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Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Dienstag, 17. April 2012

Dankwallfahrt ins Burgenland

Dankwallfahrt ins Burgenland
Festgottesdienst im St. Martinsdom (v.l.n.r.):
Bischof Antun Škvorčević, Bischof Ägidius J. Zsifkovics,
Bischofsvikar P. Stefan Vukits OMV
(c) Diözese Eisenstadt/Gossmann
Das Burgenland unterstützten das kroatische Bistum Požega beim Wiederaufbau der Marienwallfahrtskirche in Voćin.
Zum Dank besuchte nun eine Pilgergruppe die Diözese Eisenstadt.

Die Marienwallfahrtskirche „Mariä Heimsuchung“ in Voćin (Bistum Požega) schien nach dem Zweiten Weltkrieg dem Verfall preisgegeben zu sein. Bis in den 1960er Jahren der damalige Bischof der Diözese Eisenstadt, Stefan László, eine Spendenaktion ins Leben rief und so den Wiederaufbau der Kirche ermöglichte.

Knapp drei Jahrzehnte später, während des Jugoslawienkrieges, wurde die Kirche 1991 gänzlich zerstört. Erneut engagierte sich das Burgenland beim Wiederaufbau, vor allem die burgenländischen Kroaten.

Im Jahr 2002 wurde, während einer Leserreise des Glasnik (Anm.: Kroatische Kirchenzeitung der Diözese Eisenstadt), der Grundstein für die Wiedererrichtung gelegt. Im Vorjahr konnten die baulichen Maßnahmen abgeschlossen und die Wallfahrtskirche geweiht werden.

Als Dank für die finanzielle Hilfe der Burgenländer/innen besuchte nun eine Pilgergruppe die Diözese Eisenstadt, begleitet von Bischof Antun Škvorčević sowie 30 Priestern des Bistums Požega. Höhepunkt der Wallfahrt war ein Festgottesdienst im St. Martinsdom in Eisenstadt mit Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics und Bischofsvikar P. Stefan Vukits. Im Anschluss wurde in der Krypta des Doms die Ruhestätte von Bischof Stefan László besucht, der die Verbindung zum Bistum Požega hergestellt hatte.

Das Bistum Požega liegt in Kroatien und zählt 105 Pfarreien. 90 Prozent der 318.000 Einwohner sind Katholiken.
Dankwallfahrt ins Burgenland
Die Pilgergruppe beim Festgottesdienst im St. Martinsdom, Eisenstadt
(c) Diözese Eisenstadt/Gossmann

Dienstag, 10. April 2012

Homilie zum Osterfest

Ostersonntag, 8. April 2012, St. Martinsdom Eisenstadt

In einigen französischen Dörfern wird bis heute folgender Osterbrauch gepflegt: Wenn am Ostersonntag in der Früh zum ersten Mal die Kirchenglocken läuten, laufen Kinder und Erwachsene schnell zum Brunnen in der Mitte des Dorfes. Dort waschen sie sich mit dem kühlen und klaren Brunnenwasser die Augen aus. Sie wollen Oster-Augen bekommen:
• Oster-Augen, aus denen die misstrauischen, die verachtenden, die neidischen und die berechnenden Blicke verschwunden sind;
• Oster-Augen, aus denen der Schleier der Angst, der Resignation und der Hoffnungslosigkeit weggespült ist;
• Oster-Augen, aus denen der Schlaf, die Interesselosigkeit und die Gleichgültigkeit im Leben und im Glauben herausgewaschen sind.

Das Osterevangelium und dieser alte Brauch sagen uns: Auferstehung kann man nicht mit Worten erklären, man kann die Wahrheit, dass Jesus Christus nicht im Tod geblieben ist, nur durch österliche Menschen erfahren, denen man es an den Augen ansieht, dass sie aus dieser Wahrheit leben und dass sie mit Jesus zu einem neuen Leben auferstanden sind. Es sind also – von den ersten Jüngern bis in unsere Zeit  – immer konkrete Menschen, die ohne große Worte Auferstehung leben, denen die Osterfreude aus den Augen schaut, die im wahrsten Sinn des Wortes in ihrem Leben Jesus „im Blick“ haben: Menschen mit Oster-Augen.

Deshalb möchte ich in dieser Predigt nicht über die Auferstehung reden, und ich wünsche Ihnen nicht nur frohe Ostern, sondern ich wünsche uns allen vielmehr noch, nämlich frohe Oster-Augen und viele Oster-Augen-Blicke im täglichen Leben.

Oster-Augen können entdecken, dass im Menschen Jesus von Nazaret das Leben endgültig zum Durchbruch gekommen ist, ein – trotz Leid und Tod am Kreuz – erfülltes und gelungenes Leben, so wie Gott sich wahres Leben vorstellt.
Oster-Augen verschließen sich nicht vor der Not. Sie nehmen die vielen Todessignale in unserer Umgebung wahr, sie haben einen Blick dafür, wo das Leben zu kurz kommt oder auf der Strecke bleibt, wo einer mundtot gemacht wird, wo einer unter die Räder kommt. Sie erkennen, wo wir aufstehen müssen, einen Aufstand machen müssen gegen Ungerechtes, Eingefahrenes und Erstarrtes.
Oster-Augen lassen sich aber auch leichter zudrücken. Sie sehen die eigenen Fehler und können so über die Schwächen der Anderen gelassen und großzügig hinwegsehen.
Oster-Augen sehen weiter. Sie bleiben nicht auf das schwierige und Unsympathische fixiert, das uns an unseren Mitmenschen immer zuerst auffällt, sondern schauen hinter die Fassade und entdecken den Anderen, so wie Gott ihn sich gedacht hat. Sie sehen einen Weg, wo vorher keiner war, und sie sehen im Ende schon wieder einen neuen Anfang.
„Erlöster müssten die Christen aussehen, damit man an ihren Welterlöser glauben kann.“ Vielleicht hätte Friedrich Nietzsche diesen Vorwurf nicht formuliert, wenn er mehr Christen mit Oster-Augen begegnet wäre.
Vielleicht könnten wir als Kirche gelassener auf Ostern zugehen, wenn immer mehr Christen – Geweihte und Laien - den Auferstandenen wirklich „im Blick“ hätten. Das ist die heute so notwendige und Not wendende Neuevangelisierung! Die Mitte unseres Glaubens und unserer Kirche ist und bleibt der Auferstandene und unsere lebendige Beziehung zu ihm durch Gebet, Gottesdienst und Caritas. Nur der Blick auf IHN führt uns als Kirche aus der Sackgasse kirchenpolitischer Richtungskämpfe, endloser Struktur/Reformdebatten und trauriger Initiativen!
Nur der Blick auf IHN führt die Kirche zur echten Erneuerung und bewahrt sie vor einer Reform nach unseren menschlichen Wünschen und Vorstellungen!
Den Blick auf IHN brauchen auch alle Bereiche unserer krisengeschüttelten Gesellschaft - Bildung, Finanzwelt, Wirtschaft, Politik, Medien, Kunst, Kultur - um wieder das rechte Maß zu finden, stabil, menschlich und lebenswert zu sein. Nur eine Gesellschaft, die den Auferstandenen nicht aus den Augen verliert, wird auch ein Auge haben für alle Menschen – vor allem für die Armen, Kleinen und Schwachen! Unser Land braucht mehr denn je Menschen mit Oster-Augen!

Ich lade Sie ein, bevor Sie heute wieder die Kirche verlassen, nehmen Sie vom Taufbecken oder vom Weihwasserbecken – dem eigentlichen Brunnen jeder christlichen Gemeinde - geweihtes Wasser und berühren Sie damit Ihre Augen.
Möge der gekreuzigte und auferstandene Herr auch uns allen Oster-Augen und viele Oster-Augen-Blicke im Alltag des Lebens und Glaubens schenken!
Das ist mein Osterwunsch an Sie und mein Gebet für Sie an diesem Osterfest! Amen.

+ Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt

Mittwoch, 4. April 2012

Chrisammesse im St. Martinsdom, Eisenstadt

Die Chrisammesse ruft uns Priester jedes Jahr dazu auf, wieder unser JA zum Ruf Gottes zu erneuern, das wir am Tag unserer Priesterweihe gegeben haben.
„Adsum – hier bin ich“, haben wir damals gesagt.
Die Chrisammesse ist ein Anlass, auch immer neu zu fragen: Wozu haben wir JA gesagt? Wofür haben wir uns damals entschieden? Was ist das, ein Priester Jesu Christi zu sein?

Papst Benedikt XVI. verweist uns in der Beantwortung dieser Frage auf das Zweite Hochgebet unseres Missale aus dem 2. Jahrhundert, das mit knappen Worten das Wesen des priesterlichen Dienstes so beschreibt: „astare coram te et tibi ministrare – vor dir zu stehen und dir zu dienen.“
Zwei Aufgaben bestimmen demnach das Wesen des priesterlichen Dienstes, die ich mit Euch, liebe Mitbrüder, in dieser Predigt betrachten möchte.

„Stehen vor dem Herrn“. Im Buch Deuteronomium ist das „Stehen vor dem Herrn“ im Zusammenhang mit der vorhergehenden Bestimmung zu lesen, dass die Priester keinen Landanteil im Heiligen Land erhalten – sie leben von Gott und für Gott. Sie gehen nicht den üblichen Arbeiten nach, die für den Unterhalt des täglichen Lebens nötig sind. Ihr Beruf ist „Stehen vor dem Herrn“ – auf ihn hinschauen, für ihn da zu sein. Das bedeutet letztlich ein Leben in der Gegenwart Gottes und damit auch einen stellvertretenden Dienst für die anderen. So wie die anderen Menschen das Land bebauen, von dem auch der Priester lebt, so hält er die Welt auf Gott hin offen, soll er mit dem Blick auf ihn hin leben. Wenn dieses Wort nun im Hochgebet der Messe unmittelbar nach der Wandlung der Gaben, nach dem Hereintreten des Herrn in die betende Gemeinde steht, so ist damit für uns das Stehen vor dem gegenwärtigen Herrn, Eucharistie als Mitte priesterlichen Lebens gemeint. Das Stehen vor dem Herrn ist dabei Ausdruck für die Wachsamkeit. Der Priester soll ein Wachender sein. Er soll Wache halten gegen die hereindrängenden Mächte des Bösen. Er soll die Welt wachhalten für Gott. Er soll ein stehender sein: aufrecht gegenüber den Strömungen der Zeit. Aufrecht in der Wahrheit. Aufrecht im Einstehen für das Gute.
Stehen für den Herrn muss zutiefst auch immer Einstehen für die Menschen vor dem Herrn sein, der für alle beim Vater einsteht. Und es muss Einstehen sein für Christus, für sein Wort, seine Wahrheit, seine Liebe. Aufrecht muss der Priester sein, furchtlos und bereit, für den Herrn auch Schläge einzustecken. Braucht es nicht gerade heute dieses Zeugnis der Geweihten?

Der Priester muss also zuerst ein Aufrechter, ein Wachender, ein Stehender sein. Der Priester ist laut Zweitem Hochgebet aber auch ein Dienender. Den Priestern kamen im  Alten Testament die kultischen Handlungen zu. Dieses kultische Tun wird als Dienst, als Amt des Dienens eingestuft – damit wird gesagt, in welchem Geist diese Aktivitäten geschehen müssen. Was der Priester in der Feier der Eucharistie tut, ist Dienen, Dienst für den Herrn und Dienst für den Menschen. Der Kult, den Christus dem Vater dargebracht hat, ist das Sich-geben für die Menschen bis zum Ende. In diesen Kult, in dieses Dienen muss der Priester eintreten.
Der priesterliche Dienst umfasst viele Dimensionen. Dazu gehört zuerst die rechte Feier der Liturgie und der Sakramente. Wir müssen die heilige Liturgie immer mehr in ihrem ganzen Wesen verstehen lernen, in ihr lebendig zu Hause sein, so dass sie Seele unseres Alltags wird. Wenn aber die Liturgie zentrale Aufgabe des Priesters ist, dann heißt das auch, dass Beten für uns eine vordringliche Realität sein muss, die wir in der Schule Christi und der Heiligen aller Zeiten immer neu und tiefer lernen müssen. Weil Liturgie ihrem Wesen nach immer Verkündigung ist, müssen wir Menschen sein, die in Gottes Wort zu Hause sind, es kennen, es lieben und leben: nur dann können wir es auch recht auslegen.
„Dem Herren dienen“ – priesterliches Dienen heißt auch, ihn kennenlernen in seinem Wort und ihn all denen bekanntmachen, die er uns anvertraut. Das ist Neuevangelisierung konkret.

Zum Dienen gehören aber zwei Dinge: Niemand ist seinem Herrn so nahe wie der Diener, der ins Privateste seines Lebens Zugang hat. Dienen bedeutet also Nähe und Vertrautheit. Vertrautheit birgt aber auch eine Gefahr: Das Heilige, dem wir ständig begegnen, wird uns gewöhnlich. Es erlischt die Ehrfurcht. Wir spüren durch alle Gewohnheiten hindurch das Große, Neue, Überraschende nicht mehr, dass ER selber da ist, zu uns redet, an uns und durch uns handelt, sich uns schenkt. Dieser Gewöhnung ans Große, der Gleichgültigkeit des Herzens, müssen wir immer entgegentreten.
Dienen bedeutet Nähe und Vertrautheit, aber es bedeutet auch Gehorsam. Der Diener steht unter dem Wort: „Nicht mein Wille geschehe, sondern der Deinige.“ Mit diesem Wort hat Jesus auf dem Ölberg den Entscheidungskampf gegen die Sünde ausgetragen. Die Sünde Adams war es eben, dass er seinen Willen und nicht den Willen Gottes wollte. Die Versuchung der Menschheit ist es immer wieder nur dem eigenen Willen zu folgen und zu meinen, erst dann seien wir frei, ganz Mensch. Aber gerade so stellen wir uns gegen die Wahrheit. Die Wahrheit ist es, dass wir unsere Freiheit mit den anderen teilen müssen und nur im Miteinander frei sein können. Geteilte Freiheit kann wahre Freiheit nur dann sein, wenn wir uns dabei in das Maß der Freiheit selbst, in den Willen Gottes hineinstellen. Dieser grundlegende Gehorsam, der zum Menschsein gehört, wird beim Priester noch konkreter: Wir verkündigen nicht uns selbst, sondern IHN und sein Wort, das wir uns nicht selbst ausdenken konnten. Wir verkünden sein Wort recht nur in der Gemeinschaft seines Leibes. Unser Gehorsam ist Mitglauben, Mitdenken und Mitsprechen mit der Kirche, Dienen mit der Kirche. Dazu gehört auch, was Jesus dem Petrus vorhergesagt hat: „Du wirst geführt werden, wohin du nicht wolltest.“ Sich-Führen-Lassen wohin wir nicht wollten, ist eine wesentliche Dimension unseres Dienens, und gerade die macht uns frei.


Priesterlicher Dienst bedeutet als „vor IHM zu stehen und IHM zu dienen.“ Als Bischof danke ich Euch, liebe Mitbrüder, für Euren Dienst und Euer Zeugnis. Ich danke Euch für die Bereitschaft zum Dienen, wo immer Euch die Kirche hinsendet. Vergessen wir als Geweihte nicht: „Der Geist des Herrn ruht auch auf uns, er hat auch uns mit heiligem Öl gesalbt und durch die Kirche gesandt, damit wir heute den Armen eine gute Nachricht bringen, den Gefangenen die Entlassung verkünden und den Blinden das Augenlicht; damit wir die Zerschlagenen in Freiheit setzen und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufen.“ Der Herr selber hat es uns vorgezeigt, jetzt sind wir dran, es ihm nachzumachen. So sei es – Amen.

+ Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt