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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 9. Juli 2012

Diözesanwallfahrt 2012 - (Pilgermesse in der Basilika von Mariazell, Samstag, 7. Juli, 18.00 Uhr)

Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst! Lieber Superior P. Karl! Liebe Ordensleute!
Liebe Diözesanfamilie - Pilgerinnen und Pilger! Schwestern und Brüder im Glauben!

Wir sind angekommen am Ziel unserer Pilgerfahrt - und sind doch zu Hause! Blicken wir uns um! Hier in dieser Basilika ist ein Stück Pannonien-Burgenland. Blicken wir auf den ersten Gnadenaltar, oder auf das Bild über der Sakristei mit dem knienden Fürstenpaar Eszterhazy, oder auf die vielen anderen vom pannonischen Fürstenhaus zur Erbauung gestifteten Kunstwerke - dann werden wir erkennen, dass ein Hauch pannonisch-burgenländischer Heimat diese Basilika durchweht. Ich hoffe, P. Karl wird mir diese Feststellung nicht als Besitzaneignung auslegen.

Tatsache ist: Heuer sind es 320 Jahre seit Fürst Paul Esterházy als Dank nach den Türkenkriegen eine letzte große pannonische Wallfahrt nach Mariazell geführt hat. Und seit damals ist der Strom der Menschen aus unserer Heimat hierher nie abgerissen. Unzählige haben sich auf den Weg gemacht, um sich an diesem Ort der Gnade mit ihren Anliegen und Sorgen unter den mütterlichen Schutz Mariens zu stellen. Überlebende zweier Weltkriege pilgerten nach Mariazell, um für ihre Rückkehr aus den Schützengräben und Vernichtungslagern zu danken; ungarische Pilger beteten am Grab Kardinal Mindszentys für die Überwindung des Kommunismus; die Kroaten kommen seit Jahrhunderten nach Mariazell; und auch die Roma pilgern in den vergangenen Jahren vermehrt hierher - in Mariazell verdichten sich bis heute die Heilsgeschichten Einzelner mit der Heilsgeschichte ganzer Völker.

Es entspricht aber auch einer guten alten burgenländischen Tradition, besondere Abschnitte im Lebensweg mit einer Wallfahrt nach Mariazell zu beginnen. Auch ich stehe als Bischof gemeinsam mit der Diözese Eisenstadt am Beginn eines Weges - eines Weges, den ich mit Euch allen als Christ und Euer Bruder und den ich für Euch alle als Euer Hirte gehen möchte. So wie ich es bei meiner Bischofsweihe versprochen habe. Mein Bischofsstab ist auch ein Pilgerstab wie der Eure, mit dem Ihr heute hierher gekommen seid. Den Hirtenstab braucht der Bischof, um der Herde voranzugehen und sie zu leiten; um sie zu schützen und zu verteidigen; und manchmal braucht der Bischof seinen Stab auch, um sich darauf abzustützen, wenn der Weg ihm so manches abverlangt.

Und so bitte ich Euch als Mitchrist und als Euer Bruder und Hirte, neben all Euren persönlichen Anliegen auch dieses eine vor die Mutter Gottes hinzulegen: Dass es uns gelingen möge, die neue Wegstrecke, die vor uns liegt, in echter Gemeinsamkeit, mit Freude und im Blick auf Gott und den Nächsten zu gehen - in den Familien, in den Pfarren und Dekanaten, in unserer ganzen Diözese!

Wie kann uns dieses christliche Miteinander gelingen? Wie kann uns heute überhaupt das heile, das zur Heiligkeit berufene Leben gelingen? - denn das darf man entgegen allen menschlichen Zerrbildern, die uns die Medien im Dauerbeschuss als vermeintliche Vorbilder präsentieren, sagen, mit lauter und kräftiger Stimme muss man es sagen, dass es das wirklich gibt: Ein gelungenes Leben! Ein menschliches Leben, das im Glauben an Gott, den Schöpfer, verwurzelt ist und mit Jesus Christus den Weg der Liebe geht. Eine menschliche Existenz, die auf Gott, der die Menschen liebt, ihr Vertrauen setzt und den Weg zu einem glücklichen und erfüllten Leben findet.

Doch  wie  soll  es  aussehen,  das  Leben  des  getauften  und gefirmten Christen, in der konkreten, unendlich komplizierten und verwirrenden Welt von heute?

Ich erinnerte eingangs daran, dass dieser heilige Ort hier allen Burgenländern ein Stück Heimat ist. Aber in den ganz großen, in den letzten Sinnzusammenhang gestellt, ist er noch viel mehr, dieser Ort mit der hier verehrten Muttergottes: Sie ist uns und allen  Menschen  der  Wegweiser,  der  uns  zeigt,  was  in unserem Leben wesentlich ist, was in unserem Leben bleiben muss, damit wir zu unserem Heil finden. Und sie fasst es zusammen in dem einen einfachen Satz, den wir heute im Evangelium gehört haben und zu dem es keinen Doktortitel in Theologie braucht, um ihn zu verstehen: "Was Er euch sagt, das tut!"

"Was Er euch sagt, das tut!" - in diesem Satz zeigt sich uns die ganze Maria in ihrer großartigen Einfachheit als Glaubende und als Liebende:

- Wir erkennen ihre Größe an der Fürsorge, mit der sie in Kana die Not der Brautleute ganz still, ganz diskret wahrnimmt und zu Jesus trägt. Maria spricht immer für uns und nie gegen uns!
Sind unsere Worte und Aktionen immer zur Fürsprache geeignet, oder kritisieren und nörgeln wir lieber, weil es uns eigentlich oft nicht um andere, sondern nur um uns selbst geht? Nehmen wir die Not unserer Mitmenschen überhaupt noch wahr, oder sehen wir nur unsere eigenen Bedürfnisse?

- Wir erkennen Marias Größe aber auch an der Fülle, mit der Gott sich den Menschen zuwendet, wenn man ihm nur Raum lässt. Wenn Gott gibt, dann gibt er in überreicher Fülle, dann enttäuscht er nicht. Maria stellt sich Gottes Wirken ganz zur Verfügung, daher kann er Großes an ihr tun.
Was würde Gott wohl aus uns machen, wenn wir ihn nur ließen und uns nicht immer selbst zu wichtig nehmen würden, wir nicht so berechnend und knausrig wären? Wie soll der unendlich gütige Gott guten Wein in uns füllen, wenn unser eigenes Herz nur einem engen, kleinlichen Krug gleicht?

- Zuletzt erkennen wir Marias Größe an der Freude, mit der sie ihr Leben meistert. Auf einer Grußkarte las ich einmal den schönen Satz: "Die Freude ist der Doktorhut des Glaubens." Maria war so gläubig, dass Gott sie auserwählen konnte, die Mutter des Herrn zu werden. Ihr Glaube hat sie in all ihrem Tun beflügelt und sie sogar die Kreuzesstunde ertragen lassen.
Wie viel Freude und Kraft schenkt uns unser Glaube? Tragen auch wir diesen "Doktorhut" des Glaubens, oder sind wir doch eher "Taferklassler" geblieben? Strahlen wir im Alltag die Freude von Menschen aus, die sich von Gott getragen und geliebt wissen? Tragen wir Christus wirklich "im Herzen", wie es das Motto unserer Wallfahrt nahelegt? Oder geben wir für unsere Jugend eher das Bild von Nörglern und Miesmachern ab, so dass sie an unserem Glauben und Christsein nur wenig Freude erleben?

Liebe Schwestern und Brüder! Unser Glaube braucht immer wieder ein Update! Er muss geübt werden, um bestehen zu können! Er braucht immer wieder ein "Service", würde man bei einem Auto sagen. Nun ist der Glaube zwar kein Auto, aber er ist doch das, was uns ans Ziel unseres Daseins bringt. Er ist das Navigationssystem, ohne das wir uns, wie der Heilige Augustinus sagt, nur im Kreis drehen würden. Papst Benedikt XVI. hat uns daher ein Jahr des Glaubens geschenkt, um unser Leben wieder neu am Evangelium als lebensrelevanter Größe auszurichten.

Ich bitte Euch daher:
- Vergesst im Trubel und in den Ablenkungen des Alltags nicht das Gebet, den "vertraulichen Umgang mit Gott", wie der hl. Alfons es nannte. Wie oft erleben Euch Eure Kinder zu Hause noch beim Beten? Ich bitte Euch: Sorgt dafür, dass der Himmel Euch  und  Euren  Kindern wieder  offen  steht!  Lehrt  sie  zu beten und betet mit ihnen!

Ich bitte Euch:
- Bedenkt den heilbringenden Wert des Sonntags mit der Heiligen Messe und der Sakramente, durch die Christus mitten unter uns ist!

Und ich bitte Euch:
- Bedenkt vor allem, dass Christus uns immer im Nächsten begegnet! Euer Reden und Tun, Eure Haltung als Mensch, ja Euer ganzes Leben muss zeigen, das Euch das Evangelium etwas bedeutet! Gerade als Martinsdiözese haben wir den Auftrag und die Verpflichtung dazu! Daher bitte ich Euch - und zwar jeden Einzelnen unter euch -, von Mariazell nicht wegzugehen, ohne sich ein konkretes Werk der Nächstenliebe vorzunehmen! Seid Stifter wie die Eszterhazys! Dazu müsst ihr keine Altäre oder marmornen Statuen stiften, sondern es genügt, wenn ihr zu Hause bei Euch, in der Familie, in der Pfarre und in der Diözese Frieden und Freude stiftet! Wenn ihr dem Nachbarn, der Euch Böses getan hat, die Hand reicht! Wenn ihr Euch selbst für ein böses Wort entschuldigt! Wenn ihr Eure Kinder wieder öfter bei der Hand nehmt, sie segnet oder mit ihnen ein Gebet sprecht!

Wenn ihr das Geldtaschl aufmacht und dem etwas gebt, der nichts hat! Wenn ihr ein Opfer bringt!
Auch ich habe mir für mich eine solche "Stiftung" vorgenommen. Etwas, das mir als fehlerhaftem Menschen zwar schwerfallen wird, von dem ich aber weiß, dass es die christliche Nächstenliebe von mir verlangt. Macht auch Ihr es so!

Papst Benedikt XI. schließt seine Enzyklika "Gott ist Liebe" mit folgendem Gebet, das ich heute auch zu unserem Gebet als Pilger machen möchte:

Heilige Maria, Mutter Gottes
du hast der Welt
das wahre Licht geschenkt,
Jesus, deinen Sohn - Gottes Sohn. Zeige uns Jesus.
Führe uns zu ihm.
Lehre uns ihn kennen und ihn lieben, damit auch wir selbst
wahrhaft Liebende werden können inmitten einer dürstenden Welt.

Liebe Pilgerinnen und Pilger!
Möge diese Diözesanwallfahrt ein Impuls sein, unseren persönlichen Lebensweg, aber auch den Weg unserer ganzen Diözese wieder neu an Christus auszurichten! Machen wir uns mit Christus im Herzen wie Maria auf den Weg, vom steirischen Bergland zurück in unsere pannonische burgenländische Heimat! Die Mutter von Zell und der hl. Martin, unser Landes- und Diözesanpatron, sind uns dabei Wegweiser, Helfer und Fürsprecher.


+ Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt