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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 25. Februar 2013

Gedenkmesse „100. Geburtstag Bischof Stefan László“ - 23. Feber 2013

Bei diesem Gedenkgottesdienst aus Anlass des 100. Geburtstages von Bischof DDr. Stefan László, der auch Höhepunkt und Abschluss des vorangegangenen Symposiums ist, möchte ich mit Ihnen kurz das Bild einer Brücke betrachten. Jede Brücke hat Pfeiler, die fest verankert im Boden stehen, um ein Tal, einen Bach oder Fluss zu überbrücken, um Getrenntes und Zerrissenes zu verbinden. Jede Brücke verbindet so Landschaften, Länder, Kontinente sowie Menschen. Jede Brücke hat eine bestimmte Länge und Breite, kennt auch Abgrenzungen. Für uns Menschen sind Brücken im Leben und Glauben von großer Bedeutung, es braucht die Brücke zu Gott, zu den Mitmenschen und zur Welt-Gesellschaft.

Am 24. Juni 1988 hat der selige Papst Johannes Paul II. anlässlich seines Pastoralbesuches in Trausdorf gesagt: „Liebe Christen der Diözese Eisenstadt! Im Geist des hl. Martin überschreitet auch ihr die Grenzen eurer Heimatdiözese. Diese ist sich mit ihrem Bischof der Brückenfunktion bewusst, die ihr gerade zu den Völkern Osteuropas hin habt.“ „Brückenbauer im Dienst der Kirche ist daher die kürzeste Beschreibung des Lebens und Wirkens unseres ersten Diözesanbischofs Stefan László, der beste Titel für die neue Publikation aus Anlass seines 100. Geburtstages sowie die treffendste Zusammenfassung seines gesamten Lebenswerkes.

Bischof Stefan László war wirklich ein „Brückenbauer im Dienst der Kirche“.  Er war zuerst ein leidenschaftlicher Seelsorger und Hirte, der unermüdlich und kreativ für die Menschen unserer Diözese und weit darüber hinaus eine lebendige Brücke zu Gott gebaut hat. Er war nicht nur Baumeister der jungen Diözese, in der er tiefe Spuren hinterlassen und zu ihrer Identität wesentlich beigetragen hat, sondern als Brückenbauer zu Gott vor allem ein geistlicher Baumeister – mit Hilfe vieler Wallfahrten.

Er hat, wie Abraham in der 1. Lesung aus dem Buch Genesis, an die Verheißung Gottes geglaubt und die ihm anvertrauten Menschen aufgerufen und immer wieder eingeladen, dem Bund mit Gott durch Taufe und Firmung treu zu bleiben. Er hat, wie der Apostel Paulus an die Philipper in der 2. Lesung, die Menschen unseres Heimatlandes ermahnt, trotz Fortschritt und Wohlstand als Christen nicht zu vergessen, dass unsere wahre Heimat im Himmel ist und dass wir uns deshalb nicht im Irdischen verlieren, sondern das Himmlische suchen sollen.

Er hat der ihm anvertrauten Herde, wie die Stimme aus der Wolke im gehörten Lukas-Evangelium, über vier Jahrzehnte unüberhörbar und unermüdlich zugerufen: „Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.“ Neuevangelisierung – den Menschen seiner Zeit eine begehbare Brücke zu Gott schlagen – war ihm Herzensanliegen und Auftrag zugleich.
Braucht es nicht gerade heute solche Christen und Hirten?

Bischof Stefan László war Brückenbauer im Dienst der Kirche zu den Menschen in- und außerhalb unserer Diözese: zu den Volksgruppen, die ihm viel verdanken, zu anderen Konfessionen, zu unseren Nachbarn – besonders den Mutterdiözesen Györ und Szombathely, also zur Heimat seines Vaters; zur Slowakei, wo er in Bratislava am 25. Feber 1963 geboren und im Martinsdom getauft wurde; zur Kirche in Kroatien, Bosnien und der Herzegowina, wo er Apostolischer Visitator war und sich seiner kroatischen Wurzeln nicht schämte. Die Brücke über den Kontinent hinaus zu unseren Partnerdiözesen Kanjirapally in Indien und Awka in Nigerien hat er vor 32 Jahren grundgelegt und ausgebaut, was von seinen Nachfolgern Bischof Paul und mir fortgesetzt wird.

Die Brücke zur Weltkirche mit ihrem Zentrum in Rom, wo er studiert hat, sowie die Verbundenheit mit dem Nachfolger Petri war für ihn keine Einbahn, sondern gelebte Wirklichkeit. Höhepunkt seiner Amtszeit war der Papstbesuch im Jahr 1988 in Eisenstadt und seiner Heimatgemeinde Trausdorf.
Braucht es nicht gerade heute Christen und Hirten mit einer großen Liebe zur Kirche?

Bischof Stefan László war Brückenbauer im Dienst der Kirche zur Gesellschaft. Als Seelsorger und Hirte war ihm die Umsetzung des 2. Vatikanischen Konzils, an dem er als Konzilsvater teilnahm, ein Herzensanliegen. Zwei Diözesansynoden und zwei Diözesantage sind Ausdruck seines Bemühens, unsere Diözese im Geiste des Zweiten Vatikanums aufzubauen und auszubauen, die Zusammenarbeit von Priestern und Laien voranzutreiben und das Laienapostolat zu fördern. In seinem fast 40-jährigen Wirken war ihm neben seinem geistlichen Auftrag vor allem das gesellschaftspolitische Engagement der Getauften und Gefirmten ein Anliegen. Er verschwendete keine Zeit für innerkirchliche Kämpfe und Polemiken. Er hatte auch keine Berührungsängste mit Politik, Wirtschaft, Medien, Kunst und Kultur. Immer bewegte ihn die Frage: Wie kann Glaube und Kirche den Menschen in unserer modernen pluralen Welt Orientierung geben, Hilfe sein?
Braucht es nicht gerade heute solche Christen und Hirten?

Die Diözese Eisenstadt gedenkt mit diesem festlichen Gottesdienst ihres ersten Bischofs, dankt Gott für sein Leben und Wirken und sagt Bischof Stefan in den Sprachen unseres Landes auch Dank für alles, was er für unsere Diözese und ihre Menschen getan hat: Vergelt’s Gott - Bog plati – Isten fizesse – Palikerav! Persönlich danke ich ihm, dass er mich gefirmt, zum Diakon und Priester geweiht, zum Studium nach Rom geschickt, mir wichtige Aufgaben übertragen und sein Vertrauen geschenkt hat. Ich durfte an der Seite eines einmaligen, originellen und großen Europäers/Pannoniers leben und arbeiten – ein Geschenk der Vorsehung.

Aber was bleibt Erbe und Auftrag unseres ersten Diözesanbischofs für uns alle?
Bischof Stefan ruft uns in dieser Stunde gleichsam zu: Vertraut der Verheißung Gottes an Abraham und bleibt treu seinem Bund! Seid kraft Taufe und Firmung Baumeister und Mitgestalter einer besseren Welt! Bleibt als Christen Brückenbauer, die das Eigene lieben, das Andere schätzen und bewahrt euch in Kirche und Gesellschaft die Einheit in der Vielfalt! Dem König der Herrlichkeit, so lautete sein Wahlspruch, empfehlen wir unseren Bischof Stefan und bitten, dass er seinen Leib verwandeln und zur Auferstehung führen möge. Amen.