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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Donnerstag, 1. September 2011

Sommerfest der Priester

(Eisenstadt, 1. September 2011)

Lieber Bischof Paul!
Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst!
Brüder und Schwestern im Herrn!
Am Ende der Sommerferien haben wir uns hier im Dom versammelt, um uns im gemeinsamen Feiern am Altar und später an den Tischen im Dompfarrzentrum zu erfrischen. Ich glaube, es tut uns gut, ein solches „Sommerfest der Priester“ zu halten, und ich danke Euch allen, die Ihr meiner Einladung gefolgt seid!

Drei liturgische Anlässe führen uns heute hier zusammen:
1. Wir stehen am Vorabend des 60 Jahr-Jubiläums der ersten Bischofsweihe, die auf unserem Diözesangebiet, hier im nunmehrigen Martinsdom, stattgefunden hat. Dr. Josef Schoiswohl, der spätere Bischof von Graz, war kurz nach dem Martinitag 1949 mit der Leitung der damaligen Apostolischen Administratur Burgenland betraut worden. Am 2. September 1951 empfing er in unserer Dom-kirche vom Wiener Erzbischof Kardinal Theodor Innitzer die Bischofsweihe. Dr. Schoiswohl war damit nicht der erste Bischof von Eisenstadt – dieses Amt sollte 9 Jahre später Bischof Stefan László erfüllen – aber er war der 1. Bischof in Eisenstadt, was im Hinblick auf die Errichtung einer eigenständigen Diözese nicht ohne Bedeutung war. Sein bischöfliches Wappen und der Wahlspruch „Die Wahrheit wird euch frei machen“ zeugen davon heute noch an prominen-ten Stellen, z. B. am Bischofshof und an der vom Burgenland gestifteten großen Kommunionbank im Wiener Stephansdom. Heuer vor 20 Jahren ist Bischof Schoiswohl gestorben. „Gedenkt eurer Vor-steher, sie wachen über eure Seelen“ mahnt der Hebräerbrief. Wir danken Bischof Schoiswohl für seine Hirtensorge und seine Aufbauarbeit zum Wohl der Kirche in unserem Land. Möge er unserer Diözese ein treuer Fürbitter bleiben!

Zum 2. feiern wir morgen den Herz-Jesu-Freitag und heute, mit ihm verbunden, den so genannten Priesterdonnerstag. Beide liturgischen Ausrichtungen stellen das Gebet um geistliche Berufe, um Priesterberufe, in den Mittelpunkt. So wen-den wir uns an den Herrn der Ernte mit der Bitte um Arbeiter für seinen Wein-berg und zugleich an ihn als den Guten Hirten, dass er das Maßnehmen an sei-nem Vorbild neu in uns beleben möge, besonders am Beginn des neuen Arbeits-jahres. Beginnen wir damit schon heute in den Begegnungen mit den Mitbürgern

3. stellt uns die liturgische Ordnung des Kirchenjahres heute, am 1. September, den hl. Ägidius  - meinen Namenspatron - vor, einen der 14 Nothelfer. Der Lebenslauf des hl. Ägidius führt - ähnlich jenem des hl. Martin - vom Süd-osten Europas nach Frankreich und geht aus einer profanen Berufstätigkeit in eine geistliche Berufung über. Unter vielen Legenden berichtet die bekannteste, dass er als Einsiedler im Wald in einer Höhle gelebt hat und von einer Hirsch-kuh mit ihrer Milch genährt wurde. Während einer Jagd des Königs flüchtete die Hirschkuh in die Höhle zu Ägidius. Die königliche Jagd schoss darauf ihre Pfei-le blindlings in die Höhle und traf Ägidius, der sich schützend vor das Tier ge-stellt hatte. Zur Wiedergutmachung seiner Schuld ließ der König dem Eremiten ein Kloster errichten. So gründete Ägidius im Jahr 680 die nach ihm benannte Beneditiner-Abtei Saint-Gilles, der er bis zu seinem Tod als Abt vorstand.

Blind abgeschossene Pfeile. Liebe Mitbrüder, erleben wir das nicht auch in unserer Zeit, Pfeile, die aus einer unmittelbaren Laune heraus abgeschossen werden, ohne ein zu Ende-Denken der Folgen.  Wie oft werden wir von vorschnellen Urteilen getroffen, ohne nähere Orientie-rung der Schützen. Unser Berufsstand scheint dafür ja ein begehrtes Revier zu sein, besonders in letzter Zeit. Wie gehen wir damit um? Sind wir wehleidig? Sind wir standhaft? Oder versuchen wir dem Beschuss durch Opportunismus zu entkommen und da und dort in die Reihe der Schützen überzuwechseln? Und umgekehrt: Sind wir mit allem, was aus uns herauskommt im Reden und im Tun, wirklich treffsicher? Ist unser Einschätzen und Beurteilen gut begründet auf den bewährten Fundamenten der Leidenschaftslosigkeit und Objektivität?  Und sollte einmal Schaden entstanden sein: wie weit geht unsere Bereitschaft zur Wiedergutmachung und Versöhnung?

Im Blick auf die aktuelle Situation kann ich nicht umhin, den Aufruf einzelner Pfarrer zum Ungehorsam aller Pfarrer wenigstens kurz anzusprechen. Unsere Diözese ist von dieser Dispersion, Gott sei Dank, nur wenig betroffen, vielleicht auch deshalb, weil das Zurechtfinden der Pfarrer immer auch mit dem Blüte- u. Fruchtzustand der Gemeinden zu tun hat und umgekehrt. Das Krankjammern der Gottesdienst- und Pfarrgemeinden wird den realen Gegebenheiten nicht gerecht, das wissen wir alle, und es missachtet das vielfältige Engagement abertausender Menschen in unserem Land. Auf die Protestpunkte im Einzelnen will ich nicht eingehen. Viele der Themen sind rein sachlich gesehen, bereits geklärt bzw. Inhalt von noch andauernden Prozessen, die weder von heute auf morgen, auch nicht von vorgestern auf über-morgen, und schon gar nicht unter grober Missachtung gegebener Strukturen und üblicher Umgangsformen abgebrochen werden können. 
Aber, liebe Mitbrüder, was bedeutet der Aufruf zum Ungehorsam allgemein, in der Art und Weise des Vorbringens? Welcherart soll der hier gewählte Umgangsstil dem Anliegen dienen können? In jedem Betrieb, in jeder Gesellschaftsform, in jeder Familie, ja, in jedem Staat gibt es Strukturen, in denen sich die Mitglieder zurechtfinden, in denen sie sich bewegen, in denen sie die Sorge um ihr eigenes Wohl und um das Wohl der Anderen in ihrer jeweiligen Stellung zur Sprache bringen und so zur Umsetzung beitragen können. Dieser Beitrag wird je nach Position mehr oder weniger Ge-wicht haben, das ist nun einmal so. Oder ist es etwa in Euren Pfarren und in den Betrieben Eurer Gemeinden anders? Wie könnt Ihr Eure Pfarren leiten, wenn Eure Mitarbeiter ihre vielfältigen Aufgaben nicht im Selbstverständnis der Letztverantwortung des Pfarrers einbringen würden? Weiß denn nicht auch das kleinste Mitglied im Arbeitskreis einer Pfarre, dass Veränderungsabsichten, die alle betreffen, breiter geerdet sein müssen als im Sturm und Drang der eigenen Wünsche?

In seinem Schreiben anlässlich des Priesterjahres 2009 empfiehlt Papst Benedikt XVI. den Priestern, sich am Apostel Paulus und am Pfarrer von Ars ein Beispiel zu nehmen. Beide Heilige hatten im Jahr 2009 ein Jubiläum. Wenngleich in ihren Charakteren unterschiedlich, so hebt der Papst eine Übereinstimmung hervor und stellt sie unserer Zeit vor Augen: das Ideal des Priesters, der sich in seinem Dienst völlig hingibt, eine Hingabe an Christus und seine Kirche. „Die Liebe Christi hat uns in Besitz genommen“ zitiert der Papst dazu den zweiten Korintherbrief. 
Die Liebe Christi hat uns in Besitz genommen. Liebe Mitbrüder, das trifft auf jeden von uns zu, sonst wären wir wohl kaum seinem Ruf gefolgt, einer Be-rufung, deren Annahme vieles zurücklassen musste und muss. Darin stärkt uns der Papst, wenn er sagt: „Liebe Priester, Christus rechnet mit Euch, lasst Euch von ihm vereinnahmen!“
Liebe Mitbrüder, das Verständnis des priesterlichen Dienstes als Selbstaufgabe, der Überantwortung an den göttlichen Meister, der Verfügbarkeit für Christus und seine Kirche, führt zum Abschluss meiner Betrachtung, zum Rückblick auf die Lesungen des heutigen Tages, Perikopen, die unserer Feier selten passend zugefallen sind.

Die erste Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser kann als dreifache Wegweisung verstanden werden: zu dem, was über uns ist, zu dem, was in uns ist, und in unsere Umgebung.
Führt ein Leben, das des Herrn würdig ist und bringt Frucht in guten Werken!
Dankt dem Vater mit Freude! Danken wir ihm, der uns gerufen hat, der jedem von uns ein maßgeschneidertes Kleid pastoralen Begabungen geschenkt hat, ein Kleid, in dem wir Anteil an ihm selbst erhalten.
Als Bischof danke ich aber auch Euch für den priesterlichen Dienst und Einsatz!
Nützen wir die Talente und setzen wir sie ein für Gott und die Menschen.  In der Entfaltung unserer Stärken gelingt es mir am besten, ein Leben zu führen, das Christus gefällt und in seiner Erkenntnis mehr und mehr zuzunehmen.
Und nicht zuletzt: Betet füreinander und miteinander, damit ihr in allem Geduld und Ausdauer habt!

Die zweite Lesung, das Evangelium vom reichen Fischfang, ist jedem von uns vertraut. Unschwer ist die Botschaft zu verstehen, dass das Vertrauen in die Weisung des Herrn mehr Erfolg zeitigt als es unserem Bemühen allein möglich ist. Aber da ist noch etwas in dieser Szene am See Genesaret: inmitten vieler anderer Menschen, inmitten des Volkes, das Jesus belehrt und der Apostel, die er berufen hat, inmitten dieser Szene findet das Gespräch nur zwischen Jesus und Petrus statt, und es hat eine Bedeutung für unsere priesterliche Nachfolge:
Fahr hinaus auf den See.
Meister, wir haben die ganze Nacht nichts gefangen. Aber wenn du es sagst …
Und nach dem Wunder des Fischfangs:
Herr, ich bin ein Sünder.
Du wirst noch größeres vollbringen.
Weckt dieses Einzelgespräch nicht die Erinnerung an unsere eigene Berufung? Das Hinausfahren des Petrus auf den See ist doch ein Vorbild für unser eigenes tägliches Hinausfahren mit den einfachen Booten, die uns einmal zu groß, dann wieder zu klein sind, ein Hinausfahren in eine von Wind und Wetter gebeutelte Welt, ein Hinausfahren unter der Last pastoraler Ernterückschläge, unserer Misserfolge und Enttäuschungen.

„Meister, wir haben die ganze Nacht nichts gefangen. Aber wenn du es sagst…“
Liebe Mitbrüder, schätzen wir das persönliche Gespräch mit dem Herrn hoch, erkennen wir es als eine wertvolle Gabe! In solchen Gesprächen hat Christus uns die Berufung verspüren lassen, erneuert er die Zusicherung, Größeres zu vollbri-ngen. Geben wir seinen Ermutigungen ausreichend Raum, so wie damals, in den ersten, vielleicht zaghaften Stunden unserer Erwählung! Das Tun und Lassen der Priester wird auch in Zukunft nicht an den Ergebnissen von Meinungsumfragen zu bewerten sein oder im Auf und Ab von Sympathie-Rankings, sondern am Vermögen des Geweihten, eine simple Frage richtig zu beantworten, die Frage, an der sich jede seiner Handlungen messen lassen muss, die Frage: Hat Christus dir das aufgetragen? – Hat Christus dir das aufgetragen?
Liebe Mitbrüder, er, der Herr, ist unser Hirt, der uns auf guten Wegen führt.
Maria, die Königin der Priester, möge uns auf unseren Wegen begleiten! 
Der hl. Ägidius und der hl. Martin seien uns Helfer und Fürsprecher!

Amen.
+Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt

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