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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 19. November 2012

150 Jahre Kirche Rudersdorf

Das Wort des heutigen Evangeliums kann uns in Angst und Schrecken versetzen. Es ist die Rede vom Ende der Welt, und das in heftigen Bildern: Die Sonne wird sich verfinstern – der Mond wird nicht mehr scheinen – die Sterne werden vom Himmel fallen – und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. Krieg, Hunger, Verfolgung, Erdbeben, Tsunamis, Terroranschläge – all das erleben Menschen auch heute und viele meinen schon das ist der Vorgeschmack vom hereinbrechenden Ende. Wie zu allen Zeiten wird damit den Menschen auch heute Angst gemacht, versetzt sie in Abhängigkeiten, werden sie finanziell ausgesaugt und ruiniert, nur um sie zu manipulieren und gefügig zu machen.

Was ist die eigentliche Botschaft dieses Sonntagsevangeliums? Eine dreifache:

Die erste Botschaft lautet: Diese Welt hat ein Ende.
Diese unsere Erde hat ihr Gutes, aber sie ist kein Paradies und sie hat ein Ende! Weil wir alle das nicht gerne hören, muss es immer wieder gesagt werden. Die Grenzen der Schöpfung und das vom Menschen gemachte Chaos lauern an allen Ecken. Auch was noch so schön und gut ist und Freude macht, das Kostbarste – das Vertrauen und die Liebe zwischen Menschen – all das ist nichts Endgültiges, all das ist vergänglich, all das hat ein Ende.
Am Ende des Kirchenjahres werden wir daran erinnert, dass die Zeit eine Richtung, ein Ziel und ein Ende hat - die Zeit der Menschheit und die kostbare Zeit unseres eigenen Lebens. Das ist die erste Botschaft des heutigen Evangeliums.

Die zweite Botschaft lautet: Diese Welt geht und „vergeht“ nicht nur, sondern: Es kommt der Menschensohn. Das ist der, dem Gott die Verwaltung des Endes anvertraut hat, die Erlösung und das Zurecht-Richten allen Unrechts.
Das Wort „Kommen“ ist nicht nur ein angsterfülltes Wort, sondern es ist auch ein schönes Wort – Wann kommst Du? Komm doch bald wieder! Auch das Wo-rt „Richten“ ist im Grunde ein schönes Wort – Er wird´s richten, zurecht richten. Dann heißt das aber: Diese Welt fährt am Schluss nicht einfach an die Wand, sie geht auf ein großes offenes Tor zu, das einen Durchblick erlaubt und eine Perspektive schenkt: Wenn all das geschieht, dann steht nicht „das Ende“ vor der Tür, sondern der Menschensohn – das ist die zweite Botschaft des Evangeliums.

Die dritte Botschaft lautet: Es kommt kein Unbekannter!
Der, der da kommt, ist kein Unbekannter mehr. Er kommt mit Macht – gemeint ist die Auferstehungsmacht – und mit Herrlichkeit, auf Wolken – Ursymbol von Gottes Gegenwart – und begleitet von Gottes Boten, den Engeln. Er kommt als der Herr der Welt, der hier das letzte Wort hat! Wir brauchen uns nicht vor ihm zu fürchten. Seine Biographie ist nicht Spekulation, sie ist bekannt. Es ist Jesus von Nazaret, der uns zuruft: „Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht!“ Von ihm sagen die Menschen in der Heiligen Schrift: Er hat alles gut gemacht – Hungrige gespeist, Kranke geheilt, Tote erweckt, Traurige getröstet! Das ist die dritte frohe Botschaft des heutigen Evangeliums.

Die gute Nachricht damals und für uns heute ist: Die Welt hat ein Ende. Sie ver-geht nicht nur, sondern sie geht auf den Herrn zu, der kommt. Dieser Herr ist kein Unbekannter, sondern er trägt die gütigen und heilenden Gesichtszüge Jesu von Nazaret. Den Zeitpunkt seines Kommens kennen wir nicht! Die Aufgabe, die sich für uns alle daraus ergibt, ist: Erwarten wir den Herrn mit einem wachen Auge und einem bereiten Herzen!

Die Kirche ist in der Welt berufen die Augen und Herzen der Menschen wach und bereit zu halten für den kommenden Herrn. Oder wie die Bischofssynode sagt: „Die Kirche ist der Raum, den Christus in der Geschichte anbietet, um ihm begegnen zu können. Denn er hat ihr sein Wort, die Taufe, die uns zu Kindern Gottes macht, seinen Leib und sein Blut, die Gnade der Vergebung der Sünden, vor allem im Sakrament der Versöhnung, die Erfahrung einer Gemeinschaft, die Spiegelbild des Geheimnisses der Dreifaltigkeit selbst ist, sowie die Kraft des Heiligen Geistes, der Liebe zu allen hervorbringt, anvertraut.“ Die Synode über die „neue Evangelisierung und die Weitergabe des christlichen Glaubens“ ermutigt die Kirche: „Wir müssen einladende Gemeinden bilden, in denen alle Ausgegrenzten ihr zu Hause finden … Die Schönheit des Glaubens muss besonders in der heiligen Liturgie und dort vor allem in der sonntäglichen Eucharistiefeier aufstrahlen … Heute liegt es an uns, Erfahrungen von Kirche konkret zugänglich zu machen und die Menschen zur Begegnung mit Jesus zu führen.“

Wenn wir heute in Dankbarkeit „150 Jahre dieses Eures Gotteshauses hier in Rudersdorf“ gedenken, dann ist Eure schöne Kirche wohl der Ort bei Euch, der die Menschen mit Gott-Christus in Berührung bringt, sie zu Gebet, Gottesdienst und zur Feier der Sakramente versammelt sowie der Brunnen im Dorf, an dem sich alle stärken können – besonders die Mühseligen und Beladenen! Weil aber die Kirche aus lebendigen Steinen erbaut wird, lade ich Euch alle ein in diesem Jahr des Glaubens, sich als Christen wieder mehr im Glauben zu vertiefen, das religiöse Leben in den Familien zu pflegen und im Alltag mit Taten der Liebe zu bezeugen! Allen, die sich bei Euch darum bemüht haben und heute mühen, die Sorge für diese Eure Kirche und Pfarrgemeinde tragen sowie zum guten ökumenischen Miteinander beitragen, sage ich als Bischof von Herzen: Vergelt´s Gott! Werdet nicht müde eine offene, engagierte und missionarische Pfarre zu sein! Gottes Segen und das Vorbild sowie die Fürsprache des heiligen Florian, Eures Kirchenpatrons, begleite Eure Pfarrgemeinde in eine gute Zukunft! Amen.