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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Freitag, 22. Februar 2013

Messfeier zur Fastenzeit für burgenländische PendlerInnen in Wien - 20. Feber 2013

Die Geschichte vom Auftritt des Jona in Ninive, von der uns die heutige Lesung berichtet, ist ein spannendes Drama. An etlichen Stellen dieses Dramas können wir nur sagen: Ja, genauso ist es auch heute! Es gibt aber auch Stellen, wo wir zögern und sagen: Das gibt es doch nicht! Das kann doch nicht möglich sein!

Ninive, die große Stadt, lebte auf Kosten der ausgebeuteten Völker. Luxus, Slums, Kriminalität und Ausländerfeindlichkeit waren an der Tagesordnung.
Ninive war schwer krank. Größenwahn hatte sie befallen. Sie litt unter der Zwangsvorstellung vom ständigen Wohlstandszuwachs. Die Stadt war tödlich bedroht, nicht durch Feinde von außen, sondern durch die eigene selbstzerstörerische Lebensführung. Es braucht nicht viel Phantasie, nur Kenntnis unserer Wirklichkeit, und wir sehen diese Stadt vor uns. Ich möchte sagen: Genau das ist unsere Stadt, unsere Zeit. Oder darf ich das etwa nicht sagen?

Jona hatte auch lange überlegt, ob er es sagen sollte. Er wollte sich davor drücken. Es ist verständlich, denn Künder des Unheils sind nirgends gerne gesehen.
Jona konnte sich sagen: Die Leute in Ninive müssen doch eigentlich selbst wissen, wie es um sie steht. Wenn sie das nicht sehen und spüren, dann wollen sie es nicht wahrhaben, dann sind sie selber schuld, dann ist ihnen nicht mehr zu helfen, dann predigt selbst der größte Prophet umsonst. Das war damals so – das ist auch heute nicht anders!
Jona predigte aber trotzdem wie es Propheten immer wieder tun, nicht aus Freude, sondern weil es ihn einfach nicht in Ruhe lässt.
Jona sagte: „Noch 40 Tage, und Ninive ist zerstört!“ Jona hielt sich kurz, denn es gab nichts zu erklären und zu begründen. Man wusste: So kann es nicht weitergehen – Das führt zu nichts Gutem – Das ist unser sicherer Untergang!
So kurz kann Gott predigen, durch die Worte eines Menschen und durch eine Situation, die für sich selbst spricht. Gott kann sehr direkt und unausweichlich das Gespräch mit uns Menschen suchen. Wenn uns daher jemand im Leben ermahnt, auf ein Fehlverhalten/Sünde hinweist oder das Gericht Gottes ankündigt, sollten wir so klug sein und sorgfältig hinhören, wer da eigentlich mit uns reden möchte. Es könnte nämlich sein, dass wir mit dem Mahner Gott verwerfen, ihm das Wort verbieten und uns weiter ins Unglück verrennen.
Als Christen, die wir nicht nur die Jona-Geschichte kennen, sondern auch das Neue Testament, wissen wir, dass Gott nicht nur das Gespräch mit dem Verlorenen sucht, sondern dass er sogar seinen eigenen Sohn sendet, um zu suchen, was verloren, um zu heilen, was verwundet ist. Um das zu erkennen, darf man nicht vom Rausch des eigenen Wahns verblendet sein.
Das Wunder von Ninive besteht darin, dass sich alle Leute der Stadt, die Botschaft des Jona zu Herzen nahmen. Alle glaubten an Gott und kehrten um, hüllten sich in Bußgewänder – vom mächtigen König bis zum kleinsten Bürger! Aber genau da sagen wir gerne: Das gibt es doch nicht! Das ist nicht möglich! Es ist doch undenkbar, dass alle radikal umdenken und sich bekehren, dass alle teilen statt zu konsumieren, dass alle verzichten statt nach Zuwachs zu trachten, dass alle ihre Schuld bekennen statt sie auf andere abzuwälzen oder gar zu verdrängen, dass niemand unterscheidet zwischen Inländern und Ausländern, Großen und Kleinen, Armen und Reichen.
Das alles hört sich doch völlig utopisch, unmöglich und unrealistisch an und bedeutet eine totale Überforderung.

Die dramatische Geschichte von Ninive beinhaltet eine sehr klare Botschaft. Diese Leute haben begriffen, was auf sie zukommt, wenn sie so weitermachen wie bisher. Sie sind zutiefst erschrocken und haben radikal mit dem gewohnten Lebensstil gebrochen. Das ist wie ein Wunder, das Mut macht. Wenn das Volk entschlossen umkehrt, dann hat das bei Gott eine große Wirkung. Nicht nur von den Großen, den Königen an den Schalthebeln der Macht, sondern auch von den vielen kleinen Männern und Frauen auf der Strasse hängt es also ab, ob es zu einer tatsächlichen Wende kommt, zu einer totalen Abkehr von den alten falschen Zielen. So ist das Unheil selbst fünf vor zwölf noch abzuwenden.

Wenn Jona in der großen Stadt Ninive die Menschen zur Umkehr bewegen konnte, warum soll das dann nicht auch in der Großstadt Wien oder bei uns in den kleinen Städten und Gemeinden des Burgenlandes geschehen können!
Das Wunder von Ninive ist, dass sich die Leute der Stadt, die Botschaft des Jona von der Umkehr zu Herzen gehen ließen.
An uns liegt es, ob wir uns dem Ruf des Propheten und somit dem Anruf Gottes stellen, oder ob wir trotz der ernsten Mahnung, diesen Ruf gleichgültig als unrealistisch abtun, ihn so nicht ernst nehmen und unbeantwortet lassen.

Ich wünsche uns allen den Mut, dass wir uns in dieser Fastenzeit - wie die Leute von Ninive - dem Ruf zur Umkehr stellen! Amen.