Diözese Eisenstadt - Menü
Aktuell - Menü
Bischof - Menü
Über uns - Menü
Pfarren - Menü
Kirchenbeitrag - Menü
Frauen, Männer, Familie - Menü
Junge Kirche - Menü
Bildung - Menü
Für die Seele - Menü
Info, Hilfe - Menü
Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Freitag, 4. Mai 2012

Dankwallfahrt "60 Jahre Katholische Frauenbewegung"


Mariazell, 1. Mai 2012

Zur Dankwallfahrt versammelte Pilgerinnen und Mitglieder der katholischen Frauenbewegung der Diözese Eisenstadt!
Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst, geistliche Assistenten der kfb, lieber Superior Pater Karl, liebe Ordensfrauen!
Schwestern und Brüder im Herrn!

Wenn ich in die übervollen Reihen der hier versammelten Frauen blicke und sehe, wie viele es sind und welch großer Bogen der Generationen sich hier spannt, dann fühle ich zu allererst eine große Herzensfreude und eine große Dankbarkeit für dieses überwältigende Zeugnis, das Sie durch Ihre Anwesenheit ablegen.
In dieser herrlichen Basilika versammelt sind heute gläubige Mütter, ihre Töchter und deren Töchter und Enkeltöchter. Sie alle sind zur großen Mutter, zur Magna Mater Austriae gekommen, um als „Pilgerinnen ihrer Zeit“ Dank zu sagen:
Dank für 60 Jahre Katholische Frauenbewegung in der Diözese Eisenstadt,
Dank für 60 Jahre segensreiches Wirken in Kirche und Gesellschaft,
Dank für die große Teilhabe engagierter Frauen am Aufbau eines Burgenlandes, in dem christlicher Glaube und Nächstenliebe gelebt wird. 
Als Bischof danke auch ich und gratuliere von Herzen!

Liebe Mütter, liebe Töchter!
Sie hätten kein schönes, kein besseres, ja kaum ein christlicheres Motto für diese Dankwallfahrt wählen können. „Mütter, Töchter – als Pilgerinnen unterwegs“ – in diesen Worten ist bereits alles enthalten, was am Christsein wesentlich ist. „Eure Söhne und eure Töchter werden Propheten sein“ – so zitiert Paulus in seiner Pfingstpredigt den Propheten Joel. Wenn ich heute in die Reihen blicke, erkenne ich beides: die Liebe und ihre Prophetinnen. Papst Paul VI. hat einmal die Mütter mit Moses verglichen. So wie Moses sein Volk durch die Wüste ins Gelobte Land führte, ohne es selbst je betreten zu haben, so bereiten auch Mütter an ihren Kindern eine Zukunft vor, die nicht die ihre sein kann. Von wem könnte man besser lernen, was Glaube, Liebe und Hoffnung bedeuten, als von einer Mutter? Ihr Leben ist immer ein Geben, kein Nehmen, ohne Sicherheit, ohne Gegengeschäft. Und in ihrem Geben gibt sie sich selbst, ist sie als Person darin anwesend. Die mütterliche Liebe ist immer mehr als bloße Aktion. Es ist die selbstlose Liebe, von der Paulus im 1. Korintherbrief spricht und die Vorbild allen kirchlichen Dienens ist.

In der Zeichensprache der alten Ägypter hat die Hieroglyphe, die das Wort „Mutter“ bedeutet, die Form eines Hauses. Das enthüllt mehr Wahrheit über die Liebesfähigkeit und die zivilisatorische Bedeutung der Frau als so manch zeitgenössische ideologische Verirrung zulassen möchte. Und gerade weil es heutzutage als „unmodern“ gilt, die Bedeutung der Frau als feste Säule der Familie und gestaltende Kraft an der Keimzelle der Gesellschaft zu würdigen, muss eine Kirche es tun, in deren Zentrum die Liebe steht. Gott ist Liebe. Und er liebt den Menschen, so sagt Jesaja, wie eine Mutter ihr Kind.

Wir Christen glauben an ein Du. Und in den Frauen ist jener entscheidende Grundwert zu finden, den Papst Benedikt XVI. die „Fähigkeit der Frau für den anderen“ nennt. Es ist jene Kraft, die Frauen dazu befähigt, Dinge zu tun, die Männer nicht oder nur sehr unvollkommen tun können. Bereits das Alte Testament spricht auf beeindruckende Weise von den Taten der Frauen. Den Evangelien entnehmen wir, dass Jesus Frauen als ebenbürtige Partnerinnen in den Kreis seiner Anhänger aufgenommen hat. Frauen waren es, die bei Jesus auch blieben, bis zu seinem Tod am Kreuz, während seine Jünger vor Angst geflohen waren. Und: Frauen haben als erste von der Auferstehung Christi erfahren und den Jüngern die Botschaft überbracht. Prägnant formuliert: Sie sagten den Jüngern, was wirklich Sache ist.

Frauen sind in der Geschichte der Kirche daher immer entscheidend gewesen. Die Geschichte der Kirche, ja der sich zivilisierenden Welt, ist in Wahrheit auch die ungeschriebene Geschichte einer einzigen großen Frauenbewegung. Der prophetische Widerspruch, zu dem Frauen fähig sind, ist eine Lebensader der Kirche. Denn immer dort, wo Kirche sich dem, was alle sagen, was alle tun, im Blick auf Leben und Lehre Jesu widersetzen muss, dort liegt ihre wahre Modernität und ihre überzeitliche Bedeutung.

George Washington, erster Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und gewiss kein gottloser Mann, sagte einmal: „Ein liebevolles Wort meiner Mutter hat mehr in mir bewirkt und mehr zu meiner sittlichen Besserung beigetragen, als alle Kanzelpredigten, die ich in meinem Leben gehört habe zusammen genommen.“

Liebe Schwestern!
Als Bischof und als Sohn einer liebevollen Mutter weiß ich um diesen elementaren weiblichen Einfluss auf alles menschliche Werden und Gedeihen. Ich bin froh, dass Sie nicht für die Konkurrenz tätig sind und bitte Sie weiterhin um Ihre Unterstützung im Weinberg Gottes. Die Arbeit eines Bischofs besteht darin, dafür zu sorgen, dass sich die Liebe Gottes in der Welt ausbreitet. Wer könnte ihn dabei glaubhafter und wirkmächtiger unterstützen als Sie, liebe Schwestern?

Daher bitte ich Sie auch weiterhin um Ihren weiblichen, Ihren mütterlichen, Ihren prophetischen Widerspruch dort, wo die Liebe Christi es gebietet:

Widersprechen Sie einer Überflussgesellschaft, die Not, Leid und Armut tabuisiert und die der rastlosen Gier frönt! Nur der Liebende, der sich selbst lassen kann, findet das Leben. Seien Sie weiterhin Vorbilder dieser Liebe!


Widersprechen Sie billigen gesellschaftlichen Trends, die man als „Visionen“ verkaufen will. Folgen Sie in allem mit der Ihnen geschenkten Kraft der Vision christlicher Caritas und seien Sie mutige Stimme in Kirche, Politik und Wirtschaft!


Widersprechen Sie allen Tendenzen, die die Familie als Keimzelle der Gesellschaft gefährden. Stehen Sie ein für eine Gesellschaft starker, im Glauben verankerter Familien!

Blicken wir zum Abschluss auf Maria, die Mutter des Herrn, unser aller Mutter, wie sie ihre Cousine Elisabeth besucht, um ihr in den letzten Monaten ihrer Schwangerschaft beizustehen. Das eben gehörte Evangelium berichtet uns davon. So möchte ich, liebe Schwestern, heute besonders jenen Frauen danken, die in unseren Familien und Pfarren durch stillen Dienst im scheinbar Kleinen das unendlich große vollbringen, indem sie wie Maria anderen beistehen: als Mütter und Erzieherinnen; als Helferinnen liebender Fürsorge an den Kranken, Behinderten und Schwachen; als Ordensfrauen in den verschiedensten Bereichen tätiger Nächstenliebe; als Mitarbeiterinnen der Katholischen Frauenbewegung beim Engagement für die Sache Jesu in und mit der Kirche in den vielfältigsten Bereichen.

Wie Elisabeth im Bergland von Judäa Maria begegnet ist, so dürfen auch wie heute – im Mariazeller Bergland – Maria begegnen, die uns zu Christus führt. Aus dieser Begegnung können wir für unsere Begegnungen in den Niederungen des Lebens drei Dinge lernen:

Maria hatte einen unerschütterlichen Glauben, der sie durch alle Schwierigkeiten und Herausforderungen des Lebens trug – von der Geburt bis zum Kreuz. Auch wir brauchen diesen skandalfesten Glauben! Er bedarf fortwährender Praxis und Vertiefung, damit er glaubhaft weitergegeben werden kann – eine wesentliche Aufgabe der Frauen bei der Neuevangelisierung!

Maria war treu und gehorsam. Mit ihr konnte Gott immer rechnen, auf sie war Verlass. Gott braucht heute mehr denn je treue und gehorsame Menschen, auf die er sich verlassen kann, die zu ihrer übernommenen Aufgabe in Weihe, Gelübde oder Eheversprechen stehen.

Maria war fröhlich. Ihre Fröhlichkeit liegt nicht in günstigen Verhältnissen, sondern in der Nähe zum Herrn. Die Fröhlichkeit ist ein Echo auf die Gottesnähe, während die Angst ein Reflex der Gottesferne ist. Tragen auch wir wie Maria diese Freude zu unseren Mitmenschen, dann bringen wir ihnen auch Jesus! Singen wir unser Magnificat, indem wir – ein jeder an seinem Ort – Zeugnis ablegen für die Liebe Christi!

Mutter von Zell! Sei uns und der Frauenbewegung unserer Diözese Wegweiserin in die Zukunft, und steh und auf der Pilgerfahrt unseres Lebens bei, damit wir den Glauben, die Treue und die Freude nicht verlieren und so ans Ziel gelangen.
Große Mutter Österreichs, bitte für uns!
Amen.

+ Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt