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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 28. Mai 2012

Homilie zum Domweihfest mit den neu gewählten Pfarrgemeinderatsmitgliedern


Pfingstmontag, 28.05.2012, St. Martinsdom Eisenstadt

Hochwürdigste Mitglieder des Domkapitels!
Lieber Herr Dompropst, lieber Herr Dompfarrer!
Lieber Herr Generalvikar, Bischofsvikare und Pastoralamtsleiter!
Liebe Pfarrgemeinderäte aus allen Pfarren unserer Diözese!
Zum Domweihfest versammelte Schwestern und Brüder im Herrn!

Von Karl Barth, dem großen evangelischen Theologen, stammt folgender Ratschlag, der den Umgang des Christen mit seinen Händen betrifft. Er sagte:

"Hände aus der Tasche nehmen! 
Hände hin und wieder in den Schoß legen! 
Hände von Zeit zu Zeit falten!" 

Es könnte kaum ein besseres Leitbild geben als diesen Imperativ der Hände, um das "Handwerk" zu beschreiben, das unsere Pfarrgemeinderäte in den kommenden fünf Jahren ausüben werden - als die maßgeblichen Träger kirchlichen Lebens in den Pfarren unserer Diözese!

Wenn sie dafür Sorge tragen werden, dass die Botschaft Christi im Alltag der Welt umgesetzt wird, dass den Armen und Benachteiligten geholfen wird, dass christliche Caritas kein Lippenbekenntnis bleibt, aber auch, dass ganz praktische wirtschaftliche, bauliche und verwaltungstechnische Aufgaben wahrgenommen werden: dann wird es nötig sein, die Hände aus den Taschen zu nehmen und anzupacken! Dann wird sich an unseren Pfarrgemeinderäten zeigen, dass die Botschaft Jesu gelebt wird, weil eine Kirche, die nicht dient, sondern nur redet, zu nichts dient!

Wenn sie gemeinsam mit dem Pfarrer dafür Sorge tragen werden, dass in den Gemeinden die Liturgie lebendig gefeiert wird und so Quelle und Höhepunkt unseres Lebens als Christen sein kann: dann wird es nötig sein, auch einmal die Hände in den Schoß zu legen, von menschlicher Gestaltungs- und Machbarkeitshysterie zu lassen, aufzuatmen im Wissen darum, dass wir auf Gott vertrauen dürfen!

Und wenn sie schließlich bei all dieser Verantwortung um ihre Gemeinde manchmal die Kraft zu verlieren glauben: dann wird es nötig sein, schlicht die Hände zu falten und ins Gespräch mit dem liebenden Gott zu kommen! Nur so wird ihr Haus und auch ihre Pfarrgemeinde ein "Haus des Gebets" sein, wie es Jesaja uns in der Ersten Lesung sagte.

Schwestern und Brüder! Ich möchte aber diesen drei im wahrsten Sinne des Wortes "handlichen" Ratschlägen Karl Barths - für unsere Pfarrgemeinderäte wie für uns alle - noch einen vierten Ratschlag hinzufügen:

"Hände dem Anderen reichen!" 

Vor wenigen Tagen sah ich ein TV-Interview mit einem alten Mann, der als Jugendlicher in einer Wiener Klinik Nazi-Ärzten als Versuchsobjekt diente. Er wurde - noch ein halbes Kind - in monatelange Isolations- und Dunkelhaft gesteckt, ihm wurden bewusst schädliche Medikamente verabreicht, seine Reaktion auf Nahrungsentzug und Minusgrade wurde getestet, medizinische Experimente der schlimmsten, menschenverachtendsten Art wurden an ihm durchgeführt. Über manche Dinge, die er erlebt hat, wollte er selbst nach 70 Jahren nicht sprechen. Dieser Mann hat als Kind erfahren, zu welcher Bestialität Menschen fähig sind. Und dennoch sagte er im Interview, als er gefragt wurde, ob er seinen Peinigern, wenn er sie noch einmal sehen könnte, verzeihen könne, folgenden Satz: "Ich weiß es nicht sicher. Aber eines weiß ich: Ein Handschlag bewirkt tausendmal mehr als ein Faustschlag!"

Liebe Schwestern, liebe Brüder, muss uns, die wir uns Christen nennen, solche menschliche Größe nicht Ansporn sein, über die unendlich kleineren Sünden unserer Mitmenschen hinwegzusehen, und jenen die Hand zu reichen, die uns übel mitgespielt haben? Und wäre es nicht heilsam, wenn auch uns von jenen die Hände gereicht würden, denen wir Unrecht getan haben? Ein Stück Erlösung wäre das, hier und jetzt!

Ich wünsche daher den Frauen und Männern, die in das verantwortungsvolle Amt des Pfarrgemeinderates gewählt wurden, dass es Ihnen gelingen möge, Ihre Hände so einzusetzen, dass Gott und Kirche vor Ort für die Menschen sichtbar und erlebbar werden:

- Mögen Sie die Kraft haben, wie Zachäus im Evangelium, der Jesus begegnen wollte, die Hände aus den Taschen zu nehmen und "auf Bäume zu steigen", um Christus zu finden  und auch anderen zu zeigen!

- Möge es Ihnen gelingen, trotz aller Bemühungen und konkreter Ergebnisse zu erkennen, dass wir alle klein sind - wie Zachäus - und dass es Gott ist, der uns groß macht!

- Mögen Sie das Gebet, den "vertraulichen Umgang mit Gott", wie der hl. Alfons es so schön bezeichnet hat, pflegen, schätzen und schützen als den intimen Raum, in dem Sie alles Schwere abladen und vor den liebenden Gott hinlegen dürfen!
- Und mögen Sie die Größe aufbringen, dem Anderen, der auf Sie wartet, die Hand zu reichen! So werden Sie, durch Taufe und Firmung dazu berufen und heute als neu gewählte Pfarrgemeinderäte vom Bischof gesendet, in den kommenden 5 Jahren für die Pfarren unserer Diözese wahrhaft zu "lebendigen Steinen eines geistigen Hauses" – wie es uns die zweite Lesung aus dem Petrusbrief sagt. Ein Haus, in dem - wie bei Zachäus - Gott zu Gast sein kann.

Liebe Pfarrgemeinderäte, folgt so dem Rat: „Hände aus der Tasche nehmen – Hände hin und wieder in den Schoß legen – Hände von Zeit zu Zeit falten – Hände dem Anderen reichen!“

Gottes Segen, die Wegweisung Mariens und das Beispiel des Hl. Martin begleiten uns auf unserem gemeinsamen Weg in die Zukunft! Amen.

+ Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt