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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Dienstag, 4. September 2012

Arbeiterwallfahrt 2012 - Hl. Messe in der Stadtpfarrkirche St. Egid, Klagenfurt

„Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir.“ 
Dieses Wort des Propheten Jesaja, das Jesus im heutigen Evangelium über die Heuchler sagt, möchte ich zum Inhalt unseres gemeinsamen Nachdenkens in dieser Predigt anlässlich der 60. Burgenländischen Arbeiterwallfahrt nehmen.

„Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir.“
Ist dieses Wort des Propheten aus uralter Zeit nicht auch in unseren modernen Tagen genauso aktuell und von Bedeutung? Ein Blick in unsere sogenannte christliche Gesellschaft zeigt deutlich wie Reden und Tun oft auseinandergehen. Dabei brauchen wir nicht nur in die Politik und auf die Politiker zu schauen, sondern es genügt, wenn wir uns als Christen selber bei der Nase nehmen, in unser Leben schauen. Wir werden feststellen wie oft wir Gott mit den Lippen ehren, wie weit aber unser Herz von ihm weg ist. Unser Reden und Tun klaffen auseinander. So werden wir vor der Welt unglaubwürdig und unser Christentum wird schal, zeigt keine Wirkung mehr, ist abstoßend.

Wir sind getauft und gefirmt - welche Wirkung hat das in unserem Leben?
Eltern versprechen bei der Taufe ihre Kinder im christl. Glauben zu erziehen – die Realität zeigt oft, dass die Eltern selber ihren Glauben kaum kennen und praktizieren. Was sollen sie dann ihren Kindern vorleben und weitergeben? Für Christen sollte das tägl. Gebet, der Sonntagsgottesdienst, der Empfang der Sakramente, vor allem des Bußsakramentes, die Solidarität mit dem Nächsten selbstverständlich sein – ehrlich gesagt: wird das nicht oft als konservativ und nicht mehr zeitgemäß hingestellt? Aber das sind die Säulen unseres Glaubens! Christen sollten in der Welt erkennbar sein an dem, wie sie einander lieben, helfen, miteinander teilen, für den Schutz des Lebens, Wahrheit u. Gerechtigkeit eintreten, einander verzeihen und sich versöhnen – Lüge, Verleumdung, Neid, Gier, Hass und Streit bestimmen unseren Alltag oft mehr als die anderen Dinge!

„Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz ist aber weit weg von mir.“
Wessen Herz auf Gott ausgerichtet ist, der wird ihn jeden Tag im Gebet suchen; der kann am Sonntag nicht nur schlafen, gut essen und Ausflüge machen, dem ist der regelmäßige Kontakt mit Gott in der sonntäglichen Eucharistiefeier und mit der Pfarrgemeinde ein Bedürfnis, lebensnotwendig; der wird seinen Alltag in Familie und Beruf nach christlichen Werten gestalten; der wird bemüht sein, seinen Kindern ein glaubwürdiges Christentum vorzuleben, sie in den Glauben einführen, sich nicht damit begnügen, dass sie getauft sind, die Erstkommunion und Firmung empfangen haben und damit ist dann alles vorbei. Wohin eine sol-che Haltung führt, erleben wir in unseren Pfarren schmerzlich: Kinder, Jugendl. und Erwachsene haben mehr keinen Kontakt zur Kirche. Der Sinn des Lebens wird anderswo gesucht: in Alkohol, Drogen, Konsum, Wellness. Die Folgen sind verheerend: ein Leben ohne Werte, Verwahrlosung, Orientierungslosigkeit! 

„Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber sein Herz ist weit weg von mir.“
Jesus lädt uns im heutigen Evangelium ein, nicht einfach dem nachzulaufen, was alle Menschen tun, sondern bemüht zu sein, den je eigenen Weg zu finden. Jesus lädt uns ein, nicht die Überlieferungen der Menschen, sondern die Zunei-gung Gottes zur Grundlage unseres Lebens zu machen. Vielen kommt es nur auf die Fassade, auf das Äußere an. Das Leben ist aber mehr als Fassade, mehr als äußere Pflichterfüllung, mehr als die Befolgung überlieferter Traditionen. Jesus unterscheidet zwischen dem Bekenntnis mit den Lippen und mit dem Her-zen. Jesus kommt es auf das Herz an, weil hinter dem Herzen verbirgt sich die Sehnsucht nach Leben und Heil. Das Evangelium dieses Sonntages stellt uns allen die Frage: Ist mein Christ-sein nur ein leeres Lippenbekenntnis, Fassade, äußeres Tun oder bin ich im All-tag bemüht Christ mit dem Herzen und aus Überzeugung zu sein?

Papst Benedikt XVI. hat in Erinnerung an das Zweite Vatikanische Konzil vor 50 Jahren für die ganze Kirche ein „Jahr des Glaubens“ angekündigt, um die Türen unseres Herzens neu für Gott zu öffnen: dass wir als Christen unseren Glauben neu lernen, feiern und leben – was auch die Intention des Konzils war! Diese 60. Burgenländische Arbeiterwallfahrt ist ein wesentlicher Beitrag dazu! Ich danke Euch für die Treue im Glauben, Euer Mittragen und Mitgestalten in Kirche-Diözese-Dekanat-Pfarre sowie für Euer Engagement in der Gesellschaft, vor allem für Euer Zeugnis als Christen in der Berufs- und Arbeitswelt, den Ein-satz für den freien Sonntag und den Schutz des Lebens-Würde des Menschen! Ich danke allen Verantwortlichen in unserer Diözese für die Vorbereitung und Durchführung der Arbeiterwallfahrt, der Firma Blaguss für den Transport und Euch Pilgern – es waren in den vergangenen 60 Jahren 69.000 - für die jahr-zehntelange Treue und das Mittun, besonders auch für das Solidaritätsopfer, heuer für die Projekte von Franz Grandits in Burkina Faso – Vergelt´s Gott!
Ich bitte Euch als Bischof: lebt in Euren Familien den Glauben, erneuert ihn!

Den bekannten Dreischritt von Kardinal Josef Cardijn, dem Gründer der KAJ und KAB sehen-urteilen-handeln möchte ich den heutigen Lesungen folgend etwas abwandeln in hören-zu Herzen nehmen-handeln! Das ist unser Auftrag! Hören wir auf Gott, nehmen wir uns sein Wort zu Herzen, handeln wir danach und wir werden - wie die 1. Lesung sagt - in den Augen der Völker weise und gebildet sein! Das ist der Weg, „den Glauben zu erneuern.“ Diesen Weg sind uns Heilige wie Hemma von Gurk und Abt Ägidius vorausgegangen. Jetzt sind wir dran es ihnen heute im Alltag des Lebens nachzumachen! Amen.

+ Ägidius J. Zsifkovics 
Bischof von Eisenstadt