Diözese Eisenstadt - Menü
Aktuell - Menü
Bischof - Menü
Über uns - Menü
Pfarren - Menü
Kirchenbeitrag - Menü
Frauen, Männer, Familie - Menü
Junge Kirche - Menü
Bildung - Menü
Für die Seele - Menü
Info, Hilfe - Menü
Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Mittwoch, 4. Januar 2012

Kanzelwort zur Pfarrgemeinderatswahl 2012

am Fest der Taufe des Herrn (8. Jänner 2012)

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!
Ein sich öffnender Himmel - der Geist Gottes, der von oben herabkommt - Jesus, der Mensch, an dem Gott als seinem geliebten Sohn Gefallen hat: das heutige Evangelium berichtet von der Taufe Jesu in Bildern, welche unser Vorstellungsvermögen übersteigen. Zu gewaltig, zu plakativ erscheint das hier beschriebene Hereinkommen des Himmlischen in die Welt, zumal dem modernen Menschen, der mit den von ihm konstruierten Raketen den geografischen Himmel zwar längst erobert hat, aber beständig hin- und her gerissen ist zwischen seiner Größe als Entdecker und seinem Elend als Suchender.

Und dennoch: wir finden in diesen Bildern uns selbst wieder, zeichnen diese doch das Ereignis unserer eigenen Taufe, geben sie doch die Geschichte und Bestimmung eines jeden Einzelnen von uns wider! Es sind Bilder, die uns meinen und die Anlass zu einer Freude sein müssten, die uns über jedes Elend erhebt: Gott hat sich unser Leben gewünscht, hat auf uns gewartet mit offenen Armen und sich danach gesehnt, dass wir zu ihm kommen - zuerst mit unseren Eltern, die uns zur Taufe gebracht haben, später durch unsere eigenen Schritte auf einem Lebensweg, der, wenn er Erfüllung, Sinn und Ziel haben will, auf Gott ausgerichtet ist. Im Kreis gehen nur die Heiden, wusste schon der heilige Augustinus zu sagen.

So sind wir durch die Taufe berufen zur Heiligkeit. Durch die Taufe wurde das Siegel der Gotteskindschaft unauslöschlich in unser Herz geprägt und haben wir Anteil erhalten an einer Gemeinschaft, die Raum und Zeit übersteigt. Welch großes Geschenk, welche hohe Würde, welch verantwortungsvoller Auftrag!

Blick auf das Konzil
Vor 50 Jahren haben diese Würde und dieser Auftrag eine bahnbrechende Formulierung erhalten. Am Weihnachtstag 1961 wurde vom seligen Papst Johannes XXIII. das Zweite Vatikanische Konzil angekündigt. Eine Frucht dieses großen Reformkonzils war die Dogmatische Konstitution über die Kirche "Lumen Gentium". Dieses Konzilsdokument lehrt das „gemeinsame Priestertum aller Gläubigen“, welches zum Wesen des Weihepriestertums als eigene Größe hinzutritt und den Laien in der Kirche auch begrifflich einen Platz von unverzichtbarer Bedeutung und unverbrüchlicher Würde zuweist. Demnach ist der Laie in der Kirche beauftragt, am Heilswirken der Kirche teilzunehmen, sich auch zu gewissen kirchlichen Diensten heranziehen zu lassen. Er soll jedoch, so die Konzilsväter, seine christliche Hoffnung vor allem durch die Strukturen des Weltlebens ausdrücken. Die ihm vorbehaltene Verkündigung bekommt ihr besonderes Gewicht gerade dadurch, dass sie die Botschaft Christi im Alltag der Welt umsetzt und den wesentlichen missionarischen Aspekt verkörpert, dass die Kirche nicht für sich, sondern für die Welt da ist.

Während der Priester aus freien Stücken den Weg der Christusnachfolge in Ehelosigkeit und gehorsamer Verfügbarkeit für den Ruf Gottes geht, ist der Laie berufen, die zeitlichen Dinge zu durchleuchten und in der Welt das zu sein, was die Seele im Körper ist. Beide, Priester und Laie, finden ihren Platz Seite an Seite in der Pfarre als dem Ort, an dem sich kirchliche Gemeinschaft verwirklicht. Dieser Ort braucht, um Seele sein zu können, praktische Beratung und Entscheidung. Er benötigt das unverzichtbare Wirken und das Charisma seiner Pfarrgemeinderäte.

Die Bedeutung der Pfarrgemeinderäte
In unserer Diözese sind die Pfarrgemeinderäte seit ihrer Einrichtung zu den maßgeblichen Trägern des kirchlichen Lebens in unseren Pfarren geworden. Mit dem jeweiligen Pfarrseelsorger oft im Verborgenen und unbedankt arbeitend, ist es ihrem Engagement zu verdanken, dass sich Kirche vor Ort tatsächlich ereignet. Gemeinsam mit dem Pfarrer sorgen die Pfarrgemeinderäte dafür, dass die Liturgie lebendig gefeiert wird und so Quelle und Höhepunkt unseres Lebens als Christen sein kann; dass die Verkündigung auch jene erreicht, die nicht selbst zur Kirche kommen; dass den Armen und Benachteiligten geholfen wird; dass sich Gemeinschaft in vielen Festen und Feiern ereignet und dass auch bauliche, wirtschaftliche und verwaltungstechnische Aufgaben wahrgenommen werden. In dieser Sorge für die kirchlichen Grunddienste bringen die Pfarrgemeinderäte deutlich ihre Verantwortung als Gläubige zum Ausdruck und wirken am Leitungsdienst mit.

Dabei kommt ihnen die schwierige Aufgabe zu, die in der Pfarre vorhandenen Charismen und Fähigkeiten zu erkennen und diese in das Leben der Gemeinde so zu integrieren, dass sie zum Aufbau beitragen können. Es ist ein Dienst, der eine solide Grundkenntnis des kirchlichen Auftrags und der kirchlichen Sendung ebenso voraussetzt wie ein klares Selbstverständnis und die Respektierung von Zuständigkeiten. Es ist ein Dienst, der eine gesunde Frömmigkeit verlangt und die mit ihr einhergehende Fähigkeit, die Zeichen der Zeit zu erkennen und auf die Chancen hinzuweisen, die Gottes Geist gerade in Zeiten des Umbruchs für uns bereit hält.

Es ist ein Dienst, der Zeugnis ablegt für Jesus Christus durch das eigene Leben.

Einladung - Ermutigung - Dank
Wenn daher am 18. März dieses Jahres in ganz Österreich die Pfarrgemeinderäte für die kommenden fünf Jahre gewählt werden, dann ist dies nicht nur ein wichtiger Tag für die Pfarrgemeinde, sondern auch für die Kirche in ganz Österreich. Als Bischof lade ich Sie ein, diese Wahl aktiv mitzutragen und mit Ihrem Gebet zu begleiten. Ich bitte Sie herzlich:

1. Suchen Sie nach möglichen Kandidatinnen und Kandidaten, und seien Sie auch selbst bereit zur Kandidatur! Benennen Sie verantwortungsbewusste, gläubige Menschen, welche ihre Begabungen einbringen in die verantwortungsvolle Arbeit der Pfarrgemeinde! Helfen Sie nach Kräften mit, für den kommenden Pfarrgemeinderat ein möglichst großes Spektrum von Personen zu finden, die bereit sind, aus dem Glauben heraus Verantwortung für die Pfarrgemeinde und für den Aufbau der Kirche am Ort zu tragen!
2. Gehen Sie selbst wählen und ermuntern Sie auch andere dazu! Wählen Sie Personen Ihres Vertrauens und erteilen sie ihnen mit Ihrer Stimme den Auftrag, in Ihrem Namen zu handeln und zu entscheiden!
3. Lassen Sie die Pfarrgemeinderäte nicht allein! Mit der Wahl entsteht zwar ein rechtliches Band gegenseitiger Verpflichtung zwischen Pfarrgemeinde und Pfarrgemeinderäten. Es erhält jedoch erst Bedeutung, wenn es in echter Solidarität verantwortungsbewusst gelebt wird. Der Pfarrgemeinderat als zentrales Gremium der Pfarre kann seine Aufgaben nicht ohne die Mitverantwortung und die Unterstützung vieler Pfarrmitglieder erfüllen.

Schließlich möchte ich allen Frauen, Männern und Jugendlichen, die in der zu Ende gehenden Pfarrgemeinderatsperiode ihrer christlichen Verantwortung durch die Mitarbeit im Pfarrgemeinderat nachgekommen sind, für ihre wertvolle Arbeit und für ihr christliches Lebenszeugnis meinen Dank, meine Anerkennung und ein aufrichtiges „Vergelt´s Gott!“ sagen. Ich lade sie aber auch ein, zu überlegen, ob Sie nicht für eine weitere Periode als Pfarrgemeinderat zur Verfügung stehen möchten. Dessen ungeachtet aber bitte ich um ihr Engagement bei der Vorbereitung und Durchführung der Wahl.
Das heutige Fest der Taufe Jesu erinnert uns an unsere eigene Taufe und den Tag, an dem wir Gottes Kinder wurden. Gedenken wir dieser Gotteskindschaft mit Freude und werden wir dadurch - in Treue zum Auftrag und Vermächtnis des Zweiten Vatikanischen Konzils - auf all unseren Wegen zu lebendigen Zeugen eines offenen Himmels und einer von Gott beseelten Welt.

Der dreifaltige Gott - der Vater, der Sohn und der Heilige Geist -, auf den wir alle getauft sind, begleite uns mit Seinem Segen in ein gutes Jahr 2012!

+ Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt