Diözese Eisenstadt - Menü
Aktuell - Menü
Bischof - Menü
Über uns - Menü
Pfarren - Menü
Kirchenbeitrag - Menü
Frauen, Männer, Familie - Menü
Junge Kirche - Menü
Bildung - Menü
Für die Seele - Menü
Info, Hilfe - Menü
Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Freitag, 30. September 2011

Katholischer Familienverband Österreichs

(Martinsdom, 30. September 2011)

Am Gedenktag des hl. Hieronymus sind wir eingeladen auf diesen hochgebil-deten und überaus leidenschaftlichen Menschen und Heiligen zu schauen. Hieronymus war – nach allen Lebensbeschreibungen – leidenschaftlich in seiner Liebe zu Christus, zum Wort der Heiligen Schrift und zur Kirche – Tugenden und Eigenschaften, die einen jeden Christen auszeichnen sollten.
Was den hl. Hieronymus für uns heutige Menschen so sympathisch macht ist, dass er neben allen Tugenden u. Begabungen ein Mensch war, dessen mensch-liche Schwächen, Grenzen und Eigenheiten unübersehbar sind. Alle Heiligen, die wir als Vorbilder im Glauben verehren, sind Menschen gewesen wie wir, mit Stärken und Schwächen. Sind sie uns so nicht besonders nahe? Wir Menschen-Christen von heute brauchen mehr denn je die 3 Eigenschaften des Hieronymus

Liebe zu Christus.
Das Evangelium Jesu Christi ist nicht ein Lehrgebäude oder eine Weltverbesser-ungstheorie, es ist die Person Jesu Christi selbst, der lebendige Gott, auf den Christen bauen und vertrauen – es ist das Geschenk einer Freundschaft, die im Leben und im Sterben trägt. Gerade weil das Christentum mehr ist als Moral, eben das Geschenk einer Freundschaft, darum trägt es in sich eine große moralische Kraft, deren wir angesichts der Herausforderungen unserer Zeit so sehr bedürfen. Die Freundschaft zu Jesus Christus ist die Ursache und das Fun-dament unseres Glaubens, die gesucht, gelebt und erfahrbar werden muss – im persönlichen Leben, in unseren Familien und Pfarrgemeinden.
Der Katholische Familienverband Österreichs trägt wesentlich dazu bei, dass die Botschaft Jesu in unserer Gesellschaft lebendig bleibt, die Familie als Säule unserer Gesellschaft gestärkt wird und viele Menschen zur Freundschaft mit Jesus finden – Vergelt´s Gott für diesen wichtigen, nicht immer leichten Dienst!

Liebe zum Wort der Heiligen Schrift.
Seine Liebe zum Wort der Heiligen Schrift zeigt der hl. Hieronymus wohl in der Übersetzung der Bibel aus dem Hebräischen ins Lateinische – die sog. Vulgata.
Ein bekannter Satz des hl. Hieronymus sagt: „Die Schrift nicht kennen heißt Christus nicht kennen.“ Für Hieronymus stand fest, dass wir dem Wort Gottes in der Heiligen Schrift begegnen und dass wir uns diesem Wort immer wieder von Neuem stellen müssen – mit geistiger Offenheit, mit Sorgfalt und Liebe.  Ein Blick in unsere Gegenwart zeigt, dass die Menschen-Christen viele Schriften kennen aber trotz kostbarster Ausgaben scheinbar die Heilige Schrift nur wenig oder oft gar nicht kennen. Wie soll dann Christus gekannt und erkannt werden? Die Beschäftigung mit der Heiligen Schrift ist für unseren Glauben und seine Weitergabe lebens- und überlebensnotwendig! Braucht es da nicht gerade heute in der Kirche eine neue „Bibelinitiative“, in unseren Familien und Pfarrge-meinden als Fundament und Ausgangspunkt jeder missionarischen Initiative und Neuevangelisierung? Würde nicht manche Diskussion um die Kirche in den vergangenen Wochen anders verlaufen, wenn sie von der Sorge um und der Liebe zum Wort Gottes in der Heiligen Schrift geleitet wäre?
Der Katholische Familienverband Österreichs tritt für die biblische Wahrheit vor allem in Blick auf die Familie in unserer Gesellschaft ein – Vergelt´s Gott für diesen herausfordernden und oft unbedankten Dienst am Gemeinwohl!

Liebe zur Kirche.
In allen Lebensbeschreibungen des hl. Hieronymus wird gesagt: Er war ein Mann von hoher Bildung und Wissensdrang, heftigem Charakter und einer großen Liebe zu Christus und seiner Kirche. In allen Phasen seines Lebens und Wirkens hat er seine ganze intellektuelle und geistliche Kraft eingesetzt, um die Lehre der Kirche unverfälscht weiterzugeben und gegen Irrlehren und Anfein-dungen zu verteidigen. Braucht es nicht auch heute diese Liebe zu Christus und seiner Kirche von Klerus und Laien? Die Kirche ist kein Selbstzweck, sondern sie ist Zeichen und Werkzeug, um den Glauben lebendig zu halten u. Bedingungen zu schaffen, damit Gott heute erfahrbar wird. Kirche hat die Funktion des „Tür-öffnens für Gott.“ Die horizontale Vereinseitigung der Kirche und die Verdunke-lung Gottes durch das „Bodenpersonal“ ist oft die Ursache, warum Menschen Gott in der Kirche nicht mehr wahrnehmen können. Deshalb ist es wichtig, dass diejenigen, die Kirche sind und in ihrem Namen handeln sich mit den Zielen der Kirche identifizieren und mit der Kirche denken, fühlen und handeln. Die Liebe zu Christus und seiner Kirche gibt dem Christen Kraft und Mut für Jesus Zeugnis abzulegen und lässt die Kirche anziehend und missionarisch werden.
Der Katholische Familienverband Österreichs ist stets bemüht zu Christus und seiner Kirche zu stehen – Vergelt´s Gott dafür, es ist nicht selbstverständlich!
Vom hl. Hieronymus können wir trotz menschlicher Schwäche die Liebe zu Christus, die Liebe zum Wort der Heiligen Schrift und die Liebe zur Kirche lernen. Mögen auch wir uns um diese 3 Eigenschaften als Christen mühen!
Amen.

+Ägidius J. Zsifkovics

Bischof von Eisenstadt

Sonntag, 18. September 2011

Kreuzerhöhungsfest im Stift Heiligenkreuz

(18. September 2011)

Lieber Vater Abt Maximilian mit dem Konvent des Stiftes Heiligenkreuz!
Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst! Ehrwürdige Schwestern! Liebe Seminaristen des Leopoldinums und Studenten der Ordenshochschule!
Zum Festgottesdienst versammelte Schwestern und Brüder im Herrn!

Der Wahlspruch des Kartäuser-Ordens lautet: „Stat crux dum volvitur orbis – Das Kreuz steht, während die Welt sich dreht.“
Dass die Welt sich dreht, dass erfahren wir Menschen täglich neu. Wir erleben unglaubliche Veränderungen in Politik, Kirche u. Gesellschaft, im persönlichen Leben sowie im Zusammenleben der Völker, ungeahnte technische Erfindungen, wissenschaftliche Entdeckungen, revolutionäre Systeme der Information und Kommunikation sowie rasante Wissenszuwächse auf allen Gebieten.
Die Welt ist zum Dorf geworden. Viele sagen: Es geht mir alles viel zu schnell, ich komme kaum mehr mit. Andere machen darauf aufmerksam: Bleiben bei diesen rasanten Veränderungen nicht wichtige Werte des Menschseins auf der Strecke, Werte wie Glaube u. Spiritualität, Zuverlässigkeit u. Treue, Besinnung u. Stille, Grundsätze und Normen? Steht nicht unser Menschsein überhaupt auf dem Spiel: das Leben und das Überleben? Aus der täglichen Erfahrung wissen wir: Je schneller ein Rad sich dreht, desto fester muss die Nabe verankert sein, sonst macht sich das Rad selbständig. Braucht unser Leben nicht auch so eine zentrierende Mitte? Was ist es, das die Welt im Innersten zusammenhält?
„Stat crux dum volvitur orbis - Das Kreuz steht, während die Welt sich dreht.“
Für Christen ist die Mitte der Welt und des Lebens Jesus, der gekreuzigte und auferstandene Herr. Und das Kreuz, das wir im Licht von Ostern sehen, ist das Kennzeichen unseres Christseins. Am heutigen Festtag schauen wir nicht auf Statistiken, Untersuchungen und Prognosen, wir schauen auf das Kreuz.
Was bedeutet das Kreuz eigentlich? Auf diese Frage gibt es viele Antworten. Ich denke an so manches Gold- oder Silberkreuz am Halskettchen: das Kreuz als  Schmuckstück oder Erkennungszeichen des Christen, ein Bekenntnis zu Gott?

Ich denke an die vielen Wegkreuze auf unseren Straßen, Berggipfeln, Kirchen, in Gerichtssälen, Kindergärten und Schulen als Zeichen des Christentums, das unsere europäische Geschichte und Kultur tief geprägt hat und immer noch prägt – Gott sei Dank bleibt uns das Kreuz im öffentlichen Bereich erhalten!
Ich denke an die unzähligen Kreuze auf unseren Friedhöfen und Kriegerdenkmälern, die an das sinnlose Blutvergießen der beiden Weltkriege erinnern als Zeichen der Hingabe und des Opfers so vieler.
Das alles und noch viel mehr kann das Kreuz bedeuten.

Aber was bedeutet das Kreuz für mich? Das ist wohl die eigentliche Frage.
Es ist zu wenig wenn es nur irgendwo an der Wand hängt. Steht es auch dort, wo es eigentlich auch hingehört: in der Mitte meines Herzens, meines Lebens? Oder ist das Kreuz auch für uns Christen von heute nur mehr Ärgernis, Torheit? Im Zeichen des Kreuzes sind wir getauft. Ein ganzes Leben bezeichnen wir uns mit diesem Zeichen. Immer wieder wird uns Segen zugesprochen im Zeichen des Kreuzes. Selbst auf unseren Gräbern finden wir das Zeichen des Kreuzes. Mit dem Kreuz bekennen wir uns zu Jesus, wir gehören zu ihm, wir sind durch ihn gerettet u. befreit aus Sünde und Tod. Wir stellen uns unter seinen Schutz. Jesus Christus ist die Mitte der Weltgeschichte: Wir teilen die Zeit in die Jahre vor ihm und nach ihm. Sein Leben, sein Sterben und seine Auferstehung bilden die Achse der Weltgeschichte. Am Kreuz scheiden sich die Geister – heute wie damals. Während für die einen das Kreuz Torheit ist, sehen es andere als grausames Folterwerkzeug. Für uns Christen ist das Kreuz Zeichen des Sieges und des Lebens. Denn das Kreuz zeigt Gottes Weisheit und Macht. Das Kreuz steht in der Mitte der Pläne Gottes und damit im Zentrum der Weltgeschichte, denn es hat die Wende der Zeiten heraufgeführt. Durch Jesu Tod am Kreuz ist in die Welt das Heil gekommen. Das Kreuz ist so die Mitte unseres Glaubens  – nicht die Kirche, Amtsträger, Professoren, Laien/Pfarrerinitiativen!

So wie der Weg Jesu durch Leiden u. Tod am Kreuz zur Herrlichkeit des ewigen Lebens geführt hat, so auch unser Weg: Als Weg der Nachfolge Jesu ist er geprägt von der Bereitschaft zur Hingabe, vom Aushalten im Leiden, vom Gehorsam bis zum Tod, vom Bestehen des Sterbens aus dem tiefen Glauben an die Auferstehung und Vollendung. Dadurch ist für uns Christen ein neues Gottesbild verbindlich geworden: Gott offenbart seine Macht in der Ohnmacht. Sein Platz ist an der Seite der Armen und Leidenden, Ausgestoßenen, Kleinen und Entrechteten. Es muss auch unser Platz sein als Christen und Kirche – die Sorge um das Törichte, Schwache, Niedrige und Verachtete in der Welt! Gerade wenn sich die Welt immer schneller dreht, ist es wichtig sie im Lot zu bewahren:   dem Leben Sinn zu geben, den Mitmenschen beizustehen, in Zeiten der Not und Bedrängnis beieinander auszuhalten, im Tod die Hoffnung auf Vollendung nicht zu verlieren. Das Kreuz sagt uns: Sieger der Weltgeschichte ist Jesus Christus – durch die Hingabe seines Lebens für uns und für alle. Wer auf seiner Seite steht, der glaubt daran: „Das Kreuz steht, während die Welt sich dreht.“

Als das Volk Israel auf seinem Weg in das gelobte Land den Mut verlor und sich gegen Gott und Mose auflehnte – so berichtet uns die 1. Lesung aus dem Buch Numeri – hat Gott dem Mose aufgetragen eine Kupferschlange aufzustellen, damit alle, die von einer Schlange gebissen werden, zu ihr aufblicken u. leben. Es ist gut, dass unser Blick am heutigen Festtag auf das Kreuz geht, weil auch wir moderne Christen auf unserer Pilgerschaft müde und mutlos werden, auch uns beißt die Schlange des Zweifels, des Ungehorsams und der Untreue. So ist es nötig, dass in der Hektik des Lebens und in den Verwirrungen des Glaubens wir alle – Klerus und Laien – aufblicken zum Kreuz, das uns immer erinnert:

  • dass Jesus Weg, Wahrheit und Leben ist – unser Heiland und Erlöser;
  • dass wir Jesu Heilstat für uns – Tod und Auferstehung – nie vergessen;
  • dass wir Menschen ein Ziel und eine Bestimmung von Gott her haben;
  • dass unser Leben hier auf Erden trotz Krankheit, Leid und Tod einen Sinn hat, weil uns ewiges Leben bei Gott geschenkt ist;
  • dass wir gerade in Leid und Kreuz, vor allem in der Stunde des Todes bei Maria Zuflucht und Hilfe suchen dürfen, weil sie unsere Not kennt und als Mutter Trösterin, Helferin und Fürsprecherin bei ihrem Sohn Jesus ist.


Wenn wir jetzt am Altar auf dem die kostbare Kreuzreliquie steht und über dem die Kreuzikone hängt gemeinsam Eucharistie feiern, dann wird auch heute das Kreuzesopfer Jesu Christi unter uns Gegenwart, dann sind wir alle hinein genommen in Jesu Tod und Auferstehung, dann sind wir auch mit unseren Verstorbenen über den Tod hinaus verbunden, dann werden wir mit Gnaden reich beschenkt – diesen Segen vom Kreuz erbitte ich uns allen, besonders aber dem gesamten Konvent von Heiligenkreuz mit seinem neuen Abt!

Möge Gott an unseren Verstorbenen, aber auch an uns Lebenden einmal das vollenden, was er in der hl. Taufe an uns begonnen hat, dass wir so auch der Frucht des Kreuzes, unserer Erlösung, teilhaftig werden – und vergessen wir nie:
„Stat crux dum volvitur orbis – Das Kreuz steht, während die Welt sich dreht.“
Amen.

+Ägidius J. Zsifkovics

Bischof von Eisenstadt

Samstag, 10. September 2011

Mariazellerfest im Wiener Stephansdom

(10. September 2011)

Christen haben im Laufe der Geschichte Maria in verschiedenen Bildern dargestellt und unter verschiedenen Namen verehrt und angerufen sowie um ihre Hilfe und Fürsprache gebeten. Viele dieser Namen und Anrufungen finden sich in der Laurentanischen Litanei: Gottesgebärerin – Mutter des guten Rates – Heil der Kranken – Zuflucht der Sünder – Hilfe der Christen. Ein altes Bild aus der Ostkirche zeigt Maria als Wegweiserin. Unter diesem Namen wird Maria angerufen, besonders als Wegweiserin für die Irrenden. Wer die Gnadenstatue von Mariazell kennt, weiß, was sie darstellt: Maria hält das Kind auf dem Arm und zeigt mit dem Finger auf ihren Sohn Jesus. So zeigt uns auch das Gnadenbild von Mariazell Maria als Wegweisern!

Was aber ist die Aufgabe eines Wegweisers? Welche Eigenschaften hat er?
Ein Wegweiser muss fest im Boden verankert sein, damit er jedem Wetter standhalten kann und nicht von jedem Wind hin und her getrieben wird. Maria ist so ein Wegweiser. Sie war fest verankert im Leben und Glauben, in der Kultur und Tradition ihres Volkes. Sie stand mit beiden Füßen im Leben und bewies Treue und Standhaftigkeit gerade in den Wirrnissen und Stürmen des Lebens – bis hin zum Kreuz. Ihr Glaube war geerdet, kannte keine Wundersucht! Braucht es nicht gerade heute Menschen-Christen, die fest im Glauben verankert sind, mit beiden Beinen im Leben und treu zu Glaube und Kirche stehen? Braucht es nicht Menschen-Christen, die in Ehe und Familie, Beruf und Freizeit, mutig zu den christlichen Werten stehen und sich nicht vom Zeitgeist, von Meinungen und Strömungen, die gerade in sind treiben lassen?

Ein Wegweiser muss erkennbar, gut sichtbar und leserlich sein. Maria ist so ein Wegweiser. An ihrem Leben ist deutlich erkennbar + ablesbar für wen sie geht und wohin sie führt. Sie hat nicht nur mit Worten, sondern mit Taten bezeugt, für wen sie geht und wofür sie steht. Sie spricht immer für uns und nie gegen uns. Sie ist in ihrem Leben glaubwürdig und transparent. Braucht es nicht gerade heute Menschen-Christen, an deren Leben erkennbar und ablesbar ist, wofür sie stehen, die so glaubwürdige Wegweiser sind?  Braucht es nicht Menschen-Christen, die ihren Glauben nicht nur diskutieren, sondern auch leben und weitergeben – die beten, den Sonntag feiern, die Sakramente empfangen, mit anderen teilen, ihnen helfen, verzeihen und Gutes tun?

Ein Wegweiser steht immer am Rand, weist den Menschen den Weg zum Ziel. Maria ist so ein Wegweiser. Mit ihrem Leben bestätigt sie, dass nicht sie der Mittelpunkt ist, sondern gerade bei der Hochzeit in Kana steht sie im Hintergrund, hilft sie den in Not geratenen Brautleuten. Sie weist den Menschen den Weg zum Ziel, wenn sie sagt: „Was er euch sagt, das tut!“  Braucht es nicht auch heute in Kirche und Gesellschaft Menschen-Christen wie Maria, die sich nicht selbst darstellen, zum Mittelpunkt und Ziel machen, sondern die am Wegrand, im Hintergrund stehen und still, aufmerksam und einfühlsam anderen helfen, den Weg zum Ziel weisen und tun, was Jesus sagt? Braucht es nicht Menschen-Christen, die sich selbstlos für andere einsetzen und dem Nächsten – vor allem denen in Not – dienen und beistehen, nicht deshalb, dass sie dafür gelobt werden oder einen Vorteil daraus haben, sondern aus echter Nächstenliebe und Solidarität.

Unserer Liebe Frau von Zell – der Großen Mutter und Wegweiserin Österreichs – vertrauen wir unsere Kirche und Gesellschaft an, um von ihr die Eigenschaften des Wegweisers zu lernen, dass wir im Leben und im Glauben feststehen, als Christen erkennbar und glaubwürdig sind, still im Hintergrund wirken und dabei jene am Rand nicht vergessen sowie Menschen den Weg zum Ziel weisen!
Maria – du Wegweiserin – sei mit uns und bleibe mit uns auf dem Weg! 
Magna Mater Austriae, Magna Domina Hungarorum, Alma Mater Gentium Slavorum, ora pro nobis!
Amen.

+Ägidius J. Zsifkovics

Bischof von Eisenstadt

Freitag, 9. September 2011

Österreichische Polizeiwallfahrt in Mariazell

(9. September 2011)

An den Beginn dieser Predigt möchte ich folgende Geschichte stellen: 
Auf einem Spaziergang am Rande der Stadt begegnete nachts ein Rabbi einem Mann, der ständig hin und her lief. Der Rabbi fragte ihn: „Für wen gehst du?“ Der Mann antwortet: „Ich wache nachts über die Häuser hier. Das ist mein Auftrag. Doch sag mir: Für wen gehst du eigentlich?“ Diese Gegenfrage traf den Rabbi wie ein Blitz und er antwortete mühsam: „Noch gehe ich für niemanden.“
Eine etwas seltsame Geschichte. Der eine tut seinen normalen Wachdienst, läuft anscheinend sinnlos hin und her, kennt seinen Auftrag, weiß, für wen er geht. Der andere, ein frommer Rabbi, ist überrascht/aufgescheucht durch die Frage und bilanziert sein bisheriges Leben: „Noch gehe ich für niemanden.“ 
So ist es oft: Der eine weiß, für wen er geht. Der andere, in dieser Geschichte der Rabbi als religiöser Profi, ist in Gefahr in Routine zu verfallen und nicht zu wissen, für wen er geht, für wen er das alles tut: „Noch gehe ich für niemanden.“
Für wen gehen wir eigentlich, für wen gehst du, lieber PolizeibeamterIn?
Manche von Ihnen werden sagen: Ich gehe für meinen Beruf. Ich denke Sie alle haben aus Interesse und Leidenschaft den Beruf des Polizisten gewählt. Ihr Beruf ist längst mehr als nur ein Wachdienst. Es ist ein Beruf, der mit dem Menschen in seinen schönen und schweren Situationen des Lebens zu tun hat, vor allem aber auch in Ausnahmesituationen. Es ist ein Beruf, der neben Kompetenz und Psychologie auch viel Menschlichkeit und Umsicht abverlangt. Ich weiß um ihre täglichen Herausforderungen und Überforderungen, zum richtigen Zeitpunkt das richtige zu sagen und zu tun – das in Ausnahmesituationen, in Bruchteilen von Sekunden, bei Verkehrskontrollen, bei schweren Unfällen oder Delikten. Dafür braucht es Wissen, Erfahrung und Liebe zum Beruf! Ich danke Ihnen für Ihren selbstlosen Einsatz für unsere Gesellschaft!
Andere wiederum werden sagen: Ich gehe für meine Familie. Die Familie ist wohl die wichtigste Säule der Gesellschaft. Die Familie ist das Fundament auf dem die Gesellschaft gebaut wird und sie ist die Zukunft der Gesellschaft. Die Familie schenkt Liebe, Geborgenheit, Sicherheit und Heimat. Die Familie ist wohl die erste Schule, in der Werte und Haltungen für das Leben gelernt, gelebt und weitergegeben werden. Wir wünschen uns alle eine intakte  Familie, umso mehr leiden wir, wenn Familie zerbricht und nicht gelingt. Ich denke in Ihrem Beruf sind Sie oft hautnah konfrontiert mit den Freuden und mehr noch mit dem Leid in Familien, was auch für Sie eine Herausforderung ist. Sicher haben Sie dabei auch die Erfahrungen in der eigenen Familie vor Augen, die Ihnen Rückhalt ist und Kraft für Ihren Dienst gibt. Ich danke Ihnen für Ihr Bekenntnis zur eigenen Familie und für Ihren Dienst an der Familie, der letztlich ein Dienst an der Gesellschaft ist!

Und wieder andere werden sagen: Ich gehe für meinen Glauben. Dass Sie heute auf Wallfahrt nach Mariazell gekommen sind, hat wohl auch mit Ihrem Glauben zu tun. Neben der Familie und dem Beruf ist auch der Glaube eine wichtige Säule im menschlichen Leben. Ich weiß, Glaube ist heute nicht in. Ich weiß aber auch, dass viele Polizisten in unseren Pfarrgemeinden mitarbeiten, mit der Kirche vor Ort eng verbunden sind und auch kirchliche Feste und Feiern durch ihren Dienst mitgestalten, die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Ich weiß auch, dass es für Sie schon wegen der Dienstzeiten nicht immer leicht ist am religiösen Leben der Pfarrgemeinde teilzunehmen, um so mehr danke ich Ihnen für Ihr persönliches Glaubenszeugnis und Ihr Engagement in der Kirche!

Das heutige Evangelium lenkt unseren Blick auf eine Person, die genau weiß, für wen sie geht – auf Maria. Die Aufgabe Marias in der Heilsgeschichte ist es die Menschen zu erinnern für wen sie gehen, also an das Ziel und den Sinn des Lebens. Und das ist nicht nur eine Sache oder eine Idee, sondern eine Person: Jesus Christus, auf den Maria im Gnadenbild von Mariazell mit dem Finger zeigt! Maria ruft deshalb immer zur Umkehr auf. Aber Umkehr wohin?
Will sie die Menschen etwa zur Selbstsuche und Selbstfindung führen wie das heute viele in Meditationskursen und esoterischen Praktiken für Geld anbieten?
Will sie die Menschen etwa um sich sammeln, für sich gewinnen wie es heute viele selbsternannte Gurus gerne tun, um sie auszubeuten und zu missbrauchen?
Maria. ist ein Mensch, der weiß, für wen er geht. Es geht nicht um sie, es geht um einen Größeren. Sie möchte uns Menschen zu ihrem Sohn Jesus führen!

Damit Gott einen Weg findet, um bei den Menschen anzukommen, müssen so manche Hindernisse und Unebenheiten beseitigt werden. Nicht immer sind die Straßen, auf denen ich mich durchs Leben bewege, günstig für eine Begegnung mit Gott. Oft hetze ich viel zu schnell auf der Autobahn meiner vielen Verpflichtungen von einem Termin zum nächsten und kann unmöglich anhalten, um Gott bei mir einsteigen zu lassen. Ein anderes Mal gerate ich in eine Sackgasse, wo es keinen Ausweg gibt. Oder ich fahre endlos im Kreisverkehr, ohne die richtige Ausfahrt zu finden. Häufig stecke ich auch im Stau fest und habe das Gefühl, mit meinen Vorhaben keinen Zentimeter voran zu kommen.
Maria erinnert uns: Für wen gehst du? Sie stellt auch uns heute diese Frage und ruft uns zur Umkehr – nicht zur Selbstfindung, sondern zur Hinwendung zu Gott, der zu uns kommen will.
Ich wünsche uns allen, dass wir wissen für wen wir gehen und sagen können: Ich gehe für meinen Beruf, Familie und Glauben! Möge diese Wallfahrt uns allen, besonders Ihrem Berufsstand, Ihnen persönlich sowie Ihren Familien zum Segen werden!  Unsere Liebe Frau von Mariazell erinnert uns nicht nur an die Frage: Für wen gehst du? Maria ist vielmehr mit uns auf unserem Lebens- und Glaubensweg als Wegweiserin und Helferin!
Amen.

+Ägidius J. Zsifkovics

Bischof von Eisenstadt

Donnerstag, 8. September 2011

Patrozinium der Basilika Frauenkirchen

(8. September 2011)

Am heutigen Festtag – dem Patrozinium dieser prächtigen Basilika von Frauenkirchen – lenkt die Kirche unseren Blick auf Maria.  In der Laurentanischen Litanei besingt die Kirche in ihren Anrufungen, was Gott Großes an Maria getan hat. Ich möchte eine neue Anrufung anfügen, die etwas merkwürdig klingen mag: Du kreuzfidele Jungfrau. Kreuzfidel meint, dass als Frucht des Kreuzes den Menschen das geschenkt wird, was wir unter fidel zu verstehen haben. Fidel hat eine dreifache Bedeutung. Es meint: gläubig, treu und fröhlich. Kein Mensch hat so sehr im Schatten des Kreuzes gestanden wie Maria, darum ist in keinem Menschen so sichtbar geworden, was gläubig, treu und fröhlich ist. Von Maria können wir Christen diese 3 Haltungen lernen.

Maria hatte einen skandalfesten Glauben. 
Nachdem der Engel Gabriel sie in ihrem Haus in Nazaret wieder verlassen hatte, wird uns nichts berichtet, dass ihr je wieder ein Engel erschienen ist. Maria blieb mit ihren Unbegreiflichkeiten allein zurück. Wie musste sie das Missverständnis des heiligen Josef treffen; die ärmliche Geburt des Gotteskindes in einem Stall; die Flucht vor dem Tyrannen Herodes nach Ägypten; die Begleitung des Sohnes am Kreuzweg. Wo blieben denn jetzt all die großen Verheißungen Gottes? Maria brauchte einen Glauben, der diesen Skandalen und Herausforderungen gewachsen war. Sie lebte ständig in Überforderungssituationen. Die Nähe zum Herrn ließ sie nicht unterliegen, sondern überstehen.  Glauben heißt marianisch, in der Nähe Jesu leben. In der Nähe Jesu leben heißt aber auch immer, in der Reichweite des Kreuzes sein. Der Glaube an den Herrn ließ sie trotz aller Schwierigkeiten und Herausforderungen bestehen.  Geht es uns in unseren täglichen Sorgen in Familie, Kirche + Gesellschaft nicht wie Maria – auch wir brauchen heute mehr denn je einen skandalfesten Glauben, der sich vom Wort Gottes, dem Gebet und Empfang der Sakramente nährt?
Maria lebte die Treue.

Gottes unverbrüchliche Treue zu seinem Volk, fand ihr Echo im JA und in der Treue Mariens. Mit Maria konnte Gott rechnen, auf sie war Verlass. Sie war treu bis zum Kreuz, selbst als die Jünger den Herrn verraten und verlassen haben, bleibt sie standhaft und treu.
Gott braucht heute mehr denn je treue Menschen, auf die er sich verlassen kann, komme, was da kommen mag; die zu ihrer übernommenen Aufgabe in Weihe-, Gelübde- und Eheversprechen stehen, komme, was kommen mag. Sie bilden die stille Reserve der Kirche, von der sie zehrt und ihren Heilsdienst vollzieht. 
Die Treue der Eheleute garantiert Kindern das sorgenfreie Leben in der Familie. 
Die Treue des Priesters garantiert einer Gemeinde die Eucharistie+Lossprechung
Die Treue der Ordensleute garantiert uns die vielfältigen Dienste in Spital, Schule und Gemeinden. Was wäre unsere Kirche und die Welt ohne Treue!  Weil Gott treu ist, ist Treue möglich, wie bei Maria. Die Liebe zu ihm lässt Maria bis zum Kreuz treu sein. Unsere geschwisterliche Verbundenheit zu Maria lässt uns treu sein wie sie. Braucht es nicht heute mehr denn je treue Laienchristen und auch Geweihte: Bischöfe, Priester und Ordensleute?

Maria ist fröhlich, darum singt sie.
Von Maria kommt das schönste Lied, das wir Christen haben: das Magnificat. Die Fröhlichkeit Mariens liegt nicht in ihrer glücklichen seelischen Veranlagung in ihr und nicht in den günstigen Verhältnissen um sie herum. Die Fröhlichkeit Mariens gründet allein in der Nähe zum Herrn. Die Fröhlichkeit ist ein Echo auf die Gottesnähe, während die Angst ein Reflex der Gottesferne ist. Darum gibt es eigentlich keine Christenangst, sondern nur Heidenangst. „Hast du wieder eine Heidenangst“, sagen wir zu ängstlichen Menschen. Die Nähe Christi war Maria erfahrbar in der täglichen Begegnung mit dem Kreuz. So gibt es auch für uns kein Leben ohne Kreuz und Leid. Wollen moderne Christen nicht oft ein Leben ohne Kreuz und Leid, auch einen Glauben, der Kreuz und Leid ausklammert?

Maria ist unsere Mutter und Schwester, weil sie die Frau in der Nähe des Kreuzes ist. Deshalb wissen wir sie auch in unserer Nähe, weil auch wir unter dem Schatten des Kreuzes stehen. Maria möchte uns kreuzfidel anstecken, indem unser Herz gläubig, treu und fröhlich wird. 
Unsere Liebe Frau von der Heide – du kreuzfidele Jungfrau – erbitte uns modernen Christen die Gnade des Glaubens, der Treue und der Fröhlichkeit!
Amen.

+Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt

Dienstag, 6. September 2011

Homilie Arbeitsjahreröffnung 2011/12

(Dom, 6. September 2011, 09.00 Uhr)

Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst!

Liebe Dienststellenleiter unserer Diözesankurie!
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bischofshofes!
Schwestern und Brüder im Herrn!

Die soeben gehörten Lesungen des heutigen Tages hätten nicht besser gewählt werden können - die Liturgie der Kirche gibt sie uns als Wegweisung mit auf den Weg in das neue Arbeitsjahr. Es ist gut, am Beginn des neuen Arbeitsjahres nochmals bewusst auf die Texte hinzuschauen, sie zu betrachten, um daraus für unser gemeinsames Arbeiten vor allem 3 Dinge zu lernen.

Im heutigen Abschnitt aus dem Lukasevangelium heißt es: „In jenen Tagen ging Jesus auf einen Berg, um zu beten. Und er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott.“
Das erste, was wir alle von Jesus lernen können und lernen sollen ist das Gebet. Noch bevor wir etwas planen und tun, braucht es das Gebet, um das geplante so tun zu können, dass es uns selber und unseren Mitmenschen zum Segen wird. Für Jesus ist das Gebet die Grundlage für jede Entscheidung und jedes Handeln. Das Gebet ist also das erste Werk, das Jesus tut, die Grundlage für alle anderen Werke. So soll es deshalb auch bei uns Christen und in der Kirche-Diözese sein! Jeder Aktion muss die Kontemplation vorausgehen! Was nützt die beste, klügste Aktion, wenn sie nicht vom Gebet getragen und begleitet ist – gleicht sie nicht einer Eintagsfliege, einem Event ohne Tiefenwirkung und Nachhaltigkeit? Von Jesus können wir lernen: den Vorrang des Seins vor der Leistung, der Stille vor der Aktion, der Treue zum Ruf vor dem eignen Planen und Unternehmen. Das Gebet – persönliche + gemeinsame, vor allem das Gebet in Familie und Pfarrgemeinde am Sonn- und Feiertag - soll daher in diesem Arbeitsjahr unser erster und wichtigster Schwerpunkt sein, denn an Gottes Segen ist alles gelegen! Wir brauchen dringend das Gebet, um die Einheit in der Kirche zu wahren!

Im heutigen Evangelium heißt es dann weiter: „Als es Tag wurde, rief er seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen zwölf aus; sie nannte er auch Apostel.“
Als es Tag wurde, rief Jesus alle zu sich, die er bei sich haben wollte. Er wählte sich seine ersten und engsten Mitarbeiter selber aus; er nannte sie einzeln beim Namen. Die Gemeinschaft der Jünger Jesu und jede christliche Gemeinschaft ist keine anonyme Gruppe, Menschen ohne Namen und ohne Liebe, sondern eine Gemeinschaft aus Brüdern und Schwestern, die sich mit Namen kennen. Die Freundschaft und die Geschwisterlichkeit sind das Wesen der Kommunion. Sie sind nicht Frucht einer gegenseitigen Sympathie, sondern sie kommen aus dem Ruf Jesu und aus dem Gehorsam gegenüber seinem Wort. Jesus gibt seinen Jüngern einen neuen Namen, ein neues Herz und eine neue Aufgabe.
In der Taufe haben wir einen Namen bekommen, sind wir in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen worden und berufen, an einer neuen Welt mitzubauen.

Der Herr hat uns gerufen seine Mitarbeiter im Weinberg der Diözese Eisenstadt zu sein, hier für ihn Zeugnis abzulegen und als eine Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern den Dienst der Liebe heute zu tun und so an einer gerechteren Welt mit unseren Talenten mitzubauen – bemühen wir uns im neuen Arbeitsjahr.

Schließlich heißt es im heutigen Evangelium: „Jesus stieg mit ihnen den Berg hinab. In der Ebene blieb er mit einer großen Schar seiner Jünger stehen und viele Menschen strömten herbei. Sie alle wollten ihn hören und von ihren Krankheiten geheilt werden. Alle Leute versuchten, ihn zu berühren; denn es ging eine Kraft von ihm aus, die alle heilte.“  

Jesus steigt mit den Aposteln vom Berg herab und geht zu den Menschen, die in der Ebene leben und auf ihn zulaufen. Mit den Jüngern gemeinsam konnte er auf die vielen Fragen und Erwartungen seiner Zeitgenossen antworten, die oft müde, krank, verletzt, bedürftig, vergessen und auch gescheitert sind. Jesu Evangelium ist eine große Kraft, wenn wir es in die Tat umsetzen mit Werken der Liebe und Barmherzigkeit. Wenn die Menschen wahrnehmen, dass die Kirche, christlichen Gemeinden + Gemeinschaften das Evangelium leben, dann werden sie kommen, sich von ihm berühren und heilen lassen – wir sind heute Jesu erste Mitarbeiter!

Wir sind am Beginn des Arbeitsjahres wie Jesus auf den Berg gestiegen, um in Wort und Sakrament dem Vater zu begegnen, Kraft für den Alltag zu schöpfen.
Wir sind als Getaufte und Gefirmte heute Jesu Jünger, die sich zuerst zu Gebet und Gottesdienst versammeln, um sich für die Aufgaben in der Welt zu rüsten.
Wir sind heute berufen vom Berg herunterzusteigen und in der Ebene des Alltags den Menschen das Evangelium glaubwürdig zu bezeugen, sie mit Jesus in Berührung zu bringen und so am Aufbau des Reiches Gottes mitzuarbeiten – das ist Neuevangelisierung – eine Pastoral, die Gott und die Menschen im Blick hat.

Deshalb erinnert uns der Apostel Paulus in der Lesung aus dem Kolosserbrief: „Schwestern und Brüder! Ihr habt Christus Jesus als den Herrn angenommen. Darum lebt auch in ihm! Bleibt in ihm verwurzelt, und haltet an dem Glauben fest, in dem ihr unterrichtet wurdet. Hört nicht auf zu danken!“ – Aktuell?!
Damit uns das im neuen Arbeitsjahr gelingt, erbitten wir Gottes Segen und die Fürsprache des hl. Martin, unseres Landes- und Diözesanpatrons! Amen.  

+Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt

Samstag, 3. September 2011

59. Burgenländische Arbeiterwallfahrt

(Domkirche, 3. September 2011)

Äußere Erkennungszeichen sind im Leben des Menschen von großer Bedeutung.
Jedes Auto hat ein Kennzeichen; das Nummernschild, der Autotyp, das Baujahr, die Motornummer und viele andere Dinge sind genau erfasst.
Jeder Bürger unseres Landes ist registriert und kann sich nach außen hin ausweisen. Der Reisepass oder der Personalausweis enthalten ein Foto, den Namen und die persönlichen Daten der entsprechenden Person.
Mitglieder eines Vereines haben ein gemeinsames äußeres Erkennungszeichen: eine Uniform oder Tracht, ein Abzeichen oder eine Vereinsfahne.

Was ist das Kennzeichen eines Christen und einer christlichen Gemeinde? Ist es das Kirchengebäude, an dem vielleicht Generationen gebaut, es verändert oder gar erneuert haben? Ist es eine Gruppe von Menschen, die zu einer bestimmten Kirche gehören und die einen Pfarrer haben? Woran kann man erkennen, dass es sich um christusverbundene Menschen handelt?

Im heutigen Evangelium ist eine Antwort auf unsere Frage zu finden:
Das wichtigste Kennzeichen des Christen und der christlichen Gemeinde ist die Liebe – die Liebe zu Gott und der Dienst am Mitmenschen, am Nächsten! 
Das neue Gebot der Liebe, das Jesus uns gegeben hat und das sich im Dienst am Nächsten zeigt, muss in der Kirche verwirklicht werden, um Gott zu erfahren – und nicht Streit + Kampf um die ersten Plätze! Wie sieht eine solche christliche Gemeinde aus? Wie leben die Mitglieder einer solchen Pfarrgemeinde? 
Christen leben mit allen Sinnen zusammen. Was heißt das? Das heißt:

Die Augen der Mitglieder dieser Gemeinde sehen die Schönheit der Schöpfung Gottes. Sie sehen das wirkliche Wesen unserer Mitmenschen, sie sehen, wenn einer Hilfe braucht. Sie sehen einander liebevoll an trotz aller Verschiedenheit.

Die Ohren der Mitglieder dieser Gemeinde hören die feine Stimme des Gewissens. Sie hören den guten Willen, auch bei Meinungsverschiedenheiten.

Die Lippen der Mitglieder dieser Gemeinde sprechen keine verletzenden Worte.  Sie sprechen vor allem miteinander, statt übereinander oder gar gegeneinander.

Die Hände der Mitglieder dieser Gemeinde geben gerne und ohne Absicht. Sie  schenken Geborgenheit und nehmen dankbar an. Sie dienen einander, werden einander gereicht zum Zeichen des Friedens, der Versöhnung und Gemeinschaft.

Die Füße der Mitglieder dieser Gemeinde trampeln nicht auf dem anderen herum. Sie finden und gehen den Weg zum anderen. Sie gehen miteinander auf dem Weg zu Gott.

Die Herzen der Mitglieder dieser Gemeinde vertrauen den anderen in der Gemeinschaft und auch den Menschen außerhalb der Gemeinde. Sie glauben an das Gute in jedem Menschen, glauben an Gott, den Vater aller Menschen.

Der Geist der Mitglieder dieser Gemeinde ist weit und offen. Er unterdrückt oder demütigt andere nicht. Er ist eines Sinnes untereinander und miteinander.

Das Erkennungszeichen für Christen ist also kein Trikot, keine Uniform, keine Fahne, kein Abzeichen auf der Kleidung und auch kein Kreuz an einer Kette. Das Erkennungszeichen sind wir Christen selber und unser liebender Umgang miteinander – unsere Augen, Ohren, Lippen, Hände, Füße, Herzen, Geist.
Das Erkennungszeichen für Christen ist und bleibt die Liebe zu Gott und die Bereitschaft zum Dienst am Nächsten.

Diese 59. Burgenländische Arbeiterwallfahrt ist eine Einladung an uns Christen, unsere Liebe zu Gott und unseren Dienst an den Mitmenschen zu erneuern, um so die Kirche und Gesellschaft in unserem Land zu befruchten und in Jesu Geist mitzugestalten. Darum machen wir Christen uns an die Arbeit mit allen Sinnen zu leben! Im Blick auf Jesus und im Vertrauen auf die Hilfe Marias kann ich Euch als Bischof nur zurufen: „mutig vorwärts und gläubig aufwärts!“
Amen.

+Ägidius J. Zsifkovics

Bischof von Eisenstadt

Donnerstag, 1. September 2011

Sendung neuer Religionslehrer und pastoraler Mitarbeiter

(Eisenstadt-Bergkirche, 1. September 2011, 09.00 Uhr)

Wie werden heute oft Menschen gefangen?
Man muss sie an ihren Grundbedürfnissen packen. So arbeitet die Werbung und die Unterhaltungsindustrie. Man kann Einfluss auf Menschen gewinnen, wenn man ihnen eine tolle Karriere in Aussicht stellt, wenn man ihnen verspricht, den idealen Traumpartner zu finden oder das Angebot, wie sie ohne zu arbeiten reich werden können. Geld, Macht und Sex – auf diese Grundbedürfnisse lässt sich wohl das meiste zurückführen, früher wie heute! Wer es geschickt anstellt, der fängt mit dieser Methode leicht andere Menschen. Das ist in der ganzen Welt so.

Im heutigen Evangelium vom reichen Fischfang haben wir gehört, wie Jesus es gemacht hat, „Menschen zu fangen“. Seine Methode unterscheidet sich von der Weise, wie es die Werbung in aller Welt tut. Jesus macht den Menschen keine falschen Versprechungen. Nach dem heutigen Evangelium macht Jesus 4 Dinge: er beschenkt seine Jünger – er nimmt ihnen die Angst – er stellt ihnen eine Aufgabe – er bietet ihnen seine Freundschaft an.

Im Evangelium ist der überreiche Fischfang für die Jünger in auswegloser Situation, gegen jede Logik des Fischfangs ein unerwartetes Geschenk. Im NT ist die Botschaft des Engels an Maria und an die Hirten in der Hl. Nacht und nach der Auferstehung Jesu an die Frauen am leeren Grab: „Fürchtet euch nicht!“ Das Ziel der christlichen Botschaft ist es, dem Menschen die Angst zu nehmen und ihm zu verheißen: Fürchte dich nicht! Im Evangelium stellt Jesus den Jüngern die Aufgabe: Verlasst alles und folgt mir nach! Jesus ruft diese Fischer nicht nur in seine Nachfolge, sondern er bietet ihnen seine Freundschaft an.
So werden wir Menschen erwachsen und finden unsere einmalige Identität. So erleben wir unser Leben als sinnvoll und fruchtbar für uns selbst und für andere: wenn wir eine Aufgabe im Leben entdecken, für die zu leben und zu arbeiten sich lohnt, und wenn uns tiefe Freundschaften geschenkt sind.

Auf einem alten Bild in den römischen Katakomben habe ich einmal folgende Darstellung des heutigen Evangeliums gesehen: Die Jünger standen im Boot und warfen das Fischnetz aus – und hinter ihnen stand Jesus selber und packte am Netz mit an, ohne das sie das merkten. Das ist die Erfahrung, die die Kirche mit den Worten Jesu so ausdrückt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen ...“
Wenn es im Leben von uns Menschen etwas Heilendes gibt, dann sind es diese Erfahrungen der Jünger Jesu im Evangelium: wenn wir unerwartet beschenkt werden, womit wir nach vergeblichem Mühen nicht gerechnet haben; wenn uns die Angst genommen wird; wenn wir eine Aufgabe finden, für die es sich lohnt zu leben; wenn wir Freundschaften untereinander und zu Jesus finden.
Ich wünsche uns allen viele solche Erfahrungen, vor allem das feste Vertrauen, dass Jesus bei jeder unserer Tätigkeit hinter uns steht und am Netz anpackt, wie damals am See Gennesaret. Ich wünsche uns allen einen reichen Fischfang!

Wie Jesus zu Simon Petrus sage ich als Bischof unseren heute neu zu sendenden Religionslehrern und pastoralen Mitarbeitern: Fahrt hinaus in unsere Diözese – in Schule und Pfarrgemeinde! Dort werft eure Netze zum Fang aus! Ich wünsche Euch, dass Ihr wie Jesus die Euch anvertrauten Menschen mit der Botschaft des Evangeliums reich beschenken könnt und dass Ihr von Ihnen reich beschenkt werdet; dass Ihr ihnen die Angst nehmt und sie für das Leben und zum Glauben ermutigt; dass Ihr ihnen helft ihre Aufgaben in Familie, Kirche und Gesellschaft zu sehen und zu erfüllen; dass Ihr sie zur Freundschaft mit Jesus führt! Das sind auch die eigentliche Aufgabe und der Dienst der Kirche!
Dazu werdet Ihr jetzt in dieser Eucharistiefeier von der Kirche gesendet. 
Darum wird Euch in dieser Feier auch die Heilige Schrift feierlich übergeben!

Der Segen Gottes und die Fürsprache Marias mögen Euer Tun begleiten! Amen.    
+Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt

Sommerfest der Priester

(Eisenstadt, 1. September 2011)

Lieber Bischof Paul!
Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst!
Brüder und Schwestern im Herrn!
Am Ende der Sommerferien haben wir uns hier im Dom versammelt, um uns im gemeinsamen Feiern am Altar und später an den Tischen im Dompfarrzentrum zu erfrischen. Ich glaube, es tut uns gut, ein solches „Sommerfest der Priester“ zu halten, und ich danke Euch allen, die Ihr meiner Einladung gefolgt seid!

Drei liturgische Anlässe führen uns heute hier zusammen:
1. Wir stehen am Vorabend des 60 Jahr-Jubiläums der ersten Bischofsweihe, die auf unserem Diözesangebiet, hier im nunmehrigen Martinsdom, stattgefunden hat. Dr. Josef Schoiswohl, der spätere Bischof von Graz, war kurz nach dem Martinitag 1949 mit der Leitung der damaligen Apostolischen Administratur Burgenland betraut worden. Am 2. September 1951 empfing er in unserer Dom-kirche vom Wiener Erzbischof Kardinal Theodor Innitzer die Bischofsweihe. Dr. Schoiswohl war damit nicht der erste Bischof von Eisenstadt – dieses Amt sollte 9 Jahre später Bischof Stefan László erfüllen – aber er war der 1. Bischof in Eisenstadt, was im Hinblick auf die Errichtung einer eigenständigen Diözese nicht ohne Bedeutung war. Sein bischöfliches Wappen und der Wahlspruch „Die Wahrheit wird euch frei machen“ zeugen davon heute noch an prominen-ten Stellen, z. B. am Bischofshof und an der vom Burgenland gestifteten großen Kommunionbank im Wiener Stephansdom. Heuer vor 20 Jahren ist Bischof Schoiswohl gestorben. „Gedenkt eurer Vor-steher, sie wachen über eure Seelen“ mahnt der Hebräerbrief. Wir danken Bischof Schoiswohl für seine Hirtensorge und seine Aufbauarbeit zum Wohl der Kirche in unserem Land. Möge er unserer Diözese ein treuer Fürbitter bleiben!

Zum 2. feiern wir morgen den Herz-Jesu-Freitag und heute, mit ihm verbunden, den so genannten Priesterdonnerstag. Beide liturgischen Ausrichtungen stellen das Gebet um geistliche Berufe, um Priesterberufe, in den Mittelpunkt. So wen-den wir uns an den Herrn der Ernte mit der Bitte um Arbeiter für seinen Wein-berg und zugleich an ihn als den Guten Hirten, dass er das Maßnehmen an sei-nem Vorbild neu in uns beleben möge, besonders am Beginn des neuen Arbeits-jahres. Beginnen wir damit schon heute in den Begegnungen mit den Mitbürgern

3. stellt uns die liturgische Ordnung des Kirchenjahres heute, am 1. September, den hl. Ägidius  - meinen Namenspatron - vor, einen der 14 Nothelfer. Der Lebenslauf des hl. Ägidius führt - ähnlich jenem des hl. Martin - vom Süd-osten Europas nach Frankreich und geht aus einer profanen Berufstätigkeit in eine geistliche Berufung über. Unter vielen Legenden berichtet die bekannteste, dass er als Einsiedler im Wald in einer Höhle gelebt hat und von einer Hirsch-kuh mit ihrer Milch genährt wurde. Während einer Jagd des Königs flüchtete die Hirschkuh in die Höhle zu Ägidius. Die königliche Jagd schoss darauf ihre Pfei-le blindlings in die Höhle und traf Ägidius, der sich schützend vor das Tier ge-stellt hatte. Zur Wiedergutmachung seiner Schuld ließ der König dem Eremiten ein Kloster errichten. So gründete Ägidius im Jahr 680 die nach ihm benannte Beneditiner-Abtei Saint-Gilles, der er bis zu seinem Tod als Abt vorstand.

Blind abgeschossene Pfeile. Liebe Mitbrüder, erleben wir das nicht auch in unserer Zeit, Pfeile, die aus einer unmittelbaren Laune heraus abgeschossen werden, ohne ein zu Ende-Denken der Folgen.  Wie oft werden wir von vorschnellen Urteilen getroffen, ohne nähere Orientie-rung der Schützen. Unser Berufsstand scheint dafür ja ein begehrtes Revier zu sein, besonders in letzter Zeit. Wie gehen wir damit um? Sind wir wehleidig? Sind wir standhaft? Oder versuchen wir dem Beschuss durch Opportunismus zu entkommen und da und dort in die Reihe der Schützen überzuwechseln? Und umgekehrt: Sind wir mit allem, was aus uns herauskommt im Reden und im Tun, wirklich treffsicher? Ist unser Einschätzen und Beurteilen gut begründet auf den bewährten Fundamenten der Leidenschaftslosigkeit und Objektivität?  Und sollte einmal Schaden entstanden sein: wie weit geht unsere Bereitschaft zur Wiedergutmachung und Versöhnung?

Im Blick auf die aktuelle Situation kann ich nicht umhin, den Aufruf einzelner Pfarrer zum Ungehorsam aller Pfarrer wenigstens kurz anzusprechen. Unsere Diözese ist von dieser Dispersion, Gott sei Dank, nur wenig betroffen, vielleicht auch deshalb, weil das Zurechtfinden der Pfarrer immer auch mit dem Blüte- u. Fruchtzustand der Gemeinden zu tun hat und umgekehrt. Das Krankjammern der Gottesdienst- und Pfarrgemeinden wird den realen Gegebenheiten nicht gerecht, das wissen wir alle, und es missachtet das vielfältige Engagement abertausender Menschen in unserem Land. Auf die Protestpunkte im Einzelnen will ich nicht eingehen. Viele der Themen sind rein sachlich gesehen, bereits geklärt bzw. Inhalt von noch andauernden Prozessen, die weder von heute auf morgen, auch nicht von vorgestern auf über-morgen, und schon gar nicht unter grober Missachtung gegebener Strukturen und üblicher Umgangsformen abgebrochen werden können. 
Aber, liebe Mitbrüder, was bedeutet der Aufruf zum Ungehorsam allgemein, in der Art und Weise des Vorbringens? Welcherart soll der hier gewählte Umgangsstil dem Anliegen dienen können? In jedem Betrieb, in jeder Gesellschaftsform, in jeder Familie, ja, in jedem Staat gibt es Strukturen, in denen sich die Mitglieder zurechtfinden, in denen sie sich bewegen, in denen sie die Sorge um ihr eigenes Wohl und um das Wohl der Anderen in ihrer jeweiligen Stellung zur Sprache bringen und so zur Umsetzung beitragen können. Dieser Beitrag wird je nach Position mehr oder weniger Ge-wicht haben, das ist nun einmal so. Oder ist es etwa in Euren Pfarren und in den Betrieben Eurer Gemeinden anders? Wie könnt Ihr Eure Pfarren leiten, wenn Eure Mitarbeiter ihre vielfältigen Aufgaben nicht im Selbstverständnis der Letztverantwortung des Pfarrers einbringen würden? Weiß denn nicht auch das kleinste Mitglied im Arbeitskreis einer Pfarre, dass Veränderungsabsichten, die alle betreffen, breiter geerdet sein müssen als im Sturm und Drang der eigenen Wünsche?

In seinem Schreiben anlässlich des Priesterjahres 2009 empfiehlt Papst Benedikt XVI. den Priestern, sich am Apostel Paulus und am Pfarrer von Ars ein Beispiel zu nehmen. Beide Heilige hatten im Jahr 2009 ein Jubiläum. Wenngleich in ihren Charakteren unterschiedlich, so hebt der Papst eine Übereinstimmung hervor und stellt sie unserer Zeit vor Augen: das Ideal des Priesters, der sich in seinem Dienst völlig hingibt, eine Hingabe an Christus und seine Kirche. „Die Liebe Christi hat uns in Besitz genommen“ zitiert der Papst dazu den zweiten Korintherbrief. 
Die Liebe Christi hat uns in Besitz genommen. Liebe Mitbrüder, das trifft auf jeden von uns zu, sonst wären wir wohl kaum seinem Ruf gefolgt, einer Be-rufung, deren Annahme vieles zurücklassen musste und muss. Darin stärkt uns der Papst, wenn er sagt: „Liebe Priester, Christus rechnet mit Euch, lasst Euch von ihm vereinnahmen!“
Liebe Mitbrüder, das Verständnis des priesterlichen Dienstes als Selbstaufgabe, der Überantwortung an den göttlichen Meister, der Verfügbarkeit für Christus und seine Kirche, führt zum Abschluss meiner Betrachtung, zum Rückblick auf die Lesungen des heutigen Tages, Perikopen, die unserer Feier selten passend zugefallen sind.

Die erste Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser kann als dreifache Wegweisung verstanden werden: zu dem, was über uns ist, zu dem, was in uns ist, und in unsere Umgebung.
Führt ein Leben, das des Herrn würdig ist und bringt Frucht in guten Werken!
Dankt dem Vater mit Freude! Danken wir ihm, der uns gerufen hat, der jedem von uns ein maßgeschneidertes Kleid pastoralen Begabungen geschenkt hat, ein Kleid, in dem wir Anteil an ihm selbst erhalten.
Als Bischof danke ich aber auch Euch für den priesterlichen Dienst und Einsatz!
Nützen wir die Talente und setzen wir sie ein für Gott und die Menschen.  In der Entfaltung unserer Stärken gelingt es mir am besten, ein Leben zu führen, das Christus gefällt und in seiner Erkenntnis mehr und mehr zuzunehmen.
Und nicht zuletzt: Betet füreinander und miteinander, damit ihr in allem Geduld und Ausdauer habt!

Die zweite Lesung, das Evangelium vom reichen Fischfang, ist jedem von uns vertraut. Unschwer ist die Botschaft zu verstehen, dass das Vertrauen in die Weisung des Herrn mehr Erfolg zeitigt als es unserem Bemühen allein möglich ist. Aber da ist noch etwas in dieser Szene am See Genesaret: inmitten vieler anderer Menschen, inmitten des Volkes, das Jesus belehrt und der Apostel, die er berufen hat, inmitten dieser Szene findet das Gespräch nur zwischen Jesus und Petrus statt, und es hat eine Bedeutung für unsere priesterliche Nachfolge:
Fahr hinaus auf den See.
Meister, wir haben die ganze Nacht nichts gefangen. Aber wenn du es sagst …
Und nach dem Wunder des Fischfangs:
Herr, ich bin ein Sünder.
Du wirst noch größeres vollbringen.
Weckt dieses Einzelgespräch nicht die Erinnerung an unsere eigene Berufung? Das Hinausfahren des Petrus auf den See ist doch ein Vorbild für unser eigenes tägliches Hinausfahren mit den einfachen Booten, die uns einmal zu groß, dann wieder zu klein sind, ein Hinausfahren in eine von Wind und Wetter gebeutelte Welt, ein Hinausfahren unter der Last pastoraler Ernterückschläge, unserer Misserfolge und Enttäuschungen.

„Meister, wir haben die ganze Nacht nichts gefangen. Aber wenn du es sagst…“
Liebe Mitbrüder, schätzen wir das persönliche Gespräch mit dem Herrn hoch, erkennen wir es als eine wertvolle Gabe! In solchen Gesprächen hat Christus uns die Berufung verspüren lassen, erneuert er die Zusicherung, Größeres zu vollbri-ngen. Geben wir seinen Ermutigungen ausreichend Raum, so wie damals, in den ersten, vielleicht zaghaften Stunden unserer Erwählung! Das Tun und Lassen der Priester wird auch in Zukunft nicht an den Ergebnissen von Meinungsumfragen zu bewerten sein oder im Auf und Ab von Sympathie-Rankings, sondern am Vermögen des Geweihten, eine simple Frage richtig zu beantworten, die Frage, an der sich jede seiner Handlungen messen lassen muss, die Frage: Hat Christus dir das aufgetragen? – Hat Christus dir das aufgetragen?
Liebe Mitbrüder, er, der Herr, ist unser Hirt, der uns auf guten Wegen führt.
Maria, die Königin der Priester, möge uns auf unseren Wegen begleiten! 
Der hl. Ägidius und der hl. Martin seien uns Helfer und Fürsprecher!

Amen.
+Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt

Blog Archive