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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Sonntag, 18. September 2011

Kreuzerhöhungsfest im Stift Heiligenkreuz

(18. September 2011)

Lieber Vater Abt Maximilian mit dem Konvent des Stiftes Heiligenkreuz!
Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst! Ehrwürdige Schwestern! Liebe Seminaristen des Leopoldinums und Studenten der Ordenshochschule!
Zum Festgottesdienst versammelte Schwestern und Brüder im Herrn!

Der Wahlspruch des Kartäuser-Ordens lautet: „Stat crux dum volvitur orbis – Das Kreuz steht, während die Welt sich dreht.“
Dass die Welt sich dreht, dass erfahren wir Menschen täglich neu. Wir erleben unglaubliche Veränderungen in Politik, Kirche u. Gesellschaft, im persönlichen Leben sowie im Zusammenleben der Völker, ungeahnte technische Erfindungen, wissenschaftliche Entdeckungen, revolutionäre Systeme der Information und Kommunikation sowie rasante Wissenszuwächse auf allen Gebieten.
Die Welt ist zum Dorf geworden. Viele sagen: Es geht mir alles viel zu schnell, ich komme kaum mehr mit. Andere machen darauf aufmerksam: Bleiben bei diesen rasanten Veränderungen nicht wichtige Werte des Menschseins auf der Strecke, Werte wie Glaube u. Spiritualität, Zuverlässigkeit u. Treue, Besinnung u. Stille, Grundsätze und Normen? Steht nicht unser Menschsein überhaupt auf dem Spiel: das Leben und das Überleben? Aus der täglichen Erfahrung wissen wir: Je schneller ein Rad sich dreht, desto fester muss die Nabe verankert sein, sonst macht sich das Rad selbständig. Braucht unser Leben nicht auch so eine zentrierende Mitte? Was ist es, das die Welt im Innersten zusammenhält?
„Stat crux dum volvitur orbis - Das Kreuz steht, während die Welt sich dreht.“
Für Christen ist die Mitte der Welt und des Lebens Jesus, der gekreuzigte und auferstandene Herr. Und das Kreuz, das wir im Licht von Ostern sehen, ist das Kennzeichen unseres Christseins. Am heutigen Festtag schauen wir nicht auf Statistiken, Untersuchungen und Prognosen, wir schauen auf das Kreuz.
Was bedeutet das Kreuz eigentlich? Auf diese Frage gibt es viele Antworten. Ich denke an so manches Gold- oder Silberkreuz am Halskettchen: das Kreuz als  Schmuckstück oder Erkennungszeichen des Christen, ein Bekenntnis zu Gott?

Ich denke an die vielen Wegkreuze auf unseren Straßen, Berggipfeln, Kirchen, in Gerichtssälen, Kindergärten und Schulen als Zeichen des Christentums, das unsere europäische Geschichte und Kultur tief geprägt hat und immer noch prägt – Gott sei Dank bleibt uns das Kreuz im öffentlichen Bereich erhalten!
Ich denke an die unzähligen Kreuze auf unseren Friedhöfen und Kriegerdenkmälern, die an das sinnlose Blutvergießen der beiden Weltkriege erinnern als Zeichen der Hingabe und des Opfers so vieler.
Das alles und noch viel mehr kann das Kreuz bedeuten.

Aber was bedeutet das Kreuz für mich? Das ist wohl die eigentliche Frage.
Es ist zu wenig wenn es nur irgendwo an der Wand hängt. Steht es auch dort, wo es eigentlich auch hingehört: in der Mitte meines Herzens, meines Lebens? Oder ist das Kreuz auch für uns Christen von heute nur mehr Ärgernis, Torheit? Im Zeichen des Kreuzes sind wir getauft. Ein ganzes Leben bezeichnen wir uns mit diesem Zeichen. Immer wieder wird uns Segen zugesprochen im Zeichen des Kreuzes. Selbst auf unseren Gräbern finden wir das Zeichen des Kreuzes. Mit dem Kreuz bekennen wir uns zu Jesus, wir gehören zu ihm, wir sind durch ihn gerettet u. befreit aus Sünde und Tod. Wir stellen uns unter seinen Schutz. Jesus Christus ist die Mitte der Weltgeschichte: Wir teilen die Zeit in die Jahre vor ihm und nach ihm. Sein Leben, sein Sterben und seine Auferstehung bilden die Achse der Weltgeschichte. Am Kreuz scheiden sich die Geister – heute wie damals. Während für die einen das Kreuz Torheit ist, sehen es andere als grausames Folterwerkzeug. Für uns Christen ist das Kreuz Zeichen des Sieges und des Lebens. Denn das Kreuz zeigt Gottes Weisheit und Macht. Das Kreuz steht in der Mitte der Pläne Gottes und damit im Zentrum der Weltgeschichte, denn es hat die Wende der Zeiten heraufgeführt. Durch Jesu Tod am Kreuz ist in die Welt das Heil gekommen. Das Kreuz ist so die Mitte unseres Glaubens  – nicht die Kirche, Amtsträger, Professoren, Laien/Pfarrerinitiativen!

So wie der Weg Jesu durch Leiden u. Tod am Kreuz zur Herrlichkeit des ewigen Lebens geführt hat, so auch unser Weg: Als Weg der Nachfolge Jesu ist er geprägt von der Bereitschaft zur Hingabe, vom Aushalten im Leiden, vom Gehorsam bis zum Tod, vom Bestehen des Sterbens aus dem tiefen Glauben an die Auferstehung und Vollendung. Dadurch ist für uns Christen ein neues Gottesbild verbindlich geworden: Gott offenbart seine Macht in der Ohnmacht. Sein Platz ist an der Seite der Armen und Leidenden, Ausgestoßenen, Kleinen und Entrechteten. Es muss auch unser Platz sein als Christen und Kirche – die Sorge um das Törichte, Schwache, Niedrige und Verachtete in der Welt! Gerade wenn sich die Welt immer schneller dreht, ist es wichtig sie im Lot zu bewahren:   dem Leben Sinn zu geben, den Mitmenschen beizustehen, in Zeiten der Not und Bedrängnis beieinander auszuhalten, im Tod die Hoffnung auf Vollendung nicht zu verlieren. Das Kreuz sagt uns: Sieger der Weltgeschichte ist Jesus Christus – durch die Hingabe seines Lebens für uns und für alle. Wer auf seiner Seite steht, der glaubt daran: „Das Kreuz steht, während die Welt sich dreht.“

Als das Volk Israel auf seinem Weg in das gelobte Land den Mut verlor und sich gegen Gott und Mose auflehnte – so berichtet uns die 1. Lesung aus dem Buch Numeri – hat Gott dem Mose aufgetragen eine Kupferschlange aufzustellen, damit alle, die von einer Schlange gebissen werden, zu ihr aufblicken u. leben. Es ist gut, dass unser Blick am heutigen Festtag auf das Kreuz geht, weil auch wir moderne Christen auf unserer Pilgerschaft müde und mutlos werden, auch uns beißt die Schlange des Zweifels, des Ungehorsams und der Untreue. So ist es nötig, dass in der Hektik des Lebens und in den Verwirrungen des Glaubens wir alle – Klerus und Laien – aufblicken zum Kreuz, das uns immer erinnert:

  • dass Jesus Weg, Wahrheit und Leben ist – unser Heiland und Erlöser;
  • dass wir Jesu Heilstat für uns – Tod und Auferstehung – nie vergessen;
  • dass wir Menschen ein Ziel und eine Bestimmung von Gott her haben;
  • dass unser Leben hier auf Erden trotz Krankheit, Leid und Tod einen Sinn hat, weil uns ewiges Leben bei Gott geschenkt ist;
  • dass wir gerade in Leid und Kreuz, vor allem in der Stunde des Todes bei Maria Zuflucht und Hilfe suchen dürfen, weil sie unsere Not kennt und als Mutter Trösterin, Helferin und Fürsprecherin bei ihrem Sohn Jesus ist.


Wenn wir jetzt am Altar auf dem die kostbare Kreuzreliquie steht und über dem die Kreuzikone hängt gemeinsam Eucharistie feiern, dann wird auch heute das Kreuzesopfer Jesu Christi unter uns Gegenwart, dann sind wir alle hinein genommen in Jesu Tod und Auferstehung, dann sind wir auch mit unseren Verstorbenen über den Tod hinaus verbunden, dann werden wir mit Gnaden reich beschenkt – diesen Segen vom Kreuz erbitte ich uns allen, besonders aber dem gesamten Konvent von Heiligenkreuz mit seinem neuen Abt!

Möge Gott an unseren Verstorbenen, aber auch an uns Lebenden einmal das vollenden, was er in der hl. Taufe an uns begonnen hat, dass wir so auch der Frucht des Kreuzes, unserer Erlösung, teilhaftig werden – und vergessen wir nie:
„Stat crux dum volvitur orbis – Das Kreuz steht, während die Welt sich dreht.“
Amen.

+Ägidius J. Zsifkovics

Bischof von Eisenstadt

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