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Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 28. Mai 2012

Sendung der Pfarrgemeinderätinnen und Pfarrgemeinderäte

Andacht Domweihfest, 28.05.2012

Rechenschaftsberichte und Hausaufgaben – beides ist notwendig, aber ich kenne nur wenige Menschen, die sich dafür begeistern können. Im soeben gehörten Evangelium präsentiert uns der Evangelist Johannes einen Rechenschaftsbericht und eine Liste von Hausaufgaben. In seinem Abschiedsgebet legt uns Jesus seine Lebensbilanz vor, aus der sich für uns Christen, für die Kirche und so auch für die Pfarrgemeinderäte interessante Hausaufgaben ergeben. Der Rechenschaftsbericht Jesu umfasst 6 Punkte mit 6 Hausaufgaben.

„Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart“, so lautet der erste Punkt. Mit anderen Worten: Ich habe den Menschen gesagt und gezeigt, wer du bist. Ich habe ihnen vorgelebt, dass du ein lebens- und menschenfreundlicher Gott bist, zu dem man mit allen Anliegen kommen kann. Ich habe ihnen spüren lassen, dass dein Name für Qualität bürgt – für Zuwendung, Kraft, Trost, Wegbegleitung, Ermutigung, Barmherzigkeit, Liebe und Vertrauen.
Die erste Hausaufgabe für uns: den Namen Gottes kennen, das heißt Gott als Herrn über uns und als Bruder neben uns erkennen und anerkennen.

„Ich wollte, dass sie eins sind wie wir“, lautet der zweite Punkt. Anders gesagt: Ich habe deutlich gemacht, dass dir alle Menschen – gerade die Kleinen, Armen und Kranken am Herzen liegen; dass niemand aus der Gemeinschaft ausgegrenzt werden soll. Deshalb habe ich mich auch mit Sündern und Zöllnern an einen Tisch gesetzt und sie so deine Nähe spüren lassen. Ich habe gegen Egoismus und Intoleranz gekämpft und für Solidarität und Hilfsbereitschaft geworben.
Die zweite Hausaufgabe für uns: die Einheit bewahren – in Familien, Pfarreien und Gemeinschaften, in unserer Kirche, zwischen Konfessionen und Religionen.

„Ich habe meine Freude mit ihnen geteilt“, dritte Punkt der Lebensbilanz Jesu. Das heißt: Ich wollte die Menschen erleben lassen, dass man sich am Leben freuen und es genießen darf. Ich habe ihnen gezeigt, dass das Vertrauen auf dich Gelassenheit und innere Freiheit schenken kann. Ich habe sie aufatmen und aufstehen lassen sowie von unnötigen Lasten befreit.                                
Die dritte Hausaufgabe für uns: aus der echten christlichen Freude leben.

„Ich habe ihnen dein Wort gegeben“, lautet der vierte Punkt. Ich habe ihnen durch meine ermutigenden und aufbauenden Worte gezeigt, dass du ihnen Leben in Fülle schenken willst. Und ich habe ihnen durch meine provozierenden Worte gesagt, was du von ihnen erwartest und wo du sie aus ihrer Bequemlichkeit und Selbstzufriedenheit herausholen willst.                                                  
Die vierte Hausaufgabe für uns: sich am Wort Gottes orientieren – die Bibel lesen und mit dem eigenen Leben in Verbindung bringen; mit anderen darüber ins Gespräch kommen und austauschen, was uns Halt und Kraft gibt.

„Ich wollte sie vor dem Bösen bewahren“, Punkt 5 der Lebensbilanz Jesu. Ich wollte ihnen die Gefahren vor Augen stellen, denen sie ausgesetzt sind, und sie davor warnen, in ihrem Leben auf falsche Werte zu setzen, auf Macht oder allein auf materielle Güter.
Die fünfte Hausaufgabe für uns: das Böse im Leben meiden. Die Gebote Gottes und die Bergpredigt Jesu sind bis heute gültige Richtlinien und Hilfen für uns – gegen einen schrankenlosen Egoismus, Leistungssucht, Hektik, Medienkonsum.

„Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt“, der sechste und letzte Punkt der Lebensbilanz Jesu. Mit anderen Worten: Ich wollte meine Jünger in meine Sendung einbeziehen. Ich wollte, dass sie mir helfen, dein Wort zu verkünden, die Menschen aufzurichten und ihnen den Weg zu einem erfüllten Leben zu zeigen.                                            
Die sechste Hausaufgabe für uns: zu den Menschen gehen und ihnen sagen, was wir glauben, erhoffen und ihnen durch unser Leben zeigen, was Liebe ist.

Rechenschaftsberichte können langweilig und Hausaufgaben lästig sein. Aber die kurze Lebensbilanz Jesu, die der Evangelist Johannes in die Worte eines Abschiedsgebetes Jesu kleidet, machen neugierig und sollten Pfarrgemeinderäte als Hausaufgaben im Leben begleiten: Den Namen Gottes kennen – die Einheit bewahren – aus der Freude leben – sich am Wort Gottes orientieren – das Böse meiden – zu den Menschen gehen. Sind das nicht spannende und reizvolle Hausaufgaben?

Als Bischof danke ich Euch allen für die Bereitschaft zur Mitarbeit in der Kirche, Diözese und Pfarrgemeinde! Ich freue mich sehr über so viele neue Mitarbeiter und bin Gott dankbar dafür! Ihr seid für mich als Bischof unverzichtbare Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie der unbezahlbare Reichtum unserer Kirche!                                                                                          

Ich erbitte mir Eure Unterstützung und wünsche Euch allen viel Freude, Mut und Ausdauer bei der Arbeit für die Sache Jesu in der neuen Periode, vor allem aber die Führung des Heiligen Geistes und den Segen Gottes! Amen.    

+ Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt

Homilie zum Domweihfest mit den neu gewählten Pfarrgemeinderatsmitgliedern


Pfingstmontag, 28.05.2012, St. Martinsdom Eisenstadt

Hochwürdigste Mitglieder des Domkapitels!
Lieber Herr Dompropst, lieber Herr Dompfarrer!
Lieber Herr Generalvikar, Bischofsvikare und Pastoralamtsleiter!
Liebe Pfarrgemeinderäte aus allen Pfarren unserer Diözese!
Zum Domweihfest versammelte Schwestern und Brüder im Herrn!

Von Karl Barth, dem großen evangelischen Theologen, stammt folgender Ratschlag, der den Umgang des Christen mit seinen Händen betrifft. Er sagte:

"Hände aus der Tasche nehmen! 
Hände hin und wieder in den Schoß legen! 
Hände von Zeit zu Zeit falten!" 

Es könnte kaum ein besseres Leitbild geben als diesen Imperativ der Hände, um das "Handwerk" zu beschreiben, das unsere Pfarrgemeinderäte in den kommenden fünf Jahren ausüben werden - als die maßgeblichen Träger kirchlichen Lebens in den Pfarren unserer Diözese!

Wenn sie dafür Sorge tragen werden, dass die Botschaft Christi im Alltag der Welt umgesetzt wird, dass den Armen und Benachteiligten geholfen wird, dass christliche Caritas kein Lippenbekenntnis bleibt, aber auch, dass ganz praktische wirtschaftliche, bauliche und verwaltungstechnische Aufgaben wahrgenommen werden: dann wird es nötig sein, die Hände aus den Taschen zu nehmen und anzupacken! Dann wird sich an unseren Pfarrgemeinderäten zeigen, dass die Botschaft Jesu gelebt wird, weil eine Kirche, die nicht dient, sondern nur redet, zu nichts dient!

Wenn sie gemeinsam mit dem Pfarrer dafür Sorge tragen werden, dass in den Gemeinden die Liturgie lebendig gefeiert wird und so Quelle und Höhepunkt unseres Lebens als Christen sein kann: dann wird es nötig sein, auch einmal die Hände in den Schoß zu legen, von menschlicher Gestaltungs- und Machbarkeitshysterie zu lassen, aufzuatmen im Wissen darum, dass wir auf Gott vertrauen dürfen!

Und wenn sie schließlich bei all dieser Verantwortung um ihre Gemeinde manchmal die Kraft zu verlieren glauben: dann wird es nötig sein, schlicht die Hände zu falten und ins Gespräch mit dem liebenden Gott zu kommen! Nur so wird ihr Haus und auch ihre Pfarrgemeinde ein "Haus des Gebets" sein, wie es Jesaja uns in der Ersten Lesung sagte.

Schwestern und Brüder! Ich möchte aber diesen drei im wahrsten Sinne des Wortes "handlichen" Ratschlägen Karl Barths - für unsere Pfarrgemeinderäte wie für uns alle - noch einen vierten Ratschlag hinzufügen:

"Hände dem Anderen reichen!" 

Vor wenigen Tagen sah ich ein TV-Interview mit einem alten Mann, der als Jugendlicher in einer Wiener Klinik Nazi-Ärzten als Versuchsobjekt diente. Er wurde - noch ein halbes Kind - in monatelange Isolations- und Dunkelhaft gesteckt, ihm wurden bewusst schädliche Medikamente verabreicht, seine Reaktion auf Nahrungsentzug und Minusgrade wurde getestet, medizinische Experimente der schlimmsten, menschenverachtendsten Art wurden an ihm durchgeführt. Über manche Dinge, die er erlebt hat, wollte er selbst nach 70 Jahren nicht sprechen. Dieser Mann hat als Kind erfahren, zu welcher Bestialität Menschen fähig sind. Und dennoch sagte er im Interview, als er gefragt wurde, ob er seinen Peinigern, wenn er sie noch einmal sehen könnte, verzeihen könne, folgenden Satz: "Ich weiß es nicht sicher. Aber eines weiß ich: Ein Handschlag bewirkt tausendmal mehr als ein Faustschlag!"

Liebe Schwestern, liebe Brüder, muss uns, die wir uns Christen nennen, solche menschliche Größe nicht Ansporn sein, über die unendlich kleineren Sünden unserer Mitmenschen hinwegzusehen, und jenen die Hand zu reichen, die uns übel mitgespielt haben? Und wäre es nicht heilsam, wenn auch uns von jenen die Hände gereicht würden, denen wir Unrecht getan haben? Ein Stück Erlösung wäre das, hier und jetzt!

Ich wünsche daher den Frauen und Männern, die in das verantwortungsvolle Amt des Pfarrgemeinderates gewählt wurden, dass es Ihnen gelingen möge, Ihre Hände so einzusetzen, dass Gott und Kirche vor Ort für die Menschen sichtbar und erlebbar werden:

- Mögen Sie die Kraft haben, wie Zachäus im Evangelium, der Jesus begegnen wollte, die Hände aus den Taschen zu nehmen und "auf Bäume zu steigen", um Christus zu finden  und auch anderen zu zeigen!

- Möge es Ihnen gelingen, trotz aller Bemühungen und konkreter Ergebnisse zu erkennen, dass wir alle klein sind - wie Zachäus - und dass es Gott ist, der uns groß macht!

- Mögen Sie das Gebet, den "vertraulichen Umgang mit Gott", wie der hl. Alfons es so schön bezeichnet hat, pflegen, schätzen und schützen als den intimen Raum, in dem Sie alles Schwere abladen und vor den liebenden Gott hinlegen dürfen!
- Und mögen Sie die Größe aufbringen, dem Anderen, der auf Sie wartet, die Hand zu reichen! So werden Sie, durch Taufe und Firmung dazu berufen und heute als neu gewählte Pfarrgemeinderäte vom Bischof gesendet, in den kommenden 5 Jahren für die Pfarren unserer Diözese wahrhaft zu "lebendigen Steinen eines geistigen Hauses" – wie es uns die zweite Lesung aus dem Petrusbrief sagt. Ein Haus, in dem - wie bei Zachäus - Gott zu Gast sein kann.

Liebe Pfarrgemeinderäte, folgt so dem Rat: „Hände aus der Tasche nehmen – Hände hin und wieder in den Schoß legen – Hände von Zeit zu Zeit falten – Hände dem Anderen reichen!“

Gottes Segen, die Wegweisung Mariens und das Beispiel des Hl. Martin begleiten uns auf unserem gemeinsamen Weg in die Zukunft! Amen.

+ Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt

Freitag, 25. Mai 2012

Domweihfest 2012: „Gut, dass es Euch Pfarrgemeinderäte gibt“

Domweihfest 2012 Pfingstmontag, 28. Mai 2012, ab 15.00 Uhr, Eisenstadt, St. Martinsdom Seit der umfassenden Renovierung des St. Martinsdoms in Eisenstadt im Jahr 2001, findet die Feier des Weihetages alljährlich am Pfingstmontag statt. Das Domweihfest ist somit der Kirtag des St. Martinsdoms. In diesem Jahr steht er unter dem Motto „Gut, dass es Euch Pfarrgemeinderäte gibt!“. Eingeladen sind alle Gläubigen der Diözese, besonders aber die neu gewählten Mitglieder der Pfarrgemeinderäte. Programm
  • 15.00 Uhr: Pontifikalamt mit Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics
  • anschl. Agape und persönliche Begegnung im Dompfarrzentrum
  • 18.00 Uhr: Andacht mit Sendung

Mittwoch, 16. Mai 2012

Weihe der Bischöflichen Hauskapelle


16. Mai 2012

In den alten Basiliken in Rom sieht man in der Apsis oft folgendes Bild: Über dem Altar ist ein leerer Thron dargestellt, ein leerer Königsstuhl.
Hetoimasia - mit diesem griechischen Wort wird die Darstellung bezeichnet, was übersetzt werden kann mit Bereitschaft oder bereiter, wartender Thron.

Wenn ich in diese unsere erneuerte Hauskapelle des Bischofshofes schaue, fällt mir dieses Bild aus altchristlichen Basiliken ein: der Altar ist wie ein Thron, den Christus als königlicher Hoherpriester inmitten seiner Gemeinde aufgeschlagen hat. Auf ihm nimmt er während der Liturgie Platz, um seine Gaben auszuteilen.

Was aber sind seine Gaben? Seine Gabe ist zuerst sein Wort, seine Frohe Botschaft. Um diese Gabe sichtbar zum Ausdruck zu bringen, wird das Evangelienbuch am Beginn der Messfeier zunächst auf den Altar gelegt, um aus ihm im Wortgottes-dienst am Ambo die Frohe Botschaft Jesu Christi verkünden zu können.
Sodann nimmt bei jeder Messfeier der zunächst leere Altar Christus auf in den Zeichen des Brotes und Weines. Vom Altar aus erhalten wir die Speise, die uns Gemeinschaft mit Christus gibt, untereinander zum Leib Christi zusammenfügt. Der hl. Augustinus sagt von diesem Geschehen: „Euer Geheimnis ist auf den Altar gelegt. Seid, was ihr seht, und empfangt, was ihr seid. Empfangt den Leib Christi und seid der Leib Christi.“
Der Altar – ein königlicher Thron Christi, der seiner Gemeinde mit sich und untereinander Gemeinschaft schenkt.

Die Liturgie der Altarweihe geht in der Symbolik aber noch einen Schritt weiter. Im Weihegebet wird gesagt: „Dieser Altar sei ein Bild des Herrn Jesus Christus, aus dessen geöffneter Seite im Wasser und Blut die Sakramente der Kirche strömen.“ Der Altar ist also sogar ein Sinnbild Christi selbst, von dem wir Leben empfangen. Von dieser Christussymbolik des Altars sind die Riten zu verstehen, die wir gleich bei der Weihe vollziehen werden; ebenso auch gewisse liturgische Ausdrucksformen, die praktiziert werden, wenn z.B. dem Altar durch eine Knie-beuge Referenz geschenkt wird oder wenn der Priester am Anfang und Ende der Messe durch einen Altarkuss dem Altar Ehre erweist.

Bei der Altarweihe wird der Stein zunächst in der Mitte und an den vier Ecken mit Chrisam gesalbt. Der Altar will Sinnbild sein für Christus, dessen Name übersetzt heißt: „der Gesalbte.“ Der Altar, der in unserer Hauskapelle geweiht werden soll, ist keinem Unbekannten Gott geweiht, sondern dem Gott Jesu Christi, den Paulus den Athenern verkündet hat und den wir den Menschen unserer Tage verkünden sollen. Er ist ein Zeichen für Jesus Christus selbst, dessen Kreuzesopfer auf Golgota in der Feier der Eucharistie auf sakramentale Weise gegenwärtig wird – das barocke Kreuz über dem Altar erinnert daran!

Nach der Salbung mit dem hl. Chrisam wird sodann auf dem Altar Weihrauch verbrannt. Der Weihrauch, an fünf Stellen des Altares angezündet, erinnert an eine Überlieferung aus dem Alten Testament. Dort wird berichtet, das Volk Israel habe Gottes Nähe in einer Wolken- und Feuersäule über der Bundeslade erfahren. Im christlichen Gottesdienst kann der aufsteigende Weihrauch in ähnlicher Weise Zeichen für den auf dem Altar gegenwärtigen Herrn Jesus Christus sein, der sich in seiner Opferhingabe, ähnlich dem aufsteigenden Weihrauch, zusammen mit den Menschen Gott hinschenkt. Wir können auch daran denken, dass wir schon jetzt Anteil haben an der himmlischen Liturgie.

Dann werden bei der Altarweihe festlich die Kerzen angezündet, auch ein Hin-weis auf Christus, der sich das Licht der Welt nannte. „Christi Licht leuchte auf dem Altar, es strahle wider im Leben aller, die teilhaben am Tisch des Herrn.“

Schließlich werden unter der Altarmensa auch Reliquien beigesetzt – bei uns ist es der hl. König Stephan in Erinnerung an unsere ungarische Vergangenheit und an unseren ersten Diözesanbischof Stefan László, dessen wir heute besonders gedenken, der hl. Ägidius mein Namenspatron, die hl. Hildegard von Bingen und Edith Stein zwei herausragende Frauen der Kirche, der selige Kardinal Aloisius Stepinac als Symbol für den kroatischen Volksteil unserer Diözese und meine kroatischen Wurzeln sowie der Arzt der Armen Dr. Ladislaus Batthyány-Strattmann, der erste Selige unseres Landes.

Jesus Christus, der für uns am Kreuz sein Leben hingegeben hat, ruft uns alle in seine Nachfolge. Ihm nachfolgen bis zur Lebenshingabe ist die Berufung aller Getauften und Gefirmten. Solche Hingabe erfüllt sich am deutlichsten und radikalsten in den Märtyrern und Bekennern, also in jenen Christen, die mit ihrem Tod oder mit ihrem Leben die Wahrheit des Evangeliums bezeugt haben. Daher sind in jedem Altar Reliquien von Märtyrern oder Bekennern eingelassen. Das bedeutet: Der Altar ist zuerst Symbol für Jesus Christus, aber auch Symbol für die Christen, deren höchste Berufung darin besteht, ihr Leben als Opfergabe in Dank, Lob und Bitte zu begreifen.

Jedes Gotteshaus – so auch diese Kapelle – ist auch eine Kirche der Heiligen. Im wunderschönen Glasfenster und in der altehrwürdigen Kopie der Gnadenstatue von Mariazell begegnen wir in unserer Hauskapelle Josef und Maria.  Maria, die Königin aller Engel und Heiligen, stand Christus und seinem Heils-werk am nächsten: als seine Mutter an der Krippe, als Schmerzensmutter unter dem Kreuz, als Freudvolle am Ostermorgen, als Mutter der Kirche im Pfingstsaal. Zu Recht finden wir sie deshalb auch dem Altar am nächsten. Sie zeigt mit dem Finger auf ihren Sohn und sagt: „Was er euch sagt, das tut!“  Die Marienstatue in dieser Hauskapelle erinnert mich immer an meinen bischöflichen Wahlspruch und lässt mich auch immer bei der Mutter von Zell in allen Sorgen und Nöten Zuflucht nehmen!

Josef, der Patron der Kirche und dieser unserer Hauskapelle, war immer schon ein Mann, dessen Leben mit dem Schicksal des Jesuskindes eng verknüpft war. Er wurde von Gott berufen, durch die Ausübung seiner Vaterschaft unmittelbar der Person und der Sendung Jesu zu dienen – er wurde zum Diener des Heils. Josef von Nazaret war um Jesus besorgt, als noch niemand von ihm etwas wissen konnte. Und wer war es, der sich um ihn kümmerte, als niemand mehr etwas von ihm wissen wollte? Josef ist der stille Pilger mit dem Stab in der Hand, der den Weg weist und das Heilige schützt – wie auf dem Glasfenster!
Diener des Heils sein, das Heilige, die Kirche schützen – ist das nicht auch Aufgabe des Bischofs? Josef erinnert uns auch an den Erbauer des Bischofshofes und dieser Kapelle, unseren ersten selbstständigen Administrator Erzbischof Dr. Josef Schoiswohl, dessen wir heute auch dankbar bei dieser Feier gedenken!

Wann immer wir Gottesdienst feiern, stehen wir in der Gemeinschaft der Heiligen und stimmen wir ein in ihr Lob an den dreifaltigen Gott. Aber auch in unserem täglichen Leben und in unseren Sorgen sind sie uns nahe als Vorbilder des Glaubens und als unsere Fürsprecher bei Gott. Sie gehören mit zu jener großen Gemeinschaft, die wir Kirche nennen.

Der wichtigste Teil der Altarweihe ist aber die Feier der Eucharistie, denn dabei wird der Altar zum Thron, auf dem sich Christus als königlicher Hoherpriester niederlässt, um von dort her seine Gaben auszuteilen und uns, seine Gemeinde, mitzunehmen in seine Hingabe an Gott. So wird Jesu Forderung im heutigen Evangelium Wirklichkeit, Gott solle „im Geist und in der Wahrheit angebetet werden.“

Bevor ich nun die Altarweihe vornehme, möchte ich Vergelt´s Gott sagen allen, die zum Gelingen dieses Werkes beigetragen haben – unserem Architekten DI Eckel, unserem Zeremoniär fr. Hans Ulrich Möhring, unseren Künstlern Prof. Thomas Resetarits und Mag. Heinz Ebner, dem Superior von Mariazell P. Karl Schauer sowie unserem Bauamt mit DI Markus Zechner und Ing. Fleischhacker!
Wenn der Bischof mit den Schwestern und der Hausgemeinschaft des Bischofshofes in dieser wunderschönen neuen Hauskapelle betet und die Eucharistie feiert, dann seid gewiss, dass Ihr in diesem Gebet einen besonderen Platz habt!

Möge Gottes Nähe und Gegenwart diese Hauskapelle erfüllen und sie zur Woh-nung Gottes unter den Menschen, zum Herz dieses Hauses und unserer Diözese machen, zu einem Ort des Glaubens, des Betens, der Versöhnung und zärtlicher Berührung mit Gott. Möge dieser Altar, Thron und Sinnbild Christi, gemäß den Worten der Weihepräfation für dieses Haus und unsere ganze Diözese wirklich so etwas sein wie ein „geistlicher Fels, aus dem Ströme des Lebens quellen.“

Der Segen Gottes sowie das Beispiel und die Fürsprache Mariens und des hl. Josef begleite uns auf unserer Pilgerschaft zum neuen Jerusalem! Amen.  

+ Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt

Dienstag, 8. Mai 2012

Diözesanbischof Zsifkovics bei Domnius-Fest in Split

Diözesanbischof Zsifkovics bei Domnius-Fest in Split
(c) ika/Silvana Burilović
Der 7. Mai ist der Gedenktag des heiligen Domnius, Patron der Stadt Split sowie der Erzdiözese Split-Makarska. Vor tausenden Gläubigen zelebrierte Bischof Ägidius J. Zsifkovics den Festgottesdienst. Domnius von Salona (heute Solin bei Split) war Bischof und Märtyrer des dritten christlichen Jahrhunderts. Sein Gedenktag wird in der Erzdiözese Split-Makarska alljährlich mit einem großen Fest gefeiert. Auf besondere Einladung von Erzbischof Marin Barišić nahm in diesem Jahr der Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics an den Feierlichkeiten teil. In seinen Grußworten dankte Barišić Bischof Ägidius für sein Kommen und richtete seinen Gruß an alle Burgenländischen Kroaten, die zwar vor fünf Jahrhunderten ihre Heimat Kroatien verlassen, dennoch aber ihre Kultur, ihre Nationalität und ihre Glaubensidentität bewahrt hätten.
In seiner Predigt ging Zsifkovics auf den großen römischen Kaiser Diokletian ein, der in Split gelebt hat, wovon noch heute zahlreiche Bauten zeugen. Doch Diokletian sei nicht nur ein Erbauer gewesen. In die Geschichte ging er als einer der größten Christenverfolger ein (Anm: auch der hl. Domnius wurde während dieser Verfolgungen enthauptet), ohne sich darüber im Klaren zu sein, „dass er nicht gegen eine menschliche Ideologie oder Philosophie, sondern allein gegen Gott, der diese Kirche gegründet hat, gekämpft hat.“ Gegen Gott könne man aber nicht an, so der Bischof weiter, denn Gott verwirkliche in seiner weisen Vorsehung jene Pläne, die für den Menschen essentiell sind. Weiters hob Zsifkovics die Rolle des Glaubens in der Gegenwart und im Leben der heutigen Christen hervor. „Was in den ersten christlichen Jahrhunderten Gültigkeit hatte, das gilt auch heute.“ Nach wie vor sei der Glaube eine große Herausforderung an die Menschen. „Er sucht das menschliche Engagement, er fordert, dass der Mensch ununterbrochen in ihm wächst und reift.“ Diese tiefe christliche Verantwortung gelte es zu begreifen und in der Gesellschaft von heute umzusetzen. An der Festveranstaltung nahmen sieben Erz/Bischöfe, rund 70 Diözesan- und Ordenspriester, zahlreiche Ordensfrauen, Vertreter kirchlicher und humanitärer Gemeinschaften, Abordnungen von Bundesheer und Polizei und eine Vielzahl an Folkloregruppen teil. Der Festgottesdienst wurde im kroatischen Radio und Fernsehen live übertragen.
Diözesanbischof Zsifkovics bei Domnius-Fest in Split
(c) ika/Silvana Burilović
Diözesanbischof Zsifkovics bei Domnius-Fest in Split
(c) ika/Silvana Burilović
Diözesanbischof Zsifkovics bei Domnius-Fest in Split
(c) ika/Silvana Burilović
Diözesanbischof Zsifkovics bei Domnius-Fest in Split
(c) ika/Silvana Burilović

Freitag, 4. Mai 2012

Dankwallfahrt "60 Jahre Katholische Frauenbewegung"


Mariazell, 1. Mai 2012

Zur Dankwallfahrt versammelte Pilgerinnen und Mitglieder der katholischen Frauenbewegung der Diözese Eisenstadt!
Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst, geistliche Assistenten der kfb, lieber Superior Pater Karl, liebe Ordensfrauen!
Schwestern und Brüder im Herrn!

Wenn ich in die übervollen Reihen der hier versammelten Frauen blicke und sehe, wie viele es sind und welch großer Bogen der Generationen sich hier spannt, dann fühle ich zu allererst eine große Herzensfreude und eine große Dankbarkeit für dieses überwältigende Zeugnis, das Sie durch Ihre Anwesenheit ablegen.
In dieser herrlichen Basilika versammelt sind heute gläubige Mütter, ihre Töchter und deren Töchter und Enkeltöchter. Sie alle sind zur großen Mutter, zur Magna Mater Austriae gekommen, um als „Pilgerinnen ihrer Zeit“ Dank zu sagen:
Dank für 60 Jahre Katholische Frauenbewegung in der Diözese Eisenstadt,
Dank für 60 Jahre segensreiches Wirken in Kirche und Gesellschaft,
Dank für die große Teilhabe engagierter Frauen am Aufbau eines Burgenlandes, in dem christlicher Glaube und Nächstenliebe gelebt wird. 
Als Bischof danke auch ich und gratuliere von Herzen!

Liebe Mütter, liebe Töchter!
Sie hätten kein schönes, kein besseres, ja kaum ein christlicheres Motto für diese Dankwallfahrt wählen können. „Mütter, Töchter – als Pilgerinnen unterwegs“ – in diesen Worten ist bereits alles enthalten, was am Christsein wesentlich ist. „Eure Söhne und eure Töchter werden Propheten sein“ – so zitiert Paulus in seiner Pfingstpredigt den Propheten Joel. Wenn ich heute in die Reihen blicke, erkenne ich beides: die Liebe und ihre Prophetinnen. Papst Paul VI. hat einmal die Mütter mit Moses verglichen. So wie Moses sein Volk durch die Wüste ins Gelobte Land führte, ohne es selbst je betreten zu haben, so bereiten auch Mütter an ihren Kindern eine Zukunft vor, die nicht die ihre sein kann. Von wem könnte man besser lernen, was Glaube, Liebe und Hoffnung bedeuten, als von einer Mutter? Ihr Leben ist immer ein Geben, kein Nehmen, ohne Sicherheit, ohne Gegengeschäft. Und in ihrem Geben gibt sie sich selbst, ist sie als Person darin anwesend. Die mütterliche Liebe ist immer mehr als bloße Aktion. Es ist die selbstlose Liebe, von der Paulus im 1. Korintherbrief spricht und die Vorbild allen kirchlichen Dienens ist.

In der Zeichensprache der alten Ägypter hat die Hieroglyphe, die das Wort „Mutter“ bedeutet, die Form eines Hauses. Das enthüllt mehr Wahrheit über die Liebesfähigkeit und die zivilisatorische Bedeutung der Frau als so manch zeitgenössische ideologische Verirrung zulassen möchte. Und gerade weil es heutzutage als „unmodern“ gilt, die Bedeutung der Frau als feste Säule der Familie und gestaltende Kraft an der Keimzelle der Gesellschaft zu würdigen, muss eine Kirche es tun, in deren Zentrum die Liebe steht. Gott ist Liebe. Und er liebt den Menschen, so sagt Jesaja, wie eine Mutter ihr Kind.

Wir Christen glauben an ein Du. Und in den Frauen ist jener entscheidende Grundwert zu finden, den Papst Benedikt XVI. die „Fähigkeit der Frau für den anderen“ nennt. Es ist jene Kraft, die Frauen dazu befähigt, Dinge zu tun, die Männer nicht oder nur sehr unvollkommen tun können. Bereits das Alte Testament spricht auf beeindruckende Weise von den Taten der Frauen. Den Evangelien entnehmen wir, dass Jesus Frauen als ebenbürtige Partnerinnen in den Kreis seiner Anhänger aufgenommen hat. Frauen waren es, die bei Jesus auch blieben, bis zu seinem Tod am Kreuz, während seine Jünger vor Angst geflohen waren. Und: Frauen haben als erste von der Auferstehung Christi erfahren und den Jüngern die Botschaft überbracht. Prägnant formuliert: Sie sagten den Jüngern, was wirklich Sache ist.

Frauen sind in der Geschichte der Kirche daher immer entscheidend gewesen. Die Geschichte der Kirche, ja der sich zivilisierenden Welt, ist in Wahrheit auch die ungeschriebene Geschichte einer einzigen großen Frauenbewegung. Der prophetische Widerspruch, zu dem Frauen fähig sind, ist eine Lebensader der Kirche. Denn immer dort, wo Kirche sich dem, was alle sagen, was alle tun, im Blick auf Leben und Lehre Jesu widersetzen muss, dort liegt ihre wahre Modernität und ihre überzeitliche Bedeutung.

