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Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 12. Dezember 2011

„Seid und bleibt Männer, die provozieren“

Thorsten M. Carich und Matthias A. Platzer wurden am 3. Adventsonntag, dem 11. Dezember 2011, im Eisenstädter St. Martinsdom von Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics zu Priestern geweiht. In seiner Festpredigt stellte Bischof Zsifkovics Johannes den Täufer beispielgebend in den Mittelpunkt.

Satellitengesteuerte Navigationssysteme sind es, die den modernen Menschen an seine gewünschten geografischen Ziele bringen. Schnell und ohne viele Umwege, mittels GPS, das allerdings für die Lebensreise wenig hilfreich sei. Dafür stehe uns ein „biblisches Navigationssystem“ zur Verfügung, in der Gestalt von Johannes dem Täufer, so der Bischof.
„Johannes der Täufer ist einer, der provoziert: durch seine Kleidung, seine Lebensweise, seine Predigt. Er holt die Menschen aus ihrer Selbstzufriedenheit, aus ihrer Selbstgerechtigkeit und aus ihren Abhängigkeiten. Er zerstört die Sicherheit derer, die sich für gut und fromm halten und ruft zu Buße und Umkehr auf.“ Johannes ist Vorläufer und Wegbereiter. Sein Ziel sei es nicht, sich in Szene zu setzen und Mittelpunkt zu sein. „Er ist der Rufer, die Stimme für das Wort Gottes.“
Die Handlungen und Haltungen des Johannes seien auch heute Charakteristika des priesterlichen Dienstes, so der Bischof weiter. In diesem Sinn sein Wunsch an die Neupriester: „Seid und bleibt in eurem Dienst Männer, die mit ihrer Kleidung, ihrer Lebensweise und ihrer Predigt provozieren. Die zu Buße und Umkehr rufen und mit ihrer klaren Stimme dem Herrn den Weg bereiten. Dann seid ihr glaubwürdige Zeugen für das Licht und die Wahrheit.“

Am Festgottesdienst im St. Martinsdom nahmen zahlreiche Priester der Diözese Eisenstadt teil, an deren Spitze Altbischof Paul Iby, Generalvikar Georg Lang sowie der Regens des Priesterseminars Hubert Wieder. Der Martinsdom war bis auf den letzten Platz gefüllt. Vor allem aus den Heimat- und Einsatzpfarren der Neupriester waren zahlreiche Menschen nach Eisenstadt gekommen. Musikalisch gestaltet wurde der Festgottesdienst von der Dommusik St. Martin.

Fotos zur Priesterweihe …

Freitag, 9. Dezember 2011

Marienfeiertag im Zeichen der Ministranten

Erstmals lud die Diözese Eisenstadt am 8. Dezember, dem Hochfest Mariä Empfängnis, zur Immaculata-Feier mit Lichterprozession nach Eisenstadt.

Im Mittelpunkt standen dabei die Ministranten. Bereits ab dem frühen Nachmittag waren sie zu einem Spielefest im Theresianum geladen. "Es war ein besonderer Wunsch unseres Bischofs, dass die Ministranten an diesem Tag im Mittelpunkt stehen", so Veronika Fleischhacker, Diözesanleiterin der Katholischen Jugend/Jungschar, die den Nachmittag gemeinsam mit Kolleg/innen der Katholischen Aktion organisiert hatte.

Um 16.00 Uhr begann die Prozession von der Mariensäule am Oberberg durch die Fußgängerzone in den St. Martinsdom, wo eine feierliche Vesper gefeiert wurde. Dabei bedankte sich Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics bei den rund 100 anwesenden Ministranten für ihr Engagement. "Durch euren Dienst zu Ehren Gottes sei ihr viele kleine Lichter, die die Pfarren erleuchten."
Im Anschluss lud der Bischof alle Mitfeiernden zur persönlichen Begegnung ins Dompfarrzentrum, wo der Tag bei Hot-Dogs und Limo seinen Ausklang fand.

Das Fotoalbum zur Marienfeier …

Sonntag, 20. November 2011

Christkönigsfest & Kreuzwegweihe

(Dobersdorf, 20.11.2011)

Wir alle kennen die Redensart: „Einer hat sein Testament gemacht.“ Ein Mensch, der sein Testament macht, steht meist am Ende seines Lebens. Er weiß, dass seine Zeit vorbei ist. Er hinterlässt im Testament, was ihm besonders am Herzen liegt. Er tut dies vor Zeugen, die seinen letzten Willen kennen und dafür sorgen, dass das Testament auch eingelöst wird.
Das Evangelium am letzten Sonntag im Kirchenjahr ist auch ein Testament. Wir hören die letzten Worte, die Jesus zu seinen Jüngern spricht, bevor er leiden muss und getötet wird. In dieser Rede an seine Jünger bringt er das zur Sprache, was ihm wichtig ist und worauf es im christlichen Leben eigentlich ankommt. Und die Jünger sind seine Zeugen!

In diesem Testament Jesu geht es letztlich um drei Dinge:

1. Es geht um das Weltgericht. Gemeint ist nicht, dass Gott ein rächender und strenger Vater ist, der uns mit der Hölle und dem Fegefeuer droht, um uns Angst zu machen – wie man ihn früher gerne in Predigten und Bildern darstellte. Im Gegenteil, es geht viel mehr um das Bild von Gott als den Guten Hirten, von dem die erste Lesung aus dem Buch Ezechiel bildhaft aber treffend spricht. Gott als Hirte, der die Herde, die Menschen sucht, sich um sie kümmert, sie zurückholt, sie ruhen lässt, stärkt, verbindet und behütet.

2. Es geht um die gelebte Menschlichkeit. Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Die gelebte Menschlichkeit – das ist der eigentliche Maßstab christlichen Lebens. Was heißt das? Letzter Maßstab ist also nicht allein die Rechtgläubigkeit, nicht die lückenlose Befolgung von Glaubenslehren u. Geboten, nicht das Vorweisen eines tadellosen und sündenlosen Lebens, sondern die gelebte Menschlichkeit gegenüber den Ärmsten und Geringsten. In ihnen begegnen wir Christus! „Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Jesus ist zu finden in den Armen und Hilfsbedürftigen. Das, was wir Christen für sie tun, tun wir für Jesus und wir tun zugleich das, was Jesus selber getan hat als er sich den Ausgestoßenen und Notleidenden zuwandte.

3. Es geht letztlich um die Liebe. Wer sich in der Liebe bewährt, ist gerettet, erlangt das ewige Leben. Aber wozu dann noch der Glaube? Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir in der Liebe nicht vollkommen sind. Wir sind nicht so weit, dass der Mitmensch im Mittelpunkt unseres Denkens und Tuns steht, sondern oft nur das eigene Ich. Im Glauben kommen wir zur Überzeugung, dass das, was uns fehlt, durch die Liebe Gottes ergänzt wird, so dass wir bestehen können. Wir glauben an die Liebe Gottes. Wir empfangen sie umsonst und wir sollen sie daher anderen umsonst auch weitergeben.
Wenn unsere oft kleinen, unscheinbaren und unsichtbaren Taten an den ärmsten und geringsten Menschen das Wesentliche im Leben sind und ich in ihnen Christus selber begegne, dann steht nicht die Angst vor einem drohenden Gott am Ende, sondern die dankbare Erleichterung. Dann habe auch ich die Chance, gesagt zu bekommen: „Komm her, der du von meinem Vater gesegnet bist, nimm das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für dich bestimmt ist.“ Wie die Jünger damals, so sind wir Christen heute Zeugen von Jesu Testament: Was ihr für den Geringsten meiner Brüder und Schwestern tut, das tut ihr auch mir.

Lösen wir Jesu Testament im Alltag des Lebens ein, und begegnen wir jedem Menschen mit Achtung und Liebe, weil nur das bei Gottes Gericht zählt!
Der neue Kreuzweg, den wir heute hier in der Pfarrkirche Dobersdorf weihen erinnert uns alle an Jesu Leben, Leiden, Tod und Auferstehung – dass er uns allen den Weg vorausgegangen ist, der uns zum Leben in Fülle führt. Das Geheimnis seines Lebens- und Leidensweges ist und bleibt die Liebe. Die neuen Kreuzwegstationen in Eurer Kirche sind Stationen der Liebe Jesu zu Gott und den Menschen. Das betende Nachgehen des Leidensweges Jesu will unsere Liebe zu Gott und den Mitmenschen stärken und vertiefen. Betet daher als Pfarrgemeinde oft und gerne den Kreuzweg und Eure Liebe zu Gott und den Mitmenschen wird wachsen, Ihr werdet Euch ein waches Auge und Herz für Eure Mitmenschen, besonders jene in Not, bewahren!

Vergelt´s Gott sage ich allen, die diesen schönen Kreuzweg gespendet haben! Der neue Kreuzweg will Euch Dobersdorfern helfen, dass Ihr im leidenden und gekreuzigten Jesus den auferstandenen und verherrlichten Christkönig erkennt und Jesu Testament der Liebe nicht vergesst – ja mehr noch als Dauerauftrag seht!
Möge Christus, der König am Kreuz, seine schützende Hand über einen jeden einzelnen von Euch, Eure Familien und Eure Pfarrgemeinde halten! Amen.

+ Ägidius J. Zsifkovics

Bischof von Eisenstadt

Freitag, 11. November 2011

Kanzelwort zum Martinsfest 2011

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Vor genau 90 Jahren ist unsere Heimat Burgenland zu Österreich gekommen. Und bereits damals hat der Burgenländische Landtag beschlossen, diesem jüngsten „Kind von Österreich“ den heiligen Martin von Tours als Landespatron zu geben.  So ist das Fest unseres Landes- und Diözesanpatrons eine Einladung, innezuhalten und erneut auf diesen großen Menschen, Christen und Hirten zu schauen.

Martinus, vor mehr als 1600 Jahren verstorben, bleibt auch im 21. Jahrhundert eine faszinierende, höchst aktuelle Persönlichkeit, deren Wesen den herausfordert, der sich ihr ernsthaft nähert. Dabei sind es zwei Aspekte, die  dieser Gestalt heute besondere Aktualität verleihen.

Zum einen: Martin war ein echter Europäer. Im heutigen Ungarn geboren, verbrachte er seine Jugend in Italien, diente als römischer Soldat in Frankreich, war später in Deutschland stationiert, bevor er nach Pannonien zurückkehrte und über Italien erneut nach Frankreich kam, wo er als Bischof von Tours starb. Ein Mann also, der Grenzen überwand und die Vielfalt an Sprachen und Kulturen, Sitten und Traditionen kennen- und auch schätzen lernte.

Der andere Aspekt: Martin lebte an einer Zeitenwende. Die Antike ging zu Ende, das Römische Weltreich zerbrach, unter dem wogenden Ansturm wandernder Völker begann eine neue Zeit. In dieser Welt des Umbruchs und der sich verschiebenden Grenzen, ja man darf sagen: in einer gänzlich aus den Fugen geratenen Welt versuchte Martin das Christentum zur Grundlage des Lebens und Handelns zu machen – für sich wie für Andere. Damit strahlt seine Leuchtkraft weit herüber bis in unsere Zeit und vermag den Ausgang aus dem dunklen Labyrinth gesellschaftlicher Orientierungslosigkeit und aktueller Sinnkrisen zu erhellen.

Ein Philosoph des 20. Jahrhunderts hat einmal gesagt, Europa wird auf vollen Lebensmittelreserven und Rohstoffspeichern verhungern, wenn ihm der Glaube an die Zukunft verloren geht. Mit Zukunft war nicht weniger als Gott gemeint. In der jetzigen Zeit des Umbruchs, der Verunsicherung und neuer Herausforderungen in Kirche und Gesellschaft ist der Blick auf unseren Landes- und Diözesanpatron weit mehr als ein Jubiläumsakt von Patrioten. Weil Gestalt und Tat des Martinus die seelische Erneuerung, den inneren Aufbruch des Einzelnen zeigen, haben sie das Format für eine zivilisatorische Erneuerung! Durch sein immerwährendes Bild teilt Martin noch immer mit uns, gibt er uns drei große, leuchtende Antworten auf die Fragen unserer Zeit und legt dabei seinen Mantel bergend über unseren eigenen Lebens- und Glaubensweg.

Die erste Antwort: Verweigerung gegenüber den Werten der Welt 

Martin war ein entschlossener, zutiefst geistlicher Mensch-Christ-Mönch-Hirte. Obwohl ihn eine große Karriere beim Militär erwartete, erkannte er, dass Gott es ist, der ihn zum Dienst ruft – und er ist diesem Ruf auch entschlossen gefolgt. Im heutigen Worms hat er den Wehrdienst verweigert und – zunächst erfolglos – gebeten, aus dem Heeresdienst ausscheiden zu dürfen. Martinus, Mann der Stille und des Gebetes, war „Verweigerer“ – ein Verweigerer dessen, was seinem Weg hin zu Gott und zur eigenen Mitte zuwiderlief. Wie steht es um unsere Entschlossenheit bei der Verweigerung gegenüber all dem, was uns an der Gottsuche behindert? Wie stark widerstehen wir dem Fegefeuer der Eitelkeiten im gesellschaftlichen, persönlichen, ja selbst religiösen Leben? Geben wir nicht meist äußerer Aktivität und Selbstdarstellung den Vorrang, in der irrigen Meinung, dass nur sie uns zu erfolgreichen Menschen macht? Vernachlässigen wir nicht allzu leicht die innere Einkehr und Stille, Gebet und Gottesdienst? Martin setzte in seinem Leben das Sein vor den Schein und vor das Haben. Das führt direkt zur zweiten Antwort, die sein Bildnis uns gibt:                                                

Sein statt haben!

Martin war ein sozialer Mensch-Christ-Mönch-Hirte. Mit seiner Tat des Mantelteilens mit dem Armen ist er in der ganzen Welt bekannt und unvergesslich geworden. Der Heilige hat nicht lange überlegt, auf Andere verwiesen oder Kommissionen zur Erforschung von Bedürftigkeit eingesetzt, sondern er selbst war solidarisch mit seinem Nächsten, der in Not war. Caritas statt Commissionitis, liebender Pragmatismus statt erstickenden Bürokratismus! Martin hat das Wort Jesu im Evangelium in seinem Leben erfüllt: „Was ihr für den geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Laufen wir in unserem trotz Finanzkrise immer noch gewaltigem Wohlstand und Anspruchsdenken nicht Gefahr, ständig den eigenen Profit und Vorteil zu suchen? Wie gerne teilen wir wirklich – unsere Zeit, unser Geld, Liebe und Verständnis, anstatt in eine Charity-Scheinwelt abzudriften? Dies führt zur dritten Antwort, die uns das Bild unseres Patrons gibt:

Baut echte Brücken!

Martin war ein Friedensstifter und Brückenbauer als Mensch-Christ-Mönch-Hirte. Sein  Biograph und Weggefährte Sulpicius Severus berichtet uns von einer Reise kurz vor Martins Tod in eine Pfarrei, um die dort streitenden Menschen zu versöhnen. Ein Mann dieses Kalibers konnte zum großen Bindeglied zwischen Rom und dem Reich der Franken werden. Dieses sein Bemühen um Einheit ist Verpflichtung auch für uns. Braucht es nicht gerade in der Kirche unserer Tage wieder mehr Brückenbauer und Friedensstifter als Aufrufer zu Spaltung und „Ungehorsam“? Wie wollen wir die Spaltungen der Welt überwinden, wenn es uns nicht einmal gelingt, im eigenen, kleinen Haus für Eintracht zu sorgen? Folgen wir mutig dem Aufruf des seligen Papstes Johannes Paul II. an uns, der bei seinem Pastoralbesuch in unserer Diözese 1988 ermutigt hat, im Blick auf den heiligen Martin „Brückenbauer“ zu sein – nach außen, hin zu unseren Nachbarn im Osten, aber auch nach innen, hin zum unmittelbaren Nachbarn und Nächsten!

Der Blick auf die Geschichte unseres gesegneten Burgenlandes gestattet alle Hoffnung auf ein Gelingen dieses Bauwerkes. In unserer Landeshymne heißt es: „Mein Heimatvolk, mein Heimatland mit Österreich verbunden. Auf dir ruht Gottes Vaterhand, du hast sie oft empfunden.“ Diese Worte waren einst ein klares Bekenntnis zum christlichen Gottes- und Menschenbild, auf dem unser alter Kontinent Europa und unser Heimatland gründen – in Zeiten des Umbruchs, der Unsicherheit und neuer Herausforderungen sollen wir das nicht vergessen, vor allem die junge Generation nicht!

Wie oft haben die Menschen unseres pannonischen Raumes im Laufe der Geschichte erfahren, dass Gottes Vaterhand auf ihnen ruht! Wie sonst hätten sie die Wirren zweier Weltkriege, vor allem die nationalsozialistische Diktatur mit ihrer menschenverachtenden Politik der Unterdrückung, Verfolgung, Vertreibung und Ausrottung vieler unserer Landsleute wegen ihrer Rasse, Sprache oder Religion bestehen können?  Wie sonst den Wiederaufbau und die Modernisierung unseres Landes, das durch den Fleiß seiner Menschen vom Armenhaus zur Vorzeigeregion Österreichs und Europas wurde, in der das harmonische Miteinander aller Volksgruppen, Konfessionen, Sprachen und Kulturen nach dem Motto „das Eigene lieben, das Andere schätzen“ gelebt wird und damit die große Welt im kleinen Burgenland ihre Probe hält?

Gehen wir diesen Weg weiter – es ist der Weg ganz im Sinne des heiligen Martin! Unser Landes- und Diözesanpatron ist uns dabei Wegweiser, Helfer und Fürsprecher! Möge Gottes Vaterhand die Menschen unseres „teuren Burgenlandes“ in eine gesegnete Zukunft geleiten!


+ Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt

Grußwort Festakademie Martini

(Eisenstadt-Wirtschaftskammer, 11.11.2011)

Eminenz, hochwürdigster Herr Primas von Ungarn, lieber Bischof Paul, liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst, ehrwürdige Schwestern, liebe Mitarbeiter im kirchlichen Dienst unserer Diözese aus dem Bischofshof, den Dekanaten – besonders den beiden Visitationsdekanaten Deutschkreuz und Güssing – sowie aus den Pfarren unserer Diözese!
Sehr geehrter Herr Landesrat und alle Vertreter aus Politik und Gesellschaft!
Dragi vjerniki hrvatskoga materinskoga jezika nase biskupije!

Kedveschne phenja taj phrala la flogoskera grupnatar le Romendar ande amari diözese!
Schwestern und Brüder im Herrn!


Vor genau 90 Jahren ist unsere Heimat Burgenland zu Österreich gekommen. Schon damals hat der Burgenländische Landtag beschlossen, diesem „jüngsten Kind von Österreich“ den heiligen Martin von Tours als Landespatron zu geben. An seinem Festtag sind wir jedes Jahr eingeladen, innezuhalten und auf diesen großen Menschen, Christen und Hirten zu schauen. In der jetzigen Zeit des Umbruchs, der Verunsicherung und neuer Herausforderungen in Kirche und Gesellschaft ist der Blick auf unseren Landes- und Diözesanpatron weit mehr als ein Jubiläumsakt von Patrioten – er gibt Antworten auf Fragen unserer Zeit. In meinem Kanzelwort zu diesem Martinsfest habe ich auf 3 Dinge verwiesen. Martin war als geistlicher Mensch ein Verweigerer dessen, was seinem Weg hin zu Gott zuwiderlief. Martin war ein sozialer Mensch, der mit seinem Nächsten solidarisch war, besonders mit dem, der in Not war. Martin war ein Friedenstifter und Brückenbauer, der immer um Einheit und Versöhnung bemüht war.

Unser 90jähriges Burgenland haben unzählige Menschen mit der Haltung des heiligen Martin aufgebaut und bauen auch heute noch daran mit– geistliche und soziale Menschen, Friedensstifter und Brückenbauer. Im Geist des heiligen Martin trugen und tragen sie zum Wiederaufbau und zur Modernisierung unseres Landes bei, das durch den Fleiß seiner Menschen vom Armenhaus zur Vorzeigeregion Österreichs und Europas wurde, in der das harmonische Miteinander aller Volksgruppen, Konfessionen, Sprachen und Kulturen nach dem Motto „das Eigene lieben, das Andere schätzen“ gelebt wird und damit die große Welt im kleinen Burgenland ihre Probe hält. All das wäre nicht möglich, wenn es in unseren Pfarrgemeinden nicht Menschen gäbe, die wie Martinus aus tiefster christlicher Überzeugung heraus, mit großem Einsatz und aus Liebe zu Gott und den Mitmenschen Kirche und Gesellschaft in unserer Diözese und in unserem Land wesentlich mitbauen und mitgestalten. In diesem Jahr des Ehrenamtes möchte ich daher als Bischof, allen in unserer Diözese Danke und Vergelt´s Gott sagen, die ehrenamtlich arbeiten in der Verkündigung, Liturgie und Caritas und so viel Gutes tun für das Gemeinwohl, damit der Glaube an Gott auch bei uns lebendig bleibt und in die Tat umgesetzt wird. Einiges an ehrenamtlichem Engagement, das sich in unseren Dekanaten und Pfarren ereignet wurde uns stellvertretend für vieles soeben präsentiert.
                                                                                    
Als Bischof möchte ich bewusst die Pfarre und den Pfarrgemeinderat hervorheben. Was wären unsere Pfarren ohne die Pfarrgemeinderäte – dieser kostbaren Frucht des 2. Vat. Konzils?! Mit einer Dankwallfahrt der Pfarrgemeinderäte unserer Diözese im Oktober nach Oberpullendorf haben wir als Diözese den Pfarrgemeinderäten der zu Ende gehenden Periode Danke gesagt für ihren ehrenamtlichen Dienst in unserer Kirche und an unserer Gesellschaft, den pers. Einsatz, das Glaubenszeugnis und die Mitverantwortung für eine lebendige Kirche, die den Menschen nahe sein will – das ist auch Neuevangelisierung!
                                                                  
Unter dem Motto „Gut, dass es die Pfarre gibt“ werden die nächsten Pfarrgemeinderatswahlen am 18. März 2012 in ganz Österreich stattfinden. Das ist daher auch der pastorale Schwerpunkt dieses Arbeitsjahres.

Als Bischof möchte ich viele Christen in unseren Pfarren – bisherige und neue – einladen sich als Pfarrgemeinderäte bei der kommenden Wahl zur Verfügung zu stellen und so aus Taufe und Firmung heraus für die nächsten fünf Jahre konkrete Mitverantwortung für das kirchliche Leben in ihrer Pfarre zu übernehmen. Pfarrgemeinderäte leisten in der Kirche einen wertvollen und bedeutenden Dienst. Sie leben konkret das Apostolat zu dem alle Getauften berufen sind und gestalten durch ihr Engagement die Kirche vor Ort entscheidend mit. In einer Zeit großer Umbrüche in Kirche und Gesellschaft werden sie in den kommenden Jahren gefordert sein, als „Pfadfinder der Frohen Botschaft“ nach Wegen zu suchen, die tieferen Fragen des Menschen aufzugreifen und die Antworten des Glaubens zu vermitteln. Die Pfarrgemeinden brauchen solche Menschen! Schon jetzt lade ich alle neugewählten Pfarrgemeinderäte am Pfingstmontag 2012 zum Domweihfest nach Eisenstadt ein. Ich wünsche unseren Pfarrgemeinden viele Pfarrgemeinderäte – Männer, Frauen und Jugendliche - die wie der hl. Martin zuerst geistliche und soziale Menschen, Zeugen und Türöffner für Gott, Friedenstifter und Brückenbauer sind! Kirche und Gesellschaft brauchen heute mehr denn je Christen wie Martin und nicht Aufrufer zu Spaltung und Ungehorsam!

In unserer Landeshymne heißt es: „Mein Heimatvolk, mein Heimatland mit Österreich verbunden. Auf dir ruht Gottes Vaterhand, du hast sie oft empfunden.“ Möge Gottes Vaterhand die Menschen unseres „teuren Burgenlandes“ in eine gesegnete Zukunft geleiten! Der hl. Martin, unser Landes- und Diözesanpatron ist uns dabei ein Wegweiser und Helfer.
In den Sprachen unseres Landes und der Kirche erbitten ich seinen Schutz für unsere Kirche und Heimat:
Heiliger Martin, bitte für uns!
Sveti Martin, moli za nas !
Szent Márton, könyörögj értünk!
Sancte Martine, ora pro nobis!

+ Ägidius J. Zsifkovics

Bischof von Eisenstadt

Dienstag, 1. November 2011

Hochfest Allerheiligen

(Eisenstadt-Martinsdom, 01.11.2011)

Was sind Heilige? Heilige sind Menschen - Männer und Frauen - die hellwach sind und mit beiden Beinen im Leben stehen. Heilige sind Menschen, die Mut haben und die Partei ergreifen. Heilige sind Menschen, die aus Taufe und Firmung heraus versuchen umzusetzen, was sie  vom Evangelium verstanden haben. Heilig ist, wer in der heutigen Welt Jesu Seligpreisungen lebt und so die Erinnerung an Gott wach hält. Wir alle sind als Christen zur Heiligkeit berufen!

Die Ordensgemeinschaften der Karmelitinnen und Karmeliten gedenken von Oktober 2011 bis Oktober 2012 einer Heiligen: Sr. Teresia Benedicta vom Kreuz - Edith Stein - da sich drei markante Lebensstationen der Heiligen in diesen beiden Jahren jähren: ihr 120. Geburtstag, ihr 70. Todestag und der 25. Jahrestag ihrer Seligsprechung. An Allerheiligen sind wir alle eingeladen, auf diese Jüdin, Atheistin, Christin, Frauenrechtlerin, Philosophin, Karmelitin und Heilige zu schauen.
Edith Stein ist eine Heilige, die für Christen unserer Tage wichtig ist, weil ihr Lebens uns in einzigartiger und spannungsvoller Weise mit dem Heiligen, dem Unfassbaren, mit Gott in Berührung bringen kann. Einerseits stellt ihr Lebensende uns vor die kaum beantwortbare Frage nach Gottes Wirken in der Geschichte: „Wie konnte Gott Auschwitz zulassen?“ Andererseits wird gerade in ihrem Leben die Wirkmächtigkeit Gottes in einer Deutlichkeit greifbar, die auch uns zum Glauben ermutigt. 
Die erste Lebenshälfte von Edith Stein ging steil nach oben, war eine wissenschaftliche Karriere. Die zweite Lebenshälfte aber beugt sich nach unten und innen, geht ins Unauffällige zurück, verschwindet im grauenvollen Dunkel. Wenn ihr jetzt die öffentliche Anerkennung zuteil wird und sie zur Ehre der Altäre erhoben worden ist, dann dürfen wir nicht vergessen, dass zuvor Menschen sie, wie Unzählige andere, die das gleiche Schicksal erlitten haben, brutal aller Würde und Ehre beraubt haben. Deshalb hat Papst Johannes Paul II. in der Predigt zur Heiligsprechung am 11. Oktober 1998 gesagt: „Wenn wir fortan Jahr für Jahr das Gedächtnis der neuen Heiligen feiern, müssen wir uns auch an die Shoah erinnern, an den grausamen Plan, ein Volk zu vernichten. Einen Plan, dem Millionen jüdischer Schwestern und Brüder zum Opfer fielen. Um Gottes und der Menschen willen erhebe ich noch einmal tief betrübt meine Stimme und rufe: Ein solches verbrecherisches Tun darf sich nie mehr wiederholen, an keiner ethnischen Gruppe, an keinem Volk, an keiner Rasse, nirgendwo auf der Welt!“

Edith Steins Leben und Sterben vermag in viele gesellschaftliche Bereiche hinein Anstöße und Impulse zu geben. Sie ist Zeugin des Glaubens und schaut uns mit fragenden Augen als Zeitgenossin an. In unseren Tagen, in denen der Gottesglaube, das Gebet und das öffentlich bezeugte Christentum immer mehr dahinschwinden, will sie uns mit ihrem ungewöhnlichen Lebensweg aufrütteln. Bei vielen Christen kommen der Glaube, der Sonntag mit dem Kirchgang und das Beten schleichend abhanden. Aus einem jüdischen Elternhaus stammend, hat Edith mit 14 Jahren bewusst jeglichen Gottesglauben abgelegt, sich das Beten abgewöhnt. Es begann damit eine lange atheistische Zeit, in der sie auf der Suche nach Gott war. Für eine religiöse Neuorientierung waren zwei Begegnungen in ihrem Leben maßgeblich: Als sie nach dem Tod eines Freundes dessen Witwe trösten wollte, erfuhr sie, dass diese Frau im Glauben soviel Kraft fand, dass sie in der Lage war, ihr noch Trost zu geben. Nun begann Edith, das Neue Testament zu lesen. Das zweite wichtige Ereignis für sie war die Lektüre einer Biografie der heiligen Teresa von Avila. Dabei fällte sie drei Grundentscheidungen: Christin zu werden, Katholikin zu werden, Karmelitin zu werden. Die tiefe Erfahrung der Gottesbegegnung führte sie aus einer mehrjährigen Gottsuche und Wüstenwanderung zum Glauben, in dem sie letztlich ihre Heimat gefunden hat.

Uns ein Leben lang um den Glauben bemühen - das können wir von Edith Stein lernen. Im Austausch mit anderen Menschen, die wie wir oft um den Glauben ringen, und im Gebet die Kraftquelle unseres Alltags zu finden. Sie schrieb einmal an eine befreundete Ordensschwester: „Es ist im Grund immer eine kleine einfache Wahrheit, die sich zu sagen habe: wie man es anfangen kann, an der Hand des Herrn zu leben.“

Folgen auch wir dem Rat der heiligen Edith Stein und fangen wir an, an der Hand des Herrn zu leben - ihn in der Heiligen Schrift und im Gebet zu suchen. Wir werden ihn finden - er gibt uns Kraft und Mut zum Zeugnis für ihn. Edith Stein hat es uns vorgelebt und ist heilig geworden. Jetzt sind wir dran, es ihr nachzumachen, um auch auf dem Weg der Heiligkeit voranzukommen. Amen.

+ Ägidius J. Zsifkovics
B
ischof von Eisenstadt

Samstag, 22. Oktober 2011

Erster Gedenktag des seligen Papst Johannes Paul II.

(Eisenstadt-Martinsdom, 22.10.2011)

Am Vorabend des Sonntags der göttlichen Barmherzigkeit im Jahre 2005 ist Papst Johannes Paul II. verstorben und in das Haus des Vaters heimgekehrt.   Die Kirche und Welt hat in einmaliger und beeindruckender Weise Abschied genommen von dieser wohl größten Persönlichkeit unseres Zeitalters. Millionen Menschen – darunter viele Jugendliche – haben in Rom, in seiner Heimat Polen und in der ganzen Welt getrauert und so dem verstorbenen Papst ihre Sympathie und tiefe Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht. Schon beim Begräbnis haben die Menschen am Petersplatz in Sprechchören seine Heiligsprechung verlangt. 
Am Sonntag der Göttl. Barmherzigkeit dieses Jahres – den Johannes Paul II. für die ganze Kirche einführte – haben sich wieder viele Menschen in Rom versammelt um die Seligsprechung dieses großen Europäers und Weltbürgers zu feiern. 
Heute am ersten Gedenktag des Seligen haben wir uns aus Dankbarkeit für seinen Besuch in unserer Diözese hier im Martinsdom – den er auch besuchte – versammelt, um seiner zu gedenken und um seine Fürsprache zu bitten.
Es ist kaum möglich das Leben und Wirken dieses einmaligen Apostels Gottes darzulegen und gebührend zu würdigen. Johannes Paul II. war in den 26 Jahren seines Pontifikates in vielem ein Mann der Superlative, neuer Initiativen aber auch historischer Schritte, vor allem in Krankheit u. Leid bleibt er ein Beispiel!


  • Seine 104 Pastoralreisen führten ihn auf alle Kontinente und in fast alle Länder – 29 Mal um die Erde! Dreimal besuchte er dabei Österreich, am 24. Juni 1988 unsere Diözese und feierte mit 100.000 Pilgern aus unserer Diözese, Ungarn u. Kroatien auf der Hutweide in Trausdorf die hl. Messe! Dazu kommen noch die 150 Pastoralbesuche in Italien. Dabei hielt er 2.400 Ansprachen. Die größte Messe feierte er in Manila mit über 4 Mill. Menschen und der kleinste Besuch galt den 100 Eskimos in Kanada. 
  • Er hat 1.165 Generalaudienzen auf dem Petersplatz, im Petersdom, in der Audienzhalle und in Castelgandolfo gehalten, 900 Staatsoberhäupter in Audienz empfangen und in seiner Amtszeit etwa 17.000 Reden in den verschiedenen Sprachen gehalten.
  • Er hat der Kirche 482 Heilige und 1.338 Selige geschenkt.
  • Er hat die Kirche mit dem neuen Gesetzbuch, dem Weltkatechismus, 14 Enzykliken, 56 Apostolische Schreiben, 10 Konstitutionen, 19 Briefen, 4 Büchern, unzähligen Botschaften und Gebeten bereichert. 
  • Unvergesslich bleibt das Gebet mit den Vertretern der Weltreligionen in Assisi, die Begegnungen mit Vertretern des Judentums und des Islam, die Bemühungen in der Ökumene und die große Vergebungsbitte für die Vergehen und Irrtümer der Katholischen Kirche im Heiligen Jahr 2000.


Es ist wahrlich ein großes Werk und Erbe, das dieser Papst hinterlassen hat und kaum zu fassen, dass dies alles ein Menschenleben bewältigen kann! Man kann nur staunen, aus Hochachtung sich vor ihm verneigen und Vergelt´s Gott sagen! Was aber ist die Botschaft, die Papst Johannes Paul II. uns allen hinterlässt? Mit seinem Leben und Wirken, in seinen Reden und Schriften ruft er uns zu:

1. Öffnet die Türen Christus, dem Erlöser!
Gerade heute öffnen wir Menschen vielem und jedem Tür und Tor, aber wir sind in Gefahr dabei Jesus Christus zu vergessen und hinauszusperren.
Jesus ist oft nicht mehr die Mitte von Glaube und Kirche – scheinbar suchen manche eine andere Mitte: in der Institution, Initiativen und Richtungskämpfen. 
Jesus hat oft keinen Platz mehr im öffentlichen Leben – in Politik, Wirtschaft, Medien, Kunst und Kultur, weil da andere Regeln gelten. 
Jesus hat oft keinen Platz mehr in unseren Familien – man baut lieber auf andere Fundamente und Werte, muss aber eingestehen wie brüchig sie sind.
Jesus hat oft keinen Platz mehr in den Herzen der Menschen, weil das Menschenherz voller Egoismus ist und nur für sich selber leben u. genießen will.
Der selige Papst Johannes Paul II. ruft uns heute zu: Öffnet die Türen für Christus, den Erlöser des Menschen, der Frieden, Freude und Sinn gibt!

2. Fürchtet euch nicht!
Das ist die Botschaft des Engels an Maria als er ihr verkündet, dass sie die Mutter Jesu werden soll. 
Das ist die frohe Botschaft, die die Engel bei der Geburt Jesu den staunenden und verängstigten Hirten verkünden.
Das ist auch die Botschaft des Engels am Ostermorgen den suchenden Frauen.
Der selige Papst Johannes Paul II. ruft uns von materiellen, seelischen und ideologischen Ängsten geplagten und verwirrten Menschen in den Krisen in Kirche und Gesellschaft heute zu: Fürchtet euch nicht!

3. Vertraut auf die Barmherzigkeit Gottes!
Gott hat aus Liebe und Barmherzigkeit mit uns Menschen Jesus gesandt, ihn am Kreuz sterben und auferstehen lassen, damit der Mensch endgültig gerettet wird. Am Kreuz hat Gott aus Liebe und Barmherzigkeit Mensch und Welt erlöst. 
Der selige Papst Johannes Paul II. ruft uns zu: Vertraut auf die Barmherzigkeit Gottes, weil sie die einzige Garantie ist, auf die wir Menschen im Leben setzen können ohne enttäuscht zu werden. Es ist ein besonderes Zeichen des Himmels, dass der Papst am Fest der Göttl. Barmherzigkeit, das er der Kirche geschenkt hat, gestorben ist und am gleichen Fest in diesem Jahr selig gesprochen wurde!

4. „Liebe Christen der Diözese Eisenstadt! Im Geist des hl. Martin überschreitet ihr auch die Grenzen eurer Heimatdiözese. Diese ist sich mit ihrem Bischof auch der Brückenfunktion bewusst, die ihr zu den Völkern Osteuropas hin habt. Ebenso seht ihr auch eure Verantwortung für die Weltkirche, jene Ortskirchen, die materiell in Not u. Armut leben. Ihr steht auch mit euren Partnerdiözesen in Afrika und Indien in lebendigem Austausch. Dafür danke ich euch und ermutige euch, in diesem Geist eures Diözesanpatrons, des hl. Martin, weiterzuwirken.“
Öffnet die Türen Christus, dem Erlöser – Fürchtet euch nicht – Vertraut auf die Barmherzigkeit Gottes – sowie der konkrete Auftrag an unsere Diözese zur Glaubenserneuerung und Brückenfunktion – das ist die bleibende Botschaft von Johannes Paul II. Der Selige ist uns darin Vorbild u. Fürsprecher!
Amen.

+Ägidius J. Zsifkovics

Bischof von Eisenstadt

Freitag, 30. September 2011

Katholischer Familienverband Österreichs

(Martinsdom, 30. September 2011)

Am Gedenktag des hl. Hieronymus sind wir eingeladen auf diesen hochgebil-deten und überaus leidenschaftlichen Menschen und Heiligen zu schauen. Hieronymus war – nach allen Lebensbeschreibungen – leidenschaftlich in seiner Liebe zu Christus, zum Wort der Heiligen Schrift und zur Kirche – Tugenden und Eigenschaften, die einen jeden Christen auszeichnen sollten.
Was den hl. Hieronymus für uns heutige Menschen so sympathisch macht ist, dass er neben allen Tugenden u. Begabungen ein Mensch war, dessen mensch-liche Schwächen, Grenzen und Eigenheiten unübersehbar sind. Alle Heiligen, die wir als Vorbilder im Glauben verehren, sind Menschen gewesen wie wir, mit Stärken und Schwächen. Sind sie uns so nicht besonders nahe? Wir Menschen-Christen von heute brauchen mehr denn je die 3 Eigenschaften des Hieronymus

Liebe zu Christus.
Das Evangelium Jesu Christi ist nicht ein Lehrgebäude oder eine Weltverbesser-ungstheorie, es ist die Person Jesu Christi selbst, der lebendige Gott, auf den Christen bauen und vertrauen – es ist das Geschenk einer Freundschaft, die im Leben und im Sterben trägt. Gerade weil das Christentum mehr ist als Moral, eben das Geschenk einer Freundschaft, darum trägt es in sich eine große moralische Kraft, deren wir angesichts der Herausforderungen unserer Zeit so sehr bedürfen. Die Freundschaft zu Jesus Christus ist die Ursache und das Fun-dament unseres Glaubens, die gesucht, gelebt und erfahrbar werden muss – im persönlichen Leben, in unseren Familien und Pfarrgemeinden.
Der Katholische Familienverband Österreichs trägt wesentlich dazu bei, dass die Botschaft Jesu in unserer Gesellschaft lebendig bleibt, die Familie als Säule unserer Gesellschaft gestärkt wird und viele Menschen zur Freundschaft mit Jesus finden – Vergelt´s Gott für diesen wichtigen, nicht immer leichten Dienst!

Liebe zum Wort der Heiligen Schrift.
Seine Liebe zum Wort der Heiligen Schrift zeigt der hl. Hieronymus wohl in der Übersetzung der Bibel aus dem Hebräischen ins Lateinische – die sog. Vulgata.
Ein bekannter Satz des hl. Hieronymus sagt: „Die Schrift nicht kennen heißt Christus nicht kennen.“ Für Hieronymus stand fest, dass wir dem Wort Gottes in der Heiligen Schrift begegnen und dass wir uns diesem Wort immer wieder von Neuem stellen müssen – mit geistiger Offenheit, mit Sorgfalt und Liebe.  Ein Blick in unsere Gegenwart zeigt, dass die Menschen-Christen viele Schriften kennen aber trotz kostbarster Ausgaben scheinbar die Heilige Schrift nur wenig oder oft gar nicht kennen. Wie soll dann Christus gekannt und erkannt werden? Die Beschäftigung mit der Heiligen Schrift ist für unseren Glauben und seine Weitergabe lebens- und überlebensnotwendig! Braucht es da nicht gerade heute in der Kirche eine neue „Bibelinitiative“, in unseren Familien und Pfarrge-meinden als Fundament und Ausgangspunkt jeder missionarischen Initiative und Neuevangelisierung? Würde nicht manche Diskussion um die Kirche in den vergangenen Wochen anders verlaufen, wenn sie von der Sorge um und der Liebe zum Wort Gottes in der Heiligen Schrift geleitet wäre?
Der Katholische Familienverband Österreichs tritt für die biblische Wahrheit vor allem in Blick auf die Familie in unserer Gesellschaft ein – Vergelt´s Gott für diesen herausfordernden und oft unbedankten Dienst am Gemeinwohl!

Liebe zur Kirche.
In allen Lebensbeschreibungen des hl. Hieronymus wird gesagt: Er war ein Mann von hoher Bildung und Wissensdrang, heftigem Charakter und einer großen Liebe zu Christus und seiner Kirche. In allen Phasen seines Lebens und Wirkens hat er seine ganze intellektuelle und geistliche Kraft eingesetzt, um die Lehre der Kirche unverfälscht weiterzugeben und gegen Irrlehren und Anfein-dungen zu verteidigen. Braucht es nicht auch heute diese Liebe zu Christus und seiner Kirche von Klerus und Laien? Die Kirche ist kein Selbstzweck, sondern sie ist Zeichen und Werkzeug, um den Glauben lebendig zu halten u. Bedingungen zu schaffen, damit Gott heute erfahrbar wird. Kirche hat die Funktion des „Tür-öffnens für Gott.“ Die horizontale Vereinseitigung der Kirche und die Verdunke-lung Gottes durch das „Bodenpersonal“ ist oft die Ursache, warum Menschen Gott in der Kirche nicht mehr wahrnehmen können. Deshalb ist es wichtig, dass diejenigen, die Kirche sind und in ihrem Namen handeln sich mit den Zielen der Kirche identifizieren und mit der Kirche denken, fühlen und handeln. Die Liebe zu Christus und seiner Kirche gibt dem Christen Kraft und Mut für Jesus Zeugnis abzulegen und lässt die Kirche anziehend und missionarisch werden.
Der Katholische Familienverband Österreichs ist stets bemüht zu Christus und seiner Kirche zu stehen – Vergelt´s Gott dafür, es ist nicht selbstverständlich!
Vom hl. Hieronymus können wir trotz menschlicher Schwäche die Liebe zu Christus, die Liebe zum Wort der Heiligen Schrift und die Liebe zur Kirche lernen. Mögen auch wir uns um diese 3 Eigenschaften als Christen mühen!
Amen.

+Ägidius J. Zsifkovics

Bischof von Eisenstadt

Sonntag, 18. September 2011

Kreuzerhöhungsfest im Stift Heiligenkreuz

(18. September 2011)

Lieber Vater Abt Maximilian mit dem Konvent des Stiftes Heiligenkreuz!
Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst! Ehrwürdige Schwestern! Liebe Seminaristen des Leopoldinums und Studenten der Ordenshochschule!
Zum Festgottesdienst versammelte Schwestern und Brüder im Herrn!

Der Wahlspruch des Kartäuser-Ordens lautet: „Stat crux dum volvitur orbis – Das Kreuz steht, während die Welt sich dreht.“
Dass die Welt sich dreht, dass erfahren wir Menschen täglich neu. Wir erleben unglaubliche Veränderungen in Politik, Kirche u. Gesellschaft, im persönlichen Leben sowie im Zusammenleben der Völker, ungeahnte technische Erfindungen, wissenschaftliche Entdeckungen, revolutionäre Systeme der Information und Kommunikation sowie rasante Wissenszuwächse auf allen Gebieten.
Die Welt ist zum Dorf geworden. Viele sagen: Es geht mir alles viel zu schnell, ich komme kaum mehr mit. Andere machen darauf aufmerksam: Bleiben bei diesen rasanten Veränderungen nicht wichtige Werte des Menschseins auf der Strecke, Werte wie Glaube u. Spiritualität, Zuverlässigkeit u. Treue, Besinnung u. Stille, Grundsätze und Normen? Steht nicht unser Menschsein überhaupt auf dem Spiel: das Leben und das Überleben? Aus der täglichen Erfahrung wissen wir: Je schneller ein Rad sich dreht, desto fester muss die Nabe verankert sein, sonst macht sich das Rad selbständig. Braucht unser Leben nicht auch so eine zentrierende Mitte? Was ist es, das die Welt im Innersten zusammenhält?
„Stat crux dum volvitur orbis - Das Kreuz steht, während die Welt sich dreht.“
Für Christen ist die Mitte der Welt und des Lebens Jesus, der gekreuzigte und auferstandene Herr. Und das Kreuz, das wir im Licht von Ostern sehen, ist das Kennzeichen unseres Christseins. Am heutigen Festtag schauen wir nicht auf Statistiken, Untersuchungen und Prognosen, wir schauen auf das Kreuz.
Was bedeutet das Kreuz eigentlich? Auf diese Frage gibt es viele Antworten. Ich denke an so manches Gold- oder Silberkreuz am Halskettchen: das Kreuz als  Schmuckstück oder Erkennungszeichen des Christen, ein Bekenntnis zu Gott?

Ich denke an die vielen Wegkreuze auf unseren Straßen, Berggipfeln, Kirchen, in Gerichtssälen, Kindergärten und Schulen als Zeichen des Christentums, das unsere europäische Geschichte und Kultur tief geprägt hat und immer noch prägt – Gott sei Dank bleibt uns das Kreuz im öffentlichen Bereich erhalten!
Ich denke an die unzähligen Kreuze auf unseren Friedhöfen und Kriegerdenkmälern, die an das sinnlose Blutvergießen der beiden Weltkriege erinnern als Zeichen der Hingabe und des Opfers so vieler.
Das alles und noch viel mehr kann das Kreuz bedeuten.

Aber was bedeutet das Kreuz für mich? Das ist wohl die eigentliche Frage.
Es ist zu wenig wenn es nur irgendwo an der Wand hängt. Steht es auch dort, wo es eigentlich auch hingehört: in der Mitte meines Herzens, meines Lebens? Oder ist das Kreuz auch für uns Christen von heute nur mehr Ärgernis, Torheit? Im Zeichen des Kreuzes sind wir getauft. Ein ganzes Leben bezeichnen wir uns mit diesem Zeichen. Immer wieder wird uns Segen zugesprochen im Zeichen des Kreuzes. Selbst auf unseren Gräbern finden wir das Zeichen des Kreuzes. Mit dem Kreuz bekennen wir uns zu Jesus, wir gehören zu ihm, wir sind durch ihn gerettet u. befreit aus Sünde und Tod. Wir stellen uns unter seinen Schutz. Jesus Christus ist die Mitte der Weltgeschichte: Wir teilen die Zeit in die Jahre vor ihm und nach ihm. Sein Leben, sein Sterben und seine Auferstehung bilden die Achse der Weltgeschichte. Am Kreuz scheiden sich die Geister – heute wie damals. Während für die einen das Kreuz Torheit ist, sehen es andere als grausames Folterwerkzeug. Für uns Christen ist das Kreuz Zeichen des Sieges und des Lebens. Denn das Kreuz zeigt Gottes Weisheit und Macht. Das Kreuz steht in der Mitte der Pläne Gottes und damit im Zentrum der Weltgeschichte, denn es hat die Wende der Zeiten heraufgeführt. Durch Jesu Tod am Kreuz ist in die Welt das Heil gekommen. Das Kreuz ist so die Mitte unseres Glaubens  – nicht die Kirche, Amtsträger, Professoren, Laien/Pfarrerinitiativen!

So wie der Weg Jesu durch Leiden u. Tod am Kreuz zur Herrlichkeit des ewigen Lebens geführt hat, so auch unser Weg: Als Weg der Nachfolge Jesu ist er geprägt von der Bereitschaft zur Hingabe, vom Aushalten im Leiden, vom Gehorsam bis zum Tod, vom Bestehen des Sterbens aus dem tiefen Glauben an die Auferstehung und Vollendung. Dadurch ist für uns Christen ein neues Gottesbild verbindlich geworden: Gott offenbart seine Macht in der Ohnmacht. Sein Platz ist an der Seite der Armen und Leidenden, Ausgestoßenen, Kleinen und Entrechteten. Es muss auch unser Platz sein als Christen und Kirche – die Sorge um das Törichte, Schwache, Niedrige und Verachtete in der Welt! Gerade wenn sich die Welt immer schneller dreht, ist es wichtig sie im Lot zu bewahren:   dem Leben Sinn zu geben, den Mitmenschen beizustehen, in Zeiten der Not und Bedrängnis beieinander auszuhalten, im Tod die Hoffnung auf Vollendung nicht zu verlieren. Das Kreuz sagt uns: Sieger der Weltgeschichte ist Jesus Christus – durch die Hingabe seines Lebens für uns und für alle. Wer auf seiner Seite steht, der glaubt daran: „Das Kreuz steht, während die Welt sich dreht.“

Als das Volk Israel auf seinem Weg in das gelobte Land den Mut verlor und sich gegen Gott und Mose auflehnte – so berichtet uns die 1. Lesung aus dem Buch Numeri – hat Gott dem Mose aufgetragen eine Kupferschlange aufzustellen, damit alle, die von einer Schlange gebissen werden, zu ihr aufblicken u. leben. Es ist gut, dass unser Blick am heutigen Festtag auf das Kreuz geht, weil auch wir moderne Christen auf unserer Pilgerschaft müde und mutlos werden, auch uns beißt die Schlange des Zweifels, des Ungehorsams und der Untreue. So ist es nötig, dass in der Hektik des Lebens und in den Verwirrungen des Glaubens wir alle – Klerus und Laien – aufblicken zum Kreuz, das uns immer erinnert:

  • dass Jesus Weg, Wahrheit und Leben ist – unser Heiland und Erlöser;
  • dass wir Jesu Heilstat für uns – Tod und Auferstehung – nie vergessen;
  • dass wir Menschen ein Ziel und eine Bestimmung von Gott her haben;
  • dass unser Leben hier auf Erden trotz Krankheit, Leid und Tod einen Sinn hat, weil uns ewiges Leben bei Gott geschenkt ist;
  • dass wir gerade in Leid und Kreuz, vor allem in der Stunde des Todes bei Maria Zuflucht und Hilfe suchen dürfen, weil sie unsere Not kennt und als Mutter Trösterin, Helferin und Fürsprecherin bei ihrem Sohn Jesus ist.


Wenn wir jetzt am Altar auf dem die kostbare Kreuzreliquie steht und über dem die Kreuzikone hängt gemeinsam Eucharistie feiern, dann wird auch heute das Kreuzesopfer Jesu Christi unter uns Gegenwart, dann sind wir alle hinein genommen in Jesu Tod und Auferstehung, dann sind wir auch mit unseren Verstorbenen über den Tod hinaus verbunden, dann werden wir mit Gnaden reich beschenkt – diesen Segen vom Kreuz erbitte ich uns allen, besonders aber dem gesamten Konvent von Heiligenkreuz mit seinem neuen Abt!

Möge Gott an unseren Verstorbenen, aber auch an uns Lebenden einmal das vollenden, was er in der hl. Taufe an uns begonnen hat, dass wir so auch der Frucht des Kreuzes, unserer Erlösung, teilhaftig werden – und vergessen wir nie:
„Stat crux dum volvitur orbis – Das Kreuz steht, während die Welt sich dreht.“
Amen.

+Ägidius J. Zsifkovics

Bischof von Eisenstadt

Samstag, 10. September 2011

Mariazellerfest im Wiener Stephansdom

(10. September 2011)

Christen haben im Laufe der Geschichte Maria in verschiedenen Bildern dargestellt und unter verschiedenen Namen verehrt und angerufen sowie um ihre Hilfe und Fürsprache gebeten. Viele dieser Namen und Anrufungen finden sich in der Laurentanischen Litanei: Gottesgebärerin – Mutter des guten Rates – Heil der Kranken – Zuflucht der Sünder – Hilfe der Christen. Ein altes Bild aus der Ostkirche zeigt Maria als Wegweiserin. Unter diesem Namen wird Maria angerufen, besonders als Wegweiserin für die Irrenden. Wer die Gnadenstatue von Mariazell kennt, weiß, was sie darstellt: Maria hält das Kind auf dem Arm und zeigt mit dem Finger auf ihren Sohn Jesus. So zeigt uns auch das Gnadenbild von Mariazell Maria als Wegweisern!

Was aber ist die Aufgabe eines Wegweisers? Welche Eigenschaften hat er?
Ein Wegweiser muss fest im Boden verankert sein, damit er jedem Wetter standhalten kann und nicht von jedem Wind hin und her getrieben wird. Maria ist so ein Wegweiser. Sie war fest verankert im Leben und Glauben, in der Kultur und Tradition ihres Volkes. Sie stand mit beiden Füßen im Leben und bewies Treue und Standhaftigkeit gerade in den Wirrnissen und Stürmen des Lebens – bis hin zum Kreuz. Ihr Glaube war geerdet, kannte keine Wundersucht! Braucht es nicht gerade heute Menschen-Christen, die fest im Glauben verankert sind, mit beiden Beinen im Leben und treu zu Glaube und Kirche stehen? Braucht es nicht Menschen-Christen, die in Ehe und Familie, Beruf und Freizeit, mutig zu den christlichen Werten stehen und sich nicht vom Zeitgeist, von Meinungen und Strömungen, die gerade in sind treiben lassen?

Ein Wegweiser muss erkennbar, gut sichtbar und leserlich sein. Maria ist so ein Wegweiser. An ihrem Leben ist deutlich erkennbar + ablesbar für wen sie geht und wohin sie führt. Sie hat nicht nur mit Worten, sondern mit Taten bezeugt, für wen sie geht und wofür sie steht. Sie spricht immer für uns und nie gegen uns. Sie ist in ihrem Leben glaubwürdig und transparent. Braucht es nicht gerade heute Menschen-Christen, an deren Leben erkennbar und ablesbar ist, wofür sie stehen, die so glaubwürdige Wegweiser sind?  Braucht es nicht Menschen-Christen, die ihren Glauben nicht nur diskutieren, sondern auch leben und weitergeben – die beten, den Sonntag feiern, die Sakramente empfangen, mit anderen teilen, ihnen helfen, verzeihen und Gutes tun?

Ein Wegweiser steht immer am Rand, weist den Menschen den Weg zum Ziel. Maria ist so ein Wegweiser. Mit ihrem Leben bestätigt sie, dass nicht sie der Mittelpunkt ist, sondern gerade bei der Hochzeit in Kana steht sie im Hintergrund, hilft sie den in Not geratenen Brautleuten. Sie weist den Menschen den Weg zum Ziel, wenn sie sagt: „Was er euch sagt, das tut!“  Braucht es nicht auch heute in Kirche und Gesellschaft Menschen-Christen wie Maria, die sich nicht selbst darstellen, zum Mittelpunkt und Ziel machen, sondern die am Wegrand, im Hintergrund stehen und still, aufmerksam und einfühlsam anderen helfen, den Weg zum Ziel weisen und tun, was Jesus sagt? Braucht es nicht Menschen-Christen, die sich selbstlos für andere einsetzen und dem Nächsten – vor allem denen in Not – dienen und beistehen, nicht deshalb, dass sie dafür gelobt werden oder einen Vorteil daraus haben, sondern aus echter Nächstenliebe und Solidarität.

Unserer Liebe Frau von Zell – der Großen Mutter und Wegweiserin Österreichs – vertrauen wir unsere Kirche und Gesellschaft an, um von ihr die Eigenschaften des Wegweisers zu lernen, dass wir im Leben und im Glauben feststehen, als Christen erkennbar und glaubwürdig sind, still im Hintergrund wirken und dabei jene am Rand nicht vergessen sowie Menschen den Weg zum Ziel weisen!
Maria – du Wegweiserin – sei mit uns und bleibe mit uns auf dem Weg! 
Magna Mater Austriae, Magna Domina Hungarorum, Alma Mater Gentium Slavorum, ora pro nobis!
Amen.

+Ägidius J. Zsifkovics

Bischof von Eisenstadt

Freitag, 9. September 2011

Österreichische Polizeiwallfahrt in Mariazell

(9. September 2011)

An den Beginn dieser Predigt möchte ich folgende Geschichte stellen: 
Auf einem Spaziergang am Rande der Stadt begegnete nachts ein Rabbi einem Mann, der ständig hin und her lief. Der Rabbi fragte ihn: „Für wen gehst du?“ Der Mann antwortet: „Ich wache nachts über die Häuser hier. Das ist mein Auftrag. Doch sag mir: Für wen gehst du eigentlich?“ Diese Gegenfrage traf den Rabbi wie ein Blitz und er antwortete mühsam: „Noch gehe ich für niemanden.“
Eine etwas seltsame Geschichte. Der eine tut seinen normalen Wachdienst, läuft anscheinend sinnlos hin und her, kennt seinen Auftrag, weiß, für wen er geht. Der andere, ein frommer Rabbi, ist überrascht/aufgescheucht durch die Frage und bilanziert sein bisheriges Leben: „Noch gehe ich für niemanden.“ 
So ist es oft: Der eine weiß, für wen er geht. Der andere, in dieser Geschichte der Rabbi als religiöser Profi, ist in Gefahr in Routine zu verfallen und nicht zu wissen, für wen er geht, für wen er das alles tut: „Noch gehe ich für niemanden.“
Für wen gehen wir eigentlich, für wen gehst du, lieber PolizeibeamterIn?
Manche von Ihnen werden sagen: Ich gehe für meinen Beruf. Ich denke Sie alle haben aus Interesse und Leidenschaft den Beruf des Polizisten gewählt. Ihr Beruf ist längst mehr als nur ein Wachdienst. Es ist ein Beruf, der mit dem Menschen in seinen schönen und schweren Situationen des Lebens zu tun hat, vor allem aber auch in Ausnahmesituationen. Es ist ein Beruf, der neben Kompetenz und Psychologie auch viel Menschlichkeit und Umsicht abverlangt. Ich weiß um ihre täglichen Herausforderungen und Überforderungen, zum richtigen Zeitpunkt das richtige zu sagen und zu tun – das in Ausnahmesituationen, in Bruchteilen von Sekunden, bei Verkehrskontrollen, bei schweren Unfällen oder Delikten. Dafür braucht es Wissen, Erfahrung und Liebe zum Beruf! Ich danke Ihnen für Ihren selbstlosen Einsatz für unsere Gesellschaft!
Andere wiederum werden sagen: Ich gehe für meine Familie. Die Familie ist wohl die wichtigste Säule der Gesellschaft. Die Familie ist das Fundament auf dem die Gesellschaft gebaut wird und sie ist die Zukunft der Gesellschaft. Die Familie schenkt Liebe, Geborgenheit, Sicherheit und Heimat. Die Familie ist wohl die erste Schule, in der Werte und Haltungen für das Leben gelernt, gelebt und weitergegeben werden. Wir wünschen uns alle eine intakte  Familie, umso mehr leiden wir, wenn Familie zerbricht und nicht gelingt. Ich denke in Ihrem Beruf sind Sie oft hautnah konfrontiert mit den Freuden und mehr noch mit dem Leid in Familien, was auch für Sie eine Herausforderung ist. Sicher haben Sie dabei auch die Erfahrungen in der eigenen Familie vor Augen, die Ihnen Rückhalt ist und Kraft für Ihren Dienst gibt. Ich danke Ihnen für Ihr Bekenntnis zur eigenen Familie und für Ihren Dienst an der Familie, der letztlich ein Dienst an der Gesellschaft ist!

Und wieder andere werden sagen: Ich gehe für meinen Glauben. Dass Sie heute auf Wallfahrt nach Mariazell gekommen sind, hat wohl auch mit Ihrem Glauben zu tun. Neben der Familie und dem Beruf ist auch der Glaube eine wichtige Säule im menschlichen Leben. Ich weiß, Glaube ist heute nicht in. Ich weiß aber auch, dass viele Polizisten in unseren Pfarrgemeinden mitarbeiten, mit der Kirche vor Ort eng verbunden sind und auch kirchliche Feste und Feiern durch ihren Dienst mitgestalten, die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Ich weiß auch, dass es für Sie schon wegen der Dienstzeiten nicht immer leicht ist am religiösen Leben der Pfarrgemeinde teilzunehmen, um so mehr danke ich Ihnen für Ihr persönliches Glaubenszeugnis und Ihr Engagement in der Kirche!

Das heutige Evangelium lenkt unseren Blick auf eine Person, die genau weiß, für wen sie geht – auf Maria. Die Aufgabe Marias in der Heilsgeschichte ist es die Menschen zu erinnern für wen sie gehen, also an das Ziel und den Sinn des Lebens. Und das ist nicht nur eine Sache oder eine Idee, sondern eine Person: Jesus Christus, auf den Maria im Gnadenbild von Mariazell mit dem Finger zeigt! Maria ruft deshalb immer zur Umkehr auf. Aber Umkehr wohin?
Will sie die Menschen etwa zur Selbstsuche und Selbstfindung führen wie das heute viele in Meditationskursen und esoterischen Praktiken für Geld anbieten?
Will sie die Menschen etwa um sich sammeln, für sich gewinnen wie es heute viele selbsternannte Gurus gerne tun, um sie auszubeuten und zu missbrauchen?
Maria. ist ein Mensch, der weiß, für wen er geht. Es geht nicht um sie, es geht um einen Größeren. Sie möchte uns Menschen zu ihrem Sohn Jesus führen!

Damit Gott einen Weg findet, um bei den Menschen anzukommen, müssen so manche Hindernisse und Unebenheiten beseitigt werden. Nicht immer sind die Straßen, auf denen ich mich durchs Leben bewege, günstig für eine Begegnung mit Gott. Oft hetze ich viel zu schnell auf der Autobahn meiner vielen Verpflichtungen von einem Termin zum nächsten und kann unmöglich anhalten, um Gott bei mir einsteigen zu lassen. Ein anderes Mal gerate ich in eine Sackgasse, wo es keinen Ausweg gibt. Oder ich fahre endlos im Kreisverkehr, ohne die richtige Ausfahrt zu finden. Häufig stecke ich auch im Stau fest und habe das Gefühl, mit meinen Vorhaben keinen Zentimeter voran zu kommen.
Maria erinnert uns: Für wen gehst du? Sie stellt auch uns heute diese Frage und ruft uns zur Umkehr – nicht zur Selbstfindung, sondern zur Hinwendung zu Gott, der zu uns kommen will.
Ich wünsche uns allen, dass wir wissen für wen wir gehen und sagen können: Ich gehe für meinen Beruf, Familie und Glauben! Möge diese Wallfahrt uns allen, besonders Ihrem Berufsstand, Ihnen persönlich sowie Ihren Familien zum Segen werden!  Unsere Liebe Frau von Mariazell erinnert uns nicht nur an die Frage: Für wen gehst du? Maria ist vielmehr mit uns auf unserem Lebens- und Glaubensweg als Wegweiserin und Helferin!
Amen.

+Ägidius J. Zsifkovics

Bischof von Eisenstadt

Donnerstag, 8. September 2011

Patrozinium der Basilika Frauenkirchen

(8. September 2011)

Am heutigen Festtag – dem Patrozinium dieser prächtigen Basilika von Frauenkirchen – lenkt die Kirche unseren Blick auf Maria.  In der Laurentanischen Litanei besingt die Kirche in ihren Anrufungen, was Gott Großes an Maria getan hat. Ich möchte eine neue Anrufung anfügen, die etwas merkwürdig klingen mag: Du kreuzfidele Jungfrau. Kreuzfidel meint, dass als Frucht des Kreuzes den Menschen das geschenkt wird, was wir unter fidel zu verstehen haben. Fidel hat eine dreifache Bedeutung. Es meint: gläubig, treu und fröhlich. Kein Mensch hat so sehr im Schatten des Kreuzes gestanden wie Maria, darum ist in keinem Menschen so sichtbar geworden, was gläubig, treu und fröhlich ist. Von Maria können wir Christen diese 3 Haltungen lernen.

Maria hatte einen skandalfesten Glauben. 
Nachdem der Engel Gabriel sie in ihrem Haus in Nazaret wieder verlassen hatte, wird uns nichts berichtet, dass ihr je wieder ein Engel erschienen ist. Maria blieb mit ihren Unbegreiflichkeiten allein zurück. Wie musste sie das Missverständnis des heiligen Josef treffen; die ärmliche Geburt des Gotteskindes in einem Stall; die Flucht vor dem Tyrannen Herodes nach Ägypten; die Begleitung des Sohnes am Kreuzweg. Wo blieben denn jetzt all die großen Verheißungen Gottes? Maria brauchte einen Glauben, der diesen Skandalen und Herausforderungen gewachsen war. Sie lebte ständig in Überforderungssituationen. Die Nähe zum Herrn ließ sie nicht unterliegen, sondern überstehen.  Glauben heißt marianisch, in der Nähe Jesu leben. In der Nähe Jesu leben heißt aber auch immer, in der Reichweite des Kreuzes sein. Der Glaube an den Herrn ließ sie trotz aller Schwierigkeiten und Herausforderungen bestehen.  Geht es uns in unseren täglichen Sorgen in Familie, Kirche + Gesellschaft nicht wie Maria – auch wir brauchen heute mehr denn je einen skandalfesten Glauben, der sich vom Wort Gottes, dem Gebet und Empfang der Sakramente nährt?
Maria lebte die Treue.

Gottes unverbrüchliche Treue zu seinem Volk, fand ihr Echo im JA und in der Treue Mariens. Mit Maria konnte Gott rechnen, auf sie war Verlass. Sie war treu bis zum Kreuz, selbst als die Jünger den Herrn verraten und verlassen haben, bleibt sie standhaft und treu.
Gott braucht heute mehr denn je treue Menschen, auf die er sich verlassen kann, komme, was da kommen mag; die zu ihrer übernommenen Aufgabe in Weihe-, Gelübde- und Eheversprechen stehen, komme, was kommen mag. Sie bilden die stille Reserve der Kirche, von der sie zehrt und ihren Heilsdienst vollzieht. 
Die Treue der Eheleute garantiert Kindern das sorgenfreie Leben in der Familie. 
Die Treue des Priesters garantiert einer Gemeinde die Eucharistie+Lossprechung
Die Treue der Ordensleute garantiert uns die vielfältigen Dienste in Spital, Schule und Gemeinden. Was wäre unsere Kirche und die Welt ohne Treue!  Weil Gott treu ist, ist Treue möglich, wie bei Maria. Die Liebe zu ihm lässt Maria bis zum Kreuz treu sein. Unsere geschwisterliche Verbundenheit zu Maria lässt uns treu sein wie sie. Braucht es nicht heute mehr denn je treue Laienchristen und auch Geweihte: Bischöfe, Priester und Ordensleute?

Maria ist fröhlich, darum singt sie.
Von Maria kommt das schönste Lied, das wir Christen haben: das Magnificat. Die Fröhlichkeit Mariens liegt nicht in ihrer glücklichen seelischen Veranlagung in ihr und nicht in den günstigen Verhältnissen um sie herum. Die Fröhlichkeit Mariens gründet allein in der Nähe zum Herrn. Die Fröhlichkeit ist ein Echo auf die Gottesnähe, während die Angst ein Reflex der Gottesferne ist. Darum gibt es eigentlich keine Christenangst, sondern nur Heidenangst. „Hast du wieder eine Heidenangst“, sagen wir zu ängstlichen Menschen. Die Nähe Christi war Maria erfahrbar in der täglichen Begegnung mit dem Kreuz. So gibt es auch für uns kein Leben ohne Kreuz und Leid. Wollen moderne Christen nicht oft ein Leben ohne Kreuz und Leid, auch einen Glauben, der Kreuz und Leid ausklammert?

Maria ist unsere Mutter und Schwester, weil sie die Frau in der Nähe des Kreuzes ist. Deshalb wissen wir sie auch in unserer Nähe, weil auch wir unter dem Schatten des Kreuzes stehen. Maria möchte uns kreuzfidel anstecken, indem unser Herz gläubig, treu und fröhlich wird. 
Unsere Liebe Frau von der Heide – du kreuzfidele Jungfrau – erbitte uns modernen Christen die Gnade des Glaubens, der Treue und der Fröhlichkeit!
Amen.

+Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt

Dienstag, 6. September 2011

Homilie Arbeitsjahreröffnung 2011/12

(Dom, 6. September 2011, 09.00 Uhr)

Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst!

Liebe Dienststellenleiter unserer Diözesankurie!
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bischofshofes!
Schwestern und Brüder im Herrn!

Die soeben gehörten Lesungen des heutigen Tages hätten nicht besser gewählt werden können - die Liturgie der Kirche gibt sie uns als Wegweisung mit auf den Weg in das neue Arbeitsjahr. Es ist gut, am Beginn des neuen Arbeitsjahres nochmals bewusst auf die Texte hinzuschauen, sie zu betrachten, um daraus für unser gemeinsames Arbeiten vor allem 3 Dinge zu lernen.

Im heutigen Abschnitt aus dem Lukasevangelium heißt es: „In jenen Tagen ging Jesus auf einen Berg, um zu beten. Und er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott.“
Das erste, was wir alle von Jesus lernen können und lernen sollen ist das Gebet. Noch bevor wir etwas planen und tun, braucht es das Gebet, um das geplante so tun zu können, dass es uns selber und unseren Mitmenschen zum Segen wird. Für Jesus ist das Gebet die Grundlage für jede Entscheidung und jedes Handeln. Das Gebet ist also das erste Werk, das Jesus tut, die Grundlage für alle anderen Werke. So soll es deshalb auch bei uns Christen und in der Kirche-Diözese sein! Jeder Aktion muss die Kontemplation vorausgehen! Was nützt die beste, klügste Aktion, wenn sie nicht vom Gebet getragen und begleitet ist – gleicht sie nicht einer Eintagsfliege, einem Event ohne Tiefenwirkung und Nachhaltigkeit? Von Jesus können wir lernen: den Vorrang des Seins vor der Leistung, der Stille vor der Aktion, der Treue zum Ruf vor dem eignen Planen und Unternehmen. Das Gebet – persönliche + gemeinsame, vor allem das Gebet in Familie und Pfarrgemeinde am Sonn- und Feiertag - soll daher in diesem Arbeitsjahr unser erster und wichtigster Schwerpunkt sein, denn an Gottes Segen ist alles gelegen! Wir brauchen dringend das Gebet, um die Einheit in der Kirche zu wahren!

Im heutigen Evangelium heißt es dann weiter: „Als es Tag wurde, rief er seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen zwölf aus; sie nannte er auch Apostel.“
Als es Tag wurde, rief Jesus alle zu sich, die er bei sich haben wollte. Er wählte sich seine ersten und engsten Mitarbeiter selber aus; er nannte sie einzeln beim Namen. Die Gemeinschaft der Jünger Jesu und jede christliche Gemeinschaft ist keine anonyme Gruppe, Menschen ohne Namen und ohne Liebe, sondern eine Gemeinschaft aus Brüdern und Schwestern, die sich mit Namen kennen. Die Freundschaft und die Geschwisterlichkeit sind das Wesen der Kommunion. Sie sind nicht Frucht einer gegenseitigen Sympathie, sondern sie kommen aus dem Ruf Jesu und aus dem Gehorsam gegenüber seinem Wort. Jesus gibt seinen Jüngern einen neuen Namen, ein neues Herz und eine neue Aufgabe.
In der Taufe haben wir einen Namen bekommen, sind wir in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen worden und berufen, an einer neuen Welt mitzubauen.

Der Herr hat uns gerufen seine Mitarbeiter im Weinberg der Diözese Eisenstadt zu sein, hier für ihn Zeugnis abzulegen und als eine Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern den Dienst der Liebe heute zu tun und so an einer gerechteren Welt mit unseren Talenten mitzubauen – bemühen wir uns im neuen Arbeitsjahr.

Schließlich heißt es im heutigen Evangelium: „Jesus stieg mit ihnen den Berg hinab. In der Ebene blieb er mit einer großen Schar seiner Jünger stehen und viele Menschen strömten herbei. Sie alle wollten ihn hören und von ihren Krankheiten geheilt werden. Alle Leute versuchten, ihn zu berühren; denn es ging eine Kraft von ihm aus, die alle heilte.“  

Jesus steigt mit den Aposteln vom Berg herab und geht zu den Menschen, die in der Ebene leben und auf ihn zulaufen. Mit den Jüngern gemeinsam konnte er auf die vielen Fragen und Erwartungen seiner Zeitgenossen antworten, die oft müde, krank, verletzt, bedürftig, vergessen und auch gescheitert sind. Jesu Evangelium ist eine große Kraft, wenn wir es in die Tat umsetzen mit Werken der Liebe und Barmherzigkeit. Wenn die Menschen wahrnehmen, dass die Kirche, christlichen Gemeinden + Gemeinschaften das Evangelium leben, dann werden sie kommen, sich von ihm berühren und heilen lassen – wir sind heute Jesu erste Mitarbeiter!

Wir sind am Beginn des Arbeitsjahres wie Jesus auf den Berg gestiegen, um in Wort und Sakrament dem Vater zu begegnen, Kraft für den Alltag zu schöpfen.
Wir sind als Getaufte und Gefirmte heute Jesu Jünger, die sich zuerst zu Gebet und Gottesdienst versammeln, um sich für die Aufgaben in der Welt zu rüsten.
Wir sind heute berufen vom Berg herunterzusteigen und in der Ebene des Alltags den Menschen das Evangelium glaubwürdig zu bezeugen, sie mit Jesus in Berührung zu bringen und so am Aufbau des Reiches Gottes mitzuarbeiten – das ist Neuevangelisierung – eine Pastoral, die Gott und die Menschen im Blick hat.

Deshalb erinnert uns der Apostel Paulus in der Lesung aus dem Kolosserbrief: „Schwestern und Brüder! Ihr habt Christus Jesus als den Herrn angenommen. Darum lebt auch in ihm! Bleibt in ihm verwurzelt, und haltet an dem Glauben fest, in dem ihr unterrichtet wurdet. Hört nicht auf zu danken!“ – Aktuell?!
Damit uns das im neuen Arbeitsjahr gelingt, erbitten wir Gottes Segen und die Fürsprache des hl. Martin, unseres Landes- und Diözesanpatrons! Amen.  

+Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt

Samstag, 3. September 2011

59. Burgenländische Arbeiterwallfahrt

(Domkirche, 3. September 2011)

Äußere Erkennungszeichen sind im Leben des Menschen von großer Bedeutung.
Jedes Auto hat ein Kennzeichen; das Nummernschild, der Autotyp, das Baujahr, die Motornummer und viele andere Dinge sind genau erfasst.
Jeder Bürger unseres Landes ist registriert und kann sich nach außen hin ausweisen. Der Reisepass oder der Personalausweis enthalten ein Foto, den Namen und die persönlichen Daten der entsprechenden Person.
Mitglieder eines Vereines haben ein gemeinsames äußeres Erkennungszeichen: eine Uniform oder Tracht, ein Abzeichen oder eine Vereinsfahne.

Was ist das Kennzeichen eines Christen und einer christlichen Gemeinde? Ist es das Kirchengebäude, an dem vielleicht Generationen gebaut, es verändert oder gar erneuert haben? Ist es eine Gruppe von Menschen, die zu einer bestimmten Kirche gehören und die einen Pfarrer haben? Woran kann man erkennen, dass es sich um christusverbundene Menschen handelt?

Im heutigen Evangelium ist eine Antwort auf unsere Frage zu finden:
Das wichtigste Kennzeichen des Christen und der christlichen Gemeinde ist die Liebe – die Liebe zu Gott und der Dienst am Mitmenschen, am Nächsten! 
Das neue Gebot der Liebe, das Jesus uns gegeben hat und das sich im Dienst am Nächsten zeigt, muss in der Kirche verwirklicht werden, um Gott zu erfahren – und nicht Streit + Kampf um die ersten Plätze! Wie sieht eine solche christliche Gemeinde aus? Wie leben die Mitglieder einer solchen Pfarrgemeinde? 
Christen leben mit allen Sinnen zusammen. Was heißt das? Das heißt:

Die Augen der Mitglieder dieser Gemeinde sehen die Schönheit der Schöpfung Gottes. Sie sehen das wirkliche Wesen unserer Mitmenschen, sie sehen, wenn einer Hilfe braucht. Sie sehen einander liebevoll an trotz aller Verschiedenheit.

Die Ohren der Mitglieder dieser Gemeinde hören die feine Stimme des Gewissens. Sie hören den guten Willen, auch bei Meinungsverschiedenheiten.

Die Lippen der Mitglieder dieser Gemeinde sprechen keine verletzenden Worte.  Sie sprechen vor allem miteinander, statt übereinander oder gar gegeneinander.

Die Hände der Mitglieder dieser Gemeinde geben gerne und ohne Absicht. Sie  schenken Geborgenheit und nehmen dankbar an. Sie dienen einander, werden einander gereicht zum Zeichen des Friedens, der Versöhnung und Gemeinschaft.

Die Füße der Mitglieder dieser Gemeinde trampeln nicht auf dem anderen herum. Sie finden und gehen den Weg zum anderen. Sie gehen miteinander auf dem Weg zu Gott.

Die Herzen der Mitglieder dieser Gemeinde vertrauen den anderen in der Gemeinschaft und auch den Menschen außerhalb der Gemeinde. Sie glauben an das Gute in jedem Menschen, glauben an Gott, den Vater aller Menschen.

Der Geist der Mitglieder dieser Gemeinde ist weit und offen. Er unterdrückt oder demütigt andere nicht. Er ist eines Sinnes untereinander und miteinander.

Das Erkennungszeichen für Christen ist also kein Trikot, keine Uniform, keine Fahne, kein Abzeichen auf der Kleidung und auch kein Kreuz an einer Kette. Das Erkennungszeichen sind wir Christen selber und unser liebender Umgang miteinander – unsere Augen, Ohren, Lippen, Hände, Füße, Herzen, Geist.
Das Erkennungszeichen für Christen ist und bleibt die Liebe zu Gott und die Bereitschaft zum Dienst am Nächsten.

Diese 59. Burgenländische Arbeiterwallfahrt ist eine Einladung an uns Christen, unsere Liebe zu Gott und unseren Dienst an den Mitmenschen zu erneuern, um so die Kirche und Gesellschaft in unserem Land zu befruchten und in Jesu Geist mitzugestalten. Darum machen wir Christen uns an die Arbeit mit allen Sinnen zu leben! Im Blick auf Jesus und im Vertrauen auf die Hilfe Marias kann ich Euch als Bischof nur zurufen: „mutig vorwärts und gläubig aufwärts!“
Amen.

+Ägidius J. Zsifkovics

Bischof von Eisenstadt

Donnerstag, 1. September 2011

Sendung neuer Religionslehrer und pastoraler Mitarbeiter

(Eisenstadt-Bergkirche, 1. September 2011, 09.00 Uhr)

Wie werden heute oft Menschen gefangen?
Man muss sie an ihren Grundbedürfnissen packen. So arbeitet die Werbung und die Unterhaltungsindustrie. Man kann Einfluss auf Menschen gewinnen, wenn man ihnen eine tolle Karriere in Aussicht stellt, wenn man ihnen verspricht, den idealen Traumpartner zu finden oder das Angebot, wie sie ohne zu arbeiten reich werden können. Geld, Macht und Sex – auf diese Grundbedürfnisse lässt sich wohl das meiste zurückführen, früher wie heute! Wer es geschickt anstellt, der fängt mit dieser Methode leicht andere Menschen. Das ist in der ganzen Welt so.

Im heutigen Evangelium vom reichen Fischfang haben wir gehört, wie Jesus es gemacht hat, „Menschen zu fangen“. Seine Methode unterscheidet sich von der Weise, wie es die Werbung in aller Welt tut. Jesus macht den Menschen keine falschen Versprechungen. Nach dem heutigen Evangelium macht Jesus 4 Dinge: er beschenkt seine Jünger – er nimmt ihnen die Angst – er stellt ihnen eine Aufgabe – er bietet ihnen seine Freundschaft an.

Im Evangelium ist der überreiche Fischfang für die Jünger in auswegloser Situation, gegen jede Logik des Fischfangs ein unerwartetes Geschenk. Im NT ist die Botschaft des Engels an Maria und an die Hirten in der Hl. Nacht und nach der Auferstehung Jesu an die Frauen am leeren Grab: „Fürchtet euch nicht!“ Das Ziel der christlichen Botschaft ist es, dem Menschen die Angst zu nehmen und ihm zu verheißen: Fürchte dich nicht! Im Evangelium stellt Jesus den Jüngern die Aufgabe: Verlasst alles und folgt mir nach! Jesus ruft diese Fischer nicht nur in seine Nachfolge, sondern er bietet ihnen seine Freundschaft an.
So werden wir Menschen erwachsen und finden unsere einmalige Identität. So erleben wir unser Leben als sinnvoll und fruchtbar für uns selbst und für andere: wenn wir eine Aufgabe im Leben entdecken, für die zu leben und zu arbeiten sich lohnt, und wenn uns tiefe Freundschaften geschenkt sind.

Auf einem alten Bild in den römischen Katakomben habe ich einmal folgende Darstellung des heutigen Evangeliums gesehen: Die Jünger standen im Boot und warfen das Fischnetz aus – und hinter ihnen stand Jesus selber und packte am Netz mit an, ohne das sie das merkten. Das ist die Erfahrung, die die Kirche mit den Worten Jesu so ausdrückt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen ...“
Wenn es im Leben von uns Menschen etwas Heilendes gibt, dann sind es diese Erfahrungen der Jünger Jesu im Evangelium: wenn wir unerwartet beschenkt werden, womit wir nach vergeblichem Mühen nicht gerechnet haben; wenn uns die Angst genommen wird; wenn wir eine Aufgabe finden, für die es sich lohnt zu leben; wenn wir Freundschaften untereinander und zu Jesus finden.
Ich wünsche uns allen viele solche Erfahrungen, vor allem das feste Vertrauen, dass Jesus bei jeder unserer Tätigkeit hinter uns steht und am Netz anpackt, wie damals am See Gennesaret. Ich wünsche uns allen einen reichen Fischfang!

Wie Jesus zu Simon Petrus sage ich als Bischof unseren heute neu zu sendenden Religionslehrern und pastoralen Mitarbeitern: Fahrt hinaus in unsere Diözese – in Schule und Pfarrgemeinde! Dort werft eure Netze zum Fang aus! Ich wünsche Euch, dass Ihr wie Jesus die Euch anvertrauten Menschen mit der Botschaft des Evangeliums reich beschenken könnt und dass Ihr von Ihnen reich beschenkt werdet; dass Ihr ihnen die Angst nehmt und sie für das Leben und zum Glauben ermutigt; dass Ihr ihnen helft ihre Aufgaben in Familie, Kirche und Gesellschaft zu sehen und zu erfüllen; dass Ihr sie zur Freundschaft mit Jesus führt! Das sind auch die eigentliche Aufgabe und der Dienst der Kirche!
Dazu werdet Ihr jetzt in dieser Eucharistiefeier von der Kirche gesendet. 
Darum wird Euch in dieser Feier auch die Heilige Schrift feierlich übergeben!

Der Segen Gottes und die Fürsprache Marias mögen Euer Tun begleiten! Amen.    
+Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt

Sommerfest der Priester

(Eisenstadt, 1. September 2011)

Lieber Bischof Paul!
Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst!
Brüder und Schwestern im Herrn!
Am Ende der Sommerferien haben wir uns hier im Dom versammelt, um uns im gemeinsamen Feiern am Altar und später an den Tischen im Dompfarrzentrum zu erfrischen. Ich glaube, es tut uns gut, ein solches „Sommerfest der Priester“ zu halten, und ich danke Euch allen, die Ihr meiner Einladung gefolgt seid!

Drei liturgische Anlässe führen uns heute hier zusammen:
1. Wir stehen am Vorabend des 60 Jahr-Jubiläums der ersten Bischofsweihe, die auf unserem Diözesangebiet, hier im nunmehrigen Martinsdom, stattgefunden hat. Dr. Josef Schoiswohl, der spätere Bischof von Graz, war kurz nach dem Martinitag 1949 mit der Leitung der damaligen Apostolischen Administratur Burgenland betraut worden. Am 2. September 1951 empfing er in unserer Dom-kirche vom Wiener Erzbischof Kardinal Theodor Innitzer die Bischofsweihe. Dr. Schoiswohl war damit nicht der erste Bischof von Eisenstadt – dieses Amt sollte 9 Jahre später Bischof Stefan László erfüllen – aber er war der 1. Bischof in Eisenstadt, was im Hinblick auf die Errichtung einer eigenständigen Diözese nicht ohne Bedeutung war. Sein bischöfliches Wappen und der Wahlspruch „Die Wahrheit wird euch frei machen“ zeugen davon heute noch an prominen-ten Stellen, z. B. am Bischofshof und an der vom Burgenland gestifteten großen Kommunionbank im Wiener Stephansdom. Heuer vor 20 Jahren ist Bischof Schoiswohl gestorben. „Gedenkt eurer Vor-steher, sie wachen über eure Seelen“ mahnt der Hebräerbrief. Wir danken Bischof Schoiswohl für seine Hirtensorge und seine Aufbauarbeit zum Wohl der Kirche in unserem Land. Möge er unserer Diözese ein treuer Fürbitter bleiben!

Zum 2. feiern wir morgen den Herz-Jesu-Freitag und heute, mit ihm verbunden, den so genannten Priesterdonnerstag. Beide liturgischen Ausrichtungen stellen das Gebet um geistliche Berufe, um Priesterberufe, in den Mittelpunkt. So wen-den wir uns an den Herrn der Ernte mit der Bitte um Arbeiter für seinen Wein-berg und zugleich an ihn als den Guten Hirten, dass er das Maßnehmen an sei-nem Vorbild neu in uns beleben möge, besonders am Beginn des neuen Arbeits-jahres. Beginnen wir damit schon heute in den Begegnungen mit den Mitbürgern

3. stellt uns die liturgische Ordnung des Kirchenjahres heute, am 1. September, den hl. Ägidius  - meinen Namenspatron - vor, einen der 14 Nothelfer. Der Lebenslauf des hl. Ägidius führt - ähnlich jenem des hl. Martin - vom Süd-osten Europas nach Frankreich und geht aus einer profanen Berufstätigkeit in eine geistliche Berufung über. Unter vielen Legenden berichtet die bekannteste, dass er als Einsiedler im Wald in einer Höhle gelebt hat und von einer Hirsch-kuh mit ihrer Milch genährt wurde. Während einer Jagd des Königs flüchtete die Hirschkuh in die Höhle zu Ägidius. Die königliche Jagd schoss darauf ihre Pfei-le blindlings in die Höhle und traf Ägidius, der sich schützend vor das Tier ge-stellt hatte. Zur Wiedergutmachung seiner Schuld ließ der König dem Eremiten ein Kloster errichten. So gründete Ägidius im Jahr 680 die nach ihm benannte Beneditiner-Abtei Saint-Gilles, der er bis zu seinem Tod als Abt vorstand.

Blind abgeschossene Pfeile. Liebe Mitbrüder, erleben wir das nicht auch in unserer Zeit, Pfeile, die aus einer unmittelbaren Laune heraus abgeschossen werden, ohne ein zu Ende-Denken der Folgen.  Wie oft werden wir von vorschnellen Urteilen getroffen, ohne nähere Orientie-rung der Schützen. Unser Berufsstand scheint dafür ja ein begehrtes Revier zu sein, besonders in letzter Zeit. Wie gehen wir damit um? Sind wir wehleidig? Sind wir standhaft? Oder versuchen wir dem Beschuss durch Opportunismus zu entkommen und da und dort in die Reihe der Schützen überzuwechseln? Und umgekehrt: Sind wir mit allem, was aus uns herauskommt im Reden und im Tun, wirklich treffsicher? Ist unser Einschätzen und Beurteilen gut begründet auf den bewährten Fundamenten der Leidenschaftslosigkeit und Objektivität?  Und sollte einmal Schaden entstanden sein: wie weit geht unsere Bereitschaft zur Wiedergutmachung und Versöhnung?

Im Blick auf die aktuelle Situation kann ich nicht umhin, den Aufruf einzelner Pfarrer zum Ungehorsam aller Pfarrer wenigstens kurz anzusprechen. Unsere Diözese ist von dieser Dispersion, Gott sei Dank, nur wenig betroffen, vielleicht auch deshalb, weil das Zurechtfinden der Pfarrer immer auch mit dem Blüte- u. Fruchtzustand der Gemeinden zu tun hat und umgekehrt. Das Krankjammern der Gottesdienst- und Pfarrgemeinden wird den realen Gegebenheiten nicht gerecht, das wissen wir alle, und es missachtet das vielfältige Engagement abertausender Menschen in unserem Land. Auf die Protestpunkte im Einzelnen will ich nicht eingehen. Viele der Themen sind rein sachlich gesehen, bereits geklärt bzw. Inhalt von noch andauernden Prozessen, die weder von heute auf morgen, auch nicht von vorgestern auf über-morgen, und schon gar nicht unter grober Missachtung gegebener Strukturen und üblicher Umgangsformen abgebrochen werden können. 
Aber, liebe Mitbrüder, was bedeutet der Aufruf zum Ungehorsam allgemein, in der Art und Weise des Vorbringens? Welcherart soll der hier gewählte Umgangsstil dem Anliegen dienen können? In jedem Betrieb, in jeder Gesellschaftsform, in jeder Familie, ja, in jedem Staat gibt es Strukturen, in denen sich die Mitglieder zurechtfinden, in denen sie sich bewegen, in denen sie die Sorge um ihr eigenes Wohl und um das Wohl der Anderen in ihrer jeweiligen Stellung zur Sprache bringen und so zur Umsetzung beitragen können. Dieser Beitrag wird je nach Position mehr oder weniger Ge-wicht haben, das ist nun einmal so. Oder ist es etwa in Euren Pfarren und in den Betrieben Eurer Gemeinden anders? Wie könnt Ihr Eure Pfarren leiten, wenn Eure Mitarbeiter ihre vielfältigen Aufgaben nicht im Selbstverständnis der Letztverantwortung des Pfarrers einbringen würden? Weiß denn nicht auch das kleinste Mitglied im Arbeitskreis einer Pfarre, dass Veränderungsabsichten, die alle betreffen, breiter geerdet sein müssen als im Sturm und Drang der eigenen Wünsche?

In seinem Schreiben anlässlich des Priesterjahres 2009 empfiehlt Papst Benedikt XVI. den Priestern, sich am Apostel Paulus und am Pfarrer von Ars ein Beispiel zu nehmen. Beide Heilige hatten im Jahr 2009 ein Jubiläum. Wenngleich in ihren Charakteren unterschiedlich, so hebt der Papst eine Übereinstimmung hervor und stellt sie unserer Zeit vor Augen: das Ideal des Priesters, der sich in seinem Dienst völlig hingibt, eine Hingabe an Christus und seine Kirche. „Die Liebe Christi hat uns in Besitz genommen“ zitiert der Papst dazu den zweiten Korintherbrief. 
Die Liebe Christi hat uns in Besitz genommen. Liebe Mitbrüder, das trifft auf jeden von uns zu, sonst wären wir wohl kaum seinem Ruf gefolgt, einer Be-rufung, deren Annahme vieles zurücklassen musste und muss. Darin stärkt uns der Papst, wenn er sagt: „Liebe Priester, Christus rechnet mit Euch, lasst Euch von ihm vereinnahmen!“
Liebe Mitbrüder, das Verständnis des priesterlichen Dienstes als Selbstaufgabe, der Überantwortung an den göttlichen Meister, der Verfügbarkeit für Christus und seine Kirche, führt zum Abschluss meiner Betrachtung, zum Rückblick auf die Lesungen des heutigen Tages, Perikopen, die unserer Feier selten passend zugefallen sind.

Die erste Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser kann als dreifache Wegweisung verstanden werden: zu dem, was über uns ist, zu dem, was in uns ist, und in unsere Umgebung.
Führt ein Leben, das des Herrn würdig ist und bringt Frucht in guten Werken!
Dankt dem Vater mit Freude! Danken wir ihm, der uns gerufen hat, der jedem von uns ein maßgeschneidertes Kleid pastoralen Begabungen geschenkt hat, ein Kleid, in dem wir Anteil an ihm selbst erhalten.
Als Bischof danke ich aber auch Euch für den priesterlichen Dienst und Einsatz!
Nützen wir die Talente und setzen wir sie ein für Gott und die Menschen.  In der Entfaltung unserer Stärken gelingt es mir am besten, ein Leben zu führen, das Christus gefällt und in seiner Erkenntnis mehr und mehr zuzunehmen.
Und nicht zuletzt: Betet füreinander und miteinander, damit ihr in allem Geduld und Ausdauer habt!

Die zweite Lesung, das Evangelium vom reichen Fischfang, ist jedem von uns vertraut. Unschwer ist die Botschaft zu verstehen, dass das Vertrauen in die Weisung des Herrn mehr Erfolg zeitigt als es unserem Bemühen allein möglich ist. Aber da ist noch etwas in dieser Szene am See Genesaret: inmitten vieler anderer Menschen, inmitten des Volkes, das Jesus belehrt und der Apostel, die er berufen hat, inmitten dieser Szene findet das Gespräch nur zwischen Jesus und Petrus statt, und es hat eine Bedeutung für unsere priesterliche Nachfolge:
Fahr hinaus auf den See.
Meister, wir haben die ganze Nacht nichts gefangen. Aber wenn du es sagst …
Und nach dem Wunder des Fischfangs:
Herr, ich bin ein Sünder.
Du wirst noch größeres vollbringen.
Weckt dieses Einzelgespräch nicht die Erinnerung an unsere eigene Berufung? Das Hinausfahren des Petrus auf den See ist doch ein Vorbild für unser eigenes tägliches Hinausfahren mit den einfachen Booten, die uns einmal zu groß, dann wieder zu klein sind, ein Hinausfahren in eine von Wind und Wetter gebeutelte Welt, ein Hinausfahren unter der Last pastoraler Ernterückschläge, unserer Misserfolge und Enttäuschungen.

„Meister, wir haben die ganze Nacht nichts gefangen. Aber wenn du es sagst…“
Liebe Mitbrüder, schätzen wir das persönliche Gespräch mit dem Herrn hoch, erkennen wir es als eine wertvolle Gabe! In solchen Gesprächen hat Christus uns die Berufung verspüren lassen, erneuert er die Zusicherung, Größeres zu vollbri-ngen. Geben wir seinen Ermutigungen ausreichend Raum, so wie damals, in den ersten, vielleicht zaghaften Stunden unserer Erwählung! Das Tun und Lassen der Priester wird auch in Zukunft nicht an den Ergebnissen von Meinungsumfragen zu bewerten sein oder im Auf und Ab von Sympathie-Rankings, sondern am Vermögen des Geweihten, eine simple Frage richtig zu beantworten, die Frage, an der sich jede seiner Handlungen messen lassen muss, die Frage: Hat Christus dir das aufgetragen? – Hat Christus dir das aufgetragen?
Liebe Mitbrüder, er, der Herr, ist unser Hirt, der uns auf guten Wegen führt.
Maria, die Königin der Priester, möge uns auf unseren Wegen begleiten! 
Der hl. Ägidius und der hl. Martin seien uns Helfer und Fürsprecher!

Amen.
+Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt

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