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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Mittwoch, 22. Februar 2012

Fastenhirtenbrief 2012

Liebe Diözesanfamilie, 
Schwestern und Brüder im Herrn!

Zeiten des Umbruchs und der Krise sind immer auch Zeiten von Unsicherheit, Ratlosigkeit und Angst. Wenn wir Gewohntes plötzlich in Frage gestellt sehen und alte Sicherheiten verloren gehen, suchen wir instinktiv nach einem Rettungsanker, der uns davor bewahrt, in den Wogen der Veränderung unterzugehen wie in der Sintflut, von der in der ersten Lesung dieses ersten Fastensonntags im Buch Genesis berichtet wird.

In einer von der Krise befallenen Wirtschaft sind Unternehmensberater solche Rettungsanker. Sie helfen Unternehmen, sich zu orientieren und das eigene Leitbild zu formulieren, um wieder auf Kurs zu kommen. Um sein Leitbild zu finden, müssen sich ein Unternehmen und seine Verantwortlichen immer drei wesentliche Fragen stellen:

  • 1. Was ist unser Auftrag? Oder: Was ist unsere Mission?
  • 2. Wohin wollen wir? Oder: Was ist unsere Vision?
  • 3. Wer sind wir? Oder: Was ist unsere Identität?

Auch die Kirche wird gelegentlich als ein Unternehmen bezeichnet, auch sie durchlebt gegenwärtig – wie die gesamte Gesellschaft, in der sie steht – Umbrüche und Krisen, die sie desorientiert, gelähmt und veraltet scheinen lassen. Viele „Unternehmensberater“ von außen und von innen, berufene wie unberufene, wohlmeinende wie weniger wohlmeinende, analysieren oder kritisieren ihren Zustand. Zahlreiche Ratschläge, Reformideen und Initiativen finden ihren Weg in die Öffentlichkeit. Manches davon scheint, mit weltlichen Augen betrachtet, plausibel zu sein.

Und dennoch: Die Kirche ist keine Produktionsstätte, der Glaube keine Ware, die Gotteskindschaft des Menschen kein börsennotierter Wert, Priester keine Eventmanager oder Entertainer. Optimierung und Sanierung sind keine Bezugsgrößen des Evangeliums – es sei denn, es handelt sich um die Liebe zu Gott und zum Nächsten, die nie stark und groß genug sein kann und die in der modernen Gesellschaft mehr denn je ein „Sanierungsfall“ ist.

Und so lade ich Sie, liebe Schwestern und Brüder, zu Beginn der Fastenzeit ein, mit mir gemeinsam auf unseren Herrn Jesus Christus, den Stifter und Eigentümer des „Unternehmens“ Kirche, seinen ersten und wichtigsten Berater, zu schauen und uns auf unser Leitbild und christliches Profil zu besinnen:  


1. Was ist unsere Mission?          

Unsere Aufgabe und unser Auftrag als Kirche sind: Menschen für die Sache Jesu, für das Reich Gottes zu gewinnen; sie auf den Boden des Glaubens zu bringen, der uns selbst Halt und Orientierung gibt; Menschen eine Perspektive aufzuzeigen, unter der ihr Leben gelingen kann. Unsere Mission ist und bleibt das Wort Jesu im Markusevangelium dieses ersten Fastensonntags: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ Es ist der immerwährende Auftrag, den wir einander zurufen und den wir voreinander bezeugen müssen, wissend, dass glaubhafte Missionierung immer auch Selbstbekehrung bedeutet. Ohne sie ist Neuevangelisierung nicht möglich!


2. Was ist unsere Vision?                                                                                    

Die Heilige Schrift zeichnet Bilder von gewaltiger Kraft und Schönheit, um uns das Ziel der Pilgerschaft von Welt und Mensch vor Augen zu führen. Von einem neuen Himmel, einer neuen Erde, einem neuen Menschen ist die Rede; vom Himmlischen Jerusalem am Ende der Zeiten, wo eine gänzlich verwandelte Schöpfung an ihr Ziel kommen und mit dem Schöpfer eins werden wird. Durch Taufe und Firmung sind wir schon jetzt zu diesem neuen Menschsein berufen. Die zweite Lesung dieses ersten Fastensonntags aus dem ersten Petrusbrief erinnert uns daran, dass Jesus Christus gestorben und auferstanden ist, um uns an dieses Ziel zu führen.

