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Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Sonntag, 20. November 2011

Christkönigsfest & Kreuzwegweihe

(Dobersdorf, 20.11.2011)

Wir alle kennen die Redensart: „Einer hat sein Testament gemacht.“ Ein Mensch, der sein Testament macht, steht meist am Ende seines Lebens. Er weiß, dass seine Zeit vorbei ist. Er hinterlässt im Testament, was ihm besonders am Herzen liegt. Er tut dies vor Zeugen, die seinen letzten Willen kennen und dafür sorgen, dass das Testament auch eingelöst wird.
Das Evangelium am letzten Sonntag im Kirchenjahr ist auch ein Testament. Wir hören die letzten Worte, die Jesus zu seinen Jüngern spricht, bevor er leiden muss und getötet wird. In dieser Rede an seine Jünger bringt er das zur Sprache, was ihm wichtig ist und worauf es im christlichen Leben eigentlich ankommt. Und die Jünger sind seine Zeugen!

In diesem Testament Jesu geht es letztlich um drei Dinge:

1. Es geht um das Weltgericht. Gemeint ist nicht, dass Gott ein rächender und strenger Vater ist, der uns mit der Hölle und dem Fegefeuer droht, um uns Angst zu machen – wie man ihn früher gerne in Predigten und Bildern darstellte. Im Gegenteil, es geht viel mehr um das Bild von Gott als den Guten Hirten, von dem die erste Lesung aus dem Buch Ezechiel bildhaft aber treffend spricht. Gott als Hirte, der die Herde, die Menschen sucht, sich um sie kümmert, sie zurückholt, sie ruhen lässt, stärkt, verbindet und behütet.

2. Es geht um die gelebte Menschlichkeit. Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Die gelebte Menschlichkeit – das ist der eigentliche Maßstab christlichen Lebens. Was heißt das? Letzter Maßstab ist also nicht allein die Rechtgläubigkeit, nicht die lückenlose Befolgung von Glaubenslehren u. Geboten, nicht das Vorweisen eines tadellosen und sündenlosen Lebens, sondern die gelebte Menschlichkeit gegenüber den Ärmsten und Geringsten. In ihnen begegnen wir Christus! „Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Jesus ist zu finden in den Armen und Hilfsbedürftigen. Das, was wir Christen für sie tun, tun wir für Jesus und wir tun zugleich das, was Jesus selber getan hat als er sich den Ausgestoßenen und Notleidenden zuwandte.

3. Es geht letztlich um die Liebe. Wer sich in der Liebe bewährt, ist gerettet, erlangt das ewige Leben. Aber wozu dann noch der Glaube? Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir in der Liebe nicht vollkommen sind. Wir sind nicht so weit, dass der Mitmensch im Mittelpunkt unseres Denkens und Tuns steht, sondern oft nur das eigene Ich. Im Glauben kommen wir zur Überzeugung, dass das, was uns fehlt, durch die Liebe Gottes ergänzt wird, so dass wir bestehen können. Wir glauben an die Liebe Gottes. Wir empfangen sie umsonst und wir sollen sie daher anderen umsonst auch weitergeben.
Wenn unsere oft kleinen, unscheinbaren und unsichtbaren Taten an den ärmsten und geringsten Menschen das Wesentliche im Leben sind und ich in ihnen Christus selber begegne, dann steht nicht die Angst vor einem drohenden Gott am Ende, sondern die dankbare Erleichterung. Dann habe auch ich die Chance, gesagt zu bekommen: „Komm her, der du von meinem Vater gesegnet bist, nimm das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für dich bestimmt ist.“ Wie die Jünger damals, so sind wir Christen heute Zeugen von Jesu Testament: Was ihr für den Geringsten meiner Brüder und Schwestern tut, das tut ihr auch mir.

Lösen wir Jesu Testament im Alltag des Lebens ein, und begegnen wir jedem Menschen mit Achtung und Liebe, weil nur das bei Gottes Gericht zählt!
Der neue Kreuzweg, den wir heute hier in der Pfarrkirche Dobersdorf weihen erinnert uns alle an Jesu Leben, Leiden, Tod und Auferstehung – dass er uns allen den Weg vorausgegangen ist, der uns zum Leben in Fülle führt. Das Geheimnis seines Lebens- und Leidensweges ist und bleibt die Liebe. Die neuen Kreuzwegstationen in Eurer Kirche sind Stationen der Liebe Jesu zu Gott und den Menschen. Das betende Nachgehen des Leidensweges Jesu will unsere Liebe zu Gott und den Mitmenschen stärken und vertiefen. Betet daher als Pfarrgemeinde oft und gerne den Kreuzweg und Eure Liebe zu Gott und den Mitmenschen wird wachsen, Ihr werdet Euch ein waches Auge und Herz für Eure Mitmenschen, besonders jene in Not, bewahren!

Vergelt´s Gott sage ich allen, die diesen schönen Kreuzweg gespendet haben! Der neue Kreuzweg will Euch Dobersdorfern helfen, dass Ihr im leidenden und gekreuzigten Jesus den auferstandenen und verherrlichten Christkönig erkennt und Jesu Testament der Liebe nicht vergesst – ja mehr noch als Dauerauftrag seht!
Möge Christus, der König am Kreuz, seine schützende Hand über einen jeden einzelnen von Euch, Eure Familien und Eure Pfarrgemeinde halten! Amen.

+ Ägidius J. Zsifkovics

Bischof von Eisenstadt

Freitag, 11. November 2011

Kanzelwort zum Martinsfest 2011

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Vor genau 90 Jahren ist unsere Heimat Burgenland zu Österreich gekommen. Und bereits damals hat der Burgenländische Landtag beschlossen, diesem jüngsten „Kind von Österreich“ den heiligen Martin von Tours als Landespatron zu geben.  So ist das Fest unseres Landes- und Diözesanpatrons eine Einladung, innezuhalten und erneut auf diesen großen Menschen, Christen und Hirten zu schauen.

Martinus, vor mehr als 1600 Jahren verstorben, bleibt auch im 21. Jahrhundert eine faszinierende, höchst aktuelle Persönlichkeit, deren Wesen den herausfordert, der sich ihr ernsthaft nähert. Dabei sind es zwei Aspekte, die  dieser Gestalt heute besondere Aktualität verleihen.

Zum einen: Martin war ein echter Europäer. Im heutigen Ungarn geboren, verbrachte er seine Jugend in Italien, diente als römischer Soldat in Frankreich, war später in Deutschland stationiert, bevor er nach Pannonien zurückkehrte und über Italien erneut nach Frankreich kam, wo er als Bischof von Tours starb. Ein Mann also, der Grenzen überwand und die Vielfalt an Sprachen und Kulturen, Sitten und Traditionen kennen- und auch schätzen lernte.

Der andere Aspekt: Martin lebte an einer Zeitenwende. Die Antike ging zu Ende, das Römische Weltreich zerbrach, unter dem wogenden Ansturm wandernder Völker begann eine neue Zeit. In dieser Welt des Umbruchs und der sich verschiebenden Grenzen, ja man darf sagen: in einer gänzlich aus den Fugen geratenen Welt versuchte Martin das Christentum zur Grundlage des Lebens und Handelns zu machen – für sich wie für Andere. Damit strahlt seine Leuchtkraft weit herüber bis in unsere Zeit und vermag den Ausgang aus dem dunklen Labyrinth gesellschaftlicher Orientierungslosigkeit und aktueller Sinnkrisen zu erhellen.

Ein Philosoph des 20. Jahrhunderts hat einmal gesagt, Europa wird auf vollen Lebensmittelreserven und Rohstoffspeichern verhungern, wenn ihm der Glaube an die Zukunft verloren geht. Mit Zukunft war nicht weniger als Gott gemeint. In der jetzigen Zeit des Umbruchs, der Verunsicherung und neuer Herausforderungen in Kirche und Gesellschaft ist der Blick auf unseren Landes- und Diözesanpatron weit mehr als ein Jubiläumsakt von Patrioten. Weil Gestalt und Tat des Martinus die seelische Erneuerung, den inneren Aufbruch des Einzelnen zeigen, haben sie das Format für eine zivilisatorische Erneuerung! Durch sein immerwährendes Bild teilt Martin noch immer mit uns, gibt er uns drei große, leuchtende Antworten auf die Fragen unserer Zeit und legt dabei seinen Mantel bergend über unseren eigenen Lebens- und Glaubensweg.

Die erste Antwort: Verweigerung gegenüber den Werten der Welt 

Martin war ein entschlossener, zutiefst geistlicher Mensch-Christ-Mönch-Hirte. Obwohl ihn eine große Karriere beim Militär erwartete, erkannte er, dass Gott es ist, der ihn zum Dienst ruft – und er ist diesem Ruf auch entschlossen gefolgt. Im heutigen Worms hat er den Wehrdienst verweigert und – zunächst erfolglos – gebeten, aus dem Heeresdienst ausscheiden zu dürfen. Martinus, Mann der Stille und des Gebetes, war „Verweigerer“ – ein Verweigerer dessen, was seinem Weg hin zu Gott und zur eigenen Mitte zuwiderlief. Wie steht es um unsere Entschlossenheit bei der Verweigerung gegenüber all dem, was uns an der Gottsuche behindert? Wie stark widerstehen wir dem Fegefeuer der Eitelkeiten im gesellschaftlichen, persönlichen, ja selbst religiösen Leben? Geben wir nicht meist äußerer Aktivität und Selbstdarstellung den Vorrang, in der irrigen Meinung, dass nur sie uns zu erfolgreichen Menschen macht? Vernachlässigen wir nicht allzu leicht die innere Einkehr und Stille, Gebet und Gottesdienst? Martin setzte in seinem Leben das Sein vor den Schein und vor das Haben. Das führt direkt zur zweiten Antwort, die sein Bildnis uns gibt:                                                

Sein statt haben!

Martin war ein sozialer Mensch-Christ-Mönch-Hirte. Mit seiner Tat des Mantelteilens mit dem Armen ist er in der ganzen Welt bekannt und unvergesslich geworden. Der Heilige hat nicht lange überlegt, auf Andere verwiesen oder Kommissionen zur Erforschung von Bedürftigkeit eingesetzt, sondern er selbst war solidarisch mit seinem Nächsten, der in Not war. Caritas statt Commissionitis, liebender Pragmatismus statt erstickenden Bürokratismus! Martin hat das Wort Jesu im Evangelium in seinem Leben erfüllt: „Was ihr für den geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Laufen wir in unserem trotz Finanzkrise immer noch gewaltigem Wohlstand und Anspruchsdenken nicht Gefahr, ständig den eigenen Profit und Vorteil zu suchen? Wie gerne teilen wir wirklich – unsere Zeit, unser Geld, Liebe und Verständnis, anstatt in eine Charity-Scheinwelt abzudriften? Dies führt zur dritten Antwort, die uns das Bild unseres Patrons gibt:

Baut echte Brücken!

Martin war ein Friedensstifter und Brückenbauer als Mensch-Christ-Mönch-Hirte. Sein  Biograph und Weggefährte Sulpicius Severus berichtet uns von einer Reise kurz vor Martins Tod in eine Pfarrei, um die dort streitenden Menschen zu versöhnen. Ein Mann dieses Kalibers konnte zum großen Bindeglied zwischen Rom und dem Reich der Franken werden. Dieses sein Bemühen um Einheit ist Verpflichtung auch für uns. Braucht es nicht gerade in der Kirche unserer Tage wieder mehr Brückenbauer und Friedensstifter als Aufrufer zu Spaltung und „Ungehorsam“? Wie wollen wir die Spaltungen der Welt überwinden, wenn es uns nicht einmal gelingt, im eigenen, kleinen Haus für Eintracht zu sorgen? Folgen wir mutig dem Aufruf des seligen Papstes Johannes Paul II. an uns, der bei seinem Pastoralbesuch in unserer Diözese 1988 ermutigt hat, im Blick auf den heiligen Martin „Brückenbauer“ zu sein – nach außen, hin zu unseren Nachbarn im Osten, aber auch nach innen, hin zum unmittelbaren Nachbarn und Nächsten!

Der Blick auf die Geschichte unseres gesegneten Burgenlandes gestattet alle Hoffnung auf ein Gelingen dieses Bauwerkes. In unserer Landeshymne heißt es: „Mein Heimatvolk, mein Heimatland mit Österreich verbunden. Auf dir ruht Gottes Vaterhand, du hast sie oft empfunden.“ Diese Worte waren einst ein klares Bekenntnis zum christlichen Gottes- und Menschenbild, auf dem unser alter Kontinent Europa und unser Heimatland gründen – in Zeiten des Umbruchs, der Unsicherheit und neuer Herausforderungen sollen wir das nicht vergessen, vor allem die junge Generation nicht!

Wie oft haben die Menschen unseres pannonischen Raumes im Laufe der Geschichte erfahren, dass Gottes Vaterhand auf ihnen ruht! Wie sonst hätten sie die Wirren zweier Weltkriege, vor allem die nationalsozialistische Diktatur mit ihrer menschenverachtenden Politik der Unterdrückung, Verfolgung, Vertreibung und Ausrottung vieler unserer Landsleute wegen ihrer Rasse, Sprache oder Religion bestehen können?  Wie sonst den Wiederaufbau und die Modernisierung unseres Landes, das durch den Fleiß seiner Menschen vom Armenhaus zur Vorzeigeregion Österreichs und Europas wurde, in der das harmonische Miteinander aller Volksgruppen, Konfessionen, Sprachen und Kulturen nach dem Motto „das Eigene lieben, das Andere schätzen“ gelebt wird und damit die große Welt im kleinen Burgenland ihre Probe hält?

Gehen wir diesen Weg weiter – es ist der Weg ganz im Sinne des heiligen Martin! Unser Landes- und Diözesanpatron ist uns dabei Wegweiser, Helfer und Fürsprecher! Möge Gottes Vaterhand die Menschen unseres „teuren Burgenlandes“ in eine gesegnete Zukunft geleiten!


+ Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt

Grußwort Festakademie Martini

(Eisenstadt-Wirtschaftskammer, 11.11.2011)

Eminenz, hochwürdigster Herr Primas von Ungarn, lieber Bischof Paul, liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst, ehrwürdige Schwestern, liebe Mitarbeiter im kirchlichen Dienst unserer Diözese aus dem Bischofshof, den Dekanaten – besonders den beiden Visitationsdekanaten Deutschkreuz und Güssing – sowie aus den Pfarren unserer Diözese!
Sehr geehrter Herr Landesrat und alle Vertreter aus Politik und Gesellschaft!
Dragi vjerniki hrvatskoga materinskoga jezika nase biskupije!

Kedveschne phenja taj phrala la flogoskera grupnatar le Romendar ande amari diözese!
Schwestern und Brüder im Herrn!


Vor genau 90 Jahren ist unsere Heimat Burgenland zu Österreich gekommen. Schon damals hat der Burgenländische Landtag beschlossen, diesem „jüngsten Kind von Österreich“ den heiligen Martin von Tours als Landespatron zu geben. An seinem Festtag sind wir jedes Jahr eingeladen, innezuhalten und auf diesen großen Menschen, Christen und Hirten zu schauen. In der jetzigen Zeit des Umbruchs, der Verunsicherung und neuer Herausforderungen in Kirche und Gesellschaft ist der Blick auf unseren Landes- und Diözesanpatron weit mehr als ein Jubiläumsakt von Patrioten – er gibt Antworten auf Fragen unserer Zeit. In meinem Kanzelwort zu diesem Martinsfest habe ich auf 3 Dinge verwiesen. Martin war als geistlicher Mensch ein Verweigerer dessen, was seinem Weg hin zu Gott zuwiderlief. Martin war ein sozialer Mensch, der mit seinem Nächsten solidarisch war, besonders mit dem, der in Not war. Martin war ein Friedenstifter und Brückenbauer, der immer um Einheit und Versöhnung bemüht war.

Unser 90jähriges Burgenland haben unzählige Menschen mit der Haltung des heiligen Martin aufgebaut und bauen auch heute noch daran mit– geistliche und soziale Menschen, Friedensstifter und Brückenbauer. Im Geist des heiligen Martin trugen und tragen sie zum Wiederaufbau und zur Modernisierung unseres Landes bei, das durch den Fleiß seiner Menschen vom Armenhaus zur Vorzeigeregion Österreichs und Europas wurde, in der das harmonische Miteinander aller Volksgruppen, Konfessionen, Sprachen und Kulturen nach dem Motto „das Eigene lieben, das Andere schätzen“ gelebt wird und damit die große Welt im kleinen Burgenland ihre Probe hält. All das wäre nicht möglich, wenn es in unseren Pfarrgemeinden nicht Menschen gäbe, die wie Martinus aus tiefster christlicher Überzeugung heraus, mit großem Einsatz und aus Liebe zu Gott und den Mitmenschen Kirche und Gesellschaft in unserer Diözese und in unserem Land wesentlich mitbauen und mitgestalten. In diesem Jahr des Ehrenamtes möchte ich daher als Bischof, allen in unserer Diözese Danke und Vergelt´s Gott sagen, die ehrenamtlich arbeiten in der Verkündigung, Liturgie und Caritas und so viel Gutes tun für das Gemeinwohl, damit der Glaube an Gott auch bei uns lebendig bleibt und in die Tat umgesetzt wird. Einiges an ehrenamtlichem Engagement, das sich in unseren Dekanaten und Pfarren ereignet wurde uns stellvertretend für vieles soeben präsentiert.
                                                                                    
Als Bischof möchte ich bewusst die Pfarre und den Pfarrgemeinderat hervorheben. Was wären unsere Pfarren ohne die Pfarrgemeinderäte – dieser kostbaren Frucht des 2. Vat. Konzils?! Mit einer Dankwallfahrt der Pfarrgemeinderäte unserer Diözese im Oktober nach Oberpullendorf haben wir als Diözese den Pfarrgemeinderäten der zu Ende gehenden Periode Danke gesagt für ihren ehrenamtlichen Dienst in unserer Kirche und an unserer Gesellschaft, den pers. Einsatz, das Glaubenszeugnis und die Mitverantwortung für eine lebendige Kirche, die den Menschen nahe sein will – das ist auch Neuevangelisierung!
                                                                  
Unter dem Motto „Gut, dass es die Pfarre gibt“ werden die nächsten Pfarrgemeinderatswahlen am 18. März 2012 in ganz Österreich stattfinden. Das ist daher auch der pastorale Schwerpunkt dieses Arbeitsjahres.

Als Bischof möchte ich viele Christen in unseren Pfarren – bisherige und neue – einladen sich als Pfarrgemeinderäte bei der kommenden Wahl zur Verfügung zu stellen und so aus Taufe und Firmung heraus für die nächsten fünf Jahre konkrete Mitverantwortung für das kirchliche Leben in ihrer Pfarre zu übernehmen. Pfarrgemeinderäte leisten in der Kirche einen wertvollen und bedeutenden Dienst. Sie leben konkret das Apostolat zu dem alle Getauften berufen sind und gestalten durch ihr Engagement die Kirche vor Ort entscheidend mit. In einer Zeit großer Umbrüche in Kirche und Gesellschaft werden sie in den kommenden Jahren gefordert sein, als „Pfadfinder der Frohen Botschaft“ nach Wegen zu suchen, die tieferen Fragen des Menschen aufzugreifen und die Antworten des Glaubens zu vermitteln. Die Pfarrgemeinden brauchen solche Menschen! Schon jetzt lade ich alle neugewählten Pfarrgemeinderäte am Pfingstmontag 2012 zum Domweihfest nach Eisenstadt ein. Ich wünsche unseren Pfarrgemeinden viele Pfarrgemeinderäte – Männer, Frauen und Jugendliche - die wie der hl. Martin zuerst geistliche und soziale Menschen, Zeugen und Türöffner für Gott, Friedenstifter und Brückenbauer sind! Kirche und Gesellschaft brauchen heute mehr denn je Christen wie Martin und nicht Aufrufer zu Spaltung und Ungehorsam!

In unserer Landeshymne heißt es: „Mein Heimatvolk, mein Heimatland mit Österreich verbunden. Auf dir ruht Gottes Vaterhand, du hast sie oft empfunden.“ Möge Gottes Vaterhand die Menschen unseres „teuren Burgenlandes“ in eine gesegnete Zukunft geleiten! Der hl. Martin, unser Landes- und Diözesanpatron ist uns dabei ein Wegweiser und Helfer.
In den Sprachen unseres Landes und der Kirche erbitten ich seinen Schutz für unsere Kirche und Heimat:
Heiliger Martin, bitte für uns!
Sveti Martin, moli za nas !
Szent Márton, könyörögj értünk!
Sancte Martine, ora pro nobis!

+ Ägidius J. Zsifkovics

Bischof von Eisenstadt

Dienstag, 1. November 2011

Hochfest Allerheiligen

(Eisenstadt-Martinsdom, 01.11.2011)

Was sind Heilige? Heilige sind Menschen - Männer und Frauen - die hellwach sind und mit beiden Beinen im Leben stehen. Heilige sind Menschen, die Mut haben und die Partei ergreifen. Heilige sind Menschen, die aus Taufe und Firmung heraus versuchen umzusetzen, was sie  vom Evangelium verstanden haben. Heilig ist, wer in der heutigen Welt Jesu Seligpreisungen lebt und so die Erinnerung an Gott wach hält. Wir alle sind als Christen zur Heiligkeit berufen!

Die Ordensgemeinschaften der Karmelitinnen und Karmeliten gedenken von Oktober 2011 bis Oktober 2012 einer Heiligen: Sr. Teresia Benedicta vom Kreuz - Edith Stein - da sich drei markante Lebensstationen der Heiligen in diesen beiden Jahren jähren: ihr 120. Geburtstag, ihr 70. Todestag und der 25. Jahrestag ihrer Seligsprechung. An Allerheiligen sind wir alle eingeladen, auf diese Jüdin, Atheistin, Christin, Frauenrechtlerin, Philosophin, Karmelitin und Heilige zu schauen.
Edith Stein ist eine Heilige, die für Christen unserer Tage wichtig ist, weil ihr Lebens uns in einzigartiger und spannungsvoller Weise mit dem Heiligen, dem Unfassbaren, mit Gott in Berührung bringen kann. Einerseits stellt ihr Lebensende uns vor die kaum beantwortbare Frage nach Gottes Wirken in der Geschichte: „Wie konnte Gott Auschwitz zulassen?“ Andererseits wird gerade in ihrem Leben die Wirkmächtigkeit Gottes in einer Deutlichkeit greifbar, die auch uns zum Glauben ermutigt. 
Die erste Lebenshälfte von Edith Stein ging steil nach oben, war eine wissenschaftliche Karriere. Die zweite Lebenshälfte aber beugt sich nach unten und innen, geht ins Unauffällige zurück, verschwindet im grauenvollen Dunkel. Wenn ihr jetzt die öffentliche Anerkennung zuteil wird und sie zur Ehre der Altäre erhoben worden ist, dann dürfen wir nicht vergessen, dass zuvor Menschen sie, wie Unzählige andere, die das gleiche Schicksal erlitten haben, brutal aller Würde und Ehre beraubt haben. Deshalb hat Papst Johannes Paul II. in der Predigt zur Heiligsprechung am 11. Oktober 1998 gesagt: „Wenn wir fortan Jahr für Jahr das Gedächtnis der neuen Heiligen feiern, müssen wir uns auch an die Shoah erinnern, an den grausamen Plan, ein Volk zu vernichten. Einen Plan, dem Millionen jüdischer Schwestern und Brüder zum Opfer fielen. Um Gottes und der Menschen willen erhebe ich noch einmal tief betrübt meine Stimme und rufe: Ein solches verbrecherisches Tun darf sich nie mehr wiederholen, an keiner ethnischen Gruppe, an keinem Volk, an keiner Rasse, nirgendwo auf der Welt!“

Edith Steins Leben und Sterben vermag in viele gesellschaftliche Bereiche hinein Anstöße und Impulse zu geben. Sie ist Zeugin des Glaubens und schaut uns mit fragenden Augen als Zeitgenossin an. In unseren Tagen, in denen der Gottesglaube, das Gebet und das öffentlich bezeugte Christentum immer mehr dahinschwinden, will sie uns mit ihrem ungewöhnlichen Lebensweg aufrütteln. Bei vielen Christen kommen der Glaube, der Sonntag mit dem Kirchgang und das Beten schleichend abhanden. Aus einem jüdischen Elternhaus stammend, hat Edith mit 14 Jahren bewusst jeglichen Gottesglauben abgelegt, sich das Beten abgewöhnt. Es begann damit eine lange atheistische Zeit, in der sie auf der Suche nach Gott war. Für eine religiöse Neuorientierung waren zwei Begegnungen in ihrem Leben maßgeblich: Als sie nach dem Tod eines Freundes dessen Witwe trösten wollte, erfuhr sie, dass diese Frau im Glauben soviel Kraft fand, dass sie in der Lage war, ihr noch Trost zu geben. Nun begann Edith, das Neue Testament zu lesen. Das zweite wichtige Ereignis für sie war die Lektüre einer Biografie der heiligen Teresa von Avila. Dabei fällte sie drei Grundentscheidungen: Christin zu werden, Katholikin zu werden, Karmelitin zu werden. Die tiefe Erfahrung der Gottesbegegnung führte sie aus einer mehrjährigen Gottsuche und Wüstenwanderung zum Glauben, in dem sie letztlich ihre Heimat gefunden hat.

Uns ein Leben lang um den Glauben bemühen - das können wir von Edith Stein lernen. Im Austausch mit anderen Menschen, die wie wir oft um den Glauben ringen, und im Gebet die Kraftquelle unseres Alltags zu finden. Sie schrieb einmal an eine befreundete Ordensschwester: „Es ist im Grund immer eine kleine einfache Wahrheit, die sich zu sagen habe: wie man es anfangen kann, an der Hand des Herrn zu leben.“

Folgen auch wir dem Rat der heiligen Edith Stein und fangen wir an, an der Hand des Herrn zu leben - ihn in der Heiligen Schrift und im Gebet zu suchen. Wir werden ihn finden - er gibt uns Kraft und Mut zum Zeugnis für ihn. Edith Stein hat es uns vorgelebt und ist heilig geworden. Jetzt sind wir dran, es ihr nachzumachen, um auch auf dem Weg der Heiligkeit voranzukommen. Amen.

+ Ägidius J. Zsifkovics
B
ischof von Eisenstadt