Diözese Eisenstadt - Menü
Aktuell - Menü
Bischof - Menü
Über uns - Menü
Pfarren - Menü
Kirchenbeitrag - Menü
Frauen, Männer, Familie - Menü
Junge Kirche - Menü
Bildung - Menü
Für die Seele - Menü
Info, Hilfe - Menü
Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Sonntag, 20. November 2011

Christkönigsfest & Kreuzwegweihe

(Dobersdorf, 20.11.2011)

Wir alle kennen die Redensart: „Einer hat sein Testament gemacht.“ Ein Mensch, der sein Testament macht, steht meist am Ende seines Lebens. Er weiß, dass seine Zeit vorbei ist. Er hinterlässt im Testament, was ihm besonders am Herzen liegt. Er tut dies vor Zeugen, die seinen letzten Willen kennen und dafür sorgen, dass das Testament auch eingelöst wird.
Das Evangelium am letzten Sonntag im Kirchenjahr ist auch ein Testament. Wir hören die letzten Worte, die Jesus zu seinen Jüngern spricht, bevor er leiden muss und getötet wird. In dieser Rede an seine Jünger bringt er das zur Sprache, was ihm wichtig ist und worauf es im christlichen Leben eigentlich ankommt. Und die Jünger sind seine Zeugen!

In diesem Testament Jesu geht es letztlich um drei Dinge:

1. Es geht um das Weltgericht. Gemeint ist nicht, dass Gott ein rächender und strenger Vater ist, der uns mit der Hölle und dem Fegefeuer droht, um uns Angst zu machen – wie man ihn früher gerne in Predigten und Bildern darstellte. Im Gegenteil, es geht viel mehr um das Bild von Gott als den Guten Hirten, von dem die erste Lesung aus dem Buch Ezechiel bildhaft aber treffend spricht. Gott als Hirte, der die Herde, die Menschen sucht, sich um sie kümmert, sie zurückholt, sie ruhen lässt, stärkt, verbindet und behütet.

2. Es geht um die gelebte Menschlichkeit. Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Die gelebte Menschlichkeit – das ist der eigentliche Maßstab christlichen Lebens. Was heißt das? Letzter Maßstab ist also nicht allein die Rechtgläubigkeit, nicht die lückenlose Befolgung von Glaubenslehren u. Geboten, nicht das Vorweisen eines tadellosen und sündenlosen Lebens, sondern die gelebte Menschlichkeit gegenüber den Ärmsten und Geringsten. In ihnen begegnen wir Christus! „Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Jesus ist zu finden in den Armen und Hilfsbedürftigen. Das, was wir Christen für sie tun, tun wir für Jesus und wir tun zugleich das, was Jesus selber getan hat als er sich den Ausgestoßenen und Notleidenden zuwandte.

3. Es geht letztlich um die Liebe. Wer sich in der Liebe bewährt, ist gerettet, erlangt das ewige Leben. Aber wozu dann noch der Glaube? Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir in der Liebe nicht vollkommen sind. Wir sind nicht so weit, dass der Mitmensch im Mittelpunkt unseres Denkens und Tuns steht, sondern oft nur das eigene Ich. Im Glauben kommen wir zur Überzeugung, dass das, was uns fehlt, durch die Liebe Gottes ergänzt wird, so dass wir bestehen können. Wir glauben an die Liebe Gottes. Wir empfangen sie umsonst und wir sollen sie daher anderen umsonst auch weitergeben.
Wenn unsere oft kleinen, unscheinbaren und unsichtbaren Taten an den ärmsten und geringsten Menschen das Wesentliche im Leben sind und ich in ihnen Christus selber begegne, dann steht nicht die Angst vor einem drohenden Gott am Ende, sondern die dankbare Erleichterung. Dann habe auch ich die Chance, gesagt zu bekommen: „Komm her, der du von meinem Vater gesegnet bist, nimm das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für dich bestimmt ist.“ Wie die Jünger damals, so sind wir Christen heute Zeugen von Jesu Testament: Was ihr für den Geringsten meiner Brüder und Schwestern tut, das tut ihr auch mir.

Lösen wir Jesu Testament im Alltag des Lebens ein, und begegnen wir jedem Menschen mit Achtung und Liebe, weil nur das bei Gottes Gericht zählt!
Der neue Kreuzweg, den wir heute hier in der Pfarrkirche Dobersdorf weihen erinnert uns alle an Jesu Leben, Leiden, Tod und Auferstehung – dass er uns allen den Weg vorausgegangen ist, der uns zum Leben in Fülle führt. Das Geheimnis seines Lebens- und Leidensweges ist und bleibt die Liebe. Die neuen Kreuzwegstationen in Eurer Kirche sind Stationen der Liebe Jesu zu Gott und den Menschen. Das betende Nachgehen des Leidensweges Jesu will unsere Liebe zu Gott und den Mitmenschen stärken und vertiefen. Betet daher als Pfarrgemeinde oft und gerne den Kreuzweg und Eure Liebe zu Gott und den Mitmenschen wird wachsen, Ihr werdet Euch ein waches Auge und Herz für Eure Mitmenschen, besonders jene in Not, bewahren!

Vergelt´s Gott sage ich allen, die diesen schönen Kreuzweg gespendet haben! Der neue Kreuzweg will Euch Dobersdorfern helfen, dass Ihr im leidenden und gekreuzigten Jesus den auferstandenen und verherrlichten Christkönig erkennt und Jesu Testament der Liebe nicht vergesst – ja mehr noch als Dauerauftrag seht!
Möge Christus, der König am Kreuz, seine schützende Hand über einen jeden einzelnen von Euch, Eure Familien und Eure Pfarrgemeinde halten! Amen.

+ Ägidius J. Zsifkovics

Bischof von Eisenstadt