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Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Mittwoch, 29. Juni 2016

Priesterweihe von Stefan Ludwig Jahns im Martinsdom - 29. Juni 2016

Ich erinnere mich noch genau an den Tag als Du, lieber Stefan, vor 7 Jahren in das Generalsekretariat der Österreichischen Bischofskonferenz in Wien zur mir gekommen bist und mir Deinen Entschluss offenbartest, Priester werden zu wollen – Du hast mich um Rat gebeten, welche Schritte dabei zu setzen sind. Das Gespräch mit Dir hat mich innerlich berührt und bleibt mir unvergesslich! Du hast ein sicheres Leben als Anwalt und Chef einer Anwaltskanzlei zurückgelassen und Du hast ein neues, riskantes/unsicheres, geistliches Leben ersehnt. Du bist dabei in guter Gesellschaft mit anderen großen Gestalten der Kirche – Alphons von Liguri, Robert Bellarmin, Thomas Morus – sie alle haben die Kanzlei gegen eine noch stärkere Berufung eingetauscht. Deine berufliche Vergangenheit inspirierte mich, mir das Bild der Anwaltschaft in dieser Predigt zur Hilfe zu nehmen. In Deiner Berufung zum Priester kannst Du auf Advokaten, Anwälte zählen, die Dich durch das Leben und den priesterlichen Dienst begleiten und Du selbst kannst für andere zum Anwalt werden. Was ist ein Advokat? Es ist die Person, die man herbeiruft und um Hilfe bittet, wenn man sie braucht.

3 Advokaten stehen Dir verlässlich, rund um die Uhr zur Seite, und anders als es bei Anwälten ist, sie verrechnen Dir ihre Dienste nicht nach der Tarifordnung der Anwaltskammer. Sie sollen Dir Vorbilder sein, wie Du im priesterlichen Dienst mit den verschiedenen Arten von Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche umgehen sollst, die auch Dich um Rat, Hilfe, Beistand bitten werden.

Dein erster Advokat ist wohl der heilige Petrus. Petrus ist der Advokat der Kirche, sozusagen unser Familienanwalt, der das verkörpert, was für unsere Kirchengemeinschaft Fundament, Lehre und Tradition ist. Petrus ist als Fels der erste Anwalt der Kirche von Jesus selbst eingesetzt. Petrus steht für die kirchliche Gemeinschaft nach innen, die er zusammenhält! Du, lieber Stefan, sollst als Priester den Menschen mit Freude, verständlich, unverkürzt und überzeugend das Evangelium verkünden durch Wort und Tat. Du sollst dabei wissen, dass auch Petrus im Leben Höhen und Tiefen hatte – sein Versagen und Verrat sowie sein Bekenntnis: „"Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!" von dem uns das eben gehörte Evangelium berichtet. Das ist für Dich und für uns alle eine große Herausforderung und zugleich Trost! Du sollst auch wissen – was uns die 1. Lesung aus der Apostelgeschichte sagt – dass Petrus nicht durch Waffen, sondern durch das Gebet der Gemeinde, also durch Gottes Wirken aus dem Gefängnis befreit wurde. Pflege daher das Gebet, feiere die Liturgie, die Sakramente und empfange sie auch selber – dann wirst Du Menschen nicht an Dich binden, sondern zu Gott und in die Freiheit führen! Je mehr Du als Priester in die Tiefe gehst, umso weiter wird Dein Denken + Tun!

Der zweite Advokat ist zuständig für jene, denen noch niemand von Jesus erzählt hat, jene, die noch nicht mit dem Evangelium in Berührung gekommen sind, die scheinbar nicht zur kirchlichen Familie gehören – es ist der hl. Paulus. Paulus hat immer versucht die Grenzen der Gemeinschaft nach außen zu überschreiten. Er verschließt sich nicht in der eigenen Gemeinschaft, sondern er ist offen für das Neue! Wenn Paulus heute Anwalt geworden wäre, dann wäre er ein Anwalt der weltweiten Fusionierungen. Doch die Fusion, von der Jesus sprach und die Du als Priester vertreten sollst, lautet: Liebe zu allen und Hingabe. Die 2. Lesung aus dem 2. Timotheusbrief sagt uns, dass Paulus am Ende seines Lebens zwar gefangen und einsam ist, zugleich auch dankbar + voller Hoffnung. Du, lieber Stefan, sollst wie Paulus in Deinem priesterlichen Dienst auf alle zugehen, niemanden ausschließen und Dich vor dem Neuen nicht fürchten. Du bist Advokat für alle! Als Priester wirst Du nicht nur auf eine Pfarre geweiht, sondern zum Dienst in der Kirche, der Du Dich ganz zur Verfügung stellst! Du sollst wie Paulus Missionar sein, auch und vor allem für jene, die außerhalb der Kirche, die wie es Papst Franziskus immer wieder sagt, an den Rändern sind! Verschieße Dich als Priester nicht, sondern sei Brückenbauer und Grenzgänger, Anwalt für Suchende, Fernstehende, jene am Rande, die es auch bei uns gibt! Tappe nicht in die Falle, Dich zu verschließen, Dir selbst zu genügen und um Dich selbst zu kreisen, ob im Presbyterium, in der Pfarre, im SSR oder Dekanat!

Der dritte Advokat ist – wie kann es bei uns im Burgenland anders sein – unser Landes- und Diözesanpatron der hl. Martin, dessen Jubiläum wir heuer feiern. Martinus ist der Anwalt der Armen, Kleinen, Schwachen, Benachteiligten. Martinus ist der Pflichtverteidiger unter den Heiligen der katholischen Kirche. Die, die wenig oder nichts haben, denen stellt er sich zur Seite – und das sollst auch Du in Deinem priesterlichen Dienst tun. Sei dort anwesend und barmherzig, wo Menschen etwas fehlt: an materiellen und geistigen Dingen, an Einsicht! Verwirkliche die Werke der Barmherzigkeit in Deinem priesterlichen Leben! Das heißt nach Bischof Wanke konkret, einem Menschen zu sagen: Du gehörst dazu. Ich höre dir zu. Ich rede gut über dich. Ich gehe ein Stück mit dir. Ich teile mit dir. Ich besuche dich. Ich bete für dich. Das sind Martinstaten im Alltag, mit denen Du wie Martinus, Anwalt für die Armen bist, die es auch bei uns gibt! Vergiss als Kind einer kleinen Volksgruppe nie Deine eigenen Wurzeln, trag als Priester dazu bei, dass der Glaube, die Muttersprache und die Kultur in Deiner kroatischen Volksgruppe hier im Burgenland weiterlebt und sei offen auch für die anderen Volksruppen und Minderheiten in unserem Land! Suche und unterstütze immer das Gemeinsame und meide alles, was spaltet und trennt! Martinus ist Dir und uns allen darin als Brückenbauer ein guter Anwalt!

Schließlich möchte ich Dein Leben und Deinen priesterlichen Dienst der größten aller Anwältinnen beim Herrn anvertrauen der „Advocata nostra“, der Muttergottes von Mariazell, unserer Advokatin, die auf Deinem Berufungsweg besonders bedeutsam war, damit Du wie Petrus Familienanwalt, wie Paulus Anwalt für Suchende und Fernstehende, wie Martinus Pflichtverteidiger und Anwalt der Armen, Notleidenden und Hilfsbedürftigen sein kannst! 

Erbitten wir nun Gottes Beistand, den Hl. Geist, für unseren Weihekandidaten! Amen.

Dienstag, 29. März 2016

Osterpredigt im Martinsdom - 27. März 2016

Vor wenigen Tagen wurde Europa in seinem Zentrum von barbarischen Attacken getroffen. Zwei Bomben rissen in Brüssel mehrere Dutzend Menschen in den Tod. Viele der Überlebenden wurden schwer verwundet, bleiben ein Leben lang von den schrecklichen Ereignissen an Leib und Seele gezeichnet. Die Täter: Drei irregeleitete junge Männer, die im Namen Gottes/Religion anderen das Leben nahmen und dabei getan haben, was in allen zivilisierten Gesellschaften als das Abscheulichste überhaupt angesehen wird. Unsere Gebete und unser Mitgefühl gelten den Opfern der Anschläge und ihren Angehörigen. Doch am allermeisten sind es die Seelen der Attentäter, die unser aller Gebet brauchen.

Charles Declerq, ein Priester und Journalist eines katholischen Radiosenders, der das Unglück in der Brüsseler Metro-Station Maelbeek miterlebte, berichtete, wie sich bei der Einfahrt seines Zugs in die Station die Detonation ereignete. Er beschreibt es mit folgenden Worten: "Glasscheiben fallen auf meine Beine, kein Licht, Rauch, Schreie." In Dunkelheit und Qualm hätten die Menschen verzweifelt einen Weg ins Freie gesucht. Und Declerq berichtet weiter: "Nach zwei Minuten kam der Zugführer mit einer Leuchte und ließ die Passagiere an einer Stelle nach draußen, wo es ein Fenster gab."

Liebe Schwestern und Brüder! Der Zugführer kam mit einer Leuchte und ließ die Menschen nach draußen, wo es ein Fenster gab … Dieser Satz hat mich tief ergriffen. Versuchen wir uns die Szene vorzustellen, auch wenn sie unvorstellbar ist: In allergrößter Bedrängnis, völlig im Dunkeln, inmitten der Schreie der Sterbenden und Verwundeten, mit Rauch in den Augen und dem Geruch des Blutes und des Todes in der Nase, muss das Herannahen des Zugführers mit seinem Licht den Menschen im U-Bahn-Schacht von Maelbeek wie eine Erlösung vorgekommen sein. Wir können uns kaum vorstellen, was die Menschen in dieser existentiellen Randerfahrung erlebt haben, als Minuten zur Ewigkeit wurden. Ihr Erlebnis bringt uns sehr nahe an das österliche Geheimnis heran. Denn der Glaube an die Auferstehung Christi leuchtet vor allem in den Opfern, den Bedrängten, Flüchtlingen und Verfolgten, Gefallenen und Ausgestoßenen, Kranken und Verwundeten, Armen und Unterdrückten, Missbrauchten und Vergessenen. Sie sind es, denen sich Jesus in besonderer Weise zugewandt hat. So beginnt das Osterereignis stets in einem dunklen Tunnel! Der Leidensweg Jesu war solch ein dunkler Tunnel. Sein Schrei am Kreuz: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" steht für den dunkelsten Moment. Die U-Bahn-Tunnel unserer modernen Zeit sind ein starkes Symbol für die Hoffnungslosigkeit und die Lebensdramen vieler Menschen. Über eine Rolltreppe gelangt man in eine Art "Unterwelt", wo es kein Tageslicht gibt. Dort bewegt man sich auf den Schienen eines Übergangsstadiums/Schwellenraums, so lange, bis man an eine neue Station gelangt, von wo aus der Mensch wieder aufsteigt ans Licht. Unser aller Leben ist voll von solchen dunklen Momenten des Übergangs, des Abstiegs ins Dunkel und Aufstiegs ans Licht, von Momenten des Schmerzes, Zweifels und der Sünde, aber auch der Liebe und Freude. Jesus hat in seiner Auferstehung das allergrößte Dunkel, die Macht des Bösen und des Todes überwunden. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort, sondern ist nur der Durchgangstunnel vor dem Aufstieg ans Licht, die Rolltreppe des Lichts. So ist der Auferstandene für uns alle der rettende Zugführer mit der Leuchte!

Liebe Schwestern und Brüder! Menschen, die aus dieser Hoffnung leben, be-halten dieses Licht nicht für sich, sondern geben es weiter. Als Christen sind wir in Taufe und Firmung zu Lichtträgern und Friedensboten gesalbt worden – wir sollen Glaube, Hoffnung und Liebe leben und andere damit anstecken. Sind wir Christen nicht oft in Gefahr die große Weltpolitik zu kritisieren, aber im eigenen Leben, in der eigenen Familie, im eigenen Haus, in der eigenen Pfarre und am Arbeitsplatz sind wir nicht imstande aus Überzeugung und mit Freude das Licht des Glaubens zu verbreiten und Friedensboten zu sein! Hört man nicht gerade in diesen Tagen auch bei uns oft von Christen, dass sie Angst vor Menschen mit anderer Sprache, Kultur und Religion haben und so das Christentum in Gefahr sehen, aber sie selber kennen, schätzen und prakti-zieren ihre eigene Religion nicht? Ist das nicht Verlogen? Solche Christen haben den Tunnelblick, aber keine österlichen Augen! Es fehlt ihnen die Begegnung mit dem Auferstandenen, das Osterlicht ist in ihnen weithin erloschen! Ostern ist das Fest des Fensters ins Licht – es braucht aber Lichtträger, die dieses Licht in unserer finsteren und kalten Welt mit Freude weitergeben! Seien wir wie helle Fenster, durch die andere Licht und Hoffnung erfahren!

Die Explosionen von Brüssel mit ihren tragischen Folgen müssen uns endlich aus unserem Schlaf wecken und geben uns die Versäumnisse im religiösen Leben, aber auch bei der Integration von Fremden, auch muslimischen Jugendlichen zu bedenken, was ein hochrangiger belgischer Politiker dieser Tage in seinem Land offen eingeräumt hat, wenn er sagt: "Wir waren nicht in der Lage, ihnen eine flämische Version des amerikanischen Traums anzubieten." Das heißt soviel wie: Wir, die Länder Europas – und ich nehme hier Österreich nicht aus – waren nicht in der Lage, auf die Jugend zu achten. Man hat über Jahrzehnte Menschen als billige Arbeitskräfte nach Europa geholt und dachte, jenseits der Wirtschaft würde sich alles andere von selbst regeln. Doch so war es nicht! Jeder Mensch hat eine Würde, ein Recht auf ein gutes Leben, seelische Bedürfnisse, verdient Chancengleichheit und Respekt. So sind mitten in Europa Parallelgesellschaften entstanden. Diese neuen Mitbürger sind in vielen Fällen Identitätssuchende geworden, orientierungslose/labile Jugendliche, die sich ideologischen Rattenfängern anschließen, ferngesteuert werden und so den Terror nach Europa bringen. Ob wir es wollen oder nicht: Europa trägt Mitverantwortung und Mitschuld an dieser Entwicklung!

Was ist die Antwort auf Gewalt und Terrorismus? Hass, Rache und Angst sind keine Antwort! Eine Gesellschaft, die beginnt sich abzuschotten, zu fürchten, alles und jeden zu verdächtigen, kontrollieren und zu überwachen, sperrt sich selbst in einen dunklen Tunnel. Sie wird zum Massengrab. Der dunklen Botschaft des Hasses und der Gewalt kann nur die leuchtende Botschaft der Liebe, Vergebung und Friedens wirksam entgegengesetzt werden – die Botschaft von Ostern! Wenn wir Christen auf Christus, den Zugführer mit der Leuchte schauen und vertrauen, und seine Lichtträger und Friedensboten sind, dann werden wir selber, unsere Gesellschaft, unser Land, Europa und die ganze Welt zum Raum der hellen Fenster, die Zerstörung in Heil, Angst in Hoffnung, Hass in Liebe übergehen lassen! An Ostern hat uns Christus, unser Zugführer mit der Leuchte den Weg ans Fenster des ewigen Lebens nicht nur gezeigt, er hat es uns geöffnet und ist als erster durchgegangen! Deshalb brauchen wir uns trotz Not und Bedrängnis nicht zu fürchten – das ist wirklich eine gute Nachricht, und daher wünschen wir Christen heute uns zu Recht: Frohe Ostern! Amen.

Donnerstag, 24. März 2016

Chrisam-Messe im Martinsdom, 23. März 2016

Der neue pastorale Weg der Diözese Eisenstadt verlangt von den kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verschiedene Charismen/Talente – nicht jeder/jede von den pastoralen Mitarbeitern hat alles und muss alles haben. Aber jeder/jede hat etwas, mit dem er/sie die Gemeinschaft bereichert – es braucht jeden/jede mit seinen Talenten für den Dienst im Weinberg des Herrn. Wenn wir heute hier im Martinsdom gemeinsam die Chrisam-Messe feiern, dabei die Öle weihen und unsere Bereitschaft zum priesterlichen Dienst erneuern, möchte ich in dieser Predigt mit Euch, liebe Mitbrüder, die verschiedenen Priestertypen bedenken, die es in jedem Presbyterium gibt und auch braucht.

Ich nehme mir dabei den bekannten Redemptoristen P. Bernhard Häring zu Hilfe, der auf prägnante/humorvolle Art und Weise verschiedene Priestertypen beschrieben hat. So wie in der Arche Nohas nicht alle Tiere gleich waren, so gibt es auch innerhalb der Priesterschaft eine große Vielfalt von Priestertypen. Ich meine, es braucht heute vor allem 3 Typen für den priesterlichen Dienst:

Es braucht heute den Zeugen des Evangeliums Jesu Christi. 
Die Botschaft von Jesu Leben, Tod und Auferstehung kann kein Mensch erdichten und sich selbst sagen, er kann sie sich nur sagen lassen und dankbar empfangen. Ein Priester steht daher zunächst im Dienst der Verkündigung des Evangeliums. Um diesen Dienst überzeugend zu tun, muss er selbst ein überzeugter Mensch sein; er muss von der Wahrheit des Evangeliums überzeugt sein. Er muss selber Jesu liebenden Blick im Leben erfahren haben, um den Mitmenschen mit dem liebenden Blick Jesu begegnen zu können. Er selbst darf Jesus nicht aus dem Blick verlieren – das Gebet/Stundengebet, die Liturgie, Bibelbetrachtung, Beichte, Anbetung helfen dabei! Unsere Zeit braucht Priester, die das Evangelium mit Freude und Begeisterung verkünden sowie mit ihrem Leben bezeugen!

Es braucht heute auch den Propheten. 
Es ist Lehre der Kirche, dass alle Christen am prophetischen Amt Christi teilhaben. Wenn dem so ist, dann sollte dies vor allem für die Priester in spürbarer Weise zutreffen. Was ist mit prophetischer Sendung und Begabung gemeint? Propheten sind Menschen, die eine tiefe Einsicht in das Geheimnis des Glaubens und einen überzeugenden Blick für die Zeichen der Zeit haben. Propheten sind Menschen, die immer zwei oder drei Schritte voraus sind im Durchschauen der Heilsgeschichte und dem entsprechenden Lebenszeugnis. Propheten sind Menschen, die uns nicht nur mit Worten, sondern durch ihr Leben den aufrechten Gang lehren, leere Hülsen entlarven, das Wesentliche und Mögliche vom Unwesentlichen und Nebensächlichen zu unterscheiden. Propheten helfen den Menschen die Gnade der Stunde zu entdecken, sie leben vom Vorschuss der Gnade Gottes und verstehen es, anderen den nötigen Vor-schuss an Vertrauen zu schenken. Unsere Zeit braucht Priester als Propheten!

Es braucht heute aber auch den Heiler. 
In vielen Kulturen und Religionen fielen die Rolle des Priesters und des Heilers zusammen. Selbst Jesus ging im Lande umher, die Frohbotschaft verkündend und heilend. Er verkündete die Heilsbotschaft vom Reich Gottes und heilte alle Krankheiten und Gebrechen im Volk. Die Menschen wollten ihn berühren, denn es ging eine heilende Kraft von ihm aus, alle, die er berührte, wurden geheilt! Die liebende Gegenwart und wärmende Nähe Jesu heilt die menschlichen Beziehungen und befreit von den Krankheiten, die Folge gestörter menschlicher Beziehungen und einer gestörten Beziehung zu Gott sind. In den hl. Ölen gibt sich uns der Herr selber als Heilsmittel in die Hand, um heute Menschen zu heilen.

