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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Mittwoch, 26. September 2012

Pontifikalamt zum Jahrestag der Bischofsweihe - 25. September 2012

Eine Wallfahrt der Generalsekretäre der Bischofskonferenzen Europas zum Schweizer Nationalheiligtum des hl. Niklaus von der Flüe 2005 sowie die Tatsache, dass ich an seinem Gedenktag vor zwei Jahren hier im Martinsdom die Bischofsweihe empfangen habe, inspirierte mich heute auf diesen Familienvater, Ratsherrn, Richter, Einsiedler, Berater, Friedenstifter und Heiligen zu schauen. Wahrscheinlich sind viele von uns schon zum Bruder Klaus gepilgert, hinuntergestiegen in die Ranftschlucht, haben in der Kapelle Gottesdienst gefeiert und die angebaute Einsiedlerzelle besucht, in der Bruder Klaus fast 20 Jahre hauste. Diese Einsiedlerzelle hat drei winzige Fenster. Durch das eine Fenster blickt man auf den Weg, auf dem man heruntergekommen ist.

Das andere Fenster gibt den Blick frei auf die Strecke, die zum Talschluss führt. Durch das dritte blickt man auf den Altar in der Kapelle. Schauen wir in dieser Stunde aus der Enge unseres Ich durch diese drei Fenster auf unser Leben. Durch das erste Fenster schauen wir zurück, auf unseren bisherigen Lebensweg, den wir gegangen sind, seit Gott uns durch unsere Eltern das Leben geschenkt, uns durch Taufe, Firmung und Weihe in seine Nachfolge und Kirche gerufen hat. Heute tun wir dies als Diözesanfamilie - Bischöfe, Priester, Diakone, Ordensleute und Laien - voll großer Dankbarkeit.
Wir danken Gott für das Geschenk des Lebens und unseren lieben Eltern - den Lebenden wie Verstorbenen - dass sie dieses Geschenk von Gott oft in schweren Zeiten angenommen haben. Obwohl wir heute im Wohlstand leben, sagen immer weniger Eltern JA zu Familie und Kind! Ist damit nicht Ehe und Familie, als wichtigste Zelle unserer Kirche und Gesellschaft ernsthaft bedroht?
Es gibt noch einen zweiten Grund, dankbar zu sein: Seit 60 Jahren ist uns das Glück der Freiheit und des Friedens geschenkt. Wir dürfen in einem Land leben, das wirklich von Milch und Honig fließt. Ein Blick auf manche andere Länder, auf die Elendsviertel, auf Hunger und Seuchen, Krieg und Terror zeigt uns, dass auch unser Wohlstand nicht selbstverständlich ist. Wie oft sind wir unzufrieden und jammern wegen Kleinigkeiten. Christen sind Friedensboten, sie bezeugen mit ihrem einfachen Leben einen anderen Weg, der glücklich und zufrieden macht!
Schließlich findet jeder von uns in seinem Leben vieles, wofür es zu danken gilt. Wir denken dankbar an unsere Eltern und Geschwister, Lehrer, Seelsorger und Freunde, die uns durchs Leben begleiten. Wir denken an den Beruf, an Erfolge und Misserfolge sowie an die geschenkte Kraft, Schweres im Leben zu meistern. Das alles und noch viel mehr sehen wir durch dieses erste Fenster, das uns dankbar zurückblicken lässt auf unseren bisherigen Lebensweg.

Blicken wir nun durch das zweite Fenster, das den Weg in Richtung Talschluss zeigt. Er erscheint uns noch unbekannt, geheimnisvoll, voller Gebüsch/Gestein. Er zeigt uns vor allem, dass unser Leben begrenzt ist. Darum sollen wir jeden Tag, der uns geschenkt ist, nützen und mit Sinn erfüllen. Oder, um es mit den Worten des Apostels Paulus in der Lesung zu sagen: „Lasst uns also nach dem streben, was zum Frieden und zum Aufbau der Gemeinde beiträgt.“ Das können wir nicht besser, als wenn wir andere lieben, ihnen helfen und Freude bringen. Jeder Mensch braucht Menschen, mit denen er seine Freude teilen, zu denen er mit seiner Last kommen kann, bei denen er Trost und Erleichterung findet. Christen - Laien wie Geweihte - sollen solche Menschen sein! Sie haben ihr Leben Jesus verschrieben und bemühen sich diese Liebe des Herrn in Freude den Mitmenschen weiterzuschenken. Sie sind eine Tankstelle und eine Hoffnung für andere, weil sie ihre Freuden und Lasten mittragen. Das ist Neuevangelisierung konkret! Beginnen wir damit in diesem Jahr des Glaubens! Vergelt´s Gott allen in unserer Diözese, die sich um diesen Liebesdienst bemühen, die tun, was zum Frieden und zum Aufbau der Gemeinde beiträgt! Wer sich so Tag für Tag neu in den Dienst der anderen stellt, folgt Jesus nach, gibt seinem Leben Freude und Sinn, „wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen“ - sagt uns das Evangelium und der Blick durch das zweite Fenster des Bruders Klaus.

Schließlich machen wir noch durch das dritte Fenster der Ranftklause einen Blick. Es war für Bruder Klaus das wichtigste Fenster. Wir sehen durch dieses Fenster direkt auf den Altar der angebauten Kapelle, auf dem immer wieder die Eucharistie, Jesu Tod und Auferstehung, unsere Erlösung gefeiert wird. 20 Jahre hat Bruder Klaus nur von der Eucharistie und vom Blick auf das Kreuz gelebt.
Im Blick auf das Kreuz verlassen Priester und Ordensleute alles, sie nehmen in ihrem Leben immer wieder das Kreuz an und folgen dem Herrn dorthin, wo er sie haben will, wohin sie die Kirche sendet - auch wenn es nicht immer leicht ist. Das wird von Gott gesegnet, so wird man vielen Menschen zum Segen! Der gekreuzigte und auferstandene Herr in der Eucharistie gibt uns die Kraft und Freude für den Dienst. Der Blick auf das Kreuz Christi, das festes Vertrauen auf Maria unter dem Kreuz ist uns allen in der Nachfolge Wegweisung und Hilfe! Sollten wir in den gegenwärtigen Schwierigkeiten nicht mehr auf den Herrn am Kreuz und in der Eucharistie schauen, von da aus Kirche bauen und erneuern?

Ich wünsche unserem neuen Dompropst, dem Domkapitel und uns allen, dass wir diese 3 Fenster des Bruders Klaus zu Lichtblicken unseres Lebens machen! Als Bischof danke ich allen in unserer Diözese für ihren treuen Dienst in der Nachfolge des Herrn – in den Familien, Pfarrgemeinden, Dekanaten, Diözese! Wenn wir jetzt gemeinsam die Eucharistie feiern, dann danken wir Gott für das Geschenk der Berufung und Erlösung sowie für seine Gnade und Begleitung. Bitten und beten wir mit dem hl. Bruder Klaus um neue geistliche Berufungen: Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu Dir. Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu Dir. Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen Dir. Amen.