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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Dienstag, 1. November 2011

Hochfest Allerheiligen

(Eisenstadt-Martinsdom, 01.11.2011)

Was sind Heilige? Heilige sind Menschen - Männer und Frauen - die hellwach sind und mit beiden Beinen im Leben stehen. Heilige sind Menschen, die Mut haben und die Partei ergreifen. Heilige sind Menschen, die aus Taufe und Firmung heraus versuchen umzusetzen, was sie  vom Evangelium verstanden haben. Heilig ist, wer in der heutigen Welt Jesu Seligpreisungen lebt und so die Erinnerung an Gott wach hält. Wir alle sind als Christen zur Heiligkeit berufen!

Die Ordensgemeinschaften der Karmelitinnen und Karmeliten gedenken von Oktober 2011 bis Oktober 2012 einer Heiligen: Sr. Teresia Benedicta vom Kreuz - Edith Stein - da sich drei markante Lebensstationen der Heiligen in diesen beiden Jahren jähren: ihr 120. Geburtstag, ihr 70. Todestag und der 25. Jahrestag ihrer Seligsprechung. An Allerheiligen sind wir alle eingeladen, auf diese Jüdin, Atheistin, Christin, Frauenrechtlerin, Philosophin, Karmelitin und Heilige zu schauen.
Edith Stein ist eine Heilige, die für Christen unserer Tage wichtig ist, weil ihr Lebens uns in einzigartiger und spannungsvoller Weise mit dem Heiligen, dem Unfassbaren, mit Gott in Berührung bringen kann. Einerseits stellt ihr Lebensende uns vor die kaum beantwortbare Frage nach Gottes Wirken in der Geschichte: „Wie konnte Gott Auschwitz zulassen?“ Andererseits wird gerade in ihrem Leben die Wirkmächtigkeit Gottes in einer Deutlichkeit greifbar, die auch uns zum Glauben ermutigt. 
Die erste Lebenshälfte von Edith Stein ging steil nach oben, war eine wissenschaftliche Karriere. Die zweite Lebenshälfte aber beugt sich nach unten und innen, geht ins Unauffällige zurück, verschwindet im grauenvollen Dunkel. Wenn ihr jetzt die öffentliche Anerkennung zuteil wird und sie zur Ehre der Altäre erhoben worden ist, dann dürfen wir nicht vergessen, dass zuvor Menschen sie, wie Unzählige andere, die das gleiche Schicksal erlitten haben, brutal aller Würde und Ehre beraubt haben. Deshalb hat Papst Johannes Paul II. in der Predigt zur Heiligsprechung am 11. Oktober 1998 gesagt: „Wenn wir fortan Jahr für Jahr das Gedächtnis der neuen Heiligen feiern, müssen wir uns auch an die Shoah erinnern, an den grausamen Plan, ein Volk zu vernichten. Einen Plan, dem Millionen jüdischer Schwestern und Brüder zum Opfer fielen. Um Gottes und der Menschen willen erhebe ich noch einmal tief betrübt meine Stimme und rufe: Ein solches verbrecherisches Tun darf sich nie mehr wiederholen, an keiner ethnischen Gruppe, an keinem Volk, an keiner Rasse, nirgendwo auf der Welt!“

Edith Steins Leben und Sterben vermag in viele gesellschaftliche Bereiche hinein Anstöße und Impulse zu geben. Sie ist Zeugin des Glaubens und schaut uns mit fragenden Augen als Zeitgenossin an. In unseren Tagen, in denen der Gottesglaube, das Gebet und das öffentlich bezeugte Christentum immer mehr dahinschwinden, will sie uns mit ihrem ungewöhnlichen Lebensweg aufrütteln. Bei vielen Christen kommen der Glaube, der Sonntag mit dem Kirchgang und das Beten schleichend abhanden. Aus einem jüdischen Elternhaus stammend, hat Edith mit 14 Jahren bewusst jeglichen Gottesglauben abgelegt, sich das Beten abgewöhnt. Es begann damit eine lange atheistische Zeit, in der sie auf der Suche nach Gott war. Für eine religiöse Neuorientierung waren zwei Begegnungen in ihrem Leben maßgeblich: Als sie nach dem Tod eines Freundes dessen Witwe trösten wollte, erfuhr sie, dass diese Frau im Glauben soviel Kraft fand, dass sie in der Lage war, ihr noch Trost zu geben. Nun begann Edith, das Neue Testament zu lesen. Das zweite wichtige Ereignis für sie war die Lektüre einer Biografie der heiligen Teresa von Avila. Dabei fällte sie drei Grundentscheidungen: Christin zu werden, Katholikin zu werden, Karmelitin zu werden. Die tiefe Erfahrung der Gottesbegegnung führte sie aus einer mehrjährigen Gottsuche und Wüstenwanderung zum Glauben, in dem sie letztlich ihre Heimat gefunden hat.

Uns ein Leben lang um den Glauben bemühen - das können wir von Edith Stein lernen. Im Austausch mit anderen Menschen, die wie wir oft um den Glauben ringen, und im Gebet die Kraftquelle unseres Alltags zu finden. Sie schrieb einmal an eine befreundete Ordensschwester: „Es ist im Grund immer eine kleine einfache Wahrheit, die sich zu sagen habe: wie man es anfangen kann, an der Hand des Herrn zu leben.“

Folgen auch wir dem Rat der heiligen Edith Stein und fangen wir an, an der Hand des Herrn zu leben - ihn in der Heiligen Schrift und im Gebet zu suchen. Wir werden ihn finden - er gibt uns Kraft und Mut zum Zeugnis für ihn. Edith Stein hat es uns vorgelebt und ist heilig geworden. Jetzt sind wir dran, es ihr nachzumachen, um auch auf dem Weg der Heiligkeit voranzukommen. Amen.

+ Ägidius J. Zsifkovics
B
ischof von Eisenstadt