George Washington, erster Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und gewiss kein gottloser Mann, sagte einmal: „Ein liebevolles Wort meiner Mutter hat mehr in mir bewirkt und mehr zu meiner sittlichen Besserung beigetragen, als alle Kanzelpredigten, die ich in meinem Leben gehört habe zusammen genommen.“

Liebe Schwestern!
Als Bischof und als Sohn einer liebevollen Mutter weiß ich um diesen elementaren weiblichen Einfluss auf alles menschliche Werden und Gedeihen. Ich bin froh, dass Sie nicht für die Konkurrenz tätig sind und bitte Sie weiterhin um Ihre Unterstützung im Weinberg Gottes. Die Arbeit eines Bischofs besteht darin, dafür zu sorgen, dass sich die Liebe Gottes in der Welt ausbreitet. Wer könnte ihn dabei glaubhafter und wirkmächtiger unterstützen als Sie, liebe Schwestern?

Daher bitte ich Sie auch weiterhin um Ihren weiblichen, Ihren mütterlichen, Ihren prophetischen Widerspruch dort, wo die Liebe Christi es gebietet:

Widersprechen Sie einer Überflussgesellschaft, die Not, Leid und Armut tabuisiert und die der rastlosen Gier frönt! Nur der Liebende, der sich selbst lassen kann, findet das Leben. Seien Sie weiterhin Vorbilder dieser Liebe!


Widersprechen Sie billigen gesellschaftlichen Trends, die man als „Visionen“ verkaufen will. Folgen Sie in allem mit der Ihnen geschenkten Kraft der Vision christlicher Caritas und seien Sie mutige Stimme in Kirche, Politik und Wirtschaft!


Widersprechen Sie allen Tendenzen, die die Familie als Keimzelle der Gesellschaft gefährden. Stehen Sie ein für eine Gesellschaft starker, im Glauben verankerter Familien!

Blicken wir zum Abschluss auf Maria, die Mutter des Herrn, unser aller Mutter, wie sie ihre Cousine Elisabeth besucht, um ihr in den letzten Monaten ihrer Schwangerschaft beizustehen. Das eben gehörte Evangelium berichtet uns davon. So möchte ich, liebe Schwestern, heute besonders jenen Frauen danken, die in unseren Familien und Pfarren durch stillen Dienst im scheinbar Kleinen das unendlich große vollbringen, indem sie wie Maria anderen beistehen: als Mütter und Erzieherinnen; als Helferinnen liebender Fürsorge an den Kranken, Behinderten und Schwachen; als Ordensfrauen in den verschiedensten Bereichen tätiger Nächstenliebe; als Mitarbeiterinnen der Katholischen Frauenbewegung beim Engagement für die Sache Jesu in und mit der Kirche in den vielfältigsten Bereichen.

Wie Elisabeth im Bergland von Judäa Maria begegnet ist, so dürfen auch wie heute – im Mariazeller Bergland – Maria begegnen, die uns zu Christus führt. Aus dieser Begegnung können wir für unsere Begegnungen in den Niederungen des Lebens drei Dinge lernen:

Maria hatte einen unerschütterlichen Glauben, der sie durch alle Schwierigkeiten und Herausforderungen des Lebens trug – von der Geburt bis zum Kreuz. Auch wir brauchen diesen skandalfesten Glauben! Er bedarf fortwährender Praxis und Vertiefung, damit er glaubhaft weitergegeben werden kann – eine wesentliche Aufgabe der Frauen bei der Neuevangelisierung!

Maria war treu und gehorsam. Mit ihr konnte Gott immer rechnen, auf sie war Verlass. Gott braucht heute mehr denn je treue und gehorsame Menschen, auf die er sich verlassen kann, die zu ihrer übernommenen Aufgabe in Weihe, Gelübde oder Eheversprechen stehen.

Maria war fröhlich. Ihre Fröhlichkeit liegt nicht in günstigen Verhältnissen, sondern in der Nähe zum Herrn. Die Fröhlichkeit ist ein Echo auf die Gottesnähe, während die Angst ein Reflex der Gottesferne ist. Tragen auch wir wie Maria diese Freude zu unseren Mitmenschen, dann bringen wir ihnen auch Jesus! Singen wir unser Magnificat, indem wir – ein jeder an seinem Ort – Zeugnis ablegen für die Liebe Christi!

Mutter von Zell! Sei uns und der Frauenbewegung unserer Diözese Wegweiserin in die Zukunft, und steh und auf der Pilgerfahrt unseres Lebens bei, damit wir den Glauben, die Treue und die Freude nicht verlieren und so ans Ziel gelangen.
Große Mutter Österreichs, bitte für uns!
Amen.

+ Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt

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