vertrauen wir uns an. Weil das Christentum mehr ist als Moral, eben das Geschenk einer Freundschaft, darum trägt es in sich eine große moralische Kraft, deren wir angesichts der Herausforderungen unserer Zeit so sehr bedürfen. Ein Blick in unsere Gegenwart zeigt, dass auch wir Getaufte/Gefirmte Christus aus den Augen verloren haben. Wer aber nicht mehr auf Christus schaut, der verliert bald die Orientierung und Freundschaft zu ihm, dessen Freundschaften und Beziehungen sterben langsam ab und zerrbrechen. Papst Benedikt erinnert uns daher, vergesst nicht „auf Christus zu schauen!“

Papst Benedikt hat alle Christen zur Neuevangelisierung aufgerufen. Die Evangelisierung richtet sich hauptsächlich an die Menschen, die zwar getauft sind, sich aber von der Kirche entfernt haben und in ihrem Leben keine Beziehung zur christlichen Praxis haben – sie sollen zur Begegnung mit dem Herrn geführt werden. Dazu braucht es den Einsatz und die Mitarbeit aller in der Kirche – Priester, Diakone, Ordensleute und der Laien! Nur wo die Evangelisierer selber vom Evangelium-Christus ergriffen sind, werden sie die Botschaft Jesu treu und glaubwürdig weitergeben können, nur dort ist Kirche lebendig und anziehend! Ein Blick in unsere Gegenwart zeigt, dass es auch bei uns Neuevangelisierung braucht, vor allem aber überzeugte und überzeugende Christen – Priester und Laien – die im Geist des Konzils zusammenarbeiten und so eine Kirche sind. Papst Benedikt erinnert uns in Zeiten des Umbruchs an die Neuevangelisierung!

Gott ist Ursache, Mitte und Ziel unseres Glaubens – Auf Christus schauen – Neuevangelisierung: das ist Erbe und Auftrag von Papst Benedikts an uns alle! Das ist die pastorale Priorität für die Kirche, unsere Diözese und ihre Pfarren! Am Ende seiner Amtszeit sage ich als Bischof namens der Diözese Eisenstadt Papst Benedikt XVI. für seinen hingebungsvollen Petrusdienst Vergelt´s Gott! Ich danke dem Hl. Vater für meine Ernennung zum Bischof, sein Vertrauen, Wohlwollen und aufmerksame Begleitung sowie sein Interesse an der Diözese Eisenstadt, der er seit Jugendtagen, später als Professor und Papst verbunden ist! Gottes Segen und unser Gebet begleite den Heiligen Vater in eine gute Zukunft! Unsere Bitte an Gott in dieser Stunde ist: schenke deiner Kirche den als Nachfolger Petri, der dem Guten Hirten am besten entspricht! Als Bischof danke ich aber auch allen MitarbeiterInnen im Dekanat Rust – Priestern, Diakonen, ReligionslehrernInnen, Pfarrgemeinderäten, haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen – für ihren unermüdlichen Einsatz und ihr Glaubenszeugnis in den Pfarren! Ohne eure Mitarbeit wäre unsere Kirche arm! Als Bischof lade ich aber heute bewusst alle Christen und Mitarbeiter unserer Diözese ein, das Erbe von Papst Benedikt als Auftrag zu sehen: Gott in den Mittelpunkt des Lebens zu stellen – im Alltag auf Christus zu schauen – die Neuevangelisierung in unseren Pfarren und Familien unbedingt in Angriff zu nehmen! Wenn wir das tun, sind wir – wie der Prophet Jeremia in der Lesung sagt – Menschen, die sich auf den Herrn verlassen und ihre Hoffnung auf ihn setzen, „wie ein Baum, der an Wasser gepflanzt ist: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte.“

Gott lasse unser Beten und Arbeiten fruchtbar werden für Kirche und Gesellschaft und begleite uns mit seinen Segen! Amen.