Bei aller Vorläufigkeit und Hinfälligkeit unserer kleinen menschlichen Schritte stehen wir schon jetzt in diesem großen Netz der Erlösung, das uns trägt und auffängt, das uns in all unserer menschlichen Vielfalt mit Gott und dem Nächsten verbindet: als Wankelmütige und als Begeisterungsfähige, als Gläubige und als Zweifelnde, als Sichere und als Suchende. Der heilige Hieronymus sagt: „Alle gehören in das Netz der Kirche.“ Die Knoten dieses Netzes aber sind die Liebe, die Jesus als Maßstab für die Beurteilung unserer Beziehungen gewählt hat. Die Liebe zu Gott und zum Nächsten – die Caritas – ist und bleibt unsere christliche Vision und unser „Dauerauftrag“!


3. Was ist unsere Identität?                                                                                  

Unser unverwechselbares christliches Profil und katholisches Selbstverständnis kommt am Augenscheinlichsten zum Ausdruck, wenn wir Eucharistie feiern. Doch noch viel mehr: Im Akt der Eucharistiefeier sind Mission und Vision der Kirche zusammengeführt und verdichten sich zu ihrem höchsten Ausdruck. Im Mahlhalten erfahren wir Gemeinschaft besonders intensiv, erahnen wir, dass wir zu einem Leben berufen sind, gegen welches unser irdisches Dasein nur ein schwacher Abglanz ist. Wir begegnen DEM, der uns in der Eucharistie Speise und Trank ist und uns uneingeschränkt und vorbehaltlos liebt.

Wie Gott mit Noach und seinen Söhnen einen Bund geschlossen hat und der Regenbogen sichtbares Zeichen dieses Bundes war, so ist für uns katholische Christen die Eucharistiefeier das sichtbare Zeichen des Neuen Bundes. Wer die Eucharistie feiert, hält am Bund mit Gott fest und begegnet ihm! Auch von uns Christen des 21. Jahrhunderts soll es später einmal heißen, was von den Christen aus Abitene im 4. Jahrhundert überliefert ist: „Ohne den Tag des Herrn können wir nicht leben!“

Darum lege ich es allen Priestern und Christgläubigen unserer Diözese ans Herz, neben all unserem christlichen Tun, der Eucharistie die ihr gebührende Bedeutung zu geben, sie insbesondere am Sonntag gemeinsam zu feiern und dadurch unsere christliche Identität zu wahren.

Liebe Schwestern und Brüder, gehen wir beim Herrn selber in die Schule! Lassen wir uns von IHM beraten, und wir werden als Christen unsere Mission erkennen, unsere Vision klar vor Augen haben und unsere Identität nicht verlieren! Wenn wir daran festhalten und unser christliches Profil durch unser Leben bezeugen – in unseren Familien und Pfarrgemeinden, in Alltag und Beruf –, dann bleiben Glaube und Kirche auch in bewegter und herausfordernder Zeit „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“. Dann bleiben kirchliche Worte und Werke wichtiger Bestandteil unserer modernen Gesellschaft, die sie wesentlich aufbauen, mittragen und bereichern. Allen, die sich in unserer Diözese und ihren Pfarrgemeinden dafür einsetzen, sage ich als Bischof von Herzen „Vergelt´s Gott“!

In diesem Zusammenhang darf ich an die traditionelle „Fastenaktion“ erinnern, die in unserer Diözese auch in diesem Jahr wieder stattfindet. Ich bitte um tatkräftige Unterstützung dieser Aktion der Mitmenschlichkeit und danke vielmals für alle bisherige Hilfe, die authentischer Ausdruck christlichen Profils ist!

Mit den besten Wünschen für eine fruchtbare Fastenzeit, in der wir mehr als sonst beten, fasten und teilen, sowie für ein frohes Osterfest grüßt und segnet Euch

+Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt

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