Die Kirche und Welt von heute braucht mehr denn je den Priester als Zeugen des Evangeliums, Propheten und Heiler – wir wurden dazu in Taufe, Firmung und Weihe gesalbt und gesendet. Wenn wir heute die Öle weihen, dann ist diese liturgische Handlung nicht einfach ein äußerlicher Ritus. Sie enthält vielmehr für uns alle die Selbstvergewisserung, dass wir auf ihn und seinen Namen gesalbt sind in der Taufe, dass wir von ihm bestätigt sind in der Firmung und dass wir gesandt sind in der Priesterweihe, treue Diener des Freudenöls zu sein – Zeugen des Evangeliums, Propheten und Heiler. Und aus dieser Selbstvergewisserung fließt von selbst die Selbstverpflichtung, uns selbst heute wieder neu einsalben zu lassen in das Geheimnis Jesu Christi.

Als Bischof danke ich Euch, liebe Mitbrüder, für Euren Einsatz und Dienst! Mit P. Häring bitte ich Euch aber gleichzeitig: Seid kein Gockel auf dem Misthaufen, keine Moralisten, Gendarmen, Ritualisten, Intriganten und Pessimisten! Seid vielmehr Priesteroriginale, die ihre Charismen/Talente in unsere Diözese einbringen und gemeinsam mit den anderen pastoralen Mitarbeitern, den uns anvertrauten Menschen dienen – dann wird unser pastoraler Weg gelingen!

Es ist für uns gut, dass der Herr auch uns seine Diener der Schwachheit unterworfen hat, damit wir Mitleid verspüren mit denen, die in Unwissenheit und Irrtum leben. Sie sollen durch uns erfahren, von Gott erwartet und geliebt zu sein und bei ihm Vergebung zu finden – eine große priesterliche Aufgabe!

Mit Papst Franziskus bete ich: "Herr Jesus Christus, sende aus deinen Geist und schenke uns allen seine Salbung, damit das Jubiläum der Barmherzigkeit ein Gnadenjahr des Herrn werde und deine Kirche mit neuer Begeisterung den Armen die Frohe Botschaft bringe, den Gefangenen und Unterdrückten die Freiheit verkünde und den Blinden die Augen öffne." So sei es – Amen!

Donnerstag, 25. Februar 2016

Pendlermesse der Burgenländer in Wien - 24. Feber 2016

Im soeben gehörten Evangelium aus den sog. "Abschiedsreden Jesu" fasst der Evangelist Johannes in einigen Worten zusammen, was Jesus den Aposteln als Vermächtnis ans Herz legt; was er sich von denen wünscht, die ihm nachfolgen wollen, die in seinem Sinn leben wollen. Es sind 3 Dinge, die er uns mitgibt:

Lasst die Leute das Geheimnis Gottes erleben – durch eure Liebe! "Bleibt in meiner Liebe!" oder: "Dies trage ich euch auf: Liebt einander!", sagt Jesus im heutigen Evangelium. Was heißt das für uns Christen – die Jünger Jesu von heute – in den Alltag übersetzt? Zeigt durch die Art und Weise, wie ihr miteinander umgeht, an welchen Gott ihr glaubt. Macht durch den Respekt, den ihr auch den weniger sympathischen Mitmenschen entgegenbringt – heute besonders auch den Flüchtlingen – ganz deutlich, dass vor Gott jeder Mensch wertvoll ist und eine hohe Würde hat. Dass das nicht immer leicht fällt, hat der englische Schauspieler Peter Ustinov auf den Punkt gebracht: "Die Bibel sagt, du sollst deinen Nächsten lieben. Ich bin überzeugt, dass sie meinen Nachbarn nicht kennt." Christen versuchen gerade deswegen, anderen mit Achtung zu begegnen; nicht nur auf das eigene Recht und den eigenen Vorteil zu schielen, hilfsbereit und entgegenkommend zu sein, in Liebe einander zu dienen. Wer lieblose Christen oder eine lieblose Kirche erlebt, der kann nichts ahnen vom Geheimnis eines liebenden Gottes.

Lasst die Leute das Geheimnis Gottes erleben – durch eure Freude! "Meine Freude soll in euch sein und eure Freude soll vollkommen werden", sagt Jesus als zweites im heutigen Evangelium. Was heißt das für uns Christen – die Jünger Jesu von heute – in den Alltag übersetzt? Ergreift die Möglichkeiten, die das Leben euch anbietet. Zeigt immer wieder durch eure Gelassenheit und eure Freude, durch ein frohes Gesicht oder ein herzliches Lachen, dass ihr den Wunsch Jesu ernst nehmt. Feiert frohe und lebendige Gottesdienste, seid mit Begeisterung dabei und widerlegt damit die Spötter, die unsere Sonntagsmesse die "Pflichtveranstaltung der Mumien" nennen. Seht manches nicht so verbissen und verkrampft, sondern bewahrt euch ein freudiges, weites und positiv gestimmtes Herz. Wie hat Friedrich Nietzsche gesagt: "Wenn die Christen nur fröhlicher wären, könnte ich an ihren Gott glauben!" Wer freudlose Christen oder eine freudlose Kirche erlebt, der kann nichts ahnen vom Geheimnis eines Lebens- und menschenfreundlichen Gottes.

Lasst die Leute das Geheimnis Gottes erleben – durch eure Freiheit! "Ich nenne euch nicht mehr Knechte – ihr seid meine Freunde", sagt Jesus als drittes im heutigen Evangelium. Was heißt das für uns Christen – die Jünger Jesu von heute – in den Alltag übersetzt? Unterdrückt niemanden und wehrt euch gegen jede Art von Unterdrückung – steht auf und lernt den aufrechten Gang. Lasst nicht zu, dass Duckmäuser, Kleinkarierte, Ängstliche, Skrupulanten den Geist der Freiheit und Offenheit aus Kirche und Gesellschaft vertreiben. Habt Mut zu neuen Wegen und zu einem originellen Christsein. Bleibt trotz allem Gegenwind standhaft und treu, wachsam und kritisch. Schwimmt gegen den Strom, unterscheidet die Geister, schämt euch nicht für eure Überzeugung. Freut euch an neuen Ideen und fördert die Kreativität in euren Gemeinden und Gemeinschaften. Gebt jeder und jedem die Chance, ein eigenes Profil im Glauben zu entwickeln. Wer ängstliche und unfreie Christen, eine ängstliche und duckmäuserische Kirche erlebt, der kann nichts ahnen vom Geheimnis eines befreienden Gottes.

Lasst die Leute das Geheimnis Gottes erleben – durch eure Liebe, durch eure Freude, durch eure Freiheit – und in diesem Heiligen Jahr füge ich noch hinzu – durch eure Barmherzigkeit. Das ist das Vermächtnis Jesu an seine Apostel, an seine Jünger, an uns Christen, an seine Kirche. Die Fastenzeit ist eine gute Gelegenheit sich den Auftrag Jesu zu Herzen zu nehmen und Liebe, Freude, Freiheit und Barmherzigkeit im Alltag zu üben. Der Apostel Matthias – dessen Fest wir heute feiern – hat es uns vorgemacht, jetzt sind wir dran es ihm nachzumachen. Wir dürfen gewiss sein, dass er uns dabei nicht nur Vorbild und Wegweiser, sondern auch Helfer und Fürsprecher ist! Amen.

Hier geht´s zu den Fotos vom Gottesdienst ... 

Dienstag, 2. Februar 2016

Darstellung des Herrn - 2. Feber 2016

Mit dem heutigen Fest der Darstellung des Herrn wird das von Papst Franziskus ausgerufene "Jahr der Orden" feierlich beendet. Der Papst gab den Frauen und Männern des geweihten Lebens drei Ziele zur Reflexion mit auf ihren Weg: Erstens sollen sie dankbar auf die Vergangenheit ihrer Gemeinschaften schauen; zweitens hat er sie eingeladen, die Gegenwart mit Leidenschaft zu leben, und drittens hat sie der Papst ermutigt, die Zukunft voll Hoffnung zu ergreifen. Dieses Programm berührt doch die Frage, die sich im Grunde jeder Mensch stellt: Wie kann mein Leben gelingen? Der Dreischritt, den Papst Franziskus vorschlägt, kann uns helfen, auch unser Leben als getaufte Christen tiefer zu reflektieren, wozu ich sie alle in dieser Predigt einlade!

Dankbar auf das Leben schauen: In der Dankbarkeit gewinne ich das rechte Verhältnis zu meiner Vergangenheit. Bewusst zum Ausdruck gebrachte Dankbarkeit kann mir helfen, ein rechtes und vor allem versöhntes Verhältnis zu meiner Vergangenheit zu bekommen. Schauen wir dankbar auf das Leben und wir werden trotz aller Verwundungen versöhnt mit der Vergangenheit sein!

Die Gegenwart mit Leidenschaft leben: Als Mose Gott nach seinem Namen fragte, sagte dieser: "Ich bin der Ich bin da." Gott sagt nicht: "Ich war einmal da." Er sagt auch nicht: "Ich werde da sein." Nein, Gott sagt es in der Gegenwartsform: "Ich bin da." Im Hier und Jetzt meines Lebens ist Gott da. Das heißt: "Ich lebe jetzt und heute, ich lebe voll und ganz, und das Leben ist es wert, gelebt zu werden. Leben wir die Gegenwart mit Leidenschaft – Gott ist mit uns!

Die Zukunft voll Hoffnung ergreifen: Was das für mein Leben als Christ bedeuten kann, finde ich sehr schön wiedergegeben in der Aussage von Oscar Wilde: "Der einzige Unterschied zwischen dem Heiligen und dem Sünder ist, dass der Heilige eine Vergangenheit hat und jeder Sünder eine Zukunft." Ergreifen wir daher trotz aller Herausforderungen, Probleme und Niederlagen mit Hoffnung jeden Tag von neuem die Chancen, die uns geschenkt sind, gestalten wir mit unseren Fähigkeiten mit – dann haben wir nicht Angst vor der Zukunft!

Was Papst Franziskus den Ordensleuten ans Herz gelegt hat, ist für jeden Christen ein guter Rat für ein gelingendes Leben: Dankbar auf das Leben schauen – Die Gegenwart mit Leidenschaft leben – Die Zukunft voll Hoffnung ergreifen! Tun wir das und bringen wir wie Maria und Josef unser Opfer im Tempel, indem wir Gott unser Leben weihen und um seinen Segen bitten! Ich wünsche uns allen, dass wir wie Simeon und Hanna Warten-Können und immer mit Gott in unserem Leben rechnen – wir sollen wissen: Gott ist mit uns!

Als Bischof danke ich allen Ordensleuten in unserer Diözese, dass sie mit ihrem Ordenscharisma und persönlichem Einsatz unser Land bereichern, sage Vergelt´s Gott für ihr Beten und Arbeiten und ich erbitte unserer Kirche gute Priester- und Ordensberufungen sowie auch viele Christen, die aus Taufe/Firmung leben und unsere Kirche und Gesellschaft mitgestalten! Danke auch den Ordensgemeinschaften und dem Bischofsvikar für die Orden für jedes Gebet und alle Initiativen in diesem "Jahr der Orden" – möge es reiche Früchte tragen!

Vergessen wir nicht: der Auftrag von Papst Franziskus an die Ordensleute ist mit dem "Jahr der Orden" nicht beendet, sondern gilt weiter und sogar jedem Christen: Dankbar auf das Leben schauen – Die Gegenwart mit Leidenschaft leben – Die Zukunft voll Hoffnung ergreifen. Gottes Segen begleite uns dabei! Amen.