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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Mittwoch, 16. Mai 2012

Weihe der Bischöflichen Hauskapelle


16. Mai 2012

In den alten Basiliken in Rom sieht man in der Apsis oft folgendes Bild: Über dem Altar ist ein leerer Thron dargestellt, ein leerer Königsstuhl.
Hetoimasia - mit diesem griechischen Wort wird die Darstellung bezeichnet, was übersetzt werden kann mit Bereitschaft oder bereiter, wartender Thron.

Wenn ich in diese unsere erneuerte Hauskapelle des Bischofshofes schaue, fällt mir dieses Bild aus altchristlichen Basiliken ein: der Altar ist wie ein Thron, den Christus als königlicher Hoherpriester inmitten seiner Gemeinde aufgeschlagen hat. Auf ihm nimmt er während der Liturgie Platz, um seine Gaben auszuteilen.

Was aber sind seine Gaben? Seine Gabe ist zuerst sein Wort, seine Frohe Botschaft. Um diese Gabe sichtbar zum Ausdruck zu bringen, wird das Evangelienbuch am Beginn der Messfeier zunächst auf den Altar gelegt, um aus ihm im Wortgottes-dienst am Ambo die Frohe Botschaft Jesu Christi verkünden zu können.
Sodann nimmt bei jeder Messfeier der zunächst leere Altar Christus auf in den Zeichen des Brotes und Weines. Vom Altar aus erhalten wir die Speise, die uns Gemeinschaft mit Christus gibt, untereinander zum Leib Christi zusammenfügt. Der hl. Augustinus sagt von diesem Geschehen: „Euer Geheimnis ist auf den Altar gelegt. Seid, was ihr seht, und empfangt, was ihr seid. Empfangt den Leib Christi und seid der Leib Christi.“
Der Altar – ein königlicher Thron Christi, der seiner Gemeinde mit sich und untereinander Gemeinschaft schenkt.

Die Liturgie der Altarweihe geht in der Symbolik aber noch einen Schritt weiter. Im Weihegebet wird gesagt: „Dieser Altar sei ein Bild des Herrn Jesus Christus, aus dessen geöffneter Seite im Wasser und Blut die Sakramente der Kirche strömen.“ Der Altar ist also sogar ein Sinnbild Christi selbst, von dem wir Leben empfangen. Von dieser Christussymbolik des Altars sind die Riten zu verstehen, die wir gleich bei der Weihe vollziehen werden; ebenso auch gewisse liturgische Ausdrucksformen, die praktiziert werden, wenn z.B. dem Altar durch eine Knie-beuge Referenz geschenkt wird oder wenn der Priester am Anfang und Ende der Messe durch einen Altarkuss dem Altar Ehre erweist.

Bei der Altarweihe wird der Stein zunächst in der Mitte und an den vier Ecken mit Chrisam gesalbt. Der Altar will Sinnbild sein für Christus, dessen Name übersetzt heißt: „der Gesalbte.“ Der Altar, der in unserer Hauskapelle geweiht werden soll, ist keinem Unbekannten Gott geweiht, sondern dem Gott Jesu Christi, den Paulus den Athenern verkündet hat und den wir den Menschen unserer Tage verkünden sollen. Er ist ein Zeichen für Jesus Christus selbst, dessen Kreuzesopfer auf Golgota in der Feier der Eucharistie auf sakramentale Weise gegenwärtig wird – das barocke Kreuz über dem Altar erinnert daran!

Nach der Salbung mit dem hl. Chrisam wird sodann auf dem Altar Weihrauch verbrannt. Der Weihrauch, an fünf Stellen des Altares angezündet, erinnert an eine Überlieferung aus dem Alten Testament. Dort wird berichtet, das Volk Israel habe Gottes Nähe in einer Wolken- und Feuersäule über der Bundeslade erfahren. Im christlichen Gottesdienst kann der aufsteigende Weihrauch in ähnlicher Weise Zeichen für den auf dem Altar gegenwärtigen Herrn Jesus Christus sein, der sich in seiner Opferhingabe, ähnlich dem aufsteigenden Weihrauch, zusammen mit den Menschen Gott hinschenkt. Wir können auch daran denken, dass wir schon jetzt Anteil haben an der himmlischen Liturgie.

Dann werden bei der Altarweihe festlich die Kerzen angezündet, auch ein Hin-weis auf Christus, der sich das Licht der Welt nannte. „Christi Licht leuchte auf dem Altar, es strahle wider im Leben aller, die teilhaben am Tisch des Herrn.“

Schließlich werden unter der Altarmensa auch Reliquien beigesetzt – bei uns ist es der hl. König Stephan in Erinnerung an unsere ungarische Vergangenheit und an unseren ersten Diözesanbischof Stefan László, dessen wir heute besonders gedenken, der hl. Ägidius mein Namenspatron, die hl. Hildegard von Bingen und Edith Stein zwei herausragende Frauen der Kirche, der selige Kardinal Aloisius Stepinac als Symbol für den kroatischen Volksteil unserer Diözese und meine kroatischen Wurzeln sowie der Arzt der Armen Dr. Ladislaus Batthyány-Strattmann, der erste Selige unseres Landes.

