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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Freitag, 9. September 2011

Österreichische Polizeiwallfahrt in Mariazell

(9. September 2011)

An den Beginn dieser Predigt möchte ich folgende Geschichte stellen: 
Auf einem Spaziergang am Rande der Stadt begegnete nachts ein Rabbi einem Mann, der ständig hin und her lief. Der Rabbi fragte ihn: „Für wen gehst du?“ Der Mann antwortet: „Ich wache nachts über die Häuser hier. Das ist mein Auftrag. Doch sag mir: Für wen gehst du eigentlich?“ Diese Gegenfrage traf den Rabbi wie ein Blitz und er antwortete mühsam: „Noch gehe ich für niemanden.“
Eine etwas seltsame Geschichte. Der eine tut seinen normalen Wachdienst, läuft anscheinend sinnlos hin und her, kennt seinen Auftrag, weiß, für wen er geht. Der andere, ein frommer Rabbi, ist überrascht/aufgescheucht durch die Frage und bilanziert sein bisheriges Leben: „Noch gehe ich für niemanden.“ 
So ist es oft: Der eine weiß, für wen er geht. Der andere, in dieser Geschichte der Rabbi als religiöser Profi, ist in Gefahr in Routine zu verfallen und nicht zu wissen, für wen er geht, für wen er das alles tut: „Noch gehe ich für niemanden.“
Für wen gehen wir eigentlich, für wen gehst du, lieber PolizeibeamterIn?
Manche von Ihnen werden sagen: Ich gehe für meinen Beruf. Ich denke Sie alle haben aus Interesse und Leidenschaft den Beruf des Polizisten gewählt. Ihr Beruf ist längst mehr als nur ein Wachdienst. Es ist ein Beruf, der mit dem Menschen in seinen schönen und schweren Situationen des Lebens zu tun hat, vor allem aber auch in Ausnahmesituationen. Es ist ein Beruf, der neben Kompetenz und Psychologie auch viel Menschlichkeit und Umsicht abverlangt. Ich weiß um ihre täglichen Herausforderungen und Überforderungen, zum richtigen Zeitpunkt das richtige zu sagen und zu tun – das in Ausnahmesituationen, in Bruchteilen von Sekunden, bei Verkehrskontrollen, bei schweren Unfällen oder Delikten. Dafür braucht es Wissen, Erfahrung und Liebe zum Beruf! Ich danke Ihnen für Ihren selbstlosen Einsatz für unsere Gesellschaft!
Andere wiederum werden sagen: Ich gehe für meine Familie. Die Familie ist wohl die wichtigste Säule der Gesellschaft. Die Familie ist das Fundament auf dem die Gesellschaft gebaut wird und sie ist die Zukunft der Gesellschaft. Die Familie schenkt Liebe, Geborgenheit, Sicherheit und Heimat. Die Familie ist wohl die erste Schule, in der Werte und Haltungen für das Leben gelernt, gelebt und weitergegeben werden. Wir wünschen uns alle eine intakte  Familie, umso mehr leiden wir, wenn Familie zerbricht und nicht gelingt. Ich denke in Ihrem Beruf sind Sie oft hautnah konfrontiert mit den Freuden und mehr noch mit dem Leid in Familien, was auch für Sie eine Herausforderung ist. Sicher haben Sie dabei auch die Erfahrungen in der eigenen Familie vor Augen, die Ihnen Rückhalt ist und Kraft für Ihren Dienst gibt. Ich danke Ihnen für Ihr Bekenntnis zur eigenen Familie und für Ihren Dienst an der Familie, der letztlich ein Dienst an der Gesellschaft ist!

Und wieder andere werden sagen: Ich gehe für meinen Glauben. Dass Sie heute auf Wallfahrt nach Mariazell gekommen sind, hat wohl auch mit Ihrem Glauben zu tun. Neben der Familie und dem Beruf ist auch der Glaube eine wichtige Säule im menschlichen Leben. Ich weiß, Glaube ist heute nicht in. Ich weiß aber auch, dass viele Polizisten in unseren Pfarrgemeinden mitarbeiten, mit der Kirche vor Ort eng verbunden sind und auch kirchliche Feste und Feiern durch ihren Dienst mitgestalten, die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Ich weiß auch, dass es für Sie schon wegen der Dienstzeiten nicht immer leicht ist am religiösen Leben der Pfarrgemeinde teilzunehmen, um so mehr danke ich Ihnen für Ihr persönliches Glaubenszeugnis und Ihr Engagement in der Kirche!

Das heutige Evangelium lenkt unseren Blick auf eine Person, die genau weiß, für wen sie geht – auf Maria. Die Aufgabe Marias in der Heilsgeschichte ist es die Menschen zu erinnern für wen sie gehen, also an das Ziel und den Sinn des Lebens. Und das ist nicht nur eine Sache oder eine Idee, sondern eine Person: Jesus Christus, auf den Maria im Gnadenbild von Mariazell mit dem Finger zeigt! Maria ruft deshalb immer zur Umkehr auf. Aber Umkehr wohin?
Will sie die Menschen etwa zur Selbstsuche und Selbstfindung führen wie das heute viele in Meditationskursen und esoterischen Praktiken für Geld anbieten?
Will sie die Menschen etwa um sich sammeln, für sich gewinnen wie es heute viele selbsternannte Gurus gerne tun, um sie auszubeuten und zu missbrauchen?
Maria. ist ein Mensch, der weiß, für wen er geht. Es geht nicht um sie, es geht um einen Größeren. Sie möchte uns Menschen zu ihrem Sohn Jesus führen!

Damit Gott einen Weg findet, um bei den Menschen anzukommen, müssen so manche Hindernisse und Unebenheiten beseitigt werden. Nicht immer sind die Straßen, auf denen ich mich durchs Leben bewege, günstig für eine Begegnung mit Gott. Oft hetze ich viel zu schnell auf der Autobahn meiner vielen Verpflichtungen von einem Termin zum nächsten und kann unmöglich anhalten, um Gott bei mir einsteigen zu lassen. Ein anderes Mal gerate ich in eine Sackgasse, wo es keinen Ausweg gibt. Oder ich fahre endlos im Kreisverkehr, ohne die richtige Ausfahrt zu finden. Häufig stecke ich auch im Stau fest und habe das Gefühl, mit meinen Vorhaben keinen Zentimeter voran zu kommen.
Maria erinnert uns: Für wen gehst du? Sie stellt auch uns heute diese Frage und ruft uns zur Umkehr – nicht zur Selbstfindung, sondern zur Hinwendung zu Gott, der zu uns kommen will.
Ich wünsche uns allen, dass wir wissen für wen wir gehen und sagen können: Ich gehe für meinen Beruf, Familie und Glauben! Möge diese Wallfahrt uns allen, besonders Ihrem Berufsstand, Ihnen persönlich sowie Ihren Familien zum Segen werden!  Unsere Liebe Frau von Mariazell erinnert uns nicht nur an die Frage: Für wen gehst du? Maria ist vielmehr mit uns auf unserem Lebens- und Glaubensweg als Wegweiserin und Helferin!
Amen.

+Ägidius J. Zsifkovics

Bischof von Eisenstadt

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