Jesus Christus, der für uns am Kreuz sein Leben hingegeben hat, ruft uns alle in seine Nachfolge. Ihm nachfolgen bis zur Lebenshingabe ist die Berufung aller Getauften und Gefirmten. Solche Hingabe erfüllt sich am deutlichsten und radikalsten in den Märtyrern und Bekennern, also in jenen Christen, die mit ihrem Tod oder mit ihrem Leben die Wahrheit des Evangeliums bezeugt haben. Daher sind in jedem Altar Reliquien von Märtyrern oder Bekennern eingelassen. Das bedeutet: Der Altar ist zuerst Symbol für Jesus Christus, aber auch Symbol für die Christen, deren höchste Berufung darin besteht, ihr Leben als Opfergabe in Dank, Lob und Bitte zu begreifen.

Jedes Gotteshaus – so auch diese Kapelle – ist auch eine Kirche der Heiligen. Im wunderschönen Glasfenster und in der altehrwürdigen Kopie der Gnadenstatue von Mariazell begegnen wir in unserer Hauskapelle Josef und Maria.  Maria, die Königin aller Engel und Heiligen, stand Christus und seinem Heils-werk am nächsten: als seine Mutter an der Krippe, als Schmerzensmutter unter dem Kreuz, als Freudvolle am Ostermorgen, als Mutter der Kirche im Pfingstsaal. Zu Recht finden wir sie deshalb auch dem Altar am nächsten. Sie zeigt mit dem Finger auf ihren Sohn und sagt: „Was er euch sagt, das tut!“  Die Marienstatue in dieser Hauskapelle erinnert mich immer an meinen bischöflichen Wahlspruch und lässt mich auch immer bei der Mutter von Zell in allen Sorgen und Nöten Zuflucht nehmen!

Josef, der Patron der Kirche und dieser unserer Hauskapelle, war immer schon ein Mann, dessen Leben mit dem Schicksal des Jesuskindes eng verknüpft war. Er wurde von Gott berufen, durch die Ausübung seiner Vaterschaft unmittelbar der Person und der Sendung Jesu zu dienen – er wurde zum Diener des Heils. Josef von Nazaret war um Jesus besorgt, als noch niemand von ihm etwas wissen konnte. Und wer war es, der sich um ihn kümmerte, als niemand mehr etwas von ihm wissen wollte? Josef ist der stille Pilger mit dem Stab in der Hand, der den Weg weist und das Heilige schützt – wie auf dem Glasfenster!
Diener des Heils sein, das Heilige, die Kirche schützen – ist das nicht auch Aufgabe des Bischofs? Josef erinnert uns auch an den Erbauer des Bischofshofes und dieser Kapelle, unseren ersten selbstständigen Administrator Erzbischof Dr. Josef Schoiswohl, dessen wir heute auch dankbar bei dieser Feier gedenken!

Wann immer wir Gottesdienst feiern, stehen wir in der Gemeinschaft der Heiligen und stimmen wir ein in ihr Lob an den dreifaltigen Gott. Aber auch in unserem täglichen Leben und in unseren Sorgen sind sie uns nahe als Vorbilder des Glaubens und als unsere Fürsprecher bei Gott. Sie gehören mit zu jener großen Gemeinschaft, die wir Kirche nennen.

Der wichtigste Teil der Altarweihe ist aber die Feier der Eucharistie, denn dabei wird der Altar zum Thron, auf dem sich Christus als königlicher Hoherpriester niederlässt, um von dort her seine Gaben auszuteilen und uns, seine Gemeinde, mitzunehmen in seine Hingabe an Gott. So wird Jesu Forderung im heutigen Evangelium Wirklichkeit, Gott solle „im Geist und in der Wahrheit angebetet werden.“

Bevor ich nun die Altarweihe vornehme, möchte ich Vergelt´s Gott sagen allen, die zum Gelingen dieses Werkes beigetragen haben – unserem Architekten DI Eckel, unserem Zeremoniär fr. Hans Ulrich Möhring, unseren Künstlern Prof. Thomas Resetarits und Mag. Heinz Ebner, dem Superior von Mariazell P. Karl Schauer sowie unserem Bauamt mit DI Markus Zechner und Ing. Fleischhacker!
Wenn der Bischof mit den Schwestern und der Hausgemeinschaft des Bischofshofes in dieser wunderschönen neuen Hauskapelle betet und die Eucharistie feiert, dann seid gewiss, dass Ihr in diesem Gebet einen besonderen Platz habt!

Möge Gottes Nähe und Gegenwart diese Hauskapelle erfüllen und sie zur Woh-nung Gottes unter den Menschen, zum Herz dieses Hauses und unserer Diözese machen, zu einem Ort des Glaubens, des Betens, der Versöhnung und zärtlicher Berührung mit Gott. Möge dieser Altar, Thron und Sinnbild Christi, gemäß den Worten der Weihepräfation für dieses Haus und unsere ganze Diözese wirklich so etwas sein wie ein „geistlicher Fels, aus dem Ströme des Lebens quellen.“

Der Segen Gottes sowie das Beispiel und die Fürsprache Mariens und des hl. Josef begleite uns auf unserer Pilgerschaft zum neuen Jerusalem! Amen.  

+